Kader-Analyse 1.0 – Der Stehgeiger schaut wer kam und ging

Die neue Saison beginnt für den 1. FC Kaiserslautern am 20.07.2013, mit dem Auswärtsspiel gegen den SC Paderborn 07. Die letzte Saison vor der WM 2014 in Brasilien beginnt also mit einem schwierigen Spiel für die Roten Teufel. Wie fast jedes Jahr finden sich etliche Neue im Kader und ich wage einen Blick auf die Zusammenstellung von Franco Fodas Kampfmannschaft.

Stefan Kuntz wurde in den Medien nach dem Saisonziel befragt und er antwortete, dass ein Platz unter den ersten fünf Teams angepeilt wird. Nahm man im letzten Jahr um diese Zeit den Mund noch recht voll und proklamierte den Aufstieg, backt der FCK heute kleinere Brötchen. Man kann von der Zielvorgabe halten was man will, vielleicht versucht man so den Druck nicht sofort hoch zu halten.

Den 1. FC Kaiserslautern verließen einige namhafte Spieler:

Leon Jessen bleibt in Ingolstadt und wird für zwei weitere Jahre verliehen. Dafür musste sein Vertrag in Kaiserslautern verlängert werden.

Itay Shechter verließ den Club, wie vom Stehgeiger erwartet in Richtung Heimat. Er schloss sich Hapoel Tel Aviv an, einem Verein der vor ein paar Jahren von den eigenen Fans „gekauft“ wurde.

Nach Ablauf seines Vertrages und der verstrichenen Aufstiegsoption (2 Jahre), wechselte auch Alexander Baumjohann die Farben. Hertha BSC Berlin sicherte sich seine Dienste.

Benjamin Köhler beendete sein halbjähriges Engagement am Betze mit einem Wechsel nach Berlin. Die Eisernen von Union Berlin nahmen den vielseitigen Mittelfeldroutinier unter Vertrag. In seiner Heimatstadt hofft er nun auf ein letztes Hurra.

Das Theater um Ilian Micanski fand auch ein Ende, den Bulgaren zog es zum Aufsteiger nach Karlsruhe. Sollte er sich wohl fühlen und Einsatzzeit bekommen, könnte das ein echtes Schnäppchen für die Badener sein.

Richard Sukuta-Pasu, der mit Empfehlung von 12 Saisontoren in Österreich zum FCK zurückkehrte, wurde zum Liga-Konkurrenten VfL Bochum verliehen. Trotz der Aussage Fodas mit dem bulligen Stürmer zu planen, fand sich kein Kaderplatz beim FCK. Anderenorts wird seine Saison als „bärenstark“ bezeichnet (Christian Hochstätter). Es besteht keinerlei Kaufvereinbarung.

Gleich zwei Spieler gaben die Roten Teufel an den Nachbarn SV Sandhausen ab. Denis Linsmayer wurde fest verpflichtet und Kwame Nsor wurde verliehen. Gerade Offensivmann Nsor wird unter Beobachtung durch den Stehgeiger stehen, denn er erhielt selten Einsätze für Rot-Weiss. Die Sandhäuser profitierten vom Lizenzentzug des MSV Duisburg und konnten so trotz sportlichen Abstiegs in der Liga bleiben. Gute Erfahrungen machte der FCK mit Sandhausen bei der Leihe von Andrew Wooten. Hoffentlich kann Nsor ähnliche Leistungen bringen und sich für den FCK empfehlen. Nach einem schwierigen Jahr in einem fremden Land wäre es ihm zu wünschen.

Chadli Amri und Mathias Abel haben noch keine Vereine gefunden. Wobei Abel mit Elversberg in Verbindung gebracht wird. Alexander Bugera wird Stand-by Profi, vornehmlich in der U-23 und nebenher an einen Job im Verein herangeführt.

11 Abgänge stehen also bereits fest, wobei es Gerüchte um andere Spieler gibt. Auf eins möchten ich näher eingehen. Konstantinos Fortounis wurde in einem griechischen Interview zitiert, er hätte Angebote aus der 1. Bundesliga vorliegen. Da die Quelle in griechisch ist und nur eine spärliche Übersetzung durch Google vorliegt, möchte ich die Seriosität jener nicht bewerten. Fortounis, als EM-Teilnehmer und Nationalspieler, hat sicherlich das größte spielerische Potential im Kader. Nur konnte er es bis dato nicht konstant auf den Platz bringen. Das lag einerseits an der Spielposition, die man noch nicht so recht für ihn gefunden haben scheint, als auch an den eigenen Leistungen. Nach Außen wirkt der junge Grieche zerbrechlich und hat sicherlich physische Nachteile. Nach gut einer Stunde Spielzeit machte er in der abgelaufenen Saison den Eindruck bereits ausgepumpt zu sein. Fragil mutet auch sein Nervenkostüm an, was unter dem „Grantler“ Foda nicht zum Positiven verstärkt wird. Aber die Menschenführung Fodas wurde hier bereits diskutiert, Parallelen zu Milan Sasic drängen sich auf. Ich bin der Meinung, dass er es in sich hat, ein hervorragender Spieler zu werden. Ob das beim 1. FC Kaiserslautern funktionieren wird, wage ich zu bezweifeln. Noch ist er nicht ins Training eingestiegen (als Nationalspieler noch im Zusatzurlaub) und man weiß nichts über seine Rolle. Auf den Außenbahnen scheint er verschenkt und dort legte der FCK nach. Ich könnte ihn mir durchaus in der Rolle des neuen Spielgestalters vorstellen, wo nach dem Abgang Baumjohanns Bedarf besteht. Es wird spannend bleiben, denn in jenem Interview kündigte er an bis Mittel Juli sei eine Entscheidung gefallen. Es wäre ein echter „steal“ für einen Bundesligisten, denn wie erwähnt kann Fortounis mit dem Ball alles. Unter einem Kommunikator und Förderer als Trainer, sehen viele Experten Kostas besser aufgehoben. Ich wünsche mir dringlich, dass er beim 1. FC Kaiserslautern bleibt und sich durchbeißt. Vielleicht waren die letzten 1-2 Jahre etwas zu viel für ihn mit dem Wechsel nach Deutschland, Abstieg, EM-Teilnahme und Nicht-Aufstieg. Hoffentlich bekommt er das Vertrauen und schöpft sein Potential aus, im Trikot der Teufel.

Die Quelle mit dem Fortounis-Interview möchte ich nicht verschweigen, der Artikel findet sich auf der griechischen Sportseite www.novasports.gr .Wenn es einen findigen Leser gibt, der des Griechischen mächtig ist, würde ich mich über eine Übersetzung sehr freuen.

Auf der Habenseite befinden sich auch einige Namen, die man kennt.

Bereits fest stand die ablösefreie Verpflichtung von Marcel Gaus vom FSV Frankfurt. Der Flügelstürmer soll die vakante Position besetzen und erhofft sich einen Karrieresprung beim FCK.

Mit Ruben Jenssen kam ein zentraler Mittelfeldspieler in der defensiven Rolle. Der norwegische Nationalspieler kommt von Tromsö IL, wo der FCK in der Vergangenheit bereits Patrice Bernier kaufte. Jenssen wird direkt eine zentrale Rolle zugetraut, der pass-sichere und robuste Aufbauspieler ist ein Kandidat für einen Stammplatz.

In Skandinavien fand sich ein weiterer Mittelfeldmann, den man aus der 1. Bundesliga kannte. Alexander Ring konnte von HJK Helsinki verpflichtet werden, nachdem er in Gladbach nicht völlig überzeugte. Bei ihm streiten sich die Experten noch über seine endgültige Position. Unter Lucien Favre spielte der schnelle und quirlige Nationalspieler Finnlands auf der rechten Außenbahn, in seinem Heimatverein und mit den Landesfarben agierte er eher im Zentrum. Ring ist auch ein Spieler, der dem FCK direkt weiterhelfen könnte. Schnell im Antritt und Dribbelstark könnte er sofort einen Platz unter den ersten 11 Teufel haben. Hierbei muss man Kuntz loben, diesen Mann auch endgültig binden zu können, ohne ein Leihgeschäft. Für die 2.Bundesliga ein Top-Transfer.

Im Sturm legte man auch nach und holte den jungen Simon Zoller aus Osnabrück. Da der VfL in finanzieller Not ist, konnte man den herausragenden Offensivakteur der 3. Liga für kleines Geld kaufen. Ich habe relativ wenig von Zoller gesehen, aber in der abgelaufenen Saison war er einer der besten Spieler in Liga 3. Wenn die Möglichkeit besteht einen jungen, entwicklungsfähigen Kicker wie ihn zu holen, ist der 1. FC Kaiserslautern in der Pflicht da zuzuschlagen. Ob jetzt direkt Bedarf auf der Stürmerposition besteht, bleibt fraglich. Mit Idrissou, Bunjaku, Wooten und Swierczok hat man bereits 4 Stürmer unter Vertrag. Swierczok wird wohl nach seiner langen Verletzung erst mal in der U-23 aufgebaut.

Was im letzten Jahr nicht sonderlich gut funktionierte, macht man in diesem Jahr eben noch einmal. Auf der Frankfurter Resterampe wurde der 1. FC Kaiserslautern fündig und angelte sich Karim Matmour und Olivier Occean. Beide Spieler überzeugten in der Aufstiegssaison der Eintracht vor zwei Jahren, konnten aber in der ersten Bundesliga keinerlei Akzente setzen. Matmour dürfte vielen Leuten ein Begriff sein. Der algerische Außenstürmer war bereits in Freiburg und Gladbach aktiv, bevor er sich der Eintracht anschloss. Erfahrung dürfte er haben, aber die grundlegenden Defizite bleiben. Karim ist schnell und athletisch, aber der Ball ist nicht sein Freund. Er ist einer der Spieler, die ewig ein uneingelöstes Versprechen repräsentieren.

Ach, wenn der nur noch Tore machen könnte! Ach, wenn der nur besser am Ball wäre. Ach, wenn er nur mehr Flanken schlagen könnte, dann wäre er ein Großer!“

So oder so ähnlich blieb er mir in Erinnerung. Als Ersatzmann und Rollenspieler sicherlich solide. In der NBA nennt man solche Spieler „energy guys“, dass heißt sie kommen von der Bank und bringen Schwung ins Spiel. Eine andere Verwendung kann ich mir beim ihn nicht denken.

Olivier Occean war vor gut einem Jahr sehr gefragt. Viele Vereine wollten den kantigen Mittelstürmer, der Fürth in die erste Liga schoss. Occean landete bei Mitaufsteiger Frankfurt und dort gelang ihm nichts. Mo Idrissou wechselte auf Grund der Perspektive nach diesem Transfer an den Betze. Jetzt hat der 1. FC Kaiserslautern beide. Win-win?

Es bleibt abzuwarten in welcher Form Occean an den Betze kommt. Ist er als Stammspieler eingeplant? Verlässt uns noch ein Stammstürmer? Soll er hinter Mo den Ersatz geben? Wird er mit einer untergeordneten Rolle zufrieden sein? Was heißt das für die Stürmerreihenfolge? Welches Signal geben die Verpflichtungen von Zoller und Occean an Nachwuchsleute wie Mario Rodriguez (aktuell bei der U-20 WM mit den USA ausgeschieden), dessen Vertrag noch nicht verlängert wurde und von anderen Clubs umworben ist? Fragen über Fragen.

Ich bin nicht in der Lage jene zu beantworten, aber vordergründig wurde er geholt um die Feuerkraft ganz vorne zu erhöhen. Das klingt logisch, klingt aber sehr nach Aufstiegszwang. Occean wurde in einem ähnlichen Konstrukt verpflichtet, wie Leon Jessen abgegeben wurde. Eine Leihe für 2-Jahre mit Kaufoption. Wer den dann 33-jährigen Kanadier noch kaufen will, der in der 1. Bundesliga kein Bein auf den Boden bekam, muss man sehen. Ich hoffe nur es ging nicht auf Kosten von Rodriguez, den man unabhängig von den Neuen dringend halten sollte. Aber er braucht sicherlich eine Perspektive und die im Kader der ersten Mannschaft zu stehen, scheint verschwindend gering. Man kann nur daran glauben, dass er ein Ausbildungsjahr in der U-23 akzeptiert. Was aus mit Occean wird, kann nur die Saison zeigen.

Der aktuellste externe Zugang ist Kevin Stöger. Der junge Österreicher (19) wurde vom VfB Stuttgart für ein Jahr ausgeliehen (ohne Kaufoption). Der talentierte Spielmacher glänzte in der U-23 des VfB und durfte auch schon bei den Profis herein schnuppern. Als vor einiger Zeit die Talente der Stuttgarter im Kicker evaluiert wurden, bekam Stöger gute Kritiken. Nur körperlich scheint er nicht der Stabilste zu sein. Seine Lieblingsposition ist im zentrale Mittelfeld als Spielgestalter. Baumjohann lässt grüßen. Ihn mit einem 19-Jährigen Talent zu ersetzen, klingt etwas riskant. Von daher denke ich, wird er hinter Fortounis, sollte dieser bleiben, zum Einsatz kommen. Sollte er als Stammspieler eingeplant sein, muss man sich fragen warum man dem eigenen Nachwuchs nicht solche Chancen einräumt. Ich will hier nicht gegen Stöger wettern, der sicherlich Qualitäten hat, aber auch die eigene U-19 sowie U-23 hat einige junge Talente zu bieten.

Als back-up für Chris Löwe darf sich Jean Zimmer, der beim Stehgeiger bereits eingehend beschrieben wurde, beweisen. Bis jetzt darf er die Vorbereitung bei den Profis mitmachen und hoffentlich weiß er zu überzeugen. Auffällig wie viele Spieler aus dem defensiven Bereich es schaffen, sich in die Kampfmannschaft zu spielen. Heintz, Orban und jetzt Zimmer. Nur leider drückt der Schuh in der Defensive weniger. Schindele (IV) und Hajtic sind wohl erst mal für die U-23 eingeplant, wobei beide nach der kraftraubenden Saison auch länger im Urlaub waren (Relegation, DFB-Pokalfinale). Gerade von Hajtic erwarte ich viel, möglicherweise rutscht er noch in den Kader der ersten Mannschaft.

In diesem Sinne

Stehgeiger

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