Es wird eng in der Mitte – Kaderplanung für die Saison 2013/2014

Die U-19 des 1. FC Kaiserslautern verlor das DFB-Junioren Pokalfinale in Berlin mit 0:1 gegen den 1. FC Köln. Das Spiel war auf Sport1 zu sehen und ich hoffe, dass so mancher FCK-Fan eingeschaltet hat, um sich ein Bild von den Talenten zu machen. Tragischerweise waren fast alle Leistungsträger der Vorrunden und des Ligabetriebes nicht gerade in großer Form.

Hajtic, Rodriguez und auch Salinger spielten weit unter dem, was sie in vorangegangenen Partien gezeigt hatten. Dem jungen Torwart unterlief ein Fehler beim Herauslaufen, assistiert durch die schwache Abwehr vom eingewechselten Antonaci, welchen die Domstädter nutzen um die Führung zu erzielen. Danach war es ein munteres Spiel, wobei dem FC in der 2. Halbzeit mehr gelang. Die Chancen zum Ausgleich waren da, Halil Hajtic vergab zwei mal in aussichtsreicher Position.

Jetzt gilt die volle Konzentration der Aufstiegsrunde gegen die Offenbacher Kickers. Gerüchten zu folge steht Stefan Kuntz in Verhandlungen mit Halil Hajtic und Mario Rodriguez Jr. Vielleicht sieht man die zwei Jungs im Trainingslager schon wieder. Kapitän Michael Schindele hat bereits einen Vertrag und wird voraussichtlich für die U-23 Mannschaft auflaufen. Viele andere talentierte Kicker wie Salinger, Pick, Osei-Kwado und Kyere-Mensah könnten noch ein weiteres Jahr A-Jugend spielen, was ihrer Entwicklung nicht schaden dürfte. Besonders wenn der FCK es zurück in die U-19 Bundesliga schafft.

Es kursieren viele Transfergerüchte rund um den Betzenberg. Feststehende Abgänge sind wohl Erwin Hoffer (SSC Neapel) und Mitchel Weiser (zurück zum FC Bayern München), mit beiden plant man nicht mehr. Weiterhin ist der Vertrag von Alexander Baumjohann abgelaufen, welcher mit Hertha BSC, Hannover 96 und dem FC Augsburg in Verbindung gebracht wird. Bereits verabschiedet sind Chadli Amri und Matze Abel (beide Ziel unbekannt).

Außerdem scheint der SV Sandhausen an einer Verpflichtung von Denis Linsmayer interessiert zu sein, vermeldet bei www.transfermarkt.de.

Der Rückkehrer Richard Sukuta-Pasu (Sturm Graz) hat wohl auch einige Angebote aus der zweiten Bundesliga vorliegen. Unter anderem soll der VfL Bochum und der Karlsruher SC seine Fühler ausgestreckt haben. Foda hatte in der Vergangenheit betont, dass man Sukuta-Pasu nicht abgeben wolle, nach einer Hinrunde mit 10 Toren für die Grazer. Es kamen aber nur zwei weitere Tore dazu und im Sturm herrscht ein Überangebot. Ich könnte mir einen Verkauf gut vorstellen, da Sukuta-Pasu auch in Österreich nicht zweifelsfrei seine Klasse nachweisen konnte.

Ein weiteres prominentes Gesicht kehrt aus dem Mutterland des Fußballs zurück. Itay Shechter, einst „Königstransfer“ und Ersatz für Srjdan Lakic, konnte bei seiner Leihe in der englischen Premier League keine Ausrufezeichen setzen. Für Swansea City kam er nur auf ein mageres Tor und eine Vorlage in 18 Einsätzen. Die Waliser haben keine weitere Verwendung für den sechsundzwanzigjährigen Israeli. Insider aus Israel berichten bei www.transfermarkt.de, dass drei große Vereine aus der heimischen Liga Shechter wollen. Eine mögliche Ablöse soll sich im Bereich von 1 Million € bewegen. Ich denke das Kapitel Shechter wird vom 1. FC Kaiserslautern beendet, denn er konnte weder in der 1. Bundesliga, noch der englischen Eliteklasse sein Können zeigen. Mit der spekulierten Ablöse muss man sich aus FCK-Sicht wohl abfinden, denn Shechter betrieb keine Marktwertsteigerung. Die 2,5 Millionen € die man einst für ihn zahlte, wird man leider nicht mehr wieder sehen. Da noch keine offiziellen Gerüchte nach Außen gedrungen sind (Printmedien, Internet etc.), kann es auch sein, dass Itay zum Betze zurückkehrt. Vielleicht kann er in der zweiten Liga überzeugen, aber man muss sich fragen, ob a) Shechters Gehalt zu zahlen ist und b) der Spieler in der zweiten deutschen Spielklassen kicken möchte?

Zu Leon Jessen und Ilian Micanski (Leihe FC Ingolstadt), Andrew Wooten (SV Sandhausen) und Jakub Swierzcok (Piast Gliwice) ist noch nichts bekannt geworden.

Auf der Seite der Neuzugänge steht aktuell nur Marcel Gaus vom FSV Frankfurt, der hier bereits diskutiert wurde. Weiterhin wird seit dieser Woche um zwei potentielle Namen spekuliert.

Ruben Yttergard Jenssen von Tromso IL aus Norwegen steht laut norwegischen Medienberichten (www.nrk.no) bereits vor einer Vertragsunterschrift. Demnach soll der zentrale Mittelfeldspieler einen 3-Jahresvertrag unterschreiben, lediglich Medizin-Check und die Unterschrift fehlen. Für den norwegischen Nationalspieler sollen 250.000 € plus erfolgsabhängige Zuzahlungen überwiesen werden. Der einst in Norwegen als großes Talent gepriesene Jenssen agiert zumeist auf der Doppel-6, aber als offensiver Part mit spielgestalterischen Fähigkeiten. Ein Manko, dass Trainer Franco Foda und Stefan Kuntz definitiv beheben müssen, wie die Relegationsspiele zeigten.

Der Konkurrenzkampf um die zentralen Positionen wird also größer, auch wenn Linsmayer möglicherweise den Verein verlässt.

Ein weiterer Spieler aus dem hohen Norden Europas steht angeblich auch kurz vor einer Einigung mit den Roten Teufeln. Alexander Ring, finnischer Nationalspieler, soll auch noch diesen Monat in Kaiserslautern unterschreiben. Details über die Verpflichtung wurden nicht bekannt, kennt man den jungen Finnen aus Gladbach. Dort spielte er meist als Aushilfskraft auf der rechten Außenbahn, obwohl er von Haus eher als zentraler Mittelfeldspieler bekannt war.

Der Kicker berichtet, dass der FCK Ring gerne für ein Jahr ausleihen möchte.

(www.kicker.de/news/fussball/2bundesliga)

Der finnische Nationalspieler hat noch bis 2015 bei HJK Helsinki Vertrag. Eine Ausleihe macht den Transfers realistischer, denn selbst Borussia Mönchengladbach wollte nicht die Kaufoption in Höhe von 1,5 Millionen € zahlen. Für den FCK scheint ein Kauf in dieser Größenordnung in der 2. Bundesliga ungewöhnlich. Alexander Ring zeigte bei seinen Einsätzen für die Fohlen aus Gladbach bereits gute Ansätze und verfügt über eine starke Grundschnelligkeit, sowie ansprechende Technik. Der Trainer Lucien Favre, für seine anspruchsvolle Spielaufteilung bekannt, machte bei dem Zweiundzwanzigjährigen noch taktische Mängel aus. Vielleicht kommen jene Mängel unter Franco Foda in Kaiserslautern nicht so sehr zum Tragen. Er ist ein interessanter junger Spieler, der bereits internationale Erfahrung hat.

Blickt man genauer auf diese beiden potentiellen Transfers, so erkennt man das Foda und Kuntz durchaus gemerkt haben, wo bei der Mannschaft der Schuh drückt. Es fehlen Spieler die das Geschehen ordnen und Angriffe kreativ vortragen. Weiterhin ist das Umschaltspiel sehr ausrechenbar und einseitig (A. Baumjohann), da soll der Norweger Jenssen für Abhilfe schaffen.

Betrachtet man die Spieler, die eine Rolle im defensiven Mittelfeld spielen können, muss man fast zwangsläufig mit weiteren Abgängen rechnen. Mit Markus Karl, Enis Alushi, Denis Linsmayer, Ariel Borysiuk, Steven Zellner als gelernte defensive Mittelfeldakteure und Mimoun Azaouagh, Pierre de Wit und Benjamin Köhler als offensivere Varianten hat man bereits eine Menge Material für die Zentrale. Darunter befinden sich mit Karl, Borysiuk, Alushi und Köhler gleich vier Kicker die Stammplatzambitionen geltend machen. Natürlich bleibt zu bedenken, dass Karl und Alushi von Verletzungen zurückkehren und erst einmal die Form wiederfinden müssen. Trotzdem zeichnet sich Stand jetzt ein Überangebot ab.

Steven Zellner verlängerte kürzlich und dürfte als Rollenspieler behalten werden.

Ariel Borysiuk besitzt großes Potential, ruft jenes aber nicht immer konstant ab. Er hatte aber neben Baumjohann das beste Pass-Spiel in der gesamten Mannschaft. Ihn zu halten wird wichtig sein, auch wenn es immer mal Angebote für den Polen gab. Fraglich ist, ob er ein weiteres Jahr in der 2. Liga spielen will, was seiner Nationalmannschaftskarriere nicht dauerhaft förderlich sein kann. Bei einem finanziell verlockenden Angebot, könnte er transferiert werden. Aber im Grunde muss man ihn als Eckpfeiler dieser Truppe behalten.

Für Pierre de Wit verlief die Saison enttäuschend. Von Verletzungen geplagt schaffte er es selten in Kader und machte auch seinem Ärger darüber Luft. Für ihn sehe ich eigentlich keine weitere Zukunft mehr in Kaiserslautern, denn mit Jenssen und Alushi hat er starke Konkurrenz vor sich.

Mimoun Azaouagh hatte auch mit Verletzungen zu kämpfen, spielte relativ wenig. Bei ihm gibt es noch die Option, dass er flexibel einsetzbar ist. Eine tragende Rolle traue ich ihm nicht zu und bei einem akzeptablen Angebot könnte er Kaiserslautern wieder verlassen.

Selbiges gilt auch für Benjamin Köhler. Selten zeigte er ansprechende Leistungen, wie im Heimspiel gegen den FSV Frankfurt. Aber auch der routinierte Mittelfeld-Allrounder könnte als Ergänzungskraft zu Spielen kommen. Ob er sich damit zufrieden gäbe? Wechselte er doch von Eintracht Frankfurt an den Betze um regelmäßiger zu spielen.

Mit Alexander Ring kommt in erster Linie ein Mann für die rechte Außenbahn, obwohl er in Finnland als zentraler Mittelfeldspieler bekannt und geschätzt ist. Also mal wieder jemand der polyvalent einsetzbar ist, wie es im Fachjargon heißt. Ich hätte mir lieber einen reinen Außenläufer gewünscht, kann mich aber mit Ring und seinem Talent durchaus anfreunden. Die klare Definition von Positionen und Positionsspiel zählte in den letzten Transferperioden nicht zu den Stärken der handelnden Personen.

Es bleibt abzuwarten, was sich noch so tut. Wie schon erwähnt, es wird wieder ein ereignisreicher Sommer. Hoffentlich halten sich die Zugänge in Grenzen, denn im Grunde fehlt nur noch ein offensiver Mittelfeldspieler (10er).

In diesem Sinne

euer Stehgeiger

Werbeanzeigen

Als Hopp das rote Kaninchen stahl – Die Relegation und ihr Ende Teil 2/2

Habt ihr euch jemals gefragt, wohin der 1. FC Kaiserslautern will?

Natürlich, in die erste Bundesliga und an die Fleischtöpfe. Langfristig also zurück an die Spitze.

Nur wie will man dieses Ziel erreichen?

Da sind sich alle Experten uneinig. Die Relegationsspiele gegen die TSG Hoffenheim von 1899 zeigten deutlich, dass man spielerisch kaum in der Lage ist einen schwachen Erstligisten unter Druck zu setzen. Ja, man kann argumentieren, dass es mit der Fortuna aus Düsseldorf einfacher gewesen wäre. Aber hätte, hätte Fahrradkette. Der Gegner lautete nun mal Hoffenheim und in einem Jahr Bundesliga muss man sowieso zahlreiche Teams bekämpfen, die durch ihr spielerisches Potential schwierig sind.

Es mag auch sein, dass die kommende Saison sportlich leichter wird als die Abgelaufene. Mit Greuther Fürth und Fortuna Düsseldorf kommen zwei Vereine runter, die nicht unbedingt Albträume verursachen. Trotzdem wird das kein Selbstläufer. Vereine wie Energie Cottbus, FSV Frankfurt, 1860 München, 1. FC Köln und Union Berlin hatten jetzt ein Jahr Zeit etwas zu entwickeln und rüsten sich bereits. Denn auch diese Clubs sehen ihre Chance gekommen, endlich am Oberhaus anzuklopfen. Hinzu kommen vielleicht die ein oder andere Überraschungsmannschaft wie der Vfr Aalen (sollten sie die Lizenz zweifelsfrei erhalten) und der VFL Bochum mit Trainer Peter Neururer.

Man kann also nicht davon ausgehen, dass der 1. FC Kaiserslautern die neue Saison dominieren wird und sicher aufsteigt. In den kommenden Jahren wird der Abstand zur gewünschten Top16 Deutschlands immer größer, durch den wirtschaftlichen Nachteil. Dazu gesellt sich dann auch ein Club wie RasenBallsport Leipzig, der mit Macht in die 1. Bundesliga will. Die Möglichkeiten der Red Bull Vereins (wobei der Name Verein wirklich eine Zumutung ist, für eine Organisation ohne richtige Mitglieder unter den Fans) werden die des 1. FC Kaiserslautern immer übersteigen.

Einfallsreichtum und Kreativität sind gefragt, sollte man sich irgendwie mittelfristig in der höchsten deutschen Spielklasse sehen.

Wenn es so aussichtslos ist, warum dann überhaupt probieren?

Ein paar Vorteile wird der 1. FC Kaiserslautern einigen Clubs gegenüber immer haben. Das Fanpotential/Anziehungskraft ist riesig und der FCK bleibt auch noch die nächsten 20 Jahre auf Grund seiner Geschichte relevant. Eine Relevanz, die man in Hoffenheim und Leipzig erst noch erschaffen muss. Hoffenheim hat mit der gewonnenen Relegation einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Die Spieler sind zusammengewachsen und ich gehe fest davon aus, dass man in der neuen Saison oben mitspielt. Psychologisch dürfte da einiges passiert und für das Image wurde viel getan.

Sportlich gesehen ist man schon jetzt im Hintertreffen und über die wirtschaftlichen Verhältnisse braucht man nicht zu reden. Selbst Clubs wie FSV Mainz 05, Hannover 96, SC Freiburg und der FC Augsburg sind uns enteilt.

Eine Möglichkeit wäre, auf den eigenen Nachwuchs zu setzen. Das wird hierzulande überall groß geschrieben und Jugendarbeit bei jedem Club mit Argusaugen überwacht. Wer ist Stiefkind aus der Sparte der populären Clubs? Richtig gedacht, der FCK. Jahrelang hat man sich gar nicht gekümmert und jetzt soll alles ganz schnell gehen, bevor man völlig den Anschluss verpasst. Ich möchte jetzt weniger auf die finanziellen Details des NLZ-Ausbaus eingehen, welcher im Argen liegt. Eher möchte ich beleuchten, wie man bereits in der kommenden Saison die Weichen stellen kann.

Wer den Blog und die Jugendarbeit des 1. FC Kaiserslautern verfolgt, der kennt meine Meinung zu dem Thema. Sagen wir es so, unsere A-Jugend spielt gerade eine historisch erfolgreiche Saison.

Wird man jetzt viele der Leistungsträger in der ersten Mannschaft sehen? Es bleibt zu hoffen aber wetten würde ich darauf nicht. Dabei bieten sich gerade jetzt in der Kaderplanung Möglichkeiten, junge Leute einzubringen. Baumjohann wird gehen, Hoffer wird man kaum verpflichten (er lieferte auch kaum Argumente dafür), Torrejon wird sicherlich von potenteren Clubs umworben werden, selbiges gilt wahrscheinlich auch für Fortounis (der innerlich mit Kaiserslautern abgeschlossen zu haben scheint), Weiser wird in die erste Liga verliehen, Borysiuk könnte gehen. Auf der Abschussliste stehen außerdem noch Abel, Amri, Shechter, Jessen und andere Namen. Ein großer Umbruch steht mal wieder ins Haus.

Man muss der Realität ins Auge schauen. Der FCK kann nicht damit rechnen, kommende Saison direkt aufzusteigen. Ein so glückliches Händchen auf dem Transfermarkt wird es nicht geben, bei den klammen Finanzen. Oberstes Ziel für mich wäre jetzt, eine Identität zu finden und den Club neu auszurichten.

Wie erschaffe ich eine übergreifende Spielidee und eine Vereinsidentität?

Manche werden sagen, beides ist schon vorhanden: Kämpfen und Einsatz bis zum Umfallen.

Aber diese beiden großen Betze-Tugenden sind nicht mehr exklusiv auf Kaiserslautern zu reduzieren. Alle erfolgreichen Mannschaften haben ein aufwendiges Laufspiel, unter dem modernen Stichwort Pressing. Musste früher mancher Sportjournalist das Wort noch nachschlagen und punktete bei Verwendung mit dem Fremdwortbonus, so ist es heute schon ein negatives Urteil, wenn eine Mannschaft nicht Pressing spielt. „Unser Spiel gegen den Ball war schlecht.“ , „Das Gegenpressing des Gegners hat es uns nicht leicht gemacht.“ , in allen Variationen hört man diesen Begriff auf Deutschlands Fußballplätzen. Einsatz und Laufbereitschaft sind also keine Tugenden mehr, sondern einfache Grundvoraussetzungen für modernen Fußball.

Was ist jetzt mit dem Kampf? Ja, den Kampf kann man noch gelten lassen. Wobei es heute vielen Mannschaften zugeschrieben wird, die spielerisch nichts auf die Kette bekommen. So hat der 1. FC Kaiserslautern zwar aufopferungsvoll gekämpft, aber es reichte nicht gegen Hoffenheim. Der Faktor Kampf kann Spiele entscheidend beeinflussen, aber nicht mehr auf dem Level, wie es vor 20 Jahren möglich war. Mannschaften lassen sich nicht mehr so schnell durch Härte und physisches Spiel beeindrucken. Durch lange Ballstafetten in den eigenen Reihen lässt man den Gegner laufen und jener verliert mit der Zeit die Kraft zum Kämpfen.

Eine übergreifende Spielidee muss also mehr sein, als verstaubte Tugenden, die heute fast jeder Club irgendwie für sich beansprucht. Es geht zuerst einmal darum, ein Positionsspiel zu fixieren. Zum Beispiel sollte jeder Linksverteidiger, der sich in den Mannschaften tummelt (C-Jugend bis Profi), gewisse Abläufe kennen und Fähigkeiten entwickeln. Wie diese Fähigkeiten dann aussehen, hängt vom jeweiligen Spielsystem ab. Will man das der Linksverteidiger sich häufig in die Offensive einschaltet und „hinterläuft“, so muss er Flanken, Dribbling und Antritt üben. Gerade die Anforderungen an die Außenverteidiger sind in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Niemand braucht mehr wirklich 4 Verteidiger in der Hintermannschaft. Der RV und der LV sind Hybriden aus Mittelfeldspieler, Stürmer und Verteidiger geworden. Hat ein Außenverteidiger zum Beispiel wenig Torbeteiligungen, wird er sofort mit anderen Augen betrachtet.

Bestes Beispiel ist David Alaba vom FC Bayern München. Louis van Gaal sah in ihm das Potential zum Linksverteidiger, Marcel Koller sieht ihn (auch mangels Alternativen) als offensiven Mittelfeldspieler und bevor er zur TSG aus Hoffenheim verliehen wurde, galt der junge Österreicher als defensiver Mittelfeldspieler. Bei den Bayern spielt er seine Rolle so stark, dass man endlich das Rätsel um die Position von Philip Lahm gelöst hat (RV). Der Erfolg gibt Heynckes natürlich recht.

Also feste Positionsanforderungen fixieren, ausgerichtet am jeweiligen Spielsystem.

Welches Spielsystem sollte man den spielen?

Das hängt vom vorhandenen Personal und dem Trainer ab. Jeder Trainer muss heute ein Konzepttrainer sein und jeder der keiner sein will (Neururer, Rangnick und Daum), war das schon vor 10 Jahren. Nur die Vorreiter steckten den Spott ein, wie üblich. Wie genau jetzt der Trainer die Spieler auf dem Feld positioniert, ist eigentlich für die Vereinsentwicklung unerheblich. Wichtiger ist wirklich, dass jeder Spieler der da nachrückt, sein Anforderungsprofil genau kennt. Jeder kann seine Rolle noch persönlich interpretieren, aber die Grundlagen müssen bei allen stimmen.

Der SC Freiburg zum Beispiel spielt mit hoher Wahrscheinlichkeit einen anderen Fußball, als die altehrwürdigen Breisgau-Brasilianer, die in den 90ern nicht nur die Bayern das Fürchten lehrten. Trotzdem sind einige Dinge aus dieser Zeit überliefert. Sicheres Passspiel, ständiges Verschieben und mutige Offensivkombinationen. Das kann manchmal ein Jahr sehr gut funktionieren, oder aber auch in die Hose gehen. Wichtig ist aber, die Grundgedanken bleiben unabhängig vom Personal. Oder wer hatte den SC nach dem Abgang vom Papiss Cissé noch auf der Rechnung? Oder wer wird ihnen den Klassenerhalt zutrauen, wenn sie Max Kruse, Daniel Caligiuri, Johannes Flum und Jan Rosenthal verlieren. Das sind fünf Spieler die regelmäßig in der Startelf standen. Ein großer Aderlass und vielleicht muss der SC Freiburg um die Ligazugehörigkeit bangen. Trotzdem wird man seinen Leitfaden nicht verändern, denn Ziel bleibt es unter den besten 20 Mannschaften Deutschland zu verweilen. Finanziell ist man in sicherem Fahrwasser und träumt sogar von einem neuen Stadion. Auch durch die Verkäufe der oben genannten Spieler. Bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass der SC zwischen 2005 und 2009 4 Jahre (!) in der zweiten Bundesliga spielte. Dem Totenbett vieler Traditionsvereine mit Ambitionen und historischem Anspruch.

Ohne den SC Freiburg glorifizieren zu wollen, darf man sich den Verein gerne zum Vorbild nehmen. Natürlich werden manche Dinge immer anders in Kaiserslautern laufen, aber was die bundesweite Bedeutung angeht, gibt es durchaus Parallelen. Früher belächelt, schaut man heute neidisch auf die Arbeit im Breisgau und das Jungendzentrum.

Zusammenfassend muss man also festhalten, dass der 1. FC Kaiserslautern für sich einen Rahmen festlegen muss, den er von personellen Entscheidungen unabhängig behält. Jener Rahmen umfasst die Positionsausbildung der Spieler und die generellen Anforderungen an das Spiel.

Wie setzt man so etwas durch?

Hier gibt sich die Antwort von selbst, durch entsprechendes Personal. Mit Konrad Fünfstück wurde ein wichtiger Baustein installiert, der mich für die Zukunft hoffen lässt. Er koordiniert die Jugendarbeit und trainiert nebenher noch die U-23 Mannschaft. Fünfstück sitzt am Steuer, um bereits bei den Jüngsten gewisse Abläufe innerhalb der Ausbildung zu überwachen.

Weiterhin wird in den einschlägigen Foren über einen Sportdirektor diskutiert.

Was macht ein Sportdirektor?

Er vertritt den Verein nach Außen, wickelt Verkäufe und Zukäufe ab, verhandelt Vertragsverlängerungen/Auflösungen und bei ihm laufen die Informationen der Scouts zusammen. Er bildet eine sehr wichtige Schnittstelle zwischen dem eigentlichen Spielbetrieb und der Arbeit im Hintergrund. Bei anderen Vereinen funktioniert diese Konstellation sehr gut.

Duffner beim SC Freiburg (jetzt H96), Schmadtke ehemals bei Hannover 96 (erfolgreiche Transfers trotz vieler Unstimmigkeiten zwischen Slomka und Schmadtke), Max Eberl bei Borussia Mönchengladbach, Heidel in Mainz und Susi Zorck beim BVB zum Beispiel. Selbst in der zweiten Liga gibt es diese Rollen; Marc Arnold (Braunschweig), Stefan Menze (Dynamo Dresden), Frank Schäfer (1. FC Köln), Christian Beeck (FC Energie Cottbus), Rachid Azzouzi (FC St. Pauli), Uwe Stöver (FSV Frankfurt), Ottmar Schork (SV Sandhausen) und Franz Gerber (Jahn Regensburg). Michael Preetz fungiert bei Hertha BSC mehr oder weniger erfolgreich in ähnlicher Verantwortlichkeit unter anderem Namen (Geschäftsführer Sport).

Unser FCK beschäftigt Roger Lutz und Marco Haber als Teamkoordinatoren, was beim FC Köln Kadermanager (Jacobs) heißt. Ich kann nur schätzen, was die beiden Ex-Spieler so machen. Sie arbeiten wahrscheinlich an Belangen rund um den Spielbetrieb und die Trainingsarbeit, kümmern um Spieler und helfen jenen bei unterschiedlichen Dingen (Wohnungssuche, Eingewöhnung in Deutschland etc.). Vielleicht überwachen sie auch die Entwicklung von verliehenen Kickern, aber bei Transferentscheidungen haben wohl beide keine Mitsprache.

Transfers laufen beim FCK folgendermaßen ab. Entweder Kuntz holt die Leute in Eigenregie (Bunjaku, Azaouagh, Alushi wurden ohne Trainer verpflichtet), oder die Wünsche des Trainers werden erfüllt (Drazan). Andere werden wohl in Übereinkunft der beiden verpflichtet. Ein Sportdirektor würde Stefan Kuntz in diesem Bereich erheblich entlasten, so dass er sich als Repräsentant und Vereinsboss um organisatorische Dinge kümmern kann (Sponsoring, administrative Aufgaben etc.). Natürlich wird er weiterhin das letzte Wort bei Transfers haben, aber ein sportlicher Leiter oder klassisch Manager mit eigenem Netzwerk kann die Bandbreite der möglichen Entscheidungen erhöhen.

Ein Triumvirat um den Trainer (was braucht er), den Vereinschef (der den finanziellen Rahmen kennt) und einem sportlichen Leiter (Scoutinginfos, Netzwerk, Vertragslage) dürfte effektiver Arbeiten als ein Duo. Dabei hat der Sportdirektor die wichtige Aufgabe darauf zu achten, dass das künftige Personal (Trainer, Spieler) auch dem generellen Anforderungsprofil des FCK (Spielidee) entspricht. Auch der Trainer muss nicht mehr zwingend mit Spielern Kontakt aufnehmen, sondern hat mehr Zeit für die Arbeit als Übungsleiter.

Eine gute Sache also, die bundes- und weltweit funktioniert. Nur nicht beim FCK. Warum ist das so?

Stefan Kuntz sagte zum Thema, dass es ein Fehler war im zweiten Bundesligajahr keinen Sportdirektor eingestellt zu haben. Okay, das haben wir vernommen. Wenn man den Fehler kennt, warum kommt dann jetzt keiner? Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Kuntz argumentierte damit, dass ein Sportdirektor finanzielle Mittel verschlingt, die man sonst nicht in den Kader stecken kann. Sprich, ein sportlicher Leiter kostet Gehalt, genauso wie ein möglicher Leistungsträger. Und jenes Gehalt wäre in der 1. Bundesliga leichter zu stemmen, als in der 2. Liga. Okay, soweit so gut. Nun hat man aber gesehen, dass etliche Transfers und Personalentscheidungen gehörig in die Hose gingen und den Druck auf Foda/Kuntz erhöhten. Hoffer, Drazan, Köhler, Azaouagh, Hajri, Nsor, konnten den Anforderungen nicht gerecht werden. Ohne zu erwähnen, dass andere Vereine in der 2. Bundesliga und sogar der 3. Liga einen Sportdirektor haben. Dabei knabbern nicht alle am Hungertuch oder stehen kurz vor der Insolvenz.

Wobei man natürlich auch hier von Fall zu Fall abwägen muss: Was erwarte ich von den Spielern? Nicht jeder kann Stammspieler sein und eine Mannschaft braucht Rollenspieler. Dahingehend kann man Azaouagh und Hajri als Rollenspieler bezeichnen. Meine Meinung zum Thema ist, dass man jene Kaderplätze auch mit jungen, hungrigen Spielern aus dem eigenen Unterbau besetzen kann, aber das steht auf einem anderen Blatt. Nsor wurde als Talent geholt, aber er wusste nicht in der ersten Mannschaft zu überzeugen. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber als Nicht-Europäer durfte er nicht in der U-23 spielen. Okay, eine Leihe wurde angestrebt und konkretisierte sich nicht. Das Ergebnis ist eine sogenannte Kaderleiche. Für die Kampfmannschaft als zu leicht befunden, in der Zweiten nicht spielberechtigt und auch nicht weiterverliehen. Nsor trägt also seinen Trainingsanzug spazieren und darf beim 2 gegen 5 in der Mitte stehen. Ins Wintertrainingslager durfte er nicht mehr mit, vielleicht auch um die Hotelkosten zu senken. Das ist eine katastrophale Entwicklung für den Verein und den Spieler. Der Spieler spielt nicht und die Motivation ist im Keller, sein Marktwert sinkt. Ein sportlicher Leiter hätte das vielleicht eher auf dem Schirm gehabt, wobei ich Nsor nicht sein Talent absprechen will. Für all die Male wo Hajri im Kader stand, oder Drazan (immerhin 500.000 € teuer), hätte man auch Nsor bringen können. Ich glaube man hätte da nichts verlieren, nur gewinnen können. Ein Sportdirektor hätte vielleicht auch die Ressourcen gehabt, Nsor woanders hin zu vermitteln (Leihe). Kuntz und Foda bekamen das nicht hin, auch weil es anderweitig viel zu tun gab. Bei einer Leihe fällt manchmal auch eine Gebühr an und der übernehmende Verein trägt ein Stück des Gehalts. Anscheinend alles irrelevant für den finanziell potenten FCK.

Abschließend muss man festhalten, dass die Installation eines Sportdirektor dringend notwendig ist. Auch wenn das bedeuten sollte, dass wir einen Spieler weniger verpflichten können. Der Gewinn dürfte trotzdem auf lange Sicht da sein, denn die Arbeit in diesem Sommer ist eine Herkulesaufgabe. Zahlreiche Abgänge, Kader verkleinern, neue Leute holen und Talente einbinden.

Im Nichtaufstieg liegt für mich auch eine Chance. Man hat gesehen, dass es so wie es momentan läuft nicht reicht. Veränderungen entstehen meist daraus, dass alte Muster nicht mehr effektiv sind. Also bitte lieber Stefan Kuntz, triff strategische Entscheidungen, die den FCK auch noch in 10 Jahren profitieren lassen. Kurzfristig könnte das bedeuten, dass es weiterhin Zweitligafußball gibt. Aber mit einer gewachsenen Struktur ist die Erfolgswahrscheinlichkeit erwiesenermaßen höher, als im Hau-Ruck-Stil. Wenn wir viel mit jungen Talenten arbeiten, senken wir auch automatisch die Kosten des Kaders, welcher unter den Belastungen der 2. Bundesliga leidet (Tickets und TV-Gelder). Auch dürfte der Sprung vom Jugendbereich in die zweithöchste deutsche Spielklasse leichter sein, als direkt in der Liga der Besten bestehen zu müssen.

Mit einem Dogma muss ich an dieser Stelle auch mal aufräumen. Oftmals wird damit argumentiert, dass wir eben keinen Götze, keinen Goretzka, Alaba oder Müller in den Jugendmannschaften haben. Okay, das stimmt vielleicht. Aber gerade die genannten jungen Männer sind Ausnahmetalente, die es auch nur alle paar Jahre gibt. Außerdem, woher wollen die Leute das wissen? Beim BVB dachte man auch mal, dass Großkreutz und Reus nicht gut genug wären. Man hat diese Fehleinschätzungen dann teuer korrigiert. Ja, aber die Jugendspieler vom FCK spielen in der Regionalliga. Gut, der 1. FC Kaiserslautern spielt auch nicht in der Champions League! Die Leute können sich nur dort beweisen, wo sie spielen. Das muss nicht zwingend mit der Leistungsfähigkeit oder Entwicklung zu tun haben (im positiven wie negativen Sinne). Das Risiko ist kalkulierbar und muss eingegangen werden, um eine Zukunft zu haben. Ginge es nach diesem Dogma, müssten die Lautrer ausschließlich Kicker aus den ersten Ligen holen, damit es mit dem Aufstieg klappt. Gebt der Jugend eine Chance!

Ein weiterer Faktor, der gemeinhin unterschätzt wird ist die Psychologie. Eine Mannschaft die eine gemeinsame Geschichte hat, wird erfolgreicher sein, als jene die Jahr für Jahr große Veränderungen erfährt. Manche Personalveränderung sind unausweichlich, wie die Abgänge im Sommer (Vetragsende, Ende der Leihe, Ausstiegsklauseln). Aber Kontinuität hilft dem Zusammenhalt der Gruppe. Habe ich einen Kern, der langfristig an den Club gebunden ist, wird dieser zusammenwachsen. Das kann durch die stetige Entwicklung funktionieren, als auch durch bedeutende Ereignisse. Ein Gerüst muss her, was aus einigen Kernspielern besteht und die Vereinsphilosophie vorlebt. Das braucht Zeit, Zeit die man sich nehmen muss. Teambuilding ist ein weiterer Begriff, mit dem man so um sich wirft. Aber in anderen Bereichen wird er sehr ernst genommen. Jedes größere Unternehmen beschäftigt Psychologen, die das Betriebsklima verbessern. Auch im Fußball findet man solche Leute, die meist im Hintergrund bleiben. Auch der 1. FC Kaiserslautern sollte dort aktiv werden. Dabei geht es weniger um Campingausflüge und Mannschaftsabende, als auch um die direkte Betreuung von enttäuschten oder verletzten Kickern.

Eine Menge Blog, die der Stehgeiger da liefert! Ich werde versuchen einige Kernpunkte auch Kuntz höchstpersönlich nahe zu bringen. Mir wurde schon zwei Mal gesagt, dass ich meine Vorschläge doch mal in irgendeiner Form vortragen soll und die Leute haben recht. Ein Brief an Kuntz (ja auf Papier und so) wird in den nächsten Tagen geschrieben und ich werde jenen auch beim Stehgeiger veröffentlichen. Falls es eine Antwort geben sollte, lasse ich euch natürlich auch daran teilhaben. Wer noch weitere Vorschläge hat, der kann sie mir gerne mitteilen.

In diesem Sinne

Euer Stehgeiger

Als Hopp das rote Kaninchen stahl – Die Relegation und ihr Ende Teil1/2

Der 1. FC Kaiserslautern hat die Relegation verloren. In beiden Spielen schafften die Pfälzer es nicht sich gegen die TSG 1899 Hoffenheim durchzusetzen. Das Hinspiel in Sinsheim ging mit 3:1 verloren und das Rückspiel endete ernüchternd mit 1:2. In beiden Spielen bewiesen die Hoffenheimer spielerische Klasse und Cleverness, die dem FCK schon die gesamte Saison abgeht.

Man kann natürlich mit den Schiedsrichtern hadern und sich damit trösten, dass man durchaus phasenweise dran war. Aber zusammengefasst sprechen die Ergebnisse eine deutliche Sprache. Der TSG gelang es immer genau dann zu treffen, wenn die Lautrer irgendwie im Aufwind waren. Das 3:1 im Hinspiel durch den eingewechselten Sven Schipplock beendete jede Hoffnung auf eine bessere Ausgangssituation und der wuchtige Kopfball zum 1:2 Siegtreffer auf dem Betzenberg durch Jannick Verstergaard brachte sogar das phantastische Publikum zum Schweigen. Danach spielte sich Einmaliges in der Festung Betze ab. Nachdem die Fans realisierten, dass es trotz vorbildlichem Einsatz nicht mehr reichen würde, besangen sie ihre Helden auf dem Spielfeld bis zur letzten Sekunde und spendeten der Mannschaft durch minutenlange Ovationen nach dem Abpfiff Trost.

Ich bin sehr froh, dass der 1. FC Kaiserslautern und die Fans ganz Deutschland dieses Gesicht zeigten. Keinerlei Randale, keine Schmähgesänge gegen Dietmar Hopp und auch die mäßige Leistung der Roten Teufel wurde nicht mit Pfiffen beantwortet. Der 12. Mann war da und gab alles was er konnte, es trieb mir die Tränen in die Augen. Was bleibt nun nach dem Scheitern? Ich werde versuchen ein Bild zu konstruieren, dass viele Wägbarkeiten kommentiert und einen Ausblick bietet auf die nächste Saison.

Trainer Franco Foda entschied sich im entscheidenden Rückspiel für einige gewagte Personaländerungen. Er brachte Bunjaku und Drazan von Beginn an, wobei beide die Außenbahnen beackern sollten.

Die Hereinnahme von Kapitän Albert Bunjaku war nur zu logisch, wollte er die Durchschlagskraft in der Offensive erhöhen. Der erfahrene Stürmer musste aber zum wiederholten Male auf den Außen agieren. Vielen Beobachtern war bereits während der Saison aufgefallen, dass Bunjaku dort nicht sonderlich glücklich spielt. Er schafft es nicht zu Flankenläufen anzusetzen und die Mitte (Idrissou) mit Bällen zu füttern. Auch in den vielen 1:1 Situationen mit den Außenverteidigern sieht er nicht viel Land. Einigen wir uns darauf, dass man Bunjaku möglichst nahe am Strafraum unterbringen muss, um von seiner Torgefahr, Cleverness und Schussstärke zu profitieren. Fehler Nummer 1 für Franco.

Drazan wusste in keinem seiner Kurzeinsätze zu überzeugen und spielte auch gegen schwache Gegner meist pomadig, langsam und ideenlos. Von der viel besungenen Schnelligkeit hat am Betze bis heute niemand etwas gesehen, im Gegenteil. Er tut sich schwer Spielsituationen in diesem Tempo zu erfassen und reagiert dementsprechend langsam. Ähnlich präsentierte er sich auch gegen Hoffenheim, wobei jeder Spieler einen kleinen Bonus an Laufbereitschaft und Einsatzwille attestiert werden darf, durch das furiose Publikum. Wie Foda ausgerechnet in diesem wichtigen Spiel seinen Startelfeinsatz rechtfertigt, bleibt sein Geheimnis. Natürlich blieb Weiser im Hinspiel blaß und Fortounis scheint mit den Gedanken irgendwo zu sein, aber beide haben in der Vergangenheit bereits gute Spiele abgeliefert, was man von Drazan einfach nicht behaupten kann. Fehler Nummer 2 für Franco.

Die gesamte spielerische Last bliebt bei Alexander Baumjohann, den es jetzt wohl zu einem Erstligisten ziehen wird. Er spielte stark und rieb sich unheimlich auf, aber all sein Esprit und die Ideen verpufften recht schnell, nachdem er vor allem in der zweiten Halbzeit von 2-3 Hoffenheimern umstellt wurde. Der Spielaufbau des FCK war also extrem leicht zu durchschauen und mangels spielerischer Akzente die andere hätten setzen müssen, war man kaum in der Lage so etwas wie ein koordiniertes Angriffsspiel zu entfalten. Technisch starke Spieler wie Fortounis, Weiser oder auch Köhler fehlten, Bunjaku und Drazan gelang dahingehend nichts. Fehler Nummer 3 für Franco.

In der Innenverteidigung ersetzte Foda Heintz durch Orban, der seine Sache ordentlich erledigte. Beim zweiten Gegentor war er dann völlig unterlegen, gegen den viel größeren Verstergaard, den man im Raum kaum verteidigen kann. Der junge Däne kam mit ein paar Schritten Anlauf in den Strafraum und sprang so auch einige Stockwerke höher um den Ball im Tor unterzubringen. Warum man diesen starken Kopfballspieler nicht in Manndeckung nimmt, wird wieder nur Foda wissen. Die FCK-Spieler verteidigten bei den Standarts, aus welchen beide Gegentore am Betze resultierten, nur im Raum und waren so oftmals zu weit weg von den heranstürmenden Gegnern. Etwas, dass der FCK vor ein paar Saisons seinerseits hervorragend ausnutze, mit den Kopfballspielern wie Amedick, Rodnei oder Lakic. Das schon legendäre 5:0 zu Hause gegen Schalke 04 sollte sich jeder noch einmal anschauen, um zu verstehen worum es geht. Hoffenheim war die ganze Saison bei Standarts schwach, obwohl man den großgewachsenen Verstergaard und den Scharfschützen Sehad Salihovic hat. Das Gisdol jetzt an dieser Stelle etwas ändern würde, dürfte jedem im Vorfeld klar gewesen sein. Franco Foda wusste das anscheinend nicht.

Steven Zellner rückte für den verschobenen Orban ins defensive Mittelfeld, wo er neben Ariel Borysiuk die Zentrale dicht machte. Das gelang Zellner auch ganz gut, nur offensiv setzte er keinerlei Akzente. Zwei klassische Zerstörer in der Mitte brachten die Hoffenheimer kaum in Verlegenheit und man agierte Zeitweise eher mit einer 6er Abwehrkette. Natürlich durfte man dem Gegner nicht ins Messer laufen und früh ein Gegentor kassieren, aber spielerisch bedeutete das Magerkost. Köhler oder de Wit wären Alternativen gewesen und jedem Fan dürfte jetzt klar sein, wie wichtig Enis Alushi für das Mannschaftsgefüge war. Er spielte den Zwischenspieler zwischen Defensive und Offensive und erleichterte Baumjohann damit die Arbeit. Das wusste Foda auch und man legte nach, als Alushi den Rest der Saison ausfallen sollte. Nun verletzte sich dessen Ersatz Markus Karl auch so schwer, dass er nicht mehr spielen konnte. Zwangsläufig hätte das zu mehr Spielzeit für den wiedergenesenen Pierre de Wit oder Benjamin Köhler führen müssen, tat es aber nicht.

Mit mehr spielerischer Klasse auf den offensiven Positionen, hätte man den Riegel vor der Abwehr prima rechtfertigen können. Aber so blieb dem Team fast nichts anderes übrig als das Heil in langen Bällen auf Idrissou zu suchen, der mal wieder von Vestergaard gut abgedeckt wurde. Mo rieb sich auch in vielen Scharmützeln auf und sah aber in der Luft gegen den Dänen schlecht aus.

Das Zeugnis was der Stehgeiger dem Trainer Franco Foda ausstellt, ist sicherlich nicht mehr befriedigend. Zu plump und offensichtlich waren seine Marschroute und spielerische Linie für die ganze Saison. Wenn alles von einem einzigen Kicker abhängt, Baumjohann, dann können selbst Regensburg und Sandhausen diesen Mann zustellen. Der Trainer mit Stallgeruch fand oftmals keine Antwort auf die Anforderungen der Gegner und wechselte höchstens von 4-2-3-1 zu 4-4-2. Die gewachsene Spielidee fehlte und vorhandene Kicker machte er auch nicht besser. Der 1. FC Kaiserslautern ist ziemlich leicht auszurechnen und bringt kaum mal einen Überraschungsmoment.

Jetzt denken viele Fans daran, am Stuhl des Franco Foda zu sägen und ich selbst wäre dem Gedanken auch nicht abgeneigt. Trotzdem muss man ihm zugestehen, dass jeder Mensch (mit wenigen Ausnahmen) lernfähig ist. Ich hoffe die abgelaufene Saison wird genau analysiert und die eigenen Fehler offen gelegt. Von seinen Interviews kommt Foda eher etwas aufgeblasen und grobschlächtig daher, was hoffentlich nur mein Eindruck ist. Er scheint ein Trainer der „alten Schule“ zu sein, was zuerst einmal nichts schlechtes sein muss. Nur diesen von Dinosauriern und Selbstdarstellern geprägten Übungsleitern geht meist die Fähigkeit ab, eigene Fehler zu sehen.

Noch habe ich die Hoffnung, dass Foda auch einsieht, dass er einige Entscheidungen überdenken sollte. Sollte das nicht der Fall sein und er die Saison weiterhin als „Top-Saison“ mit unglücklichem Ausgang interpretieren wollen, muss er gehen. Dann hätte man auch gleich Milan Sasic halten können, dem man ja ähnliche Verfehlungen vorwarf, was die taktische Einstellung betrifft. Noch ist nicht aller Tage Abend für Franco, aber er muss aufpassen, dass sich nicht selbst ins Abseits manövriert. Stefan Kuntz ist nicht gerade zimperlich, was das Entlassen von Trainer betrifft.

Weitere Erkenntnisse und ein Blick in die Glaskugel im nächsten Teil!

In diesem Sinne

Stehgeiger

Es wird zum Tanz gebeten! – TSG 1899 Hoffenheim steht als Relegationsgegner für den FCK fest

Jetzt ist es soweit. Unglaublich wichtige Entscheidungen sind gefallen und der Relegationspartner für den 1. FC Kaiserslautern steht fest: TSG 1899 Hoffenheim

Wer mitliest, der weiß dass der Stehgeiger nicht der Meinung war, dass Hoffenheim es auf den 16.Platz schaffen würde. Die Indikatoren sprachen eindeutig gegen das Team aus dem Kraichgau. Trotzdem hat es dieser als „Söldner-Haufen“ beschimpfte Verein den Kopf aus der Schlinge gezogen. Auch als Fan des 1. FC Kaiserslautern muss der Stehgeiger seinen Hut davor ziehen. Die „Hopp-Gedächtnis-Mannschaft“ war in dieser Saison schon oftmals für tot erklärt worden und darf nun in der Relegation auf ein versöhnliches Ende hoffen.

Wie konnte das passieren?

Düsseldorf verlor sein Spiel in Hannover mit 0:3. Ein richtiger Schlag ins Gesicht und selbst nach dem Abpfiff waren einige Düsseldorfer noch sicher, wenigstens den 16. Platz erreicht zu haben. So etwas wie Hoffnung machte sich unter den Spielern breit. Dann kamen die Neuigkeiten aus Dortmund, das vermeintliche Ausgleichstor durch Marcel Schmelzer wurde zurückgenommen. Genaueres dazu, kann man auf der sehr aufschlussreichen Seite www.wahretabelle.de lesen.

Der andere Verein in der Verlosung, der FC Augsburg, sicherte sich durch ein ungefährdetes 3:1 zu Hause gegen die bereits abgestiegenen Greuther Fürth einen direkten Nicht-Abstiegsplatz. Damit belohnt sich der FCA zum Ende der Saison selbst, denn das Team beeindruckte durch Leidenschaft, Kampf und den absoluten Glauben an die eigenen Fähigkeiten. Auch hier gratuliert der Stehgeiger recht herzlich!

Zurück zu Hopp

Hoffenheim erreichte also einen 1:2 Auswärtserfolg beim Champions League Finalisten Borussia Dortmund. Die Truppe von Markus Gisdol schaffte noch den rettenden Sprung auf Platz 16. Ich hätte nicht gedacht, dass der BVB die Chance verstreichen lässt, den ungeliebten Club in die zweite Liga zu schicken. Mediale Scharmützel zwischen Hans-Joachim Watze und Dietmar Hopp als auch die berühmte Schall-Affäre sollten genug Zündstoff für den BVB liefern. Dazu kam es aber nicht, nur auf Fan-Seite und auf den Rängen war der totale Wille zu spüren, das „Projekt“ Hoffenheim aus der Eliteklasse zu schießen. Einziger verschmerzbarer Wermutstropfen, Andreas Beck muss auf seine Nationalmannschaftsberufung verzichten.

Traditionalisten aller Länder, vereinigt euch!

Jetzt schaut ganz Deutschland auf den 1. FC Kaiserslautern, welcher die Flagge der Tradition hochhalten soll. Ist der FCK dieser Aufgabe gewachsen? Der Stehgeiger hat da so seine Zweifel.

Die Hoffenheimer Mannschaft besitzt einen unschätzbaren psychologischen Vorteil. Sie haben sich entgegen allen Voraussagen und durch eine miserable Saison gekämpft. Am Ende wurden sie belohnt. Die viel besungene Wagenburg-Mentalität dürfte der TSG sicher sein. Besser hätte selbst der große José Mourinho die Geschichte nicht inszenieren können. Der 1. FC Kaiserslautern dürfte gewarnt sein, dass dieser angeknockte Boxer sich in letzter Sekunde vor dem KO in den Gong rettete und bereits neuen Willen und Energie getankt hat.

Machen wir uns nichts vor. Der 1. FC Kaiserslautern hat die schlechteren Einzelspieler, da bedarf es auch keiner Positionsanalyse. Hoffenheim verfügt eben über Mittel, von denen man in Kaiserslautern nur träumen kann, egal wie man dazu steht. Es mutet wie ein darwinistischer Evolutionskampf an, das angepasste und moderne Fußballimperium gegen den steinzeitlichen Dickhäuter. Natürlich hat der 1. FC Kaiserslautern die reichere Geschichte, mehr Fans und den größeren Namen. Sportlich und strukturell gesehen, hat die TSG 1899 aber zahlreiche Vereine hinter sich gelassen. Mit wenig Skrupel und der Präzision eines Schönheitschirurgen hat Hopp den Verein in den deutschen Fußball eingepflanzt. Selbst ein Abstieg würde den dauerhaften Aufstieg dieses Projekts nicht hindern, höchstens um eine Zeit verzögern. Mit so viel Geld kann man kaum etwas falsch machen und probiert so lange, bis alles passt. Rasenballsport Leipzig und der Red Bull Konzern lassen Glückwünsche ausrichten.

Mittelfristig gesehen kann man gegen solche finanzstarken Emporkömmlinge nichts ausrichten. Ein Verein wie der 1. FC Kaiserslautern muss sich neu orientieren und eine andere Nische für seine Existenz finden, als den althergebrachten Anspruch auf die Bundesliga. Die TSG Hoffenheim rühmt sich zwar ihrer Nachwuchsarbeit und setzte sogar in entscheidenden Spielen auf junge Kerle (Thesker, Sühle etc.), aber sollte es eng werden, nimmt man da einfach Geld in Hand und erzwingt etwa die Wiedergutmachung eines Betriebsunfalls Abstieg. Sollte sich Hoffenheim in den beiden Spielen gegen Kaiserslautern durchsetzen, blüht dem deutschen Fußball sogar noch mehr Ungemach aus der Machtzentrale in Sinsheim. Man hat gesehen, was mit Mannschaften passieren kann, die dem Tod von der Schippe springen und Krisenzeiten irgendwie meistern (Hannover 96, Borussia Mönchengladbach). Der Kern dieser Hoffenheimer Mannschaft wird zusammenwachsen und den besten Teamgeist seit ihrem märchenhaften Aufstieg formen. Sogar noch dichter und besser, da dieses Zusammengehörigkeitsgefühl aus einer wirklichen Krise entsprang und nicht durch das Feiern und Jubeln gestählt wurde. Dazu wird man dann punktuell starke Leute holen, die endlich so etwas wie eine Hierarchie und Gerüst vorfinden werden. Die Implementierung von Führungsspielern wie Tim Wiese oder Matthieu Delpierre ging ja gehörig schief.

Ein Ausblick

In zwei Spielen kann sportlich viel passieren, aber dem 1. FC Kaiserslautern wäre ein anderer Gegner besser bekommen. Sollten die Hoffenheimer wieder den Willen und das Miteinander aufbringen, dass sie in diese Option geführt hat, sieht der Stehgeiger schwarz für die Roten Teufel. Auch ein Blick auf die Bilanz ist vernichtend. In sechs Spielen konnte der FCK nicht ein einziges Duell gewinnen und verlor 4 mal. Nur zwei Unentschieden sprangen dabei heraus. Man erinnert sich noch an die ernüchternde Heimniederlage vom 04.04.2008, als der FCK mit einem Bein bereits im Grab stand. Auf beiden Seiten sind nicht mehr viele Spieler aus dieser Zeit übrig, aber die Rahmenbedingungen haben sich beachtlich geändert.

So sehr ich dem FCK den Sieg wünsche und auch bei beiden Spielen die Mannschaft unterstützen werde, so realistisch muss der Stehgeiger die Lage betrachten. Sollte nicht etwas Außergewöhnliches geschehen, was es am Betze immer mal gab, spielt der 1. FC Kaiserslautern nächste Saison in der zweiten Bundesliga und die TSG 1899 Hoffenheim wird einen ungeahnten Schub aus der Relegation ziehen. Beide Spiele bringen eine Menge Öffentlichkeit und werden die Marke TSG 1899 auch noch bei dem letzten Fußballverrückten bekannt machen. Hinzu kommt der neue Zusammenhalt und die gefundene Gemeinschaft. Auch darum drückt ein großer Teil Fußball-Deutschlands dem 1. FC Kaiserslautern alle verfügbaren Daumen.

Man darf gespannt sein, ob sich das FCK Kollektiv bündelt und es schafft, dem übermächtigen Gegner ein Bein zu stellen. Sicherlich muss man sich jetzt sportlich vor Hoffenheim nicht ins Hemd machen, aber auch nicht die unverrückbaren Gegebenheiten aus den Augen verlieren.

Die Rollen des Favoriten und Underdogs sind eindeutig verteilt. Für viele gehen damit auch die Rollen des Bösewichts und des Helden einher. Es wird ein nie da gewesenes Duell David gegen Goliath werden, dem wir alle entgegenfiebern.

Ganz so bedeutungstragend wie viele Fans diese Spiele sehen, darf es der FCK-Profi nicht tun. Es wird extrem wichtig sein, dass Trainer Franco Foda den Spielern die nötige Leichtigkeit nahe bringt um überhaupt auf dieser große Bühne etwas leisten zu können. Vielleicht kann man den scheidenden Tim Wiese heran ziehen, damit er ein paar letzte Informationen aus dem Kraichgau liefert. Trotz aller sportlichen Wichtigkeit, der Ausgang dieses Spiels darf den Weg den der 1. FC Kaiserslautern einschlagen soll, nicht beeinträchtigen.

Noch etwas in anderer Sache:

Hiermit ruft der Stehgeiger alle Fans des 1. FC Kaiserslautern auf, die Mannschaft bedingungslos zu unterstützen. Dabei muss auf krasse Beleidigungen einzelner Personen („D. Hopp, Sohn einer Hure“ z.B.) und Gewalt/Vandalismus (Hooligans oder Ultras) in Sinsheim verzichtet werden. Der Fokus liegt auf uns allen und es wäre zu schade, wenn wir das Bild des DFB und vieler populärer Medien bestätigen würden. Selbst wenn wir sportlich unterlegen sind, bietet sich die einmalige Chance der ganzen Welt zu zeigen, was es heißt eine gewachsene Fankultur zu sein. Geld kann vieles erkaufen, aber nicht Liebe und Herzblut. Dafür sollten diese beiden Spiele gegen die TSG 1899 Hoffenheim für uns Fans stehen. Bietet eure besten Choreos, Gesänge und Plakate auf! Zeigt diesen nüchternen Wirtschaftsbossen, was es heißt ein echter Fan zu sein. Nur lasst Pyro, Knüppel und mieses Vokabular zu Hause. Der große Hans Hubert Vogts sagte einmal: „„Gewalt gehört nicht auf den Fußballplatz, sondern nach Hause zur Ehefrau.“ !

In diesem Sinne

euer Stehgeiger

 

Geschichten ausm Paulaner-Garten – Tagesgeschäft oder doch Faszination 1/2013

Der Stehgeiger eröffnet eine neue Artikelreihe, die hoffentlich in Serie gehen kann. Dabei widmet er seine ganze Aufmerksamkeit einigen aktuellen Nachrichten aus Funk und Fernsehen rund um den Fußball.

Amsterdam

Der FC Chelsea darf sich jetzt auch Europa League Sieger nennen. In einem spannenden Spiel, ohne ganz große spielerische Momente, gewannen die Londoner gegen die portugiesischen Adler von Benfica Lissabon mit 2:1. Vor gut 26.000 Zuschauern erzielte Fernando Torres in der 59. Minute die Führung für Blau, ehe Óscar Cardozo per Handelfmeter ausgleichen konnte (68. Minute). Danach entbrannte eine hektische Partie, in jener Phase hätten beide Teams den Siegtreffer erzielen können. Der FC Chelsea hatte aber den üblichen Finaldusel und Branislav Ivanovic köpfte in der 3. Minute der Nachspielzeit zum Sieg ein. Es war ein Finale wie man es seit dem letzten Jahr von den Blues kennt. Feldunterlegen, uninspiriert und am Ende doch gewonnen. Haben die Engländer etwa Mitschnitte der Bayern aus den 90ern studiert? Rafa Benitez, der spanische Kellner an der Seitenlinie fand ein versöhnliches Ende seiner Amtszeit in London. Vielleicht schwenkt Abramowitsch doch noch um und verlängert den Vertrag mit dem unbeliebten Ex-Liverpooler, wie es auch schon mit Di Matteo geschehen war. Der lebenden Legende Eusebio auf der Tribüne dürfte das egal gewesen sein und Benfica wird sein Finaltrauma nicht los. Selbst der in Düsseldorf gefürchtete Luisao konnte die Niederlage nicht verhindern. Der Stehgeiger macht einen Vorschlag für den russischen Oligarchen im Besitz des FC Chelsea. Übernehmt die Idee des Trainergespanns aus good old Germany! Der finnische Recke Sami Hyypiä und Lewandowski (nein der spielt nicht selbst) oder auch Jogi und Klinsi machten es vor. Anstatt den wankelmütigen Mourinho aus Madrid zu holen, sollte Chelsea lieber Di Matteo und Benitez gleichermaßen engagieren. Damit stünde im nächsten Jahr alle Titelträger fest: nämlich nur der FC Chelsea!

Bremen

Eine Ära, wie man so schön sagt, geht zu Ende. Thomas Schaaf wird nicht mehr länger an der Seitenlinie poltern und Arnd Zeigler mit Informationen aus der Kabine versorgen. Jener Zeigler zeigte sich bei einem Radio-Interview mit WDR 2 sichtlich betroffen und musste aus seinen Lobpreisungen über den Menschen Schaaf, vom wenig sensiblen Moderator gerissen werden. Auch der Stehgeiger bereut das Ende Schaafs bei Weder Bremen. 14 Jahre, eine deutsche Meisterschaft sowie 3 DFB-Pokal Titel später stellt sich die Frage nach einem Nachfolger. Neue Impulse sollen her und es gibt Kandidaten die jene bringen sollen. Der Manager mit Eishockey-Erfahrung Thomas Eichin stellte erst kürzlich klar, dass es keine interne Lösung geben soll. Damit ist Otto Rehhagel aus dem Rennen. Nun kursieren Namen und der Stehgeiger hat die Lösung parat. Das personifizierte HB-Männchen Claus-Dieter Wolltitz, kurz Pele Wollitz, könnte direkt übernehmen. Man kennt den energiegeladenen Coach aus aktiven Zeiten in Kaiserslautern, oder auch auf dem Titelblatt der 11Freunde mit weißer Taube. Eben jener Wollitz katapultierte sich bei Aufstiegskandidat und Drittligist VfL Osnabrück ins Abseits, indem er sich bei einer Wutrede von den eigenen Fans filmen ließ. Ein Spielerversteher, Gottvater und Taktikfuchs wie Wollitz würde prima an die Weser passen und den Verantwortlichen endlich die ersehnten neuen Impulse geben. Wenn Elia und Arnautovic dann mal wieder für Schlagzeilen sorgen, war der Trainer wenigstens vor Ort. Ein Bild Artikel im Oktober 2013 könnte so aussehen: Werder Stars auf dem Oktoberfest – Skandal in München – Trainer Wollitz versprach zu zahlen, prellte aber die Zeche. Spieler kurzfristig festgenommen. Lemke muss aus Bremen einfliegen um die Saufbrüder wieder auszulösen. Uli Hoeneß tadelt aus der JVA Tegernsee.

Frankfurt/Miami

Der Kader für die USA-Reise der deutschen Nationalmannschaft steht fest. Für die zwei Freundschaftsspiel gegen Ecuador (29. Mai) und die USA (02. Juni) muss Löw auf 15 Spieler verzichten. Darunter alle Spieler des FC Bayern und Borussia Dortmund, die das Champions League Finale austragen. Außerdem fehlen unsere beiden Legionäre von Real Madrid, Sami Khedira und Mesut Özil. Miroslav Klose, Kevin Großkreutz und Sven Bender sollen nachreisen.

Als Debütanten hat Löw Max Kruse (SC Freiburg bzw. Borussia Mönchengladbach), Philipp Wollscheid und Sidney Sam (Bayer 04 Leverkusen) und Nicolai Müller (FSV Mainz 05) nominiert.

Auch einige Namen, die bereits in der Vergangenheit im Kader standen, fanden wieder Berücksichtigung: Aaron Hunt (Werder Bremen), Denis Aogo (Hamburger SV), Andreas Beck (TSG 1899 Hoffenheim) sowie Stefan Reinartz (Bayer 04 Leverkusen).

Vorab, diese Reise kann man eigentlich nicht unter normalen Umständen beurteilen, denn die besten deutschen Spieler fehlen. Weiterhin darf am sportlichen Wert dieses Trips gezweifelt werden, da stehen wohl eher wirtschaftliche und werbe-technische Interessen im Vordergrund.

Trotzdem wird auch Fußball gespielt und den Stehgeiger freut es, dass mit Sidney Sam ein Ex-Lautrer dabei sein wird. Sidney hatte wirklich Pech mit Verletzungen und kam eigentlich fast immer wieder stark zurück. Gerne erinnert man sich an seine beiden Jahre im Trikot der Roten Teufel und rauft sich heute noch ärgerlich die Haare, dass man ihn nicht am Betze halten kann. Etwas verwundert hat mich die Nachricht dann schon, war ich davon ausgegangen, dass Sam lieber für Nigeria auflaufen würde. Im Kicker gab es eine Meldung im November des letzten Jahres dazu. Wie seine Chancen auf einer dauerhafte Karriere in der DFB-Elf aussehen, mag ich nicht beurteilen. Sollte er mal einen längeren Zeitraum fit bleiben, ist er sicherlich ein Kandidat.

Heimlich still und leise meldete sich auch der ehemalige Bremer Disco-Tänzer Aaron Hunt zurück. Trotz Bremer Schwierigkeiten wusste Hunt zu überzeugen und verbuchte 11 Tore und 6 Vorlagen. Nach langer Zeit löste Hunt in dieser Saison das Versprechen ein, welches sein Talent bereits in jungen Jahren gab. Er spielte konstant und war einer der Lichtblicke in einer tristen Bremer Mannschaft.

Max Kruse hat sich die Nominierung auch völlig verdient, denn er spielte die Saison seines Lebens. Natürlich profitiert er von den Absagen der Stammspieler und es bleibt fraglich, ob er überhaupt Berücksichtigung gefunden hätte, wären alle an Bord. Trotzdem wird Jogi Löw immer ein Auge aufs Breisgau haben und liegt damit völlig richtig.

Nicolai Müller, unabhängig von Mainz 05, ist dem Stehgeiger nicht so sehr aufgefallen. Sicherlich hat er einen Schritt gemacht, aber gleich Nationalspieler halte ich doch für arg verfrüht. Er verbesserte sich in dieser Saison erheblich, aber konnte sein Können nie auf hohem Niveau beweisen, oder war so entscheidend für seine Farben wie Max Kruse.

Philipp Wollscheid rückt wohl auch nur nach, weil die Innenverteidiger fehlen. Der mit vielen Vorschusslorbeeren gekommene Ex-Nürnberger tat sich lange schwer in Leverkusen. Er eroberte sich zwar einen Stammplatz und spielte ordentlich, hat aber nie so überzeugt, dass er in einem Atemzug mit Mats Hummels, Holger Badstuber oder Jerome Boateng genannt werden kann. Gerade in der Europa League gegen den späteren Finalisten Benfica Lissabon wirkte er anfällig. Bei ihm wird man abwarten müssen, wie er den Anforderungen der Königsklasse in der kommenden Saison gerecht werden kann.

Wie Löw Andreas Beck und Denis Aogo nominieren konnte, wird sein Geheimnis bleiben. Beck spielt in einer desaströsen Hoffenheimer Hintermannschaft und schaffte es als Leader auch nicht in Erscheinung zu treten. Der Stehgeiger ist der Meinung, dass Beck viel von seiner Dynamik und dem Esprit, welcher ihn vor ein paar Jahren auszeichnete verloren hat. Selbiges gilt auch für Denis Aogo. Der HSV spielte in dieser Saison so, wie sich Mariah Carey hinter der Bühne aufführt. Aogo war quasi das Flaggschiff der Wankelmütigkeit was die Leistungen des HSV betrifft. Ob da die Freiburger Vergangenheit eine Rolle spielt? Damals als junger Mann bei den Breisgauern, dachten viele er mache eine Weltkarriere. Ballsicher, nervenstark beim Elfmeter und mit klugen Pässen spielte er sich in viele Notizbücher. Heute bleibt dieses Versprechen eines Super-Profis. Allerdings agierte er dort im defensiven Mittelfeld und ackert nun hinten links, wo eine der Schwachstellen des deutschen Kaders liegen kann.

Stefan Reinartz hat es auch geschafft, mal wieder nominiert zu werden. Der flexible Defensivmann ist ein Lückenfüller ohne groß zu glänzen. Solche Klavierträger braucht jedes Team und mangels Alternativen wurde er nominiert. Reinartz ist ein solider und nüchterner Arbeiter, den man bringen kann, wenn man weiß was er bringen kann. Der Rollenspieler dürfte sich gut einfügen, aber wenn alle an Bord sind, wird es geradezu unmöglich für ihn dauerhaft ein Thema zu werden. Dafür sind Jogis Männer im defensiven Mittelfeld viel zu stark bestückt. Reinartz geht auch fast jeglicher Offensivdrang ab. Ein klassischer Staubsauger eben, der auch in der Innenverteidigung einsetzbar ist.

Gehen sie davon aus, dass wenn Gonzalo Castro (Bayer 04 Leverkusen) fit wäre, jener sicherlich eine Nominierung ins Haus bekommen hätte. Der Allrounder spielte in Teilen dieser Saison ganz hervorragend in vorgezogener offensiver Position. Nur wird ihm dieses Polyvalenz irgendwann zum Fluch werden. Wo setzt man ihn denn ein? Rechtsverteidiger, defensives Mittelfeld oder offensive Außenbahn? Fast überall erledigt er seine Sache ordentlich bis gut. Was Castros Mannschaftskollegen Stefan Kießling betrifft, ist bereits alles gesagt und geschrieben worden. Man kann von ihm halten was man will, aber wenn man den besten deutschen Torjäger der laufenden Bundesliga-Saison (er könnte auch noch Torschützenkönig werden) dauerhaft außen vor lässt, kann das nicht rein sportliche Gründe haben. Kießling ist auch nicht im biblischen Alter und erlebt seinen zweiten Frühling. Taktische Vorgaben, System oder spielende 9 hin oder her, nimmt man ihn selbst zu dieser besseren Kaffee-Fahrt in die USA nicht mit, muss etwas mehr dahinter stecken. Jogi achtet ja sehr auf das Teamklima, dass heißt wer kritisiert fliegt. Was auch immer Stefan Kießling verbrochen haben mag, er sollte Ahnenforschung betreiben und in „Paulo-Rink-Manier“ woanders anheuern. Ich bin sicher etliche Fußballnationen wären froh einen wie ihn dabei zu haben.

Vielleicht ein Land wo es warm ist und die Sonne scheint. „Stefanos Kießling trifft für Griechenland!“ ; „Mehmet Kießlingütz erzielt Doppelpack für die Türkei!“ ; „Stefanov Kießlov erzielt Siegtreffer für Bulgarien gegen Deutschland! Nationaltrainer Krassimir Balakov außer sich vor Freude.

Abschließend muss diese USA-Reise ein neuen Leitspruch bekommen. Anbei die Vorschläge des Stehgeigers: „DFB big in America – Stefan-Paßlack-Alarm in Übersee“, „How to do it in the US – Sebescen reloaded“ ; „Jogis Resterampe goes Springsteen“ oder auch „ DFB-Team meets Barack Odonkor“.

In diesem Sinne

Euer Stehgeiger

Die nähere Zukunft – In Teufels Küche Teil 2/2

Im zweiten Teil meines Ausblicks über den Unterbau des 1. FC Kaiserslautern werde ich den Fokus nun auf die U-19 (A-Jugend) der Pfälzer legen.

In den letzten Jahren machte die von Gunther Metz trainierte Truppe immer wieder auf sich aufmerksam, im positiven wie negativen Sinne. In der Saison 2010/2011 war man Staffelsieger in der A-Jugend Bundesliga Süd/Südwest und musste sich im Finale um die deutsche Meisterschaft nur dem VFL Wolfsburg klar geschlagen geben (4:2). Aus dem aktuellen Profi-Bereich (erste und zweite Mannschaft eingeschlossen) stammen folgende Spieler aus dieser Jahrgangsmannschaft:

Dominique Heintz, Willi Orban, Chris Keilmann, Julian Derstroff, Sebastian Lindner, Sascha Simon sowie die jüngeren Kaliber wie Jan-Lucas Dorow, Kevin Schwehm und Jean Zimmer. Alle Namen kamen in besagtem Finale zum Einsatz. Einzig Philipp Klement (1.FC Nürnberg) und Nico Pfrengle (FSV Mainz 05) schlossen sich später anderen Vereinen an. Diese Quote gibt weiterhin Anlass zur Hoffnung, dass der FCK sich in Sachen Jugendarbeit auf dem richtigen Weg befindet.

Im darauffolgenden Jahr konnte man die guten Leistungen nicht bestätigen und stieg überraschend ab. Kurioserweise befanden sich unter den drei Letztplatzierten zwei andere Südwestgrößen wie Waldhof Mannheim und der FC Saarbrücken.

In der jetzigen Saison, wo man in der Regionalliga Südwest antritt, führt der 1. FC Kaiserslautern souverän die Tabelle an. In den nächsten Spielen sollte der Aufstieg festgemacht werden und die U-19 darf sich wieder mit den Besten messen. Neben dieser starken Kampagne innerhalb der Liga, konnte man auch im DFB-Junioren Vereinspokal (dem U-19 DFB Pokal) für Furore sorgen. Drei Bundesligisten kämpfte und spielte man nieder. Die Überraschungssiege gegen Hertha BSC, Werder Bremen und Borussia Mönchen-Gladbach sorgten für die Finalteilnahme in Berlin. Dort wartet mit dem 1. FC Köln ein Rivale der Profis aus der 2. Bundesliga. Die A-Jugend der Kölner spielt auch in U-19 Bundesliga West, wo man zu den Top 5 Mannschaften gehört. Alles was dahinter rangiert ist weit abgeschlagen.

Diese Mannschaft zeigte Klasse und Charakter, Trainer Günther Metz stellte das Team immer hervorragend ein und klagte zuletzt über die hohe Belastung für seine Spieler (Rheinpfalz vom 14.05.2013). Nebenbei wurde auch noch der U19-Verbandspokal gewonnen, in einem dramatischen Spiel gegen den großen Rivalen aus Mainz. Damit darf die kommende A-Jugend wieder im DFB-Junioren Pokal antreten. Auch hier wurde wieder ein höherklassiger Gegner bezwungen, welche in der A-Jugend Bundesliga Süd/Südwest spielt. Die Mainzer konnten mit André Schürrle und Trainer Thomas Tuchel die A-Jugend Meisterschaft 2009 gewinnen.

Beachtlich bei den Erfolgen der A-Jugend in diesem Jahr ist, dass man es schaffte sich regelmäßig gegen Bundesliga-Clubs durchzusetzen. Wobei es sich auch nicht um irgendwelche Mannschaften handelte, sondern um Vereine die sich ihrer Jugendarbeit zurecht rühmen dürfen und ständig starke Nachwuchsleute hervorbringen.

Der Stehgeiger hofft, dass wieder eine ähnlich hohe Quote an Spielern den Weg in den Herrenbereich schafft. Einige Spieler konnte ich besser unter die Lupe nehmen und werde jene im Folgenden so gut es geht beschreiben. Der Stehgeiger scheute keine Kosten und Mühen und war beim nervenaufreibenden Halbfinale des DFB-Junioren Pokals in Mönchen-Gladbach vor Ort.

Anfangen werde ich im Tor, wo Raphael Salinger die Position seit Anfang 2013 besetzt. Der 17-Jährige Österreicher wurde vom SC Karlsdorf verpflichtet und schaffte es auf Anhieb Stammspieler zu werden. Mit 1,96m ragt er nicht nur körperlich heraus. Salinger überzeugte im Halbfinale gegen Mönchen-Gladbach als sicherer Rückhalt und Elfmeter-Spezialist. Zwei Strafstöße vereitelte er und schoss selbst eiskalt ein. Auch im Verbandspokal-Finale gegen die Mainzer wusste er zu überzeugen und parierte auch dort einen Strafstoß. Jenen hatte er leichtsinnig verschuldet, wodurch ein Feldspieler für den indisponierten Salinger im Tor abwehrte. Nach der fälligen Roten Karte, machte der Ösi seinen Schnitzer wieder wett und hielt. Seine Stärken sind die gute Präsenz und das Spiel im 1 gegen 1. Traditionell agiert er stark beim Herauslaufen (Ehrmann-Schule) und geizt nicht mit guten Ansätzen auf der Linie. Salinger besitzt nach Meinung des Stehgeigers das Potential in den Profi-Bereich aufzurücken. Bei Torhütern gestaltet sich das auch meist weniger schwer, denn das Spiel verändert sich nur unwesentlich. Wenn er an Körpermasse noch etwas zulegt, wird er eine Alternative. Auf Grund seines Alters, könnte er im kommenden Jahr auch noch weiterhin in der U-19 spielen und in der Bundesliga Erfahrungen sammeln. Gerade sein junges Alter beeindruckten den Stehgeiger um so mehr.

In der Innenverteidigung agiert Bernard Kyere-Mensah. Der in Ghana, Accra geborene junge Mann ist ein kantiger Zweikämpfer. Unbeeindruckt durch körperliche Härte, zeigt er ein starkes Zweikampfverhalten. Kopfballspiel und direkte Zweikämpfe zählen zu seinen Stärken. Auch er ist noch weiterhin spielberechtigt für die A-Jugend im kommenden Jahr. Seine Entwicklung wird mit Spannung beobachtet werden. Vom Elfmeterpunkt in Gladbach schloss er kühl ab.

Angeführt wird die Mannschaft durch den zweiten Innenverteidiger in der Stammelf. Michael Schindele (19) durfte auch bereits in der Reserve mitspielen und hat drei Berufungen zur U-18 Nationalmannschaft auf dem Buckel. Wie Kyere-Mensah ist er körperlich stark, kann aber im Sprint ungeahnte Schnelligkeit zeigen. Mit 1,90m ist er in der Luft eine Macht, auch am Boden überzeugt er durch kluge Pässe und ein anständiges Aufbauspiel. Ihn wird die FCK-Führung bereits länger auf dem Zettel haben und er ist definitiv ein Kandidat um für die kommende Saison endgültig in den Herren-Fußball aufzurücken. Schindele kam vom FC Augsburg und könnte einen ähnlichen Werdegang wie Heintz oder Orban hinlegen. Wo Heintz auch auf der Position des linken Verteidigers spielen kann (wobei er als IV deutlich besser aufgehoben ist), kennt man Schindele als reinen Innenverteidiger. Diesen Namen kann man sich getrost merken und bei stetiger Entwicklung, wird er sich in naher Zukunft vielleicht in der „Kampfmannschaft“ des 1.FC Kaiserslautern zeigen dürfen.

Ein weiterer Afrikaner aus Ghana wirbelt auf der rechten Außenbahn. Manfred Osei-Kwado, nur „Manni“ gerufen, ist mit 17 Jahren einer der Leistungsträger dieses Teams. In der Liga konnte er bereits 11 Tore erzielen (Torvorlagen werden nicht erfasst) und im Pokal 1 Tor und 3 Vorbereitungen beisteuern. Der kleine, wendige Dribbler (1,70m) stellt sich gerne in den Dienst der Mannschaft und macht Kilometer in der Rückwärtsbewegung. Franco Foda belohnte den jungen Mann bereits mit der Möglichkeit bei den Profis mitzutrainieren. Wie immer muss man abwarten, wie die Entwicklung verläuft. „Manni“ dürfte wohl auch noch ein weiteres Jahr in der A-Jugend ran, könnte aber auch eine Alternative im Profi-Bereich werden.

Marcell Öhler ist der Spielmacher im Team und wurde zur U-18 Nationalmannschaft berufen. Es blieb bis jetzt bei der einen Berufung, aber Öhler (18) ließ auch im Ligabetrieb aufhorchen. Wie Osei-Kwado gelangen ihm 11 Tore, als auch 1 Tor und 1 Vorlage im DFB-Pokal. Unter den strengen Augen des Stehgeigers, machte Öhler aber kein gutes Spiel in Gladbach. Als Träger der Nummer 10 wurde er arg in die Mangel genommen und konnte sich kaum entfalten. In einem lichten Moment spielte er aber den öffnenden Pass, welcher zur Führung umgesetzt werden konnte. Sein Zweikampfverhalten scheint nicht sonderlich gut zu sein, aber die Spielintelligenz ist ungleich höher. Der kreative Mann bringt alles für die zentrale Mittelfeldpostion mit und dürfte zumindest in die Reserve aufrücken. Hier sieht der Stehgeiger Probleme mit der Körperlichkeit bei den Herren. Kann Öhler sich auch dort durchsetzen, wird man den Namen sicherlich wieder hören.

Der herausragende Akteur dieser Mannschaft ist der junge Bosnier Halil Hajtic. Bester Torschützer der Roten Teufel mit 19 Toren in der Regionalliga (auf Auskunft von Experten auch mit einer zweistelligen Anzahl an Torvorbereitungen) und jeweils 3 Toren im Pokal. Hajtic wurde bereits 2 mal in die U-18 und 5 mal in die U-19 Nationalmannschaft Bosnien-Herzegowinas berufen. Mit 19 Jahren ist er einer der Älteren und neben Skipper Schindele, der Spieler dem der Stehgeiger sofort Herrenfußball zutraut. Hajtic ist 1,85m groß und athletisch. Er besitzt körperlich bereits starke Voraussetzungen und bringt auch technisch Einiges mit. Seine Rolle auf dem Feld würde ich als offensiver „Ballack“ beschreiben, der auch ständig mit den Mitspielern spricht. Hajtic dirigiert die Offensive. Vorher beim VFB Stuttgart und dem FC Augsburg aktiv, muss man diesem jungen Mann Beachtung schenken. Denke ich dabei an die sportlich weniger wertvolle Partie gegen den FC St. Pauli am letzten Spieltag, könnte Hajtic einen Platz im Kader einnehmen. Natürlich immer unter der Prämisse, einen Jugendspieler nicht Überbeanspruchung auszusetzen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Franco Foda ( der beim Verbandspokalfinale vor Ort war) Halil Hajtic auf dem Zettel hat. Jogi Löw würde ihn wohl als „Zwischenspieler“ charakterisieren und genau das trifft es sehr gut. Er pendelt zwischen hängender Spitze und der Position 8 auf dem Feld. Nicht ganz „box-to-box“ wie der Engländer sagen würde. Bosnische Medien bringen ihn bereits mit Borussia Dortmund und Bayer 04 Leverkusen in Verbindung, aber den Schreiberlingen vom Balkan darf man nicht immer Glauben schenken. Da wird oft viel übertrieben und ein Spieler wie er, mit diesen Leistungsdaten, wird natürlich gescoutet. Der Stehgeiger hofft, dass Hajtic die Chance bekommt die Vorbereitung auf die nächste Saison mitzumachen. Einen Spieler wie ihn, hat Kaiserslautern schon seit Jahren nicht mehr hervorgebracht.

In vorderster Front gelang dem 1. FC Kaiserslautern ein ungewöhnlicher Transfer. Vom ehemaligen Beckham Club Los Angeles Galaxy kam ein junger Amerikaner mit mexikanischen Wurzeln. Mario Andrés Rodriguez Junior lautete der klangvolle Namen des Stürmers. Insidern aus dem US-Fußball dürfte der Name ein Begriff gewesen sein, hierzulande kannte man ihn nicht. Den Schritt über den großen Teich wagte der 19-Jährige vor gut 10 Monaten und seit dem beginnt sein Stern aufzusteigen. U-17 und U-20 Nationalspieler für die Vereinigten Staaten, fiel ihm der Sprung nach Europa leicht. Es haperte anfänglich an der Spielerlaubnis für den Amerikaner und er war längere Zeit abkömmlich durch Turniere mit der Nationalmannschaft. In der Regionalliga konnte er 4 unauffällige Tore beisteuern, traf aber im Pokal gleich 3 mal. Das Verbandspokalfinale entschied er mit 3 Treffern im Alleingang und weckt bereits Begehrlichkeiten bei den Fohlen aus Gladbach. Dem Stehgeiger fiel Rodriguez Junior durch einen starken Abschluss, strammen Schuss und schnellen ersten Schritt auf. Athletisch in den USA ausgebildet, brachte er erwartungsgemäß eine gute Physis mit. Wer den Jugendfußball dort kennt, der weiß vielleicht, dass bereits jede Schulmannschaft unheimlich viel in diesem Bereich tut. Meine Prognose wäre ihn erst einmal in der Reserve zu bringen, mit der Perspektive für die erste Mannschaft. Natürlich ist die USA keine Referenz in Sachen Fußball, aber in den letzten Jahren ist der Vorsprung anderer „Kontinental-Mächte“ geschmolzen. Rodriguez bleibt dem FCK hoffentlich erhalten und eine Nominierung für das letzte Spiel gegen St. Pauli, unter den selben Voraussetzungen wie bei Hajtic, fände ich ein gutes Signal. Wer die Leistungsdaten sieht mag vielleicht skeptisch sein, aber live machte er einen wirklich guten Eindruck.

In der beschriebenen Mannschaft befinden sich auch andere starke Spieler, die dem Stehgeiger aber nicht so sehr aufgefallen sind. Florian Pick (17) aus Wittlich ist das Pendant zu Osei-Kwado, Karsten Luft (18) traf als Stürmer 9 mal in der laufenden Saison, Ragnar Sveinsson (18, Island) und Michael Rauth (17, Österreich) sind beides Jugendnationalspieler ihrer Verbände. Alle Jugendspieler kann ich aus Zeit und informationstechnischen Gründen nicht beleuchten. Der Stehgeiger bemühte sich eine faire Auswahl zu treffen, basierend seiner subjektiven Beobachtung.

Man dürfte durch diesen Artikel vielleicht sehen, dass selbst ohne Ausbau des NLZ bereits Potentiale vorhanden sind. Jetzt liegt der Ball wie so oft bei den Verantwortlichen. Man kann auch viele Argumente gegen junge Spieler anbringen, aber woher nehmen wenn nicht stehlen? Manchmal muss man den Jungen eine Chance geben und sehen was passiert. Mehr als Leistung zeigen können sie nicht, um Beachtung zu finden. Gerade herausragende Leistungen wie den Verbandspokalsieg, Aufstieg in die Bundesliga und das Finale im DFB-Junioren Pokal sollten genug Anlass sein, Foda, Fünfstück und Kuntz davon zu überzeugen, die Leute mit Verträgen und Perspektive auszustatten. Natürlich ist der Übergang zum Herrenbereich kein Selbstläufer und nicht jedes Talent ist den Anforderungen gewachsen. Aber im Vorhinein negative Urteile zu fällen und Jugendspielern weniger Chancen einräumen weil man beispielsweise kein hoch-zertifiziertes Nachwuchsleistungszentrum hat oder „nur“ in der Regionalliga spielt und negative Erfahrungen gemacht hat (Klement, Esswein, Schönheim, Halfar, Ziemer etc.), darf nicht zur Regel werden. Den Weg den der FCK einschlagen muss um zu überleben, ist eigene junge Spieler herauszubringen. Damit erhöht man den sportlichen und wirtschaftlichen Wert des gesamten Clubs. Beispiele dazu gibt es genug, wo viel weniger Tradition und vergangene Erfolge vorhanden sind. Den guten Namen, den der 1. FC Kaiserslautern immer noch genießt, sollte man endlich auch im Unterbau spüren können. Für eine erhöhte Durchlässigkeit ist ein kleinerer Kader von Nöten und dauerhafte Plätze für 2-3 Jugendspieler, wie es Kuntz angekündigt hat. Foda genießt den Ruf aus Österreich, jungen Spielern Chancen zu geben. Mit Linsmayer, Zellner, Heintz, Zuck und Orban hat er das getan, mit wechselndem Erfolg. Aber genau das ist das kalkulierbare Risiko bei der Sache. Dabei muss angesetzt und weitergemacht werden. Der DFB gibt hierzu auch eine klare Anleitung, was die local player Regelung besagt. Der Stehgeiger sieht lieber Eigengewächsen beim Dilettieren zu, als zugekauften Kickern aus aller Welt, die auch bei den Fans schnell den Kredit verspielen. Dabei geht es überhaupt nicht um Deutsche oder Ausländer, sondern um eigens ausgebildetes Spielermaterial. Völlig egal, woher derjenige dann auch stammen mag.

Nun wurde sehr viel über die Spieler berichtet, aber kaum etwas über die Trainer. Fünfstück habe ich bereits im ersten Teil dieses Artikels beleuchtet. Als Foda und sein Team unter Druck stand, vernahm der Stehgeiger bereits erste Stimmen die seine Ablösung durch den frischen Fünfstück forderten. Nicht das ich der selben Meinung bin, aber die grundsätzliche Idee mal eigene Trainer nach oben zu befördern, halte ich für sehr wichtig. Wieder machen es andere Teams vor und bringen eigene Trainertalente heraus (Streich, Tuchel, Wiesinger etc.). Beim FCK wäre ein Name, der diesbezüglich nie gefallen ist: Gunther Metz. Warum eigentlich nicht? Er hat es bis ins Finale um die deutsche Meisterschaft geschafft, den Verbandspokal geholt und das Finale des DFB-Pokal mit seiner Mannschaft erreicht. „Magic Metz“ wäre für den Stehgeiger in Zukunft mal ein Kandidat, die erste Mannschaft zu trainieren, sollte die Position vakant sein. Hier liegen die Vorteile auf der Hand: kennt den Verein und die Strukturen, bringt in der Regel sofort Nachwuchsleute mit nach oben, kann zeitnah geholt werden und im Falle des Misserfolgs zurückgestuft werden.

Wieder ein Denkanstoß, der beim 1. FC Kaiserslautern noch nicht angekommen ist, oder nach Außen nie kommuniziert wurde.

 

In diesem Sinne

Euer Stehgeiger

Die nähere Zukunft – In Teufels Küche? Teil 1/2

Die Saison neigt sich dem Ende zu und unabhängig wie die Relegation ausgehen mag, die Kaderplanung wird bereits vorangetrieben. Im letzten Artikel habe ich mich ausführlich mit den Leihspielern und dem bestehenden Kader auseinandergesetzt, jetzt möchte ich auf mögliche Zugänge eingehen. Damit meine ich weniger externe Spieler, sondern die jungen Männer aus dem Unterbau des 1. FC Kaiserslautern. Den Fokus lege ich dabei besonders auf die zweite Mannschaft in der Regionalliga Südwest sowie die A-Jugend (U-19). Im ersten Teil werde ich nur den FCK II und seine Lage/Rolle kommentieren.

Ich muss meine Leser wieder einmal vorwarnen, dass ich beide genannten Teams viel zu selten live zu sehen bekomme, mich aber intensiv mit Spielberichten und den Ergebnissen beschäftige.

Die zweite Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern spielt in der Regionalliga Südwest. Trainer des FCK II war der allseits bekannte Alois Schwartz. Er verrichtete solide Arbeit und immer wieder fanden Spieler den Weg aus der Zweiten in die erste Mannschaft. Nach dem 8. Spieltag am 07.09.2012, einem Heimsieg gegen den starken SV Elversberg, wechselte Schwartz die Farben. Der treue Übungsleiter, der auch schon als Interimscoach der ersten Mannschaft in Erscheinung getreten war und seit er in der Saison 06/07 den FCK II übernahm alle Widrigkeiten überlebte, schloss sich dem Drittligisten Rot-Weiß Erfurt an. Der Coach selbst war nie ein aktiver Spieler für den FCK gewesen, er spielte sogar bei Rivalen wie Waldhof Mannheim und dem FC Homburg. Schwartz nahm die Chance auf einen Cheftrainer-Posten im Profi-Bereich wahr. Nachfolger sollte der 1991er Meisterspieler Guido Hoffmann werden, ein ehemaliger Weggefährte von Stefan Kuntz (ohne jede Wertung). In den 12 Spielen unter seiner Leitung, schaffte der kleine FCK 4 Siege, 5 Unentschieden und 3 Niederlagen. Keine schlechte Bilanz für den Neuling. Trotzdem wurde die Interimslösung wieder auf einen anderen Posten verschoben, als man einen geeigneteren Nachfolger für Schwarzt fand. Hoffmann trägt heute die Bezeichnung „Junioren Chef-Trainer“ und Konrad Fünfstück übernahm den Trainerposten. Nebenbei fungiert dieser Fünfstück auch noch als sportlicher Leiter des Nachwuchsleistungszentrums.

Selbst vielen Insidern war Fünfstück kein Begriff. Profi war er nie und ist mit seinen 32 Jahren auch ein recht junger Trainer mit großem Aufgabenbereich. Man vernahm nur vom abgebenden Verein SpVgg Greuther Fürth, dass man seinen Abgang sehr bedauere. Man hoffte, die Verantwortlichen hätten sich bei dieser Personalie etwas gedacht. Fünfstück hat also einen recht großen Kompetenzbereich und rechtfertigt das bis jetzt völlig. Seit seiner Übernahm des FCK II, spielte die Mannschaft um den Aufstieg in die dritte Liga mit und führte die Tabelle zwischenzeitlich an. Nun ist man auf der Zielgeraden gestolpert und kann sich die mögliche Relegationsrunde abschminken.

Trotzdem muss man sagen, dass seine Arbeit für sich spricht. Seit dem 21. Spieltag gelang es der zweiten Mannschaft 6 Spiele zu gewinnen, bei nur 3 Niederlagen und 5 Remis.

Greuther Fürth machte aus seinen wenigen Ressourcen viel und schaffte es immer wieder herausragende Jugendspieler an den Profi-Bereich heranzuführen. Darunter Bundesligaprofis wie Sercan Sararer, U-20 Nationalspieler Felix Klaus, Stefan Schröck, Edgar Prib, Heiko Westermann, Christian Eigler, Roberto Hilbert, Nicolai Müller, Thorsten Oehrl, unseren Markus Karl, Björn Schlicke, Ronny Philp, Jury Judt und Daniel Adlung um nur einmal die prominentesten Beispiele zu nennen. Allein Westermann, Eigler, Müller, Hilbert und Schlicke generierten dabei geschätzte 5.700.000 € Ablösezahlungen (Quelle: www.transfermarkt.de). Zehn Jahre lang war Konrad Fünfstück als Jugendtrainer und Trainer der Reserve in Fürth maßgeblich an der Entwicklung solcher Spieler beteiligt.

Die Personalie Fünfstück und die guten Ergebnisse der zweiten Mannschaft werte ich optimistisch als Zeichen, dass der Unterbau des 1. FC Kaiserslautern sein Schattendasein ablegen kann und endlich wieder kostengünstige Profis für den FCK produziert. Natürlich ist Jugendarbeit im Allgemeinen ein vielschichtiges Thema und lässt sich selten an wenigen Faktoren festmachen, aber ein Schritt in die richtige Richtung scheint mit der Inthronisierung Fünfstücks gemacht. Interessante Spieler finden sich in der Reserve, die zur kommenden Saison definitiv einen genaueren Blick im Hinblick auf die Kaderzusammenstellung wert sind. Im nächsten Schritt möchte ich einige näher beleuchten.

Da wäre zum Beispiel der junge Jean Zimmer, ehemaliger Kapitän der A-Jugend. Der als linker und rechter Verteidiger einsetzbare 19-jährige, überzeugte in seiner Premierensaison im Herrenbereich mühelos und etablierte sich als Stammspieler. Bis heute hat er 33 Spiele in der Startelf absolviert, wobei er nur einmal ausgewechselt wurde. Erstaunliche Werte für einen Junior, der bei einem Aufstiegskandidaten in der Regionalliga debütierte.

Mario Pokar kam ablösefrei von Eintracht Frankfurt II. Der junge Mann (23) hat eine bewegte Zeit hinter sich, startete er bei der Eintracht und wechselte dann auf die Insel zur U-18 der Blackburn Rovers. Nach kurzen Aufenthalten in Sandhausen und bei Hessen Kassel, kehrte er zur Eintracht zurück. Jetzt führt er die Reserve als Kapitän an und stand 32 mal in der ersten Elf. Dabei kam er als offensiver Mittelfeldspieler auf 3 Tore und 13 Vorlagen. Ausgebremst wurde er bis jetzt durch eine Gelb Rote Karte. Mit 23 hat er nicht mehr den totalen Talentstatus, aber auch Spätzünder darf man nicht aus den Augen verlieren. Man erinnere sich nur an Miroslav Klose, der seines Zeichens auch erst Anfang 20 seine Profikarriere ins Rollen brachte. Das erwähne ich nur wegen der Parallele im Altersbereich, ich will Pokar nicht etwa eine Weltlaufbahn wie Klose vorhersagen.

Top-Scorer Sascha Wolfert (23), der auch schon bei den Profis auftauchte, verlässt den FCK zum Ende der Saison in Richtung Wehen-Wiesbaden. Mit 12 Toren und 3 Vorlagen sucht er die Herausforderung bei einem anderen Club.

Jan-Lucas Dorow rückte wie Kollege Zimmer aus der U-19 auf und brauchte eine längere Eingewöhnungsphase. Im Verlauf der Saison stand er aber 19 mal auf dem Feld und brachte als Stürmer 6 Tore und 2 Vorlagen ein. Der Zweibrücker avancierte immer mehr zum Top Joker. Ihn sollte man gut beobachten, denn schon in der A-Jugend galt er als sehr talentierter Spieler.

Die Umstellung in den Herrenfußball fällt nicht jedem Spieler gleich leicht.Offensivkraft Kevin Schwehm, der bereits 2010 unter Horst Hrubesch in der U-18 Nationalmannschaft debütierte, fand noch nicht so recht seine Rolle. 15 Spiele meist als Einwechselspieler und 1 Tor stehen zu Buche. Auch hier gilt, weiterhin auf dem Zettel haben. Verletzungen sind dabei nur ein Grund, warum es nicht direkt auf Anhieb funktionieren muss.

Auf der Position des Torwarts, dank Gerry Ehrmann seit Ewigkeiten keine Baustelle mehr für den FCK, spielt Marius Müller. In 30 Spielen kassierte er 31 Gegentore und behielt 12 Mal eine weiße Weste. Der Heppenheimer mit dem Gardemaß von 1,92 m gilt für Beobachter als eine Art „Kevin Trapp“ und fungiert bereits als 3. Torhüter bei den Profis. Da Ehrmann alle Torhüter trainiert und kürzlich bis 2015 verlängerte, kann man in diesem Bereich auf Einiges hoffen. Um den Tarzan beneidet uns fast ganz Fußballdeutschland, man darf sich glücklich schätzen diesen Typen und Fachmann so lange Jahre am Berg zu haben.

Dabei ergeben sich auf den Positionen hinter Tobias Sippel interessante Möglichkeiten. Sollte man Müller zur Nummer 2 machen, könnte Raphael Salinger aus der A-Jugend aufrücken und um einen Stammplatz in der Reserve kämpfen. Dann müsste man sich nicht zwingend den soliden Hohs leisten, falls Salinger eine ähnliche Rolle einnähme wie Müller in dieser Saison. Aber zu Salinger und den anderen Pokalhelden aus der U-19 werde ich im zweiten Teil dieses Artikels mehr schreiben.

Abschließend bleibt es extrem wichtig den jungen Spielern eine Perspektive zu bieten. Der Name Fünfstück und seine Vita stehen erst einmal für ein neues Sprungbrett in Form der Reserve. Durchlässigkeit ist ein Thema, dass alle erfolgreichen Ausbildungsvereine extrem wichtig nehmen. Dabei sollte das Label „Ausbildungsverein“ nicht immer so negativ gesehen werden. Man darf ja in den letzten Jahren mit großen Augen zusehen, dass Clubs wie der SC Freiburg, Rivale Mainz 05 oder auch der 1. FC Nürnberg Erfolg haben (im jeweiligen Rahmen, zb. Klassenerhalt). Wenn der 1. FC Kaiserslautern ein Ausbildungsverein sein soll und ähnliche Transfererlöse, finanzielle Sicherheiten und Strukturen wie in Freiburg erreicht, dann bin ich der Erste in der West, der sich diese Marke auf die Fahne schreibt.

Es geht hier nicht um romantische Gedanken an Spieler, die dem Verein auf Ewig die Treue halten. Sondern um die Schaffung von Strukturen, die es dem FCK ermöglichen auch in Zukunft konkurrenzfähig zu bleiben. Wenn es gelingt einen Spieler wie Dominique Heintz hervorzubringen und ihn in den kommenden Jahren gewinnbringend zu verkaufen, dann hat man sich Nichts vorzuwerfen. Sportlicher Ersatz findet sich nämlich leichter, wenn man positive Beispiele geben kann. Dann begnügen sich Spieler auch eher mit einem durchschnittlichen Profi-Gehalt, als teure und identifikationslose Söldner, die Jahr um Jahr in Scharen kommen und gehen. Solange der FCK nicht auf zwei gesunden Beinen steht, wird es auch nie möglich sein Top-Spieler längerfristig zu halten. Und auch die Rolle des FCK sollte klar kommuniziert und definiert sein: Es gibt immer noch größere Fische im Teich. Egal wie rosa-rot die Vereinsbrille auch sein mag. Manche Angebote können Spieler, Berater und Vereine nicht ausschlagen. Die Fans sollten sich von den historischen Ansprüchen lösen, damit meine ich nicht sportliche Erwartungen, sondern Ansprüche an Spieler die gleiche Identifikation und Leidenschaft für die Roten Teufel aufzubringen, wie man selbst. Auch wenn das richtig schwer fällt. Ausnahmen gibt es immer, wie unser Tarzan Gerry!

In diesem Sinne

Euer Stehgeiger