Kader-Analyse 1.0 – Der Stehgeiger schaut wer kam und ging

Die neue Saison beginnt für den 1. FC Kaiserslautern am 20.07.2013, mit dem Auswärtsspiel gegen den SC Paderborn 07. Die letzte Saison vor der WM 2014 in Brasilien beginnt also mit einem schwierigen Spiel für die Roten Teufel. Wie fast jedes Jahr finden sich etliche Neue im Kader und ich wage einen Blick auf die Zusammenstellung von Franco Fodas Kampfmannschaft.

Stefan Kuntz wurde in den Medien nach dem Saisonziel befragt und er antwortete, dass ein Platz unter den ersten fünf Teams angepeilt wird. Nahm man im letzten Jahr um diese Zeit den Mund noch recht voll und proklamierte den Aufstieg, backt der FCK heute kleinere Brötchen. Man kann von der Zielvorgabe halten was man will, vielleicht versucht man so den Druck nicht sofort hoch zu halten.

Den 1. FC Kaiserslautern verließen einige namhafte Spieler:

Leon Jessen bleibt in Ingolstadt und wird für zwei weitere Jahre verliehen. Dafür musste sein Vertrag in Kaiserslautern verlängert werden.

Itay Shechter verließ den Club, wie vom Stehgeiger erwartet in Richtung Heimat. Er schloss sich Hapoel Tel Aviv an, einem Verein der vor ein paar Jahren von den eigenen Fans „gekauft“ wurde.

Nach Ablauf seines Vertrages und der verstrichenen Aufstiegsoption (2 Jahre), wechselte auch Alexander Baumjohann die Farben. Hertha BSC Berlin sicherte sich seine Dienste.

Benjamin Köhler beendete sein halbjähriges Engagement am Betze mit einem Wechsel nach Berlin. Die Eisernen von Union Berlin nahmen den vielseitigen Mittelfeldroutinier unter Vertrag. In seiner Heimatstadt hofft er nun auf ein letztes Hurra.

Das Theater um Ilian Micanski fand auch ein Ende, den Bulgaren zog es zum Aufsteiger nach Karlsruhe. Sollte er sich wohl fühlen und Einsatzzeit bekommen, könnte das ein echtes Schnäppchen für die Badener sein.

Richard Sukuta-Pasu, der mit Empfehlung von 12 Saisontoren in Österreich zum FCK zurückkehrte, wurde zum Liga-Konkurrenten VfL Bochum verliehen. Trotz der Aussage Fodas mit dem bulligen Stürmer zu planen, fand sich kein Kaderplatz beim FCK. Anderenorts wird seine Saison als „bärenstark“ bezeichnet (Christian Hochstätter). Es besteht keinerlei Kaufvereinbarung.

Gleich zwei Spieler gaben die Roten Teufel an den Nachbarn SV Sandhausen ab. Denis Linsmayer wurde fest verpflichtet und Kwame Nsor wurde verliehen. Gerade Offensivmann Nsor wird unter Beobachtung durch den Stehgeiger stehen, denn er erhielt selten Einsätze für Rot-Weiss. Die Sandhäuser profitierten vom Lizenzentzug des MSV Duisburg und konnten so trotz sportlichen Abstiegs in der Liga bleiben. Gute Erfahrungen machte der FCK mit Sandhausen bei der Leihe von Andrew Wooten. Hoffentlich kann Nsor ähnliche Leistungen bringen und sich für den FCK empfehlen. Nach einem schwierigen Jahr in einem fremden Land wäre es ihm zu wünschen.

Chadli Amri und Mathias Abel haben noch keine Vereine gefunden. Wobei Abel mit Elversberg in Verbindung gebracht wird. Alexander Bugera wird Stand-by Profi, vornehmlich in der U-23 und nebenher an einen Job im Verein herangeführt.

11 Abgänge stehen also bereits fest, wobei es Gerüchte um andere Spieler gibt. Auf eins möchten ich näher eingehen. Konstantinos Fortounis wurde in einem griechischen Interview zitiert, er hätte Angebote aus der 1. Bundesliga vorliegen. Da die Quelle in griechisch ist und nur eine spärliche Übersetzung durch Google vorliegt, möchte ich die Seriosität jener nicht bewerten. Fortounis, als EM-Teilnehmer und Nationalspieler, hat sicherlich das größte spielerische Potential im Kader. Nur konnte er es bis dato nicht konstant auf den Platz bringen. Das lag einerseits an der Spielposition, die man noch nicht so recht für ihn gefunden haben scheint, als auch an den eigenen Leistungen. Nach Außen wirkt der junge Grieche zerbrechlich und hat sicherlich physische Nachteile. Nach gut einer Stunde Spielzeit machte er in der abgelaufenen Saison den Eindruck bereits ausgepumpt zu sein. Fragil mutet auch sein Nervenkostüm an, was unter dem „Grantler“ Foda nicht zum Positiven verstärkt wird. Aber die Menschenführung Fodas wurde hier bereits diskutiert, Parallelen zu Milan Sasic drängen sich auf. Ich bin der Meinung, dass er es in sich hat, ein hervorragender Spieler zu werden. Ob das beim 1. FC Kaiserslautern funktionieren wird, wage ich zu bezweifeln. Noch ist er nicht ins Training eingestiegen (als Nationalspieler noch im Zusatzurlaub) und man weiß nichts über seine Rolle. Auf den Außenbahnen scheint er verschenkt und dort legte der FCK nach. Ich könnte ihn mir durchaus in der Rolle des neuen Spielgestalters vorstellen, wo nach dem Abgang Baumjohanns Bedarf besteht. Es wird spannend bleiben, denn in jenem Interview kündigte er an bis Mittel Juli sei eine Entscheidung gefallen. Es wäre ein echter „steal“ für einen Bundesligisten, denn wie erwähnt kann Fortounis mit dem Ball alles. Unter einem Kommunikator und Förderer als Trainer, sehen viele Experten Kostas besser aufgehoben. Ich wünsche mir dringlich, dass er beim 1. FC Kaiserslautern bleibt und sich durchbeißt. Vielleicht waren die letzten 1-2 Jahre etwas zu viel für ihn mit dem Wechsel nach Deutschland, Abstieg, EM-Teilnahme und Nicht-Aufstieg. Hoffentlich bekommt er das Vertrauen und schöpft sein Potential aus, im Trikot der Teufel.

Die Quelle mit dem Fortounis-Interview möchte ich nicht verschweigen, der Artikel findet sich auf der griechischen Sportseite www.novasports.gr .Wenn es einen findigen Leser gibt, der des Griechischen mächtig ist, würde ich mich über eine Übersetzung sehr freuen.

Auf der Habenseite befinden sich auch einige Namen, die man kennt.

Bereits fest stand die ablösefreie Verpflichtung von Marcel Gaus vom FSV Frankfurt. Der Flügelstürmer soll die vakante Position besetzen und erhofft sich einen Karrieresprung beim FCK.

Mit Ruben Jenssen kam ein zentraler Mittelfeldspieler in der defensiven Rolle. Der norwegische Nationalspieler kommt von Tromsö IL, wo der FCK in der Vergangenheit bereits Patrice Bernier kaufte. Jenssen wird direkt eine zentrale Rolle zugetraut, der pass-sichere und robuste Aufbauspieler ist ein Kandidat für einen Stammplatz.

In Skandinavien fand sich ein weiterer Mittelfeldmann, den man aus der 1. Bundesliga kannte. Alexander Ring konnte von HJK Helsinki verpflichtet werden, nachdem er in Gladbach nicht völlig überzeugte. Bei ihm streiten sich die Experten noch über seine endgültige Position. Unter Lucien Favre spielte der schnelle und quirlige Nationalspieler Finnlands auf der rechten Außenbahn, in seinem Heimatverein und mit den Landesfarben agierte er eher im Zentrum. Ring ist auch ein Spieler, der dem FCK direkt weiterhelfen könnte. Schnell im Antritt und Dribbelstark könnte er sofort einen Platz unter den ersten 11 Teufel haben. Hierbei muss man Kuntz loben, diesen Mann auch endgültig binden zu können, ohne ein Leihgeschäft. Für die 2.Bundesliga ein Top-Transfer.

Im Sturm legte man auch nach und holte den jungen Simon Zoller aus Osnabrück. Da der VfL in finanzieller Not ist, konnte man den herausragenden Offensivakteur der 3. Liga für kleines Geld kaufen. Ich habe relativ wenig von Zoller gesehen, aber in der abgelaufenen Saison war er einer der besten Spieler in Liga 3. Wenn die Möglichkeit besteht einen jungen, entwicklungsfähigen Kicker wie ihn zu holen, ist der 1. FC Kaiserslautern in der Pflicht da zuzuschlagen. Ob jetzt direkt Bedarf auf der Stürmerposition besteht, bleibt fraglich. Mit Idrissou, Bunjaku, Wooten und Swierczok hat man bereits 4 Stürmer unter Vertrag. Swierczok wird wohl nach seiner langen Verletzung erst mal in der U-23 aufgebaut.

Was im letzten Jahr nicht sonderlich gut funktionierte, macht man in diesem Jahr eben noch einmal. Auf der Frankfurter Resterampe wurde der 1. FC Kaiserslautern fündig und angelte sich Karim Matmour und Olivier Occean. Beide Spieler überzeugten in der Aufstiegssaison der Eintracht vor zwei Jahren, konnten aber in der ersten Bundesliga keinerlei Akzente setzen. Matmour dürfte vielen Leuten ein Begriff sein. Der algerische Außenstürmer war bereits in Freiburg und Gladbach aktiv, bevor er sich der Eintracht anschloss. Erfahrung dürfte er haben, aber die grundlegenden Defizite bleiben. Karim ist schnell und athletisch, aber der Ball ist nicht sein Freund. Er ist einer der Spieler, die ewig ein uneingelöstes Versprechen repräsentieren.

Ach, wenn der nur noch Tore machen könnte! Ach, wenn der nur besser am Ball wäre. Ach, wenn er nur mehr Flanken schlagen könnte, dann wäre er ein Großer!“

So oder so ähnlich blieb er mir in Erinnerung. Als Ersatzmann und Rollenspieler sicherlich solide. In der NBA nennt man solche Spieler „energy guys“, dass heißt sie kommen von der Bank und bringen Schwung ins Spiel. Eine andere Verwendung kann ich mir beim ihn nicht denken.

Olivier Occean war vor gut einem Jahr sehr gefragt. Viele Vereine wollten den kantigen Mittelstürmer, der Fürth in die erste Liga schoss. Occean landete bei Mitaufsteiger Frankfurt und dort gelang ihm nichts. Mo Idrissou wechselte auf Grund der Perspektive nach diesem Transfer an den Betze. Jetzt hat der 1. FC Kaiserslautern beide. Win-win?

Es bleibt abzuwarten in welcher Form Occean an den Betze kommt. Ist er als Stammspieler eingeplant? Verlässt uns noch ein Stammstürmer? Soll er hinter Mo den Ersatz geben? Wird er mit einer untergeordneten Rolle zufrieden sein? Was heißt das für die Stürmerreihenfolge? Welches Signal geben die Verpflichtungen von Zoller und Occean an Nachwuchsleute wie Mario Rodriguez (aktuell bei der U-20 WM mit den USA ausgeschieden), dessen Vertrag noch nicht verlängert wurde und von anderen Clubs umworben ist? Fragen über Fragen.

Ich bin nicht in der Lage jene zu beantworten, aber vordergründig wurde er geholt um die Feuerkraft ganz vorne zu erhöhen. Das klingt logisch, klingt aber sehr nach Aufstiegszwang. Occean wurde in einem ähnlichen Konstrukt verpflichtet, wie Leon Jessen abgegeben wurde. Eine Leihe für 2-Jahre mit Kaufoption. Wer den dann 33-jährigen Kanadier noch kaufen will, der in der 1. Bundesliga kein Bein auf den Boden bekam, muss man sehen. Ich hoffe nur es ging nicht auf Kosten von Rodriguez, den man unabhängig von den Neuen dringend halten sollte. Aber er braucht sicherlich eine Perspektive und die im Kader der ersten Mannschaft zu stehen, scheint verschwindend gering. Man kann nur daran glauben, dass er ein Ausbildungsjahr in der U-23 akzeptiert. Was aus mit Occean wird, kann nur die Saison zeigen.

Der aktuellste externe Zugang ist Kevin Stöger. Der junge Österreicher (19) wurde vom VfB Stuttgart für ein Jahr ausgeliehen (ohne Kaufoption). Der talentierte Spielmacher glänzte in der U-23 des VfB und durfte auch schon bei den Profis herein schnuppern. Als vor einiger Zeit die Talente der Stuttgarter im Kicker evaluiert wurden, bekam Stöger gute Kritiken. Nur körperlich scheint er nicht der Stabilste zu sein. Seine Lieblingsposition ist im zentrale Mittelfeld als Spielgestalter. Baumjohann lässt grüßen. Ihn mit einem 19-Jährigen Talent zu ersetzen, klingt etwas riskant. Von daher denke ich, wird er hinter Fortounis, sollte dieser bleiben, zum Einsatz kommen. Sollte er als Stammspieler eingeplant sein, muss man sich fragen warum man dem eigenen Nachwuchs nicht solche Chancen einräumt. Ich will hier nicht gegen Stöger wettern, der sicherlich Qualitäten hat, aber auch die eigene U-19 sowie U-23 hat einige junge Talente zu bieten.

Als back-up für Chris Löwe darf sich Jean Zimmer, der beim Stehgeiger bereits eingehend beschrieben wurde, beweisen. Bis jetzt darf er die Vorbereitung bei den Profis mitmachen und hoffentlich weiß er zu überzeugen. Auffällig wie viele Spieler aus dem defensiven Bereich es schaffen, sich in die Kampfmannschaft zu spielen. Heintz, Orban und jetzt Zimmer. Nur leider drückt der Schuh in der Defensive weniger. Schindele (IV) und Hajtic sind wohl erst mal für die U-23 eingeplant, wobei beide nach der kraftraubenden Saison auch länger im Urlaub waren (Relegation, DFB-Pokalfinale). Gerade von Hajtic erwarte ich viel, möglicherweise rutscht er noch in den Kader der ersten Mannschaft.

In diesem Sinne

Stehgeiger

Relegation! Und jetzt? Teil 3/3 Neue Männer braucht die Pfalz, oder auch nicht

Es steht nur noch ein Spiel der regulären Saison aus, aber der 1. FC Kaiserslautern steht als Drittplatzierter fest. Bereits jetzt laufen die Planungen für die neue Saison auf Hochtouren, sei es wieder in der 2. Bundesliga oder auf dem Olymp in der 1. Bundesliga.

Für die kommende Saison hat Kaiserslautern Marcel Gaus vom FSV Frankfurt verpflichtet. Der offensive Mittelfeldspieler, der auf der linken Außenbahn beheimatet ist, kommt ablösefrei. Der 23-Jährige spielte in dieser Saison eine untergeordnete Rolle bei den Bornheimern, einerseits wurde er lange durch eine Schambeinentzündung (remember Michael Ballack) zurückgeworfen, andererseits kassierte der Heißsporn danach zwei glatt Rote Karten und musste aussetzen. Seine Leistungsdaten lesen sich trotzdem recht ansprechend, konnte er in 8 Spielen in der 2. Bundesliga 2 Tore und 4 Vorlagen beitragen. Bei seinen 4 Einsätzen in der Reservemannschaft kam er auf 1 Tor und 2 Vorlagen.

Der Stehgeiger heißt Marcel Gaus herzlich Willkommen auf dem Betze!

Etliche Spieler beim 1. FC Kaiserslautern stehen bei anderen Clubs in Leihverhältnissen und es steht noch offen, wie viele letztlich den Weg zurück finden bzw. erwünscht sind.

Mit Itay Shechter, Richard Sukuta-Pasu, Jakub Swierczok, Andrew Wooten und Ilian Micanski stehen gleich fünf nominelle Stürmer wieder auf der Matte.

Shechter konnte bei Swansea City kaum überzeugen und lieferte in 17 Spielen ein Tor und 1 Vorlage ab. Kaum jemand geht davon aus, dass Shechter nochmal für die Roten Teufel auflaufen wird, aber solange kein Angebot da ist, wird er zum Team zurückstoßen. Ob er genug Klasse hat sich im europäischen Fußball außerhalb Israels durchzusetzen, konnte er nicht zeigen. Ein Millionen-Missverständnis ist geboren.

Sukuta-Pasu war in Österreich bei Sturm Graz erfolgreicher und hat bis zum jetzigen Zeitpunkt 29 Spiele absolviert, in denen er 12 mal traf und 2 mal vorlegte. Trainer Franco Foda äußerte sich bereits vor einigen Monaten, dass er Sukuta-Pasu in seine Planung einschließt und einen Weiterverkauf ausschließt. Das mag entweder der Wahrheit entsprechen, oder bei den ansprechenden Leistungen Preistreiberei sein.

Jakub Swierczok wurde zurück in die Heimat verliehen, zu Piast Gliwice in der Ekstraklasa. Dort kam er bis jetzt nur einmal zum Einsatz, wurde er doch von einem Kreuzbandriss gehindert. Er fiel fast die gesamte Saison aus und konnte weder trainieren, noch spielen. Momentan befindet sich der junge Pole wohl im Aufbau nach der Verletzung. Ich persönlich empfand ihn als gutes Talent und er wusste bei seinen Auftritten für den FCK durchaus zu gefallen (auch in der Reserve). Falls er sich mit der Rolle eines Kaderspielers zwischen der ersten und der zweiten Mannschaft zufrieden gibt, würde ich ihn gerne wieder in unseren Farben sehen.

Eigengewächs Andre Wooten durfte in der 2. Bundesliga beim SV Sandhausen Erfahrungen sammeln, wo er sich zum Stammspieler mauserte und in 27 Einsätzen 7 Tore und 3 Vorlagen erzielte. Der Stürmer wurde von den Sandhäusern vornehmlich auf der rechten Außenbahn eingesetzt. Der US-Amerikaner wurde auch in die U-23 der USA berufen und konnte sein Potential durchaus nachweisen. Alle Anzeichen deuten auf eine Rückkehr hin, sollte kein unmoralisches Angebot eingehen.

Die Ehe zwischen dem FCK und Ilian Micanski ist zum Scheitern verurteilt. Auch im zweiten Anlauf konnte er sich bei einem neuen Trainer nicht durchsetzen. Einzig bei seiner vorherigen Leihe beim FSV Frankfurt wusste er zu überzeugen. Nun mag das vielschichtige Gründe haben, aber ich sehe für ihn keine Zukunft im FCK-Trikot. Für den FC Ingolstadt kam er in dieser Saison auf 7 Einsätze und 1 Tor, sowie 2 Vorlagen. An Micanski schieden sich lange die Geister, wurde er unter Marco Kurz trotz starker Vorbereitung kaum berücksichtigt. Nach seiner ersten Leihe bei Frankfurt ließ er erneut aufhorchen und schaffte in 15 Rückrundenspielen 9 Tore und 5 Vorlagen. Danach fand Franco Foda auch keine weitere Verwendung für ihn und verpflichtete im Winter den österreichischen Publikumsliebling Erwin Hoffer. Alle Zeichen stehen auf Abschied im Sommer. Bei den Autostädtern wird er mit einem lässig versemmelten Elfmeter in Erinnerung bleiben.

Auf der Liste der verliehenen Spieler befindet sich auch Leon Jessen, welcher damals mit vielen Vorschusslorbeeren empfangen wurde. Der dänische Nationalspieler sollte dauerhaft Alexander Bugera von seiner Last der linken Abwehrseite befreien und sich als Stammspieler etablieren. In der ersten Saison gelang es ihm noch, wobei er dort schon teils Bugera wieder weichen musste. In der zweiten Liga spielte er auch häufig, zog sich durch sein fahriges Spiel aber den Unmut der Fans und Verantwortlichen zu. Die erste Hälfte dieser Zweitligasaison bestritt er 12 Spiele und alle in der Startelf. Seine letztes Spiel machte er für die Roten Teufel am 14.12.2012, bei der denkwürdigen Heimniederlage gegen den VfR Aalen. Danach wurde er wie Micanski nach Ingolstadt verliehen, wo er die ersten 8 Spiele nicht im Kader stand, sich aber danach immer in der Startelf fand und alle Spiele bis jetzt über 90 Minuten bestritt. Eine Rückkehr in die Startelf beim FCK wird ihm durch Neuzugang Chris Löwe verwehrt, welcher auch selten herausragend agierte, aber durch seine kämpferische Art und erhöhten Offensivdrang besser an den Betze zu passen scheint. Er könnte vielleicht bis 2014 bleiben und den Ersatzmann für Löwe geben, falls er sich mit dieser Rolle zufrieden zeigt. Ansonsten wird Leon Jessen den 1. FC Kaiserslautern verlassen müssen.

Von den Winterneuzugängen wussten nur wenige Spieler auf Anhieb zu überzeugen. Chris Löwe nahm die vakante Position von Jessen auf und zeigte positive Ansätze. Dem Stehgeiger imponiert, dass er Willen und Charakter besitzt und nach Niederlagen nicht den üblichen Sing-Sang anstimmt, den man von so vielen Spielern kennt. Löwe scheint ehrgeizig und lernwillig sein, so dass er bei stetiger Entwicklung eine Dauerlösung als linker Verteidiger werden kann.

Ein großes Rätsel bleibt die Verpflichtung des jungen Österreichers Christopher Drazan von Rapid Wien. Der erklärte Wunschspieler von Trainer Foda konnte bis jetzt noch nicht mal in Ansätzen zeigen, dass er Zweitliganiveau hat. Für immerhin 500.000 € wurde er gekauft, bei einem halben Jahr Restlaufzeit des Vertrages in Wien. Drazan spielte nie von Beginn an und konnte die Minuten, die er bekam auch nicht nutzen. Eine magere Torvorbereitung aus dem knappen Sieg gegen die Münchner Löwen steht zu Buche. Daneben stand er auch zwei mal nicht im Kader und wurde ganze vier mal gar nicht eingewechselt. Kuntz und Foda müssen sich fragen, was sie sich von so einem Spieler erhofft haben, der zwar in Österreich mit Verletzungen zu kämpfen hatte, beim FCK aber voll im Saft stehen sollte. Anfangs wurde die Verpflichtung durchaus von den Fans begrüßt, kannte man Drazan als jungen Spieler, der dem Hamburger SV 2009 eine herbe Niederlage in der Gruppenphase der Europa League verpasst hatte. Heute muss man sich fragen, ob die Wiener uns den richtigen Mann geschickt haben? Er wirkt behäbig, ideenlos und sehr unsicher am Ball. Von einem Spieler mit internationaler Erfahrung (Nationalmannschaft, Europa League, Champions League Qualifikation) durfte man getrost mehr erwarten. Sag niemals nie im Fußball, aber Christopher Drazan lässt den Stehgeiger wie einen Dauerläufer aussehen. Potential zum Transferflop ist definitiv gegeben.

Markus Karl von Union Berlin konnte zwar nicht die tolle Form von Enis Alushi erreichen, vertrat den verletzten Mittelfeldstrategen aber ganz gut. Er fügte sich rasch ein und bestach phasenweise mit Zweikampfstärke und Präsenz. Zumindest bis Karl sich auch verletzte und den Rest der Saison ausfiel.

Vom FC Bayern München wurde Mitchell Weiser ausgeliehen, das große Talent vom 1. FC Köln. Weiser sah man sofort an, dass er etwas mit dem Ball anzufangen wusste und versprach sofort mehr. Es dauerte eine Weile, aber dann entpuppte sich der Mann mit der „Kölner-Ringe-Gedächtnisfrisur“ schnell als guter Spieler mit Perspektive. Sein stärkstes Spiel bot er dann ausgerechnet gegen die altern Kameraden aus Köln, wo er nach seiner Einwechslung sofort brannte und ein Tor wunderbar vorbereitete. Sollte man aufsteigen, oder auch nicht, müsste man sich um Weiser bemühen. Ihm könnte ein ähnlicher Werdegang wie Sidney Sam bevorstehen und bei dem Kader der Bayern sehe ich noch keinerlei Platz für ihn in München. Vielleicht kann man Pep Guardiola und Matze Sammer ja eine weitere Leihe schmackhaft machen, wobei eine Kaufklausel natürlich noch besser wäre und man sich nicht wie bei Sam, den anderen Bietern beugen müsste.

Kommen wir zu zwei Spielern, die ganz unterschiedlich aufgenommen wurden, aber ganz ähnliche Leistungen boten. Benjamin Köhler und Erwin Hoffer. Köhler als Frankfurter Urgestein und Aufstiegsheld hatte seinen Platz bei Armin Veh verloren und konnte ablösefrei geholt werden. Seine ersten Auftritte waren grauenhaft und man musste sich fragen, ob der in dem einen Jahr nicht doch um weitere zehn Jahre gealtert war. Dann aber kam das Spiel gegen den FSV Frankfurt und Köhler explodierte. Er spielte mit Lust, Laufbereitschaft und Kreativität. Ich denke wenn man ehrlich ist, es vielleicht genau das, was man Köhler noch erwarten kann. Ein in die Jahre gekommener Mann, der in manchen Momenten noch mal glänzen kann. Perspektive darüber hinaus hat er keine. Erwin „Jimmy“ Hoffer war bereits in Kaiserslautern bekannt und beliebt. Der kleine Österreicher kämpfte und stürmte sich in die Herzen der FCK-Anhänger. Diese Saison blieb er lange alles schuldig, bis er dann endlich beim letzten Sieg gegen den Jahn glänzen durfte. Jimmy ist ein Buch mit sieben Siegeln und keiner vermag genau einzuschätzen was er kann. In einem System wo er seine Schnelligkeit und Durchsetzungskraft ausspielen kann, hat er vielleicht Bundesligaformat. Aber unter Foda wirkte er lange Zeit wie ein Fremdkörper. Jimmy gehört noch immer dem SSC Neapel, dass im Sommer 2009 mal 5 Millionen € für ihn überwies. Heute dürfte sein Marktwert ordentlich im Keller sein und er vielleicht für kleines Geld zu kaufen sein. Niemand in Neapel kann nach den zahlreichen Leihgeschäften mit einer plötzlichen Explosion rechnen. Vom Typ her passt er prima an den Betze. Ist er nicht zu teuer, kann ich mir eine Weiterverpflichtung vorstellen.

Abschließend muss man sagen, dass die Einkaufspolitik von Kuntz und Foda etwas planlos wirkt. Natürlich wurde auf Verletzungen und Verkäufe reagiert, aber kaum einer der Neuzugänge im Winter war sein Geld wert.

Zur kommenden Saison, wo auch immer der 1. FC Kaiserslautern spielen mag, stehen 31 (!!) Spieler unter Vertrag. Dabei werden uns sicher einige Kicker verlassen, aber für alle Kaderleichen findet man so leicht keinen Abnehmer. Da sind quasi schon alle Plätze besetzt und ich kann noch den Bogen zum Thema Jugendarbeit spannen. Wo sollen noch irgendwelche Jugendspieler und Leistungsträger aus der zweiten Mannschaft (welche sich in der Rückrunde stark präsentierte und bis zuletzt vom Aufstieg in Liga 3 träumte) hin passen? Fast jede Position ist doppelt und dreifach besetzt. Dabei will man sparen und künftig stärker auf die Jugend setzen. Wohin soll man die Jungen denn setzen? Da muss doch ein völlig neuer Trainingskomplex her, um diese Kompanie trainieren zu lassen.

Das Thema Durchlässigkeit fällt völlig hinten ab, wenn es für jede erdenkliche Rolle noch einen Amri, einen Hajri und einen Shechter gibt. Deren gut dotierte Verträge erlauben dann natürlich auch keinen großen Spielraum bei Verhandlungen. Der 1. FC Kaiserslautern ist in einem selbst erschaffenen Teufelskreis gefangen, den es dringend zu durchbrechen gilt. Der gesamte Kader muss schleunigst verschlankt werden und sollte man in der Relegation scheitern, dann müssen auch dort Einschnitte bei den Großverdienern gemacht werden. Zu Beginn sollte man sich bemühen es auch so zu kommunizieren, denn ein richtiger Umbruch braucht Zeit und liefert selten schnelle sportliche Erfolge. Erste Liga um jeden Preis kann nicht die Maxime sein. Natürlich möchte auch ich nicht alle guten Spieler vom Hof jagen, aber ein klares Gerüst um willige Leistungsträger muss man jetzt in Angriff nehmen. Für mich sind Sippel, Dick, Heintz, Torréjon, Löwe, Borysiuk die ersten Korsettstangen. Mit Abstrichen folgen dahinter Namen wie Fortounis, Weiser (wenn möglich), Bunjaku (wenn nötig), Gaus (vertraglich), Julian Derstroff und Wooten. Bei anderen sollte man evaluieren, ob man mit der Leistung zu dem Preis zufrieden ist (Linsmayer, Zellner, Orban, der gesamte Sturm), oder aber ob es sich lohnt externe Leute zu verpflichten, wenn es durchaus Optionen im eigenen Stall gibt.

Jene Optionen werde ich in meinem nächsten Artikel besprechen!

Bis dahin

Euer Stehgeiger