Post für Stefan vom Stehgeiger

1.FC Kaiserslautern e.V.

zu Händen Vorstandsvorsitzender Stefan Kuntz
Fritz-Walter-Str. 1
67663 Kaiserslautern

Fragen zur abgelaufenen Saison sowie Vorschläge

Sehr geehrter Herr Kuntz,

vorab möchte ich betonen, dass es sich bei meinem Anschreiben nicht um irgendwelche irregeleiteten Beschimpfungen oder respektlosen Anmerkungen halten wird.

Falls Sie die Zeit erübrigen können die folgenden Zeilen zu lesen, steigen Sie in meiner Gunst noch in unerreichte Höhen. Ich muss dazu sagen, dass ich Sie als kleiner Junge auf dem Betze habe spielen sehen und sofort ein Idol hatte. Ihre Leistungen mit der Deutschen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft 1996 in England und Ihre Rückkehr zum 1. FC Kaiserslautern, sowie Ihr Engagement seit 2008 nötigen mir den allerhöchsten Respekt ab. Ich bin sehr dankbar dafür, dass Sie die Geschicke beim FCK leiten.

Die abgelaufene Saison war für viele Fans und sicherlich auch Verantwortliche eine Enttäuschung. Natürlich darf man argumentieren, dass in der Relegation das gesetzte Ziel Aufstieg nur denkbar knapp verfehlt wurde. Aber die Art und Weise wie man den dritten Platz in der 2. Bundesliga erreicht hat und sich dann gegen die TSG 1899 Hoffenheim präsentierte geben mir Anlass zur Sorge.

Unter dem neuen Trainer Franco Foda wurde, auch auf Grund von Verletzungen (Enis Alushi, Markus Karl) ein wirklich unansehnlicher Fußball gespielt. Gerade die Rückrunde, abgesehen von den wichtigen Siegen gegen den 1. FC Köln und den FSV Frankfurt, boten spielerische Magerkost. Alle Last des Spielaufbaus lag bei Alexander Baumjohann und andere Kreativspieler waren mutmaßlich indisponiert. Es wurde, wie man es bereits unter Milan Sasic kannte, das Heil in langen Bällen auf Stürmer Idrissou gesucht. Gegen eine individuell stark besetzte und clevere Truppe wie Hoffenheim fand der FCK-Aufstiegszug seine Endstation. Aber auch schon gegen vermeintlich schwächere Gegner im Ligabetrieb tat man sich schwer.

Ich hoffe, wie viele weitere Fans, dass das Trainerteam um Franco Foda für die neue Saison eine andere Herangehensweise plant. Denn der antiquierte Fußball, den der FCK in großen Teilen der Saison bot treibt die Fans aus dem Stadion und in die Verzweiflung. Ich möchte betonen, dass ich nicht an der Kompetenz von Foda zweifle, mir steht es gar nicht zu jene einschätzen zu können, aber wie Sie wissen besteht Deutschland aus 81.000.000 Bundestrainern und der 1. FC Kaiserslautern hat Millionen „Trainer“ unter seinen Anhängern.

Jeder Anhänger hat seine eigenen Gedanken zum 1. FC Kaiserslautern und mir wurde in zahllosen Gesprächen mit Gleichgesinnten empfohlen, jene Gedanken doch mal vorzutragen bzw. für die Verantwortlichen offen zu legen.

Es wäre für die langfristige Zukunft des Vereins wichtig, wenn der FCK eine Spielidee entwickeln könnte, die auch unabhängig vom jeweiligen Personal funktioniert. Damit meine ich insbesondere ein fixiertes Positionsspiel, das angefangen in den Jugendabteilungen Einzug findet. So wäre gewährleistet, dass unabhängig vom jeweiligen Talent und Interpretation der Spielrolle, Spieler aus dem eigenen Unterbau die Anforderung der „Kampfmannschaft“ kennen. Ich begrüße die Entscheidung mit Konrad Fünfstück einen fähigen Koordinator und Trainer an dieser wichtigen Schnittstelle zu platzieren. Seine Leistungen mit der U-23 waren ganz hervorragend, formte er die Truppe binnen kürzester Zeit zu einem Aufstiegsaspiranten. Ganz gleich wie die Saison für die zweite Mannschaft dann zu Ende ging, jene Entwicklung darf man durchaus als Erfolg werten. Junge Leute wie Jan-Lucas Dorow oder Jean Zimmer darf man auf dem Zettel haben, geht es darum die Positionen der Rollenspieler bei der ersten Mannschaft zu besetzen.

Spieler aus dem eigenen Unterbau/Jugendabteilung müssen die Zukunft für den 1. FC Kaiserslautern bilden. Man sieht es bundesweit, wie „Talente“ spielerische Impulse geben und mit möglichen Ablösen dem Verein helfen. Auch andere Vereine mit wirtschaftlich schwierigen Positionen, konnten in der Vergangenheit auf Eigenmaterial aus der Jugend bauen und stabilisierten sich in der Folge. Hierbei dürfen Erfolge auch klarer nach Außen hin kommuniziert werden. Ich war beispielsweise beim Halbfinalspiel des DFB-Jugendpokals in Mönchengladbach und war sehr angetan von der Leistung der A-Jugend (U-19). Aber nur die wenigsten Fans wissen etwas über jene Erfolge. Bedenkt man die komplizierte Situation in der Vergangenheit, sind die jüngsten Triumphe der U-19 schon bemerkenswert. Hier kann der FCK mehr tun, als nur einen lieblosen Artikel auf der Homepage zu veröffentlichen. Für die Außendarstellung kann das nur von Vorteil sein. Auch waren die jungen Fohlen besser repräsentiert (Königs, ter Stegen, Heimeroth, Herrmann), was natürlich auch an der Ansetzung (Heimspiel) lag. Trotzdem würde ich mir wünschen, dass die jungen Leute das Gefühl haben, in Schlagdistanz zum Profidasein zu arbeiten. Mit Florian Dick als Pate der U-19 ist ein richtiger Schritt gemacht. Ein Vollprofi und Identifikationsfigur für viele Fans des FCK.

Durchlässigkeit ist ein weiteres Thema, dass im Zusammenhang mit der Jugendarbeit häufig fällt. Ich bin mir bewusst, dass gerade die Förderung der eigenen Jugend komplex ist und von vielen Faktoren abhängt. Es wird nicht gelingen, jeden hoffnungsvollen Spieler in den Profibereich zu integrieren, aber die Bemühungen sollten klar erkenntlich sein. Die Fans sehnen sich nach erfolgreichen Eigengewächsen und sind sich deren Bedeutung durchaus bewusst. Am Thema Jugendarbeit kommt man in Deutschland, auch auf Grund der medialen Berichterstattung, kaum vorbei. Spieler wie Mario Rodriguez, Halil Hajtic, Marcell Öhler, Manfred Osei-Kwado, Florian Pick und Michael Schindele uvm könnten das Potential besitzen, zukünftig Profis beim FCK zu werden. Ich hoffe man befindet sich vor allem mit Rodriguez und Hajtic in Gesprächen über mögliche Verträge. Gerade Hajtic verkörpert einen Spielertyp, der im Profibereich fehlt. Ob es nun zu einer Karriere kommen sollte, steht auf einem anderen Blatt und hängt mit zahlreichen Unwägbarkeiten zusammen. Das Risiko ist aber kalkulierbar und nach Außen hin leicht zu rechtfertigen. Die vielen Neuzugänge in den letzten 3 Jahren sind dagegen, sieht man wer noch sportliche Relevanz für den 1. FC Kaiserslautern besitzt, manchmal schwerlich zu verteidigen. Gerade wenn die sportliche Habenseite dann unbefriedigend ausfällt.

Natürlich muss man Leistungen im Jugendbereich in der richtigen Relation sehen. Das altbekannte Dogma, dass der FCK keine Ausnahmetalente internationalen Kalibers hat, gilt da nicht. Spieler wie Hajtic können sich nur auf der Bühne präsentieren, die ihnen gegeben ist. Wer so eine herausragende Torquote erzielt und auch gegen höherklassige Gegner heraussticht, verdient Beachtung. Man muss schließlich auch mit dem Material arbeiten, dass man hat. Jeder darf vom nächsten Götze oder Goretzka träumen, aber in der Realität sollte gerade die Durchlässigkeit jene belohnen, die etwas leisten. Unabhängig davon, ob es in der A-Jungend Bundesliga ist oder der Regionalliga.

Ohne gänzlich dem Jugendwahn zu verfallen, ist es wichtig einige Kaderplätze für Talente anzubieten. Der aktuelle Kader der Mannschaft in der 2.Bundesliga wirkt etwas aufgebläht. Mit den Rückkehrern von Leihgeschäften, feststehenden Abgängen, neuen Spielern und unvorhersehbaren Entwicklungen wartet eine wahre Herkulesaufgabe auf Sie Herr Kuntz. Sie haben das Thema vor einiger Zeit selbst angeschnitten und heute brennt es vielen FCK-Fans auf der Seele: der Sportdirektor/Manager.

Sie erfüllen im Moment einen riesigen Aufgabenbereich, den sicherlich nicht jeder so gut bedienen könnte. Ich will Ihnen weder etwas von ihrer Kompetenzfülle in Abrede stellen, noch ihre sportlichen Entscheidungen kritisieren. Aber ein Sportdirektor könnte sie erheblich entlasten und ein eigenes Netzwerk mitbringen, wovon der Verein profitiert. Auch das öffentliche Fadenkreuz im Falle von Misserfolgen, liegt vornehmlich bei Ihnen. Was ich im Übrigen sehr unfair finde. Für Ihre eigene Position und die des Vereins wäre eine professionelle Strukturänderung in Form eines Sportdirektors sehr wichtig. Ein Triumvirat um Trainer, Vorstandsvorsitzender und Sportdirektor könnte bei zukünftigen Entscheidungen hilfreich sein. Gerade im Transferbereich, wo eigentlich jeder Schuss sitzen muss auf Grund der finanziellen Lage, könnte ein zusätzlicher Fachmann helfen.

Natürlich spielt die Kostenfrage eine Rolle und kompetente Leute wachsen nicht auf Bäumen. Trotzdem ist es dem Gros der Fans leicht zu erklären, wenn man eine strategische Position besetzt, anstatt einen potentiellen Leistungsträger zu verpflichten, auch in Liga 2. Vielleicht findet sich auch jemand in den eigenen Reihen und der Wert bemisst sich nicht kurzfristig, sondern langfristig. Auch muss klar sein, dass es mit der Hilfe eines sportlichen Entscheidungsträgers nicht sofort auf dem Platz besser läuft.

Wo ich gerade bei dem Personal aus den eigenen Reihen bin, kann ich die Arbeit von Gunther Metz gar nicht genug loben. „Magic Metz“ liefert seit einiger Zeit tolle Erfolge, selbst wenn der DFB-Pokal wie einst die Deutsche Meisterschaft nicht gewonnen werden kann. In Zukunft, damit möchte ich explizit nicht über eine etwaige Ablösung Franco Fodas sprechen, wäre es wünschenswert wenn ein Trainer wie Metz auch in die Konversation um einen Nachfolger als Cheftrainer der ersten Mannschaft aufgenommen wird. Vielleicht geschieht das intern sogar, aber nach Außen dringt nichts. Andere Vereine sind hier Vorbild, Trainer aus der eigenen Schmiede zu installieren. Gerade solche die im Jugendbereich erfolgreich sind, liegen aktuell im Trend. Auch hier muss der Gefragte eine Veränderung wollen, aber selbst der Anreiz dürfte Motivation für andere junge Trainer beim FCK sein.

Um diese vielen Zeilen abzuschließen, möchte ich noch ein Thema erwähnen. Oftmals wird im Fußball die Bedeutung von Teamgeist und Psychologie unterschätzt. Mannschaften mit einem tragenden Gerüst von Spielern, ergänzt durch Zukäufe und Talente, mischen den Profifußball auf.

Auch Gruppen die ein tragisches oder knappes Ereignis zusammen durchstanden haben, bilden neuen Zusammenhalt. Da entstehen Bindungen, die kein Mannschaftsabend oder Teambuilding kopieren kann. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die TSG 1899 Hoffenheim in der kommenden Saison eine gute Rolle in der Bundesliga spielen wird und einen einstelligen Tabellenplatz erreichen kann. Auch hier hat der FCK durchaus Nachholbedarf. Ich konnte zum Beispiel keinerlei Informationen darüber finden, ob der Verein Psychologen konsultiert bzw. beschäftigt. Die Rolle der Psychologie in modernen Gruppen hat sich rapide verändert. Selbst in der Wirtschaft beschäftigen Konzerne solche Spezialisten und auch der ein oder andere Fußballverein nimmt solche Dienstleistungen in Anspruch. Gerade verletzte Spieler oder Leute mit sportlich vager Perspektive könnten solche Anlaufstellen gebrauchen. Das Teamklima kann über viele spielerischen Defizite hinweg retten. Eine Einheit zu formen ist mal wieder nicht so leicht, wie es sich schreibt. Aber die unterstützenden Strukturen darf man bereit stellen.

Das Heimspiel gegen die TSG 1899 aus Hoffenheim zeigte den FCK von seiner besten Seite. Die Fans besangen den Verein auch in der Niederlage bis zur letzten Sekunde. Ich bin darüber sehr froh und habe mehrere Aufrufe an Anhänger gestartet, damit es zu keinerlei Schmähung, Vandalismus oder Hooligan-Aktivität kommt. Nur darf man aus Vereinsseite diese Solidarität nicht verwechseln. Der Großteil der Menschen, die dort sangen und „support“ lieferten taten das nicht einzelnen Personen gegenüber, auch wenn die Mannschaft profitiert, sondern nur für den Verein. Dieser Club repräsentiert und kulminiert so viele Erinnerungen und Emotionen, dass jene völlig unabhängig vom Tagesgeschehen existieren. Den FCK tragen so viele Menschen im Herzen, dass sie dem Verein die Treue halten egal wer da das Trikot trägt und wer die Entscheidungen trifft. In dieser Hinsicht ist der 1. FC Kaiserslautern mehr als ein Club und kommt eher einer Religion oder Sekte gleich. Damit möchte ich zum Schluss noch einmal zur spielerischen Leistung der Mannschaft über die Saison und die Relegation kommen. Die Leistung wurde von den singenden Massen keinesfalls honoriert, höchstens der Einsatz. Das „Wie“ hat viele Fans verärgert und wäre selbst im Erfolgsfall zweifelhaft gewesen. Darum wünsche ich mir, dass Sie die kommende Saison auch als Chance sehen, noch einen Schritt in die Zukunft zu machen. Jeder wäre gerne aufgestiegen, aber mit einer gewachsenen Struktur und einem klar kommunizierten Plan.

Ich verbleibe als Verehrer des Vereins und Ihrer Person.

Mit freundlichen Grüßen

Stehgeiger

Post für Stefan! Einige Leute inspirierten mich endlich meine „Vorschläge“ mal zu präsentieren. Und da ist das Ding! Die Antwort wird umgehend veröffentlicht.

Relegation! Und jetzt? Teil 2/3 Offene Fragen nach einer wechselhaften Saison

Der 1. FC Kaiserslautern hat das sportliche Minimalziel erreicht und sich mit dem dritten Platz die Relegation gesichert. Stefan Kuntz war danach an den Sky Mikrophonen zu sehen und hören, dass die Anhängerschaft doch gefälligst ihre Ansprüche herunter schrauben müsste. Welche Ansprüche?

Nach der verheerenden Saison 2011-2012 und dem damit verbundenen Abstieg in die zweite Bundesliga, hatten wohl die wenigsten Fans ernstliche Ansprüche auf den Wiederaufstieg. Der Tenor in Foren wie www.transfermarkt.de oder auch www.der-betze-brennt.de war fast ausnahmslos negativ. Alle sollten von Bord, die nicht mehr richtig mitziehen wollten. Das betraf Leistungsträger der Vorjahre wie Christian Tiffert, Rodnei und Oliver Kirch (ja auch O. Kirch wusste in der ersten Saison nach Wiederaufstieg phasenweise zu überzeugen). Andere Spieler wurden nicht gehalten bzw. auf Grund von Klauseln verkauft/verliehen (Kevin Trapp, Olcay Sahan, Itay Shechter, Gil Vermouth, Richard Sukuta-Pasu, Andrew Wooten, Ilian Micanski, Leon Jessen uvm.). Wieder einmal regierte der eiserne Besen beim FCK, nur dieses mal sollte, wie so oft alles besser werden. Man gestand sich Fehler in der Kaderplanung ein und Kuntz nahm einen Teil der Schuld auf seine Kappe. Ein weiterer Umbruch vom Umbruch sollte folgen.

Ergebnis dieses neuerlichen Frühjahrputzes war dann, dass eine Reihe teils namhafter Spieler den Weg in die Pfalz fanden (Mo Idrissou, Marc Torrejon, Mimoun Azouagh, Alexander Baumjohann, Enis Alushi, Albert Bunjaku, Florian Riedel und später Mitchell Weiser, Markus Karl, Erwin „Jimmy“ Hoffer, Benjamin Köhler, Chris Löwe). Unter diesen illustren Kreis von neuen Kickern mischten sich auch einige Eigengewächse: Denis Linsmayer, Willi Orban, Steven Zellner, Hendrick Zuck und Dominique Heintz. Gerade Heintz und Zuck wussten recht schnell zu überzeugen und eroberten sich Stammplätze, so dass der gemeine FCK-Fan schon von einer neuen „goldenen Generation“ sprach.

Na, wem ist jetzt schon schwindelig vor lauter Namen? Ich möchte ungern auf die einzelnen Namen eingehen, wovon ich auch einige nicht erwähnt habe, denn jeden dieser Spieler kann man unterschiedlich evaluieren. Schaut man sich aber die Transferbilanzen der letzten drei Jahre an, dann erscheinen die Zahlen wie folgt:

Saison 2012-2013 24 Neuzugänge, 21 Abgänge

Saison 2011-2012 14 Neuzugänge, 16 Abgänge

Saison 2010-2011 19 Neuzugänge, 20 Abgänge

Im Vergleich dazu haben Clubs, die den Ruf eines Durchlauferhitzers genießen, besonders wenn Felix M. Trainer/Manager war, folgende Transferbilanzen:

VFL Wolfsburg:

Saison 2012-2013 20 Neuzugänge, 28 Abgänge

Saison 2011-2012 28 Neuzugänge, 19 Abgänge

Saison 2010-2011 18 Neuzugänge, 16 Abgänge

FC Schalke 04:

Saison 2012-2013 18 Neuzugänge, 21 Abgänge

Saison 2011-2012 13 Neuzugänge, 16 Abgänge

Saison 2010-2011 22 Neuzugänge, 26 Abgänge

Vorab muss man auch betonen, dass unter dieser Statistik auch Spieler der zweiten Mannschaften, die üblichen Kaderleichen, aufgerückte Jugendspieler und abgewanderte Jugendspieler aufgelistet werden. Trotzdem bleibt es interessant, schaut man sich die Transferaktivitäten von anderen Clubs an.

Borussia Dortmund:

Saison 2012-2013 13 Neuzugänge, 12 Abgänge

Saison 2011-2012 9 Neuzugänge, 12 Abgänge

Saison 2010-2011 12 Neuzugänge, 11 Abgänge

Hannover 96:

Saison 2012-2013 13 Neuzugänge, 11 Abgänge

Saison 2011-2012 9 Neuzugänge, 7 Abgänge

Saison 2010-2011 11 Neuzugänge, 15 Abgänge

VFB Stuttgart:

Saison 2012-2013 12 Neuzugänge, 7 Abgänge

Saison 2011-2012 10 Neuzugänge, 12 Abgänge

Saison 2010-2011 13 Neuzugänge, 15 Abgänge

(Quelle: www.transfermarkt.de)

Wie bereits erwähnt wäre es noch interessant zu wissen, welche von den Neuzugängen insbesondere für die erste Mannschaft eingeplant waren, oder sogar Stammspieler werden sollten. Jene Erhebung möchte ich aus reiner Bequemlichkeit nicht veröffentlichen (es heißt nicht umsonst Stehgeiger), aber beim schnellen überfliegen der Namen wird klar, dass der FCK mit den Wolfsburgern und Schalkern durchaus auf Augenhöhe agiert. Jeder kann die Zahlen/Namen im Internet und der oben angegebenen Quelle selbst nachlesen.

Natürlich kann man argumentieren, „if it’s broke don’t fix it“.

Was vielleicht für Clubs wie Hannover oder Dortmund stimmt, denn beide spielten recht erfolgreiche Serien. Aber gerade ein Verein wie der VFB Stuttgart der selbst immer mal knapp vor dem Abstieg stand und welchen finanzielle Sorgen plagen, schaffte mehr Kontinuität in der Personalplanung.

Hinzu kommt, dass der 1. FC Kaiserslautern in jener Zeit drei Trainer hatte. Wobei zwei von den dreien (Marco Kurz und Franco Foda) jeweils ihre eigenen Kaderwünsche erfüllt bekamen. Das traurige Intermezzo von Krassimir Balakov will ich da gar nicht weiter kommentieren.

Wer jetzt noch von Kontinuität und strategischer Ausrichtung spricht, der kann eigentlich nicht den FCK meinen. Trainer kommen und gehen wie Spieler immer mal, aber um erfolgreich zu arbeiten bedarf es wohl einer gewissen Ausrichtung und einem Konzept des Vereins. Man kann von Glück sagen, dass mit Stefan Kuntz wenigstens ein Entscheidungsträger in den letzten Jahren gleich blieb. Aber gerade seine Entscheidungen in der jüngsten Vergangenheit erscheinen ob der Zahlen und den erzielten Ergebnissen fragwürdig. Versteht mich nicht falsch, ich bin durchaus ein Fan von Kuntz, war es schon als er noch spielte, aber das Glück und die Weitsicht scheinen ihn verlassen zu haben, nimmt man nur die letzte und die komische aktuelle Saison als Referenz.

Was mir persönlich fehlt ist die maßgebliche Vereinsidentität. Wo ist der mittelfristige Plan Kaiserslautern wieder weiter oben zu etablieren? Soll das etwa durch die jährlichen „Fifa-Manager-artigen“ Wechselspiele erfolgen? Ich denke nicht. Bei einem ganz großen Verein auf der Welt heißt es, „mehr als nur ein Club“. Ich war jahrelang der Ansicht, dass das auch für den 1.FC Kaiserslautern gilt. Jetzt kommt hinzu, dass man immer mehr mit den eigenen Fans aneinander gerät und die mangelnde Unterstützung anprangert. Woher soll Identifikation und die sich daraus ergebende Unterstützung kommen, wenn das agierende Personal andauernd in diesen Maßen ausgetauscht wird. Will man sich beispielsweise ein Trikot kaufen, fährt man fast nur mit Tobias Sippel und Florian Dick eine sichere Schiene. Der Rest scheint völlig austauschbar und nach nur einem kurzen Jahr wieder weg.

Der Fan kratzt sich fragend den Kopf und die Vereinsverantwortlichen versuchen jedes Jahr ihr Handeln auf den Versammlungen zu rechtfertigen.

Stelle ich mir vor, ich wäre jetzt fünf Jahre alt und stünde vor der Entscheidung FCK-Fan zu werden, dann müsste ich erst mal an meinem Kurzzeitgedächtnis arbeiten und eine entsprechende Therapie machen, um mir diese Namen zu merken. Für meine bedingungslose Unterstützung sind seit zehn Jahren keine aktuellen Spieler mehr verantwortlich, sondern fast nur Geister der kaum merklich glorreichen Vergangenheit: Miro Kadlec, Axel Roos, Roger Lutz, Martin Wagner, Pavel Kuka, Stefan Kuntz, Ciri Sforza, Harald Kohr, Friedel Rausch und Otto Rehagel uvm. (ja, auch Rehakles), selbst Youri Djorkaeff bleibt mir persönlich in besserer Erinnerung als Tauchsieder wie Olcay Sahan.

Dabei ist es durchaus zulässig anzuführen, dass sich der Fußball und das Geschäft verändert haben. Trotzdem schaffen es andere Vereine in wenigen Jahren ein Gerüst aufzubauen, welches man dann nutzt um Jahr für Jahr ein Team aufzubauen. Bei den roten Teufeln fehlt mir dieses Gerüst und das überträgt sich direkt auf die fehlende Philosophie und Spielidee. Wechselnde Systeme, taktische Ausrichtungen und Personal tragen dazu bei, dass der FCK chronisch wankelmütig wirkt.

Natürlich hat auch jeder Trainer seine Idee vom Spiel, aber einige übergeordnete Tugenden bzw. Taktiken kann man auf Grund der Geschichte nicht mehr weglassen. Vereine wie Freiburg, Dortmund, Hannover und Mainz haben es geschafft sich eine Identität zu bauen, die fast unabhängig von Trainer und Spielern funktioniert. Der kurzfristige Erfolg mag diese Clubs als ungeeignete Beispiele erscheinen lassen, aber schaut euch doch mal an woher diese Vereine kommen. Dortmund am Rande des finanziellen sowie sportlichen Abgrunds, Hannover 96 geplagt durch eine der schlimmsten Tragödien die der deutsche Fußball kennt, Mainz 05 aus der totalen Bedeutungslosigkeit hinter dem FCK erstiegen und der SC Freiburg als gallisches Dorf in Mitten der Fußballgroßmächte. Keiner dieser Vereine hat irgendein Wundermittel, geheimes Labor oder bahnbrechende Neuerungen erfunden. Kontinuierliche Arbeit mit einem übergeordneten Vereinsziel, was unabhängig von den normalen Fluktuation des Fußballgeschäfts funktioniert.

Das sind grundlegende Entwicklungen und keine kurzfristigen Hau-ruck-Aktionen wie panische Spielerkäufe. Dafür muss man solche Pläne auch den Fans kommunizieren. Beim SC Freiburg sprach man nicht von Ligazugehörigkeit, sondern von den besten 20 Vereinen in Deutschland unter welche man gehören will. Strukturell sind wir allen angeführten Beispielen unterlegen, was auch finanzielle Gründe haben mag. Aber nutzt uns beispielsweise eine Fan-Anleihe in Höhe von 6 Millionen €, wenn man keine feste Zusage über einen möglichen Kauf bzw. Pachtvertrag vom wichtigsten Partner (Stadt Kaiserslautern) hat? Was nützt uns ein schöneres NLZ, wenn die Durchlässigkeit von der Jugend in den Profi-Bereich absolut nicht gegeben ist und Spieler fast nur zufällig mal oben landen. Uns sind so viele Talente aus den klassischen Einzugsgebieten durch die Lappen gegangen, dass das nicht nur an den alleinigen infrastrukturellen Gegebenheiten gelegen haben kann. Und auch der Umgang mit eigenen Talenten lässt zu wünschen übrig.

Ein erster Schritt ist gemacht und mit Konrad Fünfstück ein fähiger Mann am Ruder. Auch die jüngsten Erfolge der A-Jugend wirken diesbezüglich wie ein Hoffnungsschimmer. Aber was bringt das alles, wenn die entsprechenden Trainer nicht mitspielen? Ich erwarte mir da vom Verein selber, dass er Regeln und Organisationsstrukturen vorlegt, denen sich jeder Übungsleiter zu unterstellen hat.

Mehr dazu im dritten Teil meiner Artikel-Serie „Relegation! Und jetzt?“.

Beste Grüße

Euer Stehgeiger