Nachtrag zur Kaderanalyse – 1.1

Jakub Swierczok wird den 1. FC Kaiserslautern wieder verlassen. Polnischen Medienberichten zu Folge wird „Kuba“ wieder nach Polen verliehen.

http://www.90minut.pl/news/214/news2149833-Jakub-Swierczok-przeszedl-testy-medyczne-w-Ruchu-Chorzow.html

Ruch Chorzow wird den Stürmer sehr wahrscheinlich für ein Jahr leihen, mit Kaufoption.

Das wird die meisten FCK-Fans kaum interessieren, denn außer ein paar Einsätzen in der Abstiegssaison und in der U-23 (mit einem fantastischen Tor gegen TuS Koblenz), durfte er nicht viel zeigen.

Ich möchte aber an diesem Beispiel aufzeigen, wie unstrukturiert manchmal beim FCK gearbeitet wird. Jakub Swierczok kam in der Winterpause der Saison 2011/12 zum 1. FC Kaiserslautern und war nur Insidern des polnischen Fußballs bekannt. Er hatte eine gute Torquote in der zweiten polnischen Liga und wurde vom 1. FC Kaiserslautern für 420.000 € gekauft. Ausgestattet wurde der damals gerade 19-jährige Stürmer mit einem Vertrag bis 2015.

Er begann seine Saison beim FCK in der Startelf gegen Werder Bremen und durfte von sechs Spielen, drei mal von Beginn an auflaufen. Im gelang kein Tor oder eine Torbeteiligung. Wenngleich er gerade in seinem ersten Spiel gegen Werder tolle Ansätze zeigte und frech aufspielte. Danach kam das junge Talent nur noch in der U-23 zum Einsatz, wo er in 9 Spielen 3 Tore und 2 Vorlagen verbuchen durfte.

Und damit endet seine FCK-Geschichte auch schon. Zu Beginn der neuen Saison in der 2. Bundesliga wurde er zu Piast Gliwice verliehen und gleich im ersten Pflichtspiel verletzte er sich schwer. Eine Kreuzbandverletzung machte es ihm unmöglich, weiterhin Spielpraxis zu sammeln, wie von den Lautrer Verantwortlichen angedacht. Foda hatte ihn gewogen und als zu leicht empfunden.

Nach auskurierter Verletzung berichteten Polen-Experten in verschiedenen Foren, dass er gerne nach Kaiserslautern zurückkehren möchte und sich ins Team spielen will. Ich hatte ihn für U-23 auf dem Zettel und möglicherweise, auch nach der heftigen Auszeit, als Kaderspieler in der ersten Mannschaft. Dazu wird es nicht mehr kommen, obwohl Stefan Kuntz den jungen Mann den Fans als großes Talent anpries. Da musste man reagieren, um ihn vom Markt zu nehmen. In ein paar Jahren sei so einer viel zu teuer für den FCK. All diese Überzeugung scheint dahin, da man ihn jetzt mit einer Kaufoption zurück in die Heimat verliehen hat. Wie kann man in 1,5 Jahren und nicht mal 10 Spielen für die erste Mannschaft sagen, all das Potential ist scheinbar nicht vorhanden?

Ich wundere mich ehrlich darüber, wie man so eine Entscheidung fällen kann. Es ist logisch, dass er nach den Verpflichtungen von Zoller und Occean sehr geringe Chancen auf einen Platz unter den Top 25 Spielern des 1. FC Kaiserslautern hatte. Trotzdem wäre er eine logische Option für die U-23 gewesen. Zumal man ihm einen langfristigen Vertrag gab. Eine Entwicklung wird ihm jetzt nicht mehr zugestanden, denn selbst wenn er für Ruch Chorzow wie am Fließband trifft, wird man ihn nicht mehr am Betze sehen. Dafür hat der polnische Club die Kaufoption. Selbst wenn jener Club die Option nicht bedienen könnte, aus finanziellen Gründen, würden sie es doch tun und den Spieler gleich weiterverkaufen.

Welchen Gewinn erhofft sich der FCK von solch einem Geschäft? Es klingt alles danach, als wollte man den Spieler loswerden. Durch die Verletzung und eine Saison ohne Spielpraxis war kein Markt für ihn gegeben. Kein Verein der Welt hätte Geld für ihn gezahlt, dass auch nur annähernd die Ablöse und Gehaltskosten wieder einbringt. Nun erhofft man sich eine Leistungsexplosion, an der der FCK nur noch finanziell partizipiert. Wäre auch nachzuvollziehen, wenn Kuba die Lohnliste dermaßen belasten würde, dass Kuntz in Bedrängnis geriet. Jenes Szenario ist aber schwer vorstellbar, leistet man sich mit Bunjaku, Idrissou und Occean gleich drei 2.Liga-Schwergewichte für den Sturm.

Das Scouting und das Handeln des Vorstandes (Kuntz) ist mir in diesem Falle einfach zu trainerabhängig. Auch wenn Foda den Spieler vielleicht nicht schätzt, wer weiß wie lange er noch Trainer bleibt. Immerhin hat man Swierczok vertraglich verpflichtet, was auch für den Verein einen Vertrauensvorschuss wie auch eine Verpflichtung bedeutet. Bei den ersten Problemen gleich die Segel zu streichen, klingt für mich wenig mittelfristig gedacht.

Was ist, wenn der Stürmer in Polen kein Bein auf den Boden bekommt und kein Interesse besteht die KO zu ziehen? Dann hat man ihn wieder zum kommenden Sommer im Kader und darf sich die Finger wund telefonieren. Wo ist das Vertrauen in sein Potential/Talent geblieben?

Was erhoffte man sich eigentlich von ihm? Man konnte doch nicht ernsthaft davon ausgehen, dass ein Teenager, der kurz vor dem Transfer sein 19 Lebensjahr erreicht, den FCK in seiner damaligen Situation in der Liga hält. Ich dachte es sei ein Vorgriff gewesen, damit man nicht irgendwann keine Chance mehr hat um Jakub Swierczok zu bieten? Der Stehgeiger ist verwirrt.

Franco Foda befand ihn gar für die 2.Bundesliga zu schlecht, was schwer bestreitbar ist. Und selbst dann hätte man ihn in der U-23 auflaufen lassen können, damit er sich an das Land und die Sprache gewöhnt, als ihn direkt zurück in die Heimat zu schicken, wenn auch eine Liga höher.

So schnell sinken und steigen die Aktien beim 1. FC Kaiserslautern. Ich bin der Meinung diese Geschichte wirft ein schlechtes Licht auf das Scouting, das Trainerteam und den Vorstand. Jetzt kann man natürlich argumentieren, dass er uns vielleicht in diesem Jahr und nach der langen Verletzung nicht weitergeholfen hätte, aber wozu hat man eine U-23?

Schlüssig wäre die ganze Sache nur, wenn Swierczok ein absolut chaotischer Charakter wäre, der sich partout nicht in ein Team integrieren lässt. Dazu müssten Sachen neben dem Fußballplatz vorgefallen sein, die ihn als Spieler am Betze disqualifizieren. Davon hörte man bis dato nicht. Auch dann müsste sich die Scoutingabteilung unter Fehse den Schuh anziehen, denn wozu hat man heute zahlreiche Informationen über die Spieler, auch was ihr Verhalten und das Privatleben angeht. Niemand legt sich mehr ein faules Ei ins Nest, wenn der sportliche Gewinn nicht gegeben ist. Dafür sind die Spieler heutzutage einfach zu gläsern. Vereine sammeln nicht mehr nur sportliche Daten, sondern ganze Persönlichkeitsprofile über die Spieler.

Weiterhin wäre ein mögliches Szenario, dass er nach seiner Verletzung an der Sportinvalidität kratzt, was der medizinische Check bei Chorzow zeigen wird.

Der Stehgeiger wünscht Jakub „Kuba“ Swierczok alles Gute. Egal wie der Fall liegt, der 1. FC Kaiserslautern versucht sein Investment zu schützen und mich beschleicht das Gefühl, dass man dabei einen Fehler begangen hat. So oder so.

In diesem Sinne

Euer Stehgeiger

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Die Antwoord – Post für Stefan, Antwort von Vanessa

Sehr geehrter Herr Stehgeiger,
vielen Dank für Ihr ausführliches und detailliertes Schreiben, welches Herr Kuntz aufmerksam gelesen hat. Er hat mich gebeten Ihnen zu danken.
Wir sind immer dankbar über Anregungen, Ideen und sachliche Kritik. Auch wir haben die abgelaufenen Saison ausführlich analysiert und lassen die Erkenntnisse in unsere Planungen für die neue Saison einfließen. Die Saisonvorbereitungen laufen auf Hochtouren und die Mannschaft befindet sich bereits sehr konzentriert in der Vorbereitungsphase.
Wir sind zuversichtlich, dass wir auch in dieser Saison „oben dabei sein“ werden und wollen unser großes Ziel – den Aufstieg – schnellst möglich erreichen.
 
Mit freundlichen Grüßen
Vanessa Pola
1. FC Kaiserslautern e.V.
Vorstandssekretariat
Fritz-Walter-Straße 1
67663 Kaiserslautern
Tel.: +49 – (0)631 – 3188 2101
Fax: +49 – (0)631 – 3188 303
E-Mail: vanessa.pola@fck.de
www.fck.de
 
Sitz und Registergericht Kaiserslautern: VR 1252
Vorstand: Stefan Kuntz (Vorsitzender), Fritz Grünewalt
Finanzamt Kaiserslautern: St-Nr. 19/675/0034/4 Ust-Id-Nr. DE 148 649 963

Es wird eng in der Mitte – Kaderplanung für die Saison 2013/2014

Die U-19 des 1. FC Kaiserslautern verlor das DFB-Junioren Pokalfinale in Berlin mit 0:1 gegen den 1. FC Köln. Das Spiel war auf Sport1 zu sehen und ich hoffe, dass so mancher FCK-Fan eingeschaltet hat, um sich ein Bild von den Talenten zu machen. Tragischerweise waren fast alle Leistungsträger der Vorrunden und des Ligabetriebes nicht gerade in großer Form.

Hajtic, Rodriguez und auch Salinger spielten weit unter dem, was sie in vorangegangenen Partien gezeigt hatten. Dem jungen Torwart unterlief ein Fehler beim Herauslaufen, assistiert durch die schwache Abwehr vom eingewechselten Antonaci, welchen die Domstädter nutzen um die Führung zu erzielen. Danach war es ein munteres Spiel, wobei dem FC in der 2. Halbzeit mehr gelang. Die Chancen zum Ausgleich waren da, Halil Hajtic vergab zwei mal in aussichtsreicher Position.

Jetzt gilt die volle Konzentration der Aufstiegsrunde gegen die Offenbacher Kickers. Gerüchten zu folge steht Stefan Kuntz in Verhandlungen mit Halil Hajtic und Mario Rodriguez Jr. Vielleicht sieht man die zwei Jungs im Trainingslager schon wieder. Kapitän Michael Schindele hat bereits einen Vertrag und wird voraussichtlich für die U-23 Mannschaft auflaufen. Viele andere talentierte Kicker wie Salinger, Pick, Osei-Kwado und Kyere-Mensah könnten noch ein weiteres Jahr A-Jugend spielen, was ihrer Entwicklung nicht schaden dürfte. Besonders wenn der FCK es zurück in die U-19 Bundesliga schafft.

Es kursieren viele Transfergerüchte rund um den Betzenberg. Feststehende Abgänge sind wohl Erwin Hoffer (SSC Neapel) und Mitchel Weiser (zurück zum FC Bayern München), mit beiden plant man nicht mehr. Weiterhin ist der Vertrag von Alexander Baumjohann abgelaufen, welcher mit Hertha BSC, Hannover 96 und dem FC Augsburg in Verbindung gebracht wird. Bereits verabschiedet sind Chadli Amri und Matze Abel (beide Ziel unbekannt).

Außerdem scheint der SV Sandhausen an einer Verpflichtung von Denis Linsmayer interessiert zu sein, vermeldet bei www.transfermarkt.de.

Der Rückkehrer Richard Sukuta-Pasu (Sturm Graz) hat wohl auch einige Angebote aus der zweiten Bundesliga vorliegen. Unter anderem soll der VfL Bochum und der Karlsruher SC seine Fühler ausgestreckt haben. Foda hatte in der Vergangenheit betont, dass man Sukuta-Pasu nicht abgeben wolle, nach einer Hinrunde mit 10 Toren für die Grazer. Es kamen aber nur zwei weitere Tore dazu und im Sturm herrscht ein Überangebot. Ich könnte mir einen Verkauf gut vorstellen, da Sukuta-Pasu auch in Österreich nicht zweifelsfrei seine Klasse nachweisen konnte.

Ein weiteres prominentes Gesicht kehrt aus dem Mutterland des Fußballs zurück. Itay Shechter, einst „Königstransfer“ und Ersatz für Srjdan Lakic, konnte bei seiner Leihe in der englischen Premier League keine Ausrufezeichen setzen. Für Swansea City kam er nur auf ein mageres Tor und eine Vorlage in 18 Einsätzen. Die Waliser haben keine weitere Verwendung für den sechsundzwanzigjährigen Israeli. Insider aus Israel berichten bei www.transfermarkt.de, dass drei große Vereine aus der heimischen Liga Shechter wollen. Eine mögliche Ablöse soll sich im Bereich von 1 Million € bewegen. Ich denke das Kapitel Shechter wird vom 1. FC Kaiserslautern beendet, denn er konnte weder in der 1. Bundesliga, noch der englischen Eliteklasse sein Können zeigen. Mit der spekulierten Ablöse muss man sich aus FCK-Sicht wohl abfinden, denn Shechter betrieb keine Marktwertsteigerung. Die 2,5 Millionen € die man einst für ihn zahlte, wird man leider nicht mehr wieder sehen. Da noch keine offiziellen Gerüchte nach Außen gedrungen sind (Printmedien, Internet etc.), kann es auch sein, dass Itay zum Betze zurückkehrt. Vielleicht kann er in der zweiten Liga überzeugen, aber man muss sich fragen, ob a) Shechters Gehalt zu zahlen ist und b) der Spieler in der zweiten deutschen Spielklassen kicken möchte?

Zu Leon Jessen und Ilian Micanski (Leihe FC Ingolstadt), Andrew Wooten (SV Sandhausen) und Jakub Swierzcok (Piast Gliwice) ist noch nichts bekannt geworden.

Auf der Seite der Neuzugänge steht aktuell nur Marcel Gaus vom FSV Frankfurt, der hier bereits diskutiert wurde. Weiterhin wird seit dieser Woche um zwei potentielle Namen spekuliert.

Ruben Yttergard Jenssen von Tromso IL aus Norwegen steht laut norwegischen Medienberichten (www.nrk.no) bereits vor einer Vertragsunterschrift. Demnach soll der zentrale Mittelfeldspieler einen 3-Jahresvertrag unterschreiben, lediglich Medizin-Check und die Unterschrift fehlen. Für den norwegischen Nationalspieler sollen 250.000 € plus erfolgsabhängige Zuzahlungen überwiesen werden. Der einst in Norwegen als großes Talent gepriesene Jenssen agiert zumeist auf der Doppel-6, aber als offensiver Part mit spielgestalterischen Fähigkeiten. Ein Manko, dass Trainer Franco Foda und Stefan Kuntz definitiv beheben müssen, wie die Relegationsspiele zeigten.

Der Konkurrenzkampf um die zentralen Positionen wird also größer, auch wenn Linsmayer möglicherweise den Verein verlässt.

Ein weiterer Spieler aus dem hohen Norden Europas steht angeblich auch kurz vor einer Einigung mit den Roten Teufeln. Alexander Ring, finnischer Nationalspieler, soll auch noch diesen Monat in Kaiserslautern unterschreiben. Details über die Verpflichtung wurden nicht bekannt, kennt man den jungen Finnen aus Gladbach. Dort spielte er meist als Aushilfskraft auf der rechten Außenbahn, obwohl er von Haus eher als zentraler Mittelfeldspieler bekannt war.

Der Kicker berichtet, dass der FCK Ring gerne für ein Jahr ausleihen möchte.

(www.kicker.de/news/fussball/2bundesliga)

Der finnische Nationalspieler hat noch bis 2015 bei HJK Helsinki Vertrag. Eine Ausleihe macht den Transfers realistischer, denn selbst Borussia Mönchengladbach wollte nicht die Kaufoption in Höhe von 1,5 Millionen € zahlen. Für den FCK scheint ein Kauf in dieser Größenordnung in der 2. Bundesliga ungewöhnlich. Alexander Ring zeigte bei seinen Einsätzen für die Fohlen aus Gladbach bereits gute Ansätze und verfügt über eine starke Grundschnelligkeit, sowie ansprechende Technik. Der Trainer Lucien Favre, für seine anspruchsvolle Spielaufteilung bekannt, machte bei dem Zweiundzwanzigjährigen noch taktische Mängel aus. Vielleicht kommen jene Mängel unter Franco Foda in Kaiserslautern nicht so sehr zum Tragen. Er ist ein interessanter junger Spieler, der bereits internationale Erfahrung hat.

Blickt man genauer auf diese beiden potentiellen Transfers, so erkennt man das Foda und Kuntz durchaus gemerkt haben, wo bei der Mannschaft der Schuh drückt. Es fehlen Spieler die das Geschehen ordnen und Angriffe kreativ vortragen. Weiterhin ist das Umschaltspiel sehr ausrechenbar und einseitig (A. Baumjohann), da soll der Norweger Jenssen für Abhilfe schaffen.

Betrachtet man die Spieler, die eine Rolle im defensiven Mittelfeld spielen können, muss man fast zwangsläufig mit weiteren Abgängen rechnen. Mit Markus Karl, Enis Alushi, Denis Linsmayer, Ariel Borysiuk, Steven Zellner als gelernte defensive Mittelfeldakteure und Mimoun Azaouagh, Pierre de Wit und Benjamin Köhler als offensivere Varianten hat man bereits eine Menge Material für die Zentrale. Darunter befinden sich mit Karl, Borysiuk, Alushi und Köhler gleich vier Kicker die Stammplatzambitionen geltend machen. Natürlich bleibt zu bedenken, dass Karl und Alushi von Verletzungen zurückkehren und erst einmal die Form wiederfinden müssen. Trotzdem zeichnet sich Stand jetzt ein Überangebot ab.

Steven Zellner verlängerte kürzlich und dürfte als Rollenspieler behalten werden.

Ariel Borysiuk besitzt großes Potential, ruft jenes aber nicht immer konstant ab. Er hatte aber neben Baumjohann das beste Pass-Spiel in der gesamten Mannschaft. Ihn zu halten wird wichtig sein, auch wenn es immer mal Angebote für den Polen gab. Fraglich ist, ob er ein weiteres Jahr in der 2. Liga spielen will, was seiner Nationalmannschaftskarriere nicht dauerhaft förderlich sein kann. Bei einem finanziell verlockenden Angebot, könnte er transferiert werden. Aber im Grunde muss man ihn als Eckpfeiler dieser Truppe behalten.

Für Pierre de Wit verlief die Saison enttäuschend. Von Verletzungen geplagt schaffte er es selten in Kader und machte auch seinem Ärger darüber Luft. Für ihn sehe ich eigentlich keine weitere Zukunft mehr in Kaiserslautern, denn mit Jenssen und Alushi hat er starke Konkurrenz vor sich.

Mimoun Azaouagh hatte auch mit Verletzungen zu kämpfen, spielte relativ wenig. Bei ihm gibt es noch die Option, dass er flexibel einsetzbar ist. Eine tragende Rolle traue ich ihm nicht zu und bei einem akzeptablen Angebot könnte er Kaiserslautern wieder verlassen.

Selbiges gilt auch für Benjamin Köhler. Selten zeigte er ansprechende Leistungen, wie im Heimspiel gegen den FSV Frankfurt. Aber auch der routinierte Mittelfeld-Allrounder könnte als Ergänzungskraft zu Spielen kommen. Ob er sich damit zufrieden gäbe? Wechselte er doch von Eintracht Frankfurt an den Betze um regelmäßiger zu spielen.

Mit Alexander Ring kommt in erster Linie ein Mann für die rechte Außenbahn, obwohl er in Finnland als zentraler Mittelfeldspieler bekannt und geschätzt ist. Also mal wieder jemand der polyvalent einsetzbar ist, wie es im Fachjargon heißt. Ich hätte mir lieber einen reinen Außenläufer gewünscht, kann mich aber mit Ring und seinem Talent durchaus anfreunden. Die klare Definition von Positionen und Positionsspiel zählte in den letzten Transferperioden nicht zu den Stärken der handelnden Personen.

Es bleibt abzuwarten, was sich noch so tut. Wie schon erwähnt, es wird wieder ein ereignisreicher Sommer. Hoffentlich halten sich die Zugänge in Grenzen, denn im Grunde fehlt nur noch ein offensiver Mittelfeldspieler (10er).

In diesem Sinne

euer Stehgeiger

Die nähere Zukunft – In Teufels Küche? Teil 1/2

Die Saison neigt sich dem Ende zu und unabhängig wie die Relegation ausgehen mag, die Kaderplanung wird bereits vorangetrieben. Im letzten Artikel habe ich mich ausführlich mit den Leihspielern und dem bestehenden Kader auseinandergesetzt, jetzt möchte ich auf mögliche Zugänge eingehen. Damit meine ich weniger externe Spieler, sondern die jungen Männer aus dem Unterbau des 1. FC Kaiserslautern. Den Fokus lege ich dabei besonders auf die zweite Mannschaft in der Regionalliga Südwest sowie die A-Jugend (U-19). Im ersten Teil werde ich nur den FCK II und seine Lage/Rolle kommentieren.

Ich muss meine Leser wieder einmal vorwarnen, dass ich beide genannten Teams viel zu selten live zu sehen bekomme, mich aber intensiv mit Spielberichten und den Ergebnissen beschäftige.

Die zweite Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern spielt in der Regionalliga Südwest. Trainer des FCK II war der allseits bekannte Alois Schwartz. Er verrichtete solide Arbeit und immer wieder fanden Spieler den Weg aus der Zweiten in die erste Mannschaft. Nach dem 8. Spieltag am 07.09.2012, einem Heimsieg gegen den starken SV Elversberg, wechselte Schwartz die Farben. Der treue Übungsleiter, der auch schon als Interimscoach der ersten Mannschaft in Erscheinung getreten war und seit er in der Saison 06/07 den FCK II übernahm alle Widrigkeiten überlebte, schloss sich dem Drittligisten Rot-Weiß Erfurt an. Der Coach selbst war nie ein aktiver Spieler für den FCK gewesen, er spielte sogar bei Rivalen wie Waldhof Mannheim und dem FC Homburg. Schwartz nahm die Chance auf einen Cheftrainer-Posten im Profi-Bereich wahr. Nachfolger sollte der 1991er Meisterspieler Guido Hoffmann werden, ein ehemaliger Weggefährte von Stefan Kuntz (ohne jede Wertung). In den 12 Spielen unter seiner Leitung, schaffte der kleine FCK 4 Siege, 5 Unentschieden und 3 Niederlagen. Keine schlechte Bilanz für den Neuling. Trotzdem wurde die Interimslösung wieder auf einen anderen Posten verschoben, als man einen geeigneteren Nachfolger für Schwarzt fand. Hoffmann trägt heute die Bezeichnung „Junioren Chef-Trainer“ und Konrad Fünfstück übernahm den Trainerposten. Nebenbei fungiert dieser Fünfstück auch noch als sportlicher Leiter des Nachwuchsleistungszentrums.

Selbst vielen Insidern war Fünfstück kein Begriff. Profi war er nie und ist mit seinen 32 Jahren auch ein recht junger Trainer mit großem Aufgabenbereich. Man vernahm nur vom abgebenden Verein SpVgg Greuther Fürth, dass man seinen Abgang sehr bedauere. Man hoffte, die Verantwortlichen hätten sich bei dieser Personalie etwas gedacht. Fünfstück hat also einen recht großen Kompetenzbereich und rechtfertigt das bis jetzt völlig. Seit seiner Übernahm des FCK II, spielte die Mannschaft um den Aufstieg in die dritte Liga mit und führte die Tabelle zwischenzeitlich an. Nun ist man auf der Zielgeraden gestolpert und kann sich die mögliche Relegationsrunde abschminken.

Trotzdem muss man sagen, dass seine Arbeit für sich spricht. Seit dem 21. Spieltag gelang es der zweiten Mannschaft 6 Spiele zu gewinnen, bei nur 3 Niederlagen und 5 Remis.

Greuther Fürth machte aus seinen wenigen Ressourcen viel und schaffte es immer wieder herausragende Jugendspieler an den Profi-Bereich heranzuführen. Darunter Bundesligaprofis wie Sercan Sararer, U-20 Nationalspieler Felix Klaus, Stefan Schröck, Edgar Prib, Heiko Westermann, Christian Eigler, Roberto Hilbert, Nicolai Müller, Thorsten Oehrl, unseren Markus Karl, Björn Schlicke, Ronny Philp, Jury Judt und Daniel Adlung um nur einmal die prominentesten Beispiele zu nennen. Allein Westermann, Eigler, Müller, Hilbert und Schlicke generierten dabei geschätzte 5.700.000 € Ablösezahlungen (Quelle: www.transfermarkt.de). Zehn Jahre lang war Konrad Fünfstück als Jugendtrainer und Trainer der Reserve in Fürth maßgeblich an der Entwicklung solcher Spieler beteiligt.

Die Personalie Fünfstück und die guten Ergebnisse der zweiten Mannschaft werte ich optimistisch als Zeichen, dass der Unterbau des 1. FC Kaiserslautern sein Schattendasein ablegen kann und endlich wieder kostengünstige Profis für den FCK produziert. Natürlich ist Jugendarbeit im Allgemeinen ein vielschichtiges Thema und lässt sich selten an wenigen Faktoren festmachen, aber ein Schritt in die richtige Richtung scheint mit der Inthronisierung Fünfstücks gemacht. Interessante Spieler finden sich in der Reserve, die zur kommenden Saison definitiv einen genaueren Blick im Hinblick auf die Kaderzusammenstellung wert sind. Im nächsten Schritt möchte ich einige näher beleuchten.

Da wäre zum Beispiel der junge Jean Zimmer, ehemaliger Kapitän der A-Jugend. Der als linker und rechter Verteidiger einsetzbare 19-jährige, überzeugte in seiner Premierensaison im Herrenbereich mühelos und etablierte sich als Stammspieler. Bis heute hat er 33 Spiele in der Startelf absolviert, wobei er nur einmal ausgewechselt wurde. Erstaunliche Werte für einen Junior, der bei einem Aufstiegskandidaten in der Regionalliga debütierte.

Mario Pokar kam ablösefrei von Eintracht Frankfurt II. Der junge Mann (23) hat eine bewegte Zeit hinter sich, startete er bei der Eintracht und wechselte dann auf die Insel zur U-18 der Blackburn Rovers. Nach kurzen Aufenthalten in Sandhausen und bei Hessen Kassel, kehrte er zur Eintracht zurück. Jetzt führt er die Reserve als Kapitän an und stand 32 mal in der ersten Elf. Dabei kam er als offensiver Mittelfeldspieler auf 3 Tore und 13 Vorlagen. Ausgebremst wurde er bis jetzt durch eine Gelb Rote Karte. Mit 23 hat er nicht mehr den totalen Talentstatus, aber auch Spätzünder darf man nicht aus den Augen verlieren. Man erinnere sich nur an Miroslav Klose, der seines Zeichens auch erst Anfang 20 seine Profikarriere ins Rollen brachte. Das erwähne ich nur wegen der Parallele im Altersbereich, ich will Pokar nicht etwa eine Weltlaufbahn wie Klose vorhersagen.

Top-Scorer Sascha Wolfert (23), der auch schon bei den Profis auftauchte, verlässt den FCK zum Ende der Saison in Richtung Wehen-Wiesbaden. Mit 12 Toren und 3 Vorlagen sucht er die Herausforderung bei einem anderen Club.

Jan-Lucas Dorow rückte wie Kollege Zimmer aus der U-19 auf und brauchte eine längere Eingewöhnungsphase. Im Verlauf der Saison stand er aber 19 mal auf dem Feld und brachte als Stürmer 6 Tore und 2 Vorlagen ein. Der Zweibrücker avancierte immer mehr zum Top Joker. Ihn sollte man gut beobachten, denn schon in der A-Jugend galt er als sehr talentierter Spieler.

Die Umstellung in den Herrenfußball fällt nicht jedem Spieler gleich leicht.Offensivkraft Kevin Schwehm, der bereits 2010 unter Horst Hrubesch in der U-18 Nationalmannschaft debütierte, fand noch nicht so recht seine Rolle. 15 Spiele meist als Einwechselspieler und 1 Tor stehen zu Buche. Auch hier gilt, weiterhin auf dem Zettel haben. Verletzungen sind dabei nur ein Grund, warum es nicht direkt auf Anhieb funktionieren muss.

Auf der Position des Torwarts, dank Gerry Ehrmann seit Ewigkeiten keine Baustelle mehr für den FCK, spielt Marius Müller. In 30 Spielen kassierte er 31 Gegentore und behielt 12 Mal eine weiße Weste. Der Heppenheimer mit dem Gardemaß von 1,92 m gilt für Beobachter als eine Art „Kevin Trapp“ und fungiert bereits als 3. Torhüter bei den Profis. Da Ehrmann alle Torhüter trainiert und kürzlich bis 2015 verlängerte, kann man in diesem Bereich auf Einiges hoffen. Um den Tarzan beneidet uns fast ganz Fußballdeutschland, man darf sich glücklich schätzen diesen Typen und Fachmann so lange Jahre am Berg zu haben.

Dabei ergeben sich auf den Positionen hinter Tobias Sippel interessante Möglichkeiten. Sollte man Müller zur Nummer 2 machen, könnte Raphael Salinger aus der A-Jugend aufrücken und um einen Stammplatz in der Reserve kämpfen. Dann müsste man sich nicht zwingend den soliden Hohs leisten, falls Salinger eine ähnliche Rolle einnähme wie Müller in dieser Saison. Aber zu Salinger und den anderen Pokalhelden aus der U-19 werde ich im zweiten Teil dieses Artikels mehr schreiben.

Abschließend bleibt es extrem wichtig den jungen Spielern eine Perspektive zu bieten. Der Name Fünfstück und seine Vita stehen erst einmal für ein neues Sprungbrett in Form der Reserve. Durchlässigkeit ist ein Thema, dass alle erfolgreichen Ausbildungsvereine extrem wichtig nehmen. Dabei sollte das Label „Ausbildungsverein“ nicht immer so negativ gesehen werden. Man darf ja in den letzten Jahren mit großen Augen zusehen, dass Clubs wie der SC Freiburg, Rivale Mainz 05 oder auch der 1. FC Nürnberg Erfolg haben (im jeweiligen Rahmen, zb. Klassenerhalt). Wenn der 1. FC Kaiserslautern ein Ausbildungsverein sein soll und ähnliche Transfererlöse, finanzielle Sicherheiten und Strukturen wie in Freiburg erreicht, dann bin ich der Erste in der West, der sich diese Marke auf die Fahne schreibt.

Es geht hier nicht um romantische Gedanken an Spieler, die dem Verein auf Ewig die Treue halten. Sondern um die Schaffung von Strukturen, die es dem FCK ermöglichen auch in Zukunft konkurrenzfähig zu bleiben. Wenn es gelingt einen Spieler wie Dominique Heintz hervorzubringen und ihn in den kommenden Jahren gewinnbringend zu verkaufen, dann hat man sich Nichts vorzuwerfen. Sportlicher Ersatz findet sich nämlich leichter, wenn man positive Beispiele geben kann. Dann begnügen sich Spieler auch eher mit einem durchschnittlichen Profi-Gehalt, als teure und identifikationslose Söldner, die Jahr um Jahr in Scharen kommen und gehen. Solange der FCK nicht auf zwei gesunden Beinen steht, wird es auch nie möglich sein Top-Spieler längerfristig zu halten. Und auch die Rolle des FCK sollte klar kommuniziert und definiert sein: Es gibt immer noch größere Fische im Teich. Egal wie rosa-rot die Vereinsbrille auch sein mag. Manche Angebote können Spieler, Berater und Vereine nicht ausschlagen. Die Fans sollten sich von den historischen Ansprüchen lösen, damit meine ich nicht sportliche Erwartungen, sondern Ansprüche an Spieler die gleiche Identifikation und Leidenschaft für die Roten Teufel aufzubringen, wie man selbst. Auch wenn das richtig schwer fällt. Ausnahmen gibt es immer, wie unser Tarzan Gerry!

In diesem Sinne

Euer Stehgeiger

Relegation! Und jetzt? Teil 2/3 Offene Fragen nach einer wechselhaften Saison

Der 1. FC Kaiserslautern hat das sportliche Minimalziel erreicht und sich mit dem dritten Platz die Relegation gesichert. Stefan Kuntz war danach an den Sky Mikrophonen zu sehen und hören, dass die Anhängerschaft doch gefälligst ihre Ansprüche herunter schrauben müsste. Welche Ansprüche?

Nach der verheerenden Saison 2011-2012 und dem damit verbundenen Abstieg in die zweite Bundesliga, hatten wohl die wenigsten Fans ernstliche Ansprüche auf den Wiederaufstieg. Der Tenor in Foren wie www.transfermarkt.de oder auch www.der-betze-brennt.de war fast ausnahmslos negativ. Alle sollten von Bord, die nicht mehr richtig mitziehen wollten. Das betraf Leistungsträger der Vorjahre wie Christian Tiffert, Rodnei und Oliver Kirch (ja auch O. Kirch wusste in der ersten Saison nach Wiederaufstieg phasenweise zu überzeugen). Andere Spieler wurden nicht gehalten bzw. auf Grund von Klauseln verkauft/verliehen (Kevin Trapp, Olcay Sahan, Itay Shechter, Gil Vermouth, Richard Sukuta-Pasu, Andrew Wooten, Ilian Micanski, Leon Jessen uvm.). Wieder einmal regierte der eiserne Besen beim FCK, nur dieses mal sollte, wie so oft alles besser werden. Man gestand sich Fehler in der Kaderplanung ein und Kuntz nahm einen Teil der Schuld auf seine Kappe. Ein weiterer Umbruch vom Umbruch sollte folgen.

Ergebnis dieses neuerlichen Frühjahrputzes war dann, dass eine Reihe teils namhafter Spieler den Weg in die Pfalz fanden (Mo Idrissou, Marc Torrejon, Mimoun Azouagh, Alexander Baumjohann, Enis Alushi, Albert Bunjaku, Florian Riedel und später Mitchell Weiser, Markus Karl, Erwin „Jimmy“ Hoffer, Benjamin Köhler, Chris Löwe). Unter diesen illustren Kreis von neuen Kickern mischten sich auch einige Eigengewächse: Denis Linsmayer, Willi Orban, Steven Zellner, Hendrick Zuck und Dominique Heintz. Gerade Heintz und Zuck wussten recht schnell zu überzeugen und eroberten sich Stammplätze, so dass der gemeine FCK-Fan schon von einer neuen „goldenen Generation“ sprach.

Na, wem ist jetzt schon schwindelig vor lauter Namen? Ich möchte ungern auf die einzelnen Namen eingehen, wovon ich auch einige nicht erwähnt habe, denn jeden dieser Spieler kann man unterschiedlich evaluieren. Schaut man sich aber die Transferbilanzen der letzten drei Jahre an, dann erscheinen die Zahlen wie folgt:

Saison 2012-2013 24 Neuzugänge, 21 Abgänge

Saison 2011-2012 14 Neuzugänge, 16 Abgänge

Saison 2010-2011 19 Neuzugänge, 20 Abgänge

Im Vergleich dazu haben Clubs, die den Ruf eines Durchlauferhitzers genießen, besonders wenn Felix M. Trainer/Manager war, folgende Transferbilanzen:

VFL Wolfsburg:

Saison 2012-2013 20 Neuzugänge, 28 Abgänge

Saison 2011-2012 28 Neuzugänge, 19 Abgänge

Saison 2010-2011 18 Neuzugänge, 16 Abgänge

FC Schalke 04:

Saison 2012-2013 18 Neuzugänge, 21 Abgänge

Saison 2011-2012 13 Neuzugänge, 16 Abgänge

Saison 2010-2011 22 Neuzugänge, 26 Abgänge

Vorab muss man auch betonen, dass unter dieser Statistik auch Spieler der zweiten Mannschaften, die üblichen Kaderleichen, aufgerückte Jugendspieler und abgewanderte Jugendspieler aufgelistet werden. Trotzdem bleibt es interessant, schaut man sich die Transferaktivitäten von anderen Clubs an.

Borussia Dortmund:

Saison 2012-2013 13 Neuzugänge, 12 Abgänge

Saison 2011-2012 9 Neuzugänge, 12 Abgänge

Saison 2010-2011 12 Neuzugänge, 11 Abgänge

Hannover 96:

Saison 2012-2013 13 Neuzugänge, 11 Abgänge

Saison 2011-2012 9 Neuzugänge, 7 Abgänge

Saison 2010-2011 11 Neuzugänge, 15 Abgänge

VFB Stuttgart:

Saison 2012-2013 12 Neuzugänge, 7 Abgänge

Saison 2011-2012 10 Neuzugänge, 12 Abgänge

Saison 2010-2011 13 Neuzugänge, 15 Abgänge

(Quelle: www.transfermarkt.de)

Wie bereits erwähnt wäre es noch interessant zu wissen, welche von den Neuzugängen insbesondere für die erste Mannschaft eingeplant waren, oder sogar Stammspieler werden sollten. Jene Erhebung möchte ich aus reiner Bequemlichkeit nicht veröffentlichen (es heißt nicht umsonst Stehgeiger), aber beim schnellen überfliegen der Namen wird klar, dass der FCK mit den Wolfsburgern und Schalkern durchaus auf Augenhöhe agiert. Jeder kann die Zahlen/Namen im Internet und der oben angegebenen Quelle selbst nachlesen.

Natürlich kann man argumentieren, „if it’s broke don’t fix it“.

Was vielleicht für Clubs wie Hannover oder Dortmund stimmt, denn beide spielten recht erfolgreiche Serien. Aber gerade ein Verein wie der VFB Stuttgart der selbst immer mal knapp vor dem Abstieg stand und welchen finanzielle Sorgen plagen, schaffte mehr Kontinuität in der Personalplanung.

Hinzu kommt, dass der 1. FC Kaiserslautern in jener Zeit drei Trainer hatte. Wobei zwei von den dreien (Marco Kurz und Franco Foda) jeweils ihre eigenen Kaderwünsche erfüllt bekamen. Das traurige Intermezzo von Krassimir Balakov will ich da gar nicht weiter kommentieren.

Wer jetzt noch von Kontinuität und strategischer Ausrichtung spricht, der kann eigentlich nicht den FCK meinen. Trainer kommen und gehen wie Spieler immer mal, aber um erfolgreich zu arbeiten bedarf es wohl einer gewissen Ausrichtung und einem Konzept des Vereins. Man kann von Glück sagen, dass mit Stefan Kuntz wenigstens ein Entscheidungsträger in den letzten Jahren gleich blieb. Aber gerade seine Entscheidungen in der jüngsten Vergangenheit erscheinen ob der Zahlen und den erzielten Ergebnissen fragwürdig. Versteht mich nicht falsch, ich bin durchaus ein Fan von Kuntz, war es schon als er noch spielte, aber das Glück und die Weitsicht scheinen ihn verlassen zu haben, nimmt man nur die letzte und die komische aktuelle Saison als Referenz.

Was mir persönlich fehlt ist die maßgebliche Vereinsidentität. Wo ist der mittelfristige Plan Kaiserslautern wieder weiter oben zu etablieren? Soll das etwa durch die jährlichen „Fifa-Manager-artigen“ Wechselspiele erfolgen? Ich denke nicht. Bei einem ganz großen Verein auf der Welt heißt es, „mehr als nur ein Club“. Ich war jahrelang der Ansicht, dass das auch für den 1.FC Kaiserslautern gilt. Jetzt kommt hinzu, dass man immer mehr mit den eigenen Fans aneinander gerät und die mangelnde Unterstützung anprangert. Woher soll Identifikation und die sich daraus ergebende Unterstützung kommen, wenn das agierende Personal andauernd in diesen Maßen ausgetauscht wird. Will man sich beispielsweise ein Trikot kaufen, fährt man fast nur mit Tobias Sippel und Florian Dick eine sichere Schiene. Der Rest scheint völlig austauschbar und nach nur einem kurzen Jahr wieder weg.

Der Fan kratzt sich fragend den Kopf und die Vereinsverantwortlichen versuchen jedes Jahr ihr Handeln auf den Versammlungen zu rechtfertigen.

Stelle ich mir vor, ich wäre jetzt fünf Jahre alt und stünde vor der Entscheidung FCK-Fan zu werden, dann müsste ich erst mal an meinem Kurzzeitgedächtnis arbeiten und eine entsprechende Therapie machen, um mir diese Namen zu merken. Für meine bedingungslose Unterstützung sind seit zehn Jahren keine aktuellen Spieler mehr verantwortlich, sondern fast nur Geister der kaum merklich glorreichen Vergangenheit: Miro Kadlec, Axel Roos, Roger Lutz, Martin Wagner, Pavel Kuka, Stefan Kuntz, Ciri Sforza, Harald Kohr, Friedel Rausch und Otto Rehagel uvm. (ja, auch Rehakles), selbst Youri Djorkaeff bleibt mir persönlich in besserer Erinnerung als Tauchsieder wie Olcay Sahan.

Dabei ist es durchaus zulässig anzuführen, dass sich der Fußball und das Geschäft verändert haben. Trotzdem schaffen es andere Vereine in wenigen Jahren ein Gerüst aufzubauen, welches man dann nutzt um Jahr für Jahr ein Team aufzubauen. Bei den roten Teufeln fehlt mir dieses Gerüst und das überträgt sich direkt auf die fehlende Philosophie und Spielidee. Wechselnde Systeme, taktische Ausrichtungen und Personal tragen dazu bei, dass der FCK chronisch wankelmütig wirkt.

Natürlich hat auch jeder Trainer seine Idee vom Spiel, aber einige übergeordnete Tugenden bzw. Taktiken kann man auf Grund der Geschichte nicht mehr weglassen. Vereine wie Freiburg, Dortmund, Hannover und Mainz haben es geschafft sich eine Identität zu bauen, die fast unabhängig von Trainer und Spielern funktioniert. Der kurzfristige Erfolg mag diese Clubs als ungeeignete Beispiele erscheinen lassen, aber schaut euch doch mal an woher diese Vereine kommen. Dortmund am Rande des finanziellen sowie sportlichen Abgrunds, Hannover 96 geplagt durch eine der schlimmsten Tragödien die der deutsche Fußball kennt, Mainz 05 aus der totalen Bedeutungslosigkeit hinter dem FCK erstiegen und der SC Freiburg als gallisches Dorf in Mitten der Fußballgroßmächte. Keiner dieser Vereine hat irgendein Wundermittel, geheimes Labor oder bahnbrechende Neuerungen erfunden. Kontinuierliche Arbeit mit einem übergeordneten Vereinsziel, was unabhängig von den normalen Fluktuation des Fußballgeschäfts funktioniert.

Das sind grundlegende Entwicklungen und keine kurzfristigen Hau-ruck-Aktionen wie panische Spielerkäufe. Dafür muss man solche Pläne auch den Fans kommunizieren. Beim SC Freiburg sprach man nicht von Ligazugehörigkeit, sondern von den besten 20 Vereinen in Deutschland unter welche man gehören will. Strukturell sind wir allen angeführten Beispielen unterlegen, was auch finanzielle Gründe haben mag. Aber nutzt uns beispielsweise eine Fan-Anleihe in Höhe von 6 Millionen €, wenn man keine feste Zusage über einen möglichen Kauf bzw. Pachtvertrag vom wichtigsten Partner (Stadt Kaiserslautern) hat? Was nützt uns ein schöneres NLZ, wenn die Durchlässigkeit von der Jugend in den Profi-Bereich absolut nicht gegeben ist und Spieler fast nur zufällig mal oben landen. Uns sind so viele Talente aus den klassischen Einzugsgebieten durch die Lappen gegangen, dass das nicht nur an den alleinigen infrastrukturellen Gegebenheiten gelegen haben kann. Und auch der Umgang mit eigenen Talenten lässt zu wünschen übrig.

Ein erster Schritt ist gemacht und mit Konrad Fünfstück ein fähiger Mann am Ruder. Auch die jüngsten Erfolge der A-Jugend wirken diesbezüglich wie ein Hoffnungsschimmer. Aber was bringt das alles, wenn die entsprechenden Trainer nicht mitspielen? Ich erwarte mir da vom Verein selber, dass er Regeln und Organisationsstrukturen vorlegt, denen sich jeder Übungsleiter zu unterstellen hat.

Mehr dazu im dritten Teil meiner Artikel-Serie „Relegation! Und jetzt?“.

Beste Grüße

Euer Stehgeiger