Nachtrag zur Kaderanalyse – 1.1

Jakub Swierczok wird den 1. FC Kaiserslautern wieder verlassen. Polnischen Medienberichten zu Folge wird „Kuba“ wieder nach Polen verliehen.

http://www.90minut.pl/news/214/news2149833-Jakub-Swierczok-przeszedl-testy-medyczne-w-Ruchu-Chorzow.html

Ruch Chorzow wird den Stürmer sehr wahrscheinlich für ein Jahr leihen, mit Kaufoption.

Das wird die meisten FCK-Fans kaum interessieren, denn außer ein paar Einsätzen in der Abstiegssaison und in der U-23 (mit einem fantastischen Tor gegen TuS Koblenz), durfte er nicht viel zeigen.

Ich möchte aber an diesem Beispiel aufzeigen, wie unstrukturiert manchmal beim FCK gearbeitet wird. Jakub Swierczok kam in der Winterpause der Saison 2011/12 zum 1. FC Kaiserslautern und war nur Insidern des polnischen Fußballs bekannt. Er hatte eine gute Torquote in der zweiten polnischen Liga und wurde vom 1. FC Kaiserslautern für 420.000 € gekauft. Ausgestattet wurde der damals gerade 19-jährige Stürmer mit einem Vertrag bis 2015.

Er begann seine Saison beim FCK in der Startelf gegen Werder Bremen und durfte von sechs Spielen, drei mal von Beginn an auflaufen. Im gelang kein Tor oder eine Torbeteiligung. Wenngleich er gerade in seinem ersten Spiel gegen Werder tolle Ansätze zeigte und frech aufspielte. Danach kam das junge Talent nur noch in der U-23 zum Einsatz, wo er in 9 Spielen 3 Tore und 2 Vorlagen verbuchen durfte.

Und damit endet seine FCK-Geschichte auch schon. Zu Beginn der neuen Saison in der 2. Bundesliga wurde er zu Piast Gliwice verliehen und gleich im ersten Pflichtspiel verletzte er sich schwer. Eine Kreuzbandverletzung machte es ihm unmöglich, weiterhin Spielpraxis zu sammeln, wie von den Lautrer Verantwortlichen angedacht. Foda hatte ihn gewogen und als zu leicht empfunden.

Nach auskurierter Verletzung berichteten Polen-Experten in verschiedenen Foren, dass er gerne nach Kaiserslautern zurückkehren möchte und sich ins Team spielen will. Ich hatte ihn für U-23 auf dem Zettel und möglicherweise, auch nach der heftigen Auszeit, als Kaderspieler in der ersten Mannschaft. Dazu wird es nicht mehr kommen, obwohl Stefan Kuntz den jungen Mann den Fans als großes Talent anpries. Da musste man reagieren, um ihn vom Markt zu nehmen. In ein paar Jahren sei so einer viel zu teuer für den FCK. All diese Überzeugung scheint dahin, da man ihn jetzt mit einer Kaufoption zurück in die Heimat verliehen hat. Wie kann man in 1,5 Jahren und nicht mal 10 Spielen für die erste Mannschaft sagen, all das Potential ist scheinbar nicht vorhanden?

Ich wundere mich ehrlich darüber, wie man so eine Entscheidung fällen kann. Es ist logisch, dass er nach den Verpflichtungen von Zoller und Occean sehr geringe Chancen auf einen Platz unter den Top 25 Spielern des 1. FC Kaiserslautern hatte. Trotzdem wäre er eine logische Option für die U-23 gewesen. Zumal man ihm einen langfristigen Vertrag gab. Eine Entwicklung wird ihm jetzt nicht mehr zugestanden, denn selbst wenn er für Ruch Chorzow wie am Fließband trifft, wird man ihn nicht mehr am Betze sehen. Dafür hat der polnische Club die Kaufoption. Selbst wenn jener Club die Option nicht bedienen könnte, aus finanziellen Gründen, würden sie es doch tun und den Spieler gleich weiterverkaufen.

Welchen Gewinn erhofft sich der FCK von solch einem Geschäft? Es klingt alles danach, als wollte man den Spieler loswerden. Durch die Verletzung und eine Saison ohne Spielpraxis war kein Markt für ihn gegeben. Kein Verein der Welt hätte Geld für ihn gezahlt, dass auch nur annähernd die Ablöse und Gehaltskosten wieder einbringt. Nun erhofft man sich eine Leistungsexplosion, an der der FCK nur noch finanziell partizipiert. Wäre auch nachzuvollziehen, wenn Kuba die Lohnliste dermaßen belasten würde, dass Kuntz in Bedrängnis geriet. Jenes Szenario ist aber schwer vorstellbar, leistet man sich mit Bunjaku, Idrissou und Occean gleich drei 2.Liga-Schwergewichte für den Sturm.

Das Scouting und das Handeln des Vorstandes (Kuntz) ist mir in diesem Falle einfach zu trainerabhängig. Auch wenn Foda den Spieler vielleicht nicht schätzt, wer weiß wie lange er noch Trainer bleibt. Immerhin hat man Swierczok vertraglich verpflichtet, was auch für den Verein einen Vertrauensvorschuss wie auch eine Verpflichtung bedeutet. Bei den ersten Problemen gleich die Segel zu streichen, klingt für mich wenig mittelfristig gedacht.

Was ist, wenn der Stürmer in Polen kein Bein auf den Boden bekommt und kein Interesse besteht die KO zu ziehen? Dann hat man ihn wieder zum kommenden Sommer im Kader und darf sich die Finger wund telefonieren. Wo ist das Vertrauen in sein Potential/Talent geblieben?

Was erhoffte man sich eigentlich von ihm? Man konnte doch nicht ernsthaft davon ausgehen, dass ein Teenager, der kurz vor dem Transfer sein 19 Lebensjahr erreicht, den FCK in seiner damaligen Situation in der Liga hält. Ich dachte es sei ein Vorgriff gewesen, damit man nicht irgendwann keine Chance mehr hat um Jakub Swierczok zu bieten? Der Stehgeiger ist verwirrt.

Franco Foda befand ihn gar für die 2.Bundesliga zu schlecht, was schwer bestreitbar ist. Und selbst dann hätte man ihn in der U-23 auflaufen lassen können, damit er sich an das Land und die Sprache gewöhnt, als ihn direkt zurück in die Heimat zu schicken, wenn auch eine Liga höher.

So schnell sinken und steigen die Aktien beim 1. FC Kaiserslautern. Ich bin der Meinung diese Geschichte wirft ein schlechtes Licht auf das Scouting, das Trainerteam und den Vorstand. Jetzt kann man natürlich argumentieren, dass er uns vielleicht in diesem Jahr und nach der langen Verletzung nicht weitergeholfen hätte, aber wozu hat man eine U-23?

Schlüssig wäre die ganze Sache nur, wenn Swierczok ein absolut chaotischer Charakter wäre, der sich partout nicht in ein Team integrieren lässt. Dazu müssten Sachen neben dem Fußballplatz vorgefallen sein, die ihn als Spieler am Betze disqualifizieren. Davon hörte man bis dato nicht. Auch dann müsste sich die Scoutingabteilung unter Fehse den Schuh anziehen, denn wozu hat man heute zahlreiche Informationen über die Spieler, auch was ihr Verhalten und das Privatleben angeht. Niemand legt sich mehr ein faules Ei ins Nest, wenn der sportliche Gewinn nicht gegeben ist. Dafür sind die Spieler heutzutage einfach zu gläsern. Vereine sammeln nicht mehr nur sportliche Daten, sondern ganze Persönlichkeitsprofile über die Spieler.

Weiterhin wäre ein mögliches Szenario, dass er nach seiner Verletzung an der Sportinvalidität kratzt, was der medizinische Check bei Chorzow zeigen wird.

Der Stehgeiger wünscht Jakub „Kuba“ Swierczok alles Gute. Egal wie der Fall liegt, der 1. FC Kaiserslautern versucht sein Investment zu schützen und mich beschleicht das Gefühl, dass man dabei einen Fehler begangen hat. So oder so.

In diesem Sinne

Euer Stehgeiger

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Die Antwoord – Post für Stefan, Antwort von Vanessa

Sehr geehrter Herr Stehgeiger,
vielen Dank für Ihr ausführliches und detailliertes Schreiben, welches Herr Kuntz aufmerksam gelesen hat. Er hat mich gebeten Ihnen zu danken.
Wir sind immer dankbar über Anregungen, Ideen und sachliche Kritik. Auch wir haben die abgelaufenen Saison ausführlich analysiert und lassen die Erkenntnisse in unsere Planungen für die neue Saison einfließen. Die Saisonvorbereitungen laufen auf Hochtouren und die Mannschaft befindet sich bereits sehr konzentriert in der Vorbereitungsphase.
Wir sind zuversichtlich, dass wir auch in dieser Saison „oben dabei sein“ werden und wollen unser großes Ziel – den Aufstieg – schnellst möglich erreichen.
 
Mit freundlichen Grüßen
Vanessa Pola
1. FC Kaiserslautern e.V.
Vorstandssekretariat
Fritz-Walter-Straße 1
67663 Kaiserslautern
Tel.: +49 – (0)631 – 3188 2101
Fax: +49 – (0)631 – 3188 303
E-Mail: vanessa.pola@fck.de
www.fck.de
 
Sitz und Registergericht Kaiserslautern: VR 1252
Vorstand: Stefan Kuntz (Vorsitzender), Fritz Grünewalt
Finanzamt Kaiserslautern: St-Nr. 19/675/0034/4 Ust-Id-Nr. DE 148 649 963

Post für Stefan vom Stehgeiger

1.FC Kaiserslautern e.V.

zu Händen Vorstandsvorsitzender Stefan Kuntz
Fritz-Walter-Str. 1
67663 Kaiserslautern

Fragen zur abgelaufenen Saison sowie Vorschläge

Sehr geehrter Herr Kuntz,

vorab möchte ich betonen, dass es sich bei meinem Anschreiben nicht um irgendwelche irregeleiteten Beschimpfungen oder respektlosen Anmerkungen halten wird.

Falls Sie die Zeit erübrigen können die folgenden Zeilen zu lesen, steigen Sie in meiner Gunst noch in unerreichte Höhen. Ich muss dazu sagen, dass ich Sie als kleiner Junge auf dem Betze habe spielen sehen und sofort ein Idol hatte. Ihre Leistungen mit der Deutschen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft 1996 in England und Ihre Rückkehr zum 1. FC Kaiserslautern, sowie Ihr Engagement seit 2008 nötigen mir den allerhöchsten Respekt ab. Ich bin sehr dankbar dafür, dass Sie die Geschicke beim FCK leiten.

Die abgelaufene Saison war für viele Fans und sicherlich auch Verantwortliche eine Enttäuschung. Natürlich darf man argumentieren, dass in der Relegation das gesetzte Ziel Aufstieg nur denkbar knapp verfehlt wurde. Aber die Art und Weise wie man den dritten Platz in der 2. Bundesliga erreicht hat und sich dann gegen die TSG 1899 Hoffenheim präsentierte geben mir Anlass zur Sorge.

Unter dem neuen Trainer Franco Foda wurde, auch auf Grund von Verletzungen (Enis Alushi, Markus Karl) ein wirklich unansehnlicher Fußball gespielt. Gerade die Rückrunde, abgesehen von den wichtigen Siegen gegen den 1. FC Köln und den FSV Frankfurt, boten spielerische Magerkost. Alle Last des Spielaufbaus lag bei Alexander Baumjohann und andere Kreativspieler waren mutmaßlich indisponiert. Es wurde, wie man es bereits unter Milan Sasic kannte, das Heil in langen Bällen auf Stürmer Idrissou gesucht. Gegen eine individuell stark besetzte und clevere Truppe wie Hoffenheim fand der FCK-Aufstiegszug seine Endstation. Aber auch schon gegen vermeintlich schwächere Gegner im Ligabetrieb tat man sich schwer.

Ich hoffe, wie viele weitere Fans, dass das Trainerteam um Franco Foda für die neue Saison eine andere Herangehensweise plant. Denn der antiquierte Fußball, den der FCK in großen Teilen der Saison bot treibt die Fans aus dem Stadion und in die Verzweiflung. Ich möchte betonen, dass ich nicht an der Kompetenz von Foda zweifle, mir steht es gar nicht zu jene einschätzen zu können, aber wie Sie wissen besteht Deutschland aus 81.000.000 Bundestrainern und der 1. FC Kaiserslautern hat Millionen „Trainer“ unter seinen Anhängern.

Jeder Anhänger hat seine eigenen Gedanken zum 1. FC Kaiserslautern und mir wurde in zahllosen Gesprächen mit Gleichgesinnten empfohlen, jene Gedanken doch mal vorzutragen bzw. für die Verantwortlichen offen zu legen.

Es wäre für die langfristige Zukunft des Vereins wichtig, wenn der FCK eine Spielidee entwickeln könnte, die auch unabhängig vom jeweiligen Personal funktioniert. Damit meine ich insbesondere ein fixiertes Positionsspiel, das angefangen in den Jugendabteilungen Einzug findet. So wäre gewährleistet, dass unabhängig vom jeweiligen Talent und Interpretation der Spielrolle, Spieler aus dem eigenen Unterbau die Anforderung der „Kampfmannschaft“ kennen. Ich begrüße die Entscheidung mit Konrad Fünfstück einen fähigen Koordinator und Trainer an dieser wichtigen Schnittstelle zu platzieren. Seine Leistungen mit der U-23 waren ganz hervorragend, formte er die Truppe binnen kürzester Zeit zu einem Aufstiegsaspiranten. Ganz gleich wie die Saison für die zweite Mannschaft dann zu Ende ging, jene Entwicklung darf man durchaus als Erfolg werten. Junge Leute wie Jan-Lucas Dorow oder Jean Zimmer darf man auf dem Zettel haben, geht es darum die Positionen der Rollenspieler bei der ersten Mannschaft zu besetzen.

Spieler aus dem eigenen Unterbau/Jugendabteilung müssen die Zukunft für den 1. FC Kaiserslautern bilden. Man sieht es bundesweit, wie „Talente“ spielerische Impulse geben und mit möglichen Ablösen dem Verein helfen. Auch andere Vereine mit wirtschaftlich schwierigen Positionen, konnten in der Vergangenheit auf Eigenmaterial aus der Jugend bauen und stabilisierten sich in der Folge. Hierbei dürfen Erfolge auch klarer nach Außen hin kommuniziert werden. Ich war beispielsweise beim Halbfinalspiel des DFB-Jugendpokals in Mönchengladbach und war sehr angetan von der Leistung der A-Jugend (U-19). Aber nur die wenigsten Fans wissen etwas über jene Erfolge. Bedenkt man die komplizierte Situation in der Vergangenheit, sind die jüngsten Triumphe der U-19 schon bemerkenswert. Hier kann der FCK mehr tun, als nur einen lieblosen Artikel auf der Homepage zu veröffentlichen. Für die Außendarstellung kann das nur von Vorteil sein. Auch waren die jungen Fohlen besser repräsentiert (Königs, ter Stegen, Heimeroth, Herrmann), was natürlich auch an der Ansetzung (Heimspiel) lag. Trotzdem würde ich mir wünschen, dass die jungen Leute das Gefühl haben, in Schlagdistanz zum Profidasein zu arbeiten. Mit Florian Dick als Pate der U-19 ist ein richtiger Schritt gemacht. Ein Vollprofi und Identifikationsfigur für viele Fans des FCK.

Durchlässigkeit ist ein weiteres Thema, dass im Zusammenhang mit der Jugendarbeit häufig fällt. Ich bin mir bewusst, dass gerade die Förderung der eigenen Jugend komplex ist und von vielen Faktoren abhängt. Es wird nicht gelingen, jeden hoffnungsvollen Spieler in den Profibereich zu integrieren, aber die Bemühungen sollten klar erkenntlich sein. Die Fans sehnen sich nach erfolgreichen Eigengewächsen und sind sich deren Bedeutung durchaus bewusst. Am Thema Jugendarbeit kommt man in Deutschland, auch auf Grund der medialen Berichterstattung, kaum vorbei. Spieler wie Mario Rodriguez, Halil Hajtic, Marcell Öhler, Manfred Osei-Kwado, Florian Pick und Michael Schindele uvm könnten das Potential besitzen, zukünftig Profis beim FCK zu werden. Ich hoffe man befindet sich vor allem mit Rodriguez und Hajtic in Gesprächen über mögliche Verträge. Gerade Hajtic verkörpert einen Spielertyp, der im Profibereich fehlt. Ob es nun zu einer Karriere kommen sollte, steht auf einem anderen Blatt und hängt mit zahlreichen Unwägbarkeiten zusammen. Das Risiko ist aber kalkulierbar und nach Außen hin leicht zu rechtfertigen. Die vielen Neuzugänge in den letzten 3 Jahren sind dagegen, sieht man wer noch sportliche Relevanz für den 1. FC Kaiserslautern besitzt, manchmal schwerlich zu verteidigen. Gerade wenn die sportliche Habenseite dann unbefriedigend ausfällt.

Natürlich muss man Leistungen im Jugendbereich in der richtigen Relation sehen. Das altbekannte Dogma, dass der FCK keine Ausnahmetalente internationalen Kalibers hat, gilt da nicht. Spieler wie Hajtic können sich nur auf der Bühne präsentieren, die ihnen gegeben ist. Wer so eine herausragende Torquote erzielt und auch gegen höherklassige Gegner heraussticht, verdient Beachtung. Man muss schließlich auch mit dem Material arbeiten, dass man hat. Jeder darf vom nächsten Götze oder Goretzka träumen, aber in der Realität sollte gerade die Durchlässigkeit jene belohnen, die etwas leisten. Unabhängig davon, ob es in der A-Jungend Bundesliga ist oder der Regionalliga.

Ohne gänzlich dem Jugendwahn zu verfallen, ist es wichtig einige Kaderplätze für Talente anzubieten. Der aktuelle Kader der Mannschaft in der 2.Bundesliga wirkt etwas aufgebläht. Mit den Rückkehrern von Leihgeschäften, feststehenden Abgängen, neuen Spielern und unvorhersehbaren Entwicklungen wartet eine wahre Herkulesaufgabe auf Sie Herr Kuntz. Sie haben das Thema vor einiger Zeit selbst angeschnitten und heute brennt es vielen FCK-Fans auf der Seele: der Sportdirektor/Manager.

Sie erfüllen im Moment einen riesigen Aufgabenbereich, den sicherlich nicht jeder so gut bedienen könnte. Ich will Ihnen weder etwas von ihrer Kompetenzfülle in Abrede stellen, noch ihre sportlichen Entscheidungen kritisieren. Aber ein Sportdirektor könnte sie erheblich entlasten und ein eigenes Netzwerk mitbringen, wovon der Verein profitiert. Auch das öffentliche Fadenkreuz im Falle von Misserfolgen, liegt vornehmlich bei Ihnen. Was ich im Übrigen sehr unfair finde. Für Ihre eigene Position und die des Vereins wäre eine professionelle Strukturänderung in Form eines Sportdirektors sehr wichtig. Ein Triumvirat um Trainer, Vorstandsvorsitzender und Sportdirektor könnte bei zukünftigen Entscheidungen hilfreich sein. Gerade im Transferbereich, wo eigentlich jeder Schuss sitzen muss auf Grund der finanziellen Lage, könnte ein zusätzlicher Fachmann helfen.

Natürlich spielt die Kostenfrage eine Rolle und kompetente Leute wachsen nicht auf Bäumen. Trotzdem ist es dem Gros der Fans leicht zu erklären, wenn man eine strategische Position besetzt, anstatt einen potentiellen Leistungsträger zu verpflichten, auch in Liga 2. Vielleicht findet sich auch jemand in den eigenen Reihen und der Wert bemisst sich nicht kurzfristig, sondern langfristig. Auch muss klar sein, dass es mit der Hilfe eines sportlichen Entscheidungsträgers nicht sofort auf dem Platz besser läuft.

Wo ich gerade bei dem Personal aus den eigenen Reihen bin, kann ich die Arbeit von Gunther Metz gar nicht genug loben. „Magic Metz“ liefert seit einiger Zeit tolle Erfolge, selbst wenn der DFB-Pokal wie einst die Deutsche Meisterschaft nicht gewonnen werden kann. In Zukunft, damit möchte ich explizit nicht über eine etwaige Ablösung Franco Fodas sprechen, wäre es wünschenswert wenn ein Trainer wie Metz auch in die Konversation um einen Nachfolger als Cheftrainer der ersten Mannschaft aufgenommen wird. Vielleicht geschieht das intern sogar, aber nach Außen dringt nichts. Andere Vereine sind hier Vorbild, Trainer aus der eigenen Schmiede zu installieren. Gerade solche die im Jugendbereich erfolgreich sind, liegen aktuell im Trend. Auch hier muss der Gefragte eine Veränderung wollen, aber selbst der Anreiz dürfte Motivation für andere junge Trainer beim FCK sein.

Um diese vielen Zeilen abzuschließen, möchte ich noch ein Thema erwähnen. Oftmals wird im Fußball die Bedeutung von Teamgeist und Psychologie unterschätzt. Mannschaften mit einem tragenden Gerüst von Spielern, ergänzt durch Zukäufe und Talente, mischen den Profifußball auf.

Auch Gruppen die ein tragisches oder knappes Ereignis zusammen durchstanden haben, bilden neuen Zusammenhalt. Da entstehen Bindungen, die kein Mannschaftsabend oder Teambuilding kopieren kann. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die TSG 1899 Hoffenheim in der kommenden Saison eine gute Rolle in der Bundesliga spielen wird und einen einstelligen Tabellenplatz erreichen kann. Auch hier hat der FCK durchaus Nachholbedarf. Ich konnte zum Beispiel keinerlei Informationen darüber finden, ob der Verein Psychologen konsultiert bzw. beschäftigt. Die Rolle der Psychologie in modernen Gruppen hat sich rapide verändert. Selbst in der Wirtschaft beschäftigen Konzerne solche Spezialisten und auch der ein oder andere Fußballverein nimmt solche Dienstleistungen in Anspruch. Gerade verletzte Spieler oder Leute mit sportlich vager Perspektive könnten solche Anlaufstellen gebrauchen. Das Teamklima kann über viele spielerischen Defizite hinweg retten. Eine Einheit zu formen ist mal wieder nicht so leicht, wie es sich schreibt. Aber die unterstützenden Strukturen darf man bereit stellen.

Das Heimspiel gegen die TSG 1899 aus Hoffenheim zeigte den FCK von seiner besten Seite. Die Fans besangen den Verein auch in der Niederlage bis zur letzten Sekunde. Ich bin darüber sehr froh und habe mehrere Aufrufe an Anhänger gestartet, damit es zu keinerlei Schmähung, Vandalismus oder Hooligan-Aktivität kommt. Nur darf man aus Vereinsseite diese Solidarität nicht verwechseln. Der Großteil der Menschen, die dort sangen und „support“ lieferten taten das nicht einzelnen Personen gegenüber, auch wenn die Mannschaft profitiert, sondern nur für den Verein. Dieser Club repräsentiert und kulminiert so viele Erinnerungen und Emotionen, dass jene völlig unabhängig vom Tagesgeschehen existieren. Den FCK tragen so viele Menschen im Herzen, dass sie dem Verein die Treue halten egal wer da das Trikot trägt und wer die Entscheidungen trifft. In dieser Hinsicht ist der 1. FC Kaiserslautern mehr als ein Club und kommt eher einer Religion oder Sekte gleich. Damit möchte ich zum Schluss noch einmal zur spielerischen Leistung der Mannschaft über die Saison und die Relegation kommen. Die Leistung wurde von den singenden Massen keinesfalls honoriert, höchstens der Einsatz. Das „Wie“ hat viele Fans verärgert und wäre selbst im Erfolgsfall zweifelhaft gewesen. Darum wünsche ich mir, dass Sie die kommende Saison auch als Chance sehen, noch einen Schritt in die Zukunft zu machen. Jeder wäre gerne aufgestiegen, aber mit einer gewachsenen Struktur und einem klar kommunizierten Plan.

Ich verbleibe als Verehrer des Vereins und Ihrer Person.

Mit freundlichen Grüßen

Stehgeiger

Post für Stefan! Einige Leute inspirierten mich endlich meine „Vorschläge“ mal zu präsentieren. Und da ist das Ding! Die Antwort wird umgehend veröffentlicht.

Kader-Analyse 1.0 – Der Stehgeiger schaut wer kam und ging

Die neue Saison beginnt für den 1. FC Kaiserslautern am 20.07.2013, mit dem Auswärtsspiel gegen den SC Paderborn 07. Die letzte Saison vor der WM 2014 in Brasilien beginnt also mit einem schwierigen Spiel für die Roten Teufel. Wie fast jedes Jahr finden sich etliche Neue im Kader und ich wage einen Blick auf die Zusammenstellung von Franco Fodas Kampfmannschaft.

Stefan Kuntz wurde in den Medien nach dem Saisonziel befragt und er antwortete, dass ein Platz unter den ersten fünf Teams angepeilt wird. Nahm man im letzten Jahr um diese Zeit den Mund noch recht voll und proklamierte den Aufstieg, backt der FCK heute kleinere Brötchen. Man kann von der Zielvorgabe halten was man will, vielleicht versucht man so den Druck nicht sofort hoch zu halten.

Den 1. FC Kaiserslautern verließen einige namhafte Spieler:

Leon Jessen bleibt in Ingolstadt und wird für zwei weitere Jahre verliehen. Dafür musste sein Vertrag in Kaiserslautern verlängert werden.

Itay Shechter verließ den Club, wie vom Stehgeiger erwartet in Richtung Heimat. Er schloss sich Hapoel Tel Aviv an, einem Verein der vor ein paar Jahren von den eigenen Fans „gekauft“ wurde.

Nach Ablauf seines Vertrages und der verstrichenen Aufstiegsoption (2 Jahre), wechselte auch Alexander Baumjohann die Farben. Hertha BSC Berlin sicherte sich seine Dienste.

Benjamin Köhler beendete sein halbjähriges Engagement am Betze mit einem Wechsel nach Berlin. Die Eisernen von Union Berlin nahmen den vielseitigen Mittelfeldroutinier unter Vertrag. In seiner Heimatstadt hofft er nun auf ein letztes Hurra.

Das Theater um Ilian Micanski fand auch ein Ende, den Bulgaren zog es zum Aufsteiger nach Karlsruhe. Sollte er sich wohl fühlen und Einsatzzeit bekommen, könnte das ein echtes Schnäppchen für die Badener sein.

Richard Sukuta-Pasu, der mit Empfehlung von 12 Saisontoren in Österreich zum FCK zurückkehrte, wurde zum Liga-Konkurrenten VfL Bochum verliehen. Trotz der Aussage Fodas mit dem bulligen Stürmer zu planen, fand sich kein Kaderplatz beim FCK. Anderenorts wird seine Saison als „bärenstark“ bezeichnet (Christian Hochstätter). Es besteht keinerlei Kaufvereinbarung.

Gleich zwei Spieler gaben die Roten Teufel an den Nachbarn SV Sandhausen ab. Denis Linsmayer wurde fest verpflichtet und Kwame Nsor wurde verliehen. Gerade Offensivmann Nsor wird unter Beobachtung durch den Stehgeiger stehen, denn er erhielt selten Einsätze für Rot-Weiss. Die Sandhäuser profitierten vom Lizenzentzug des MSV Duisburg und konnten so trotz sportlichen Abstiegs in der Liga bleiben. Gute Erfahrungen machte der FCK mit Sandhausen bei der Leihe von Andrew Wooten. Hoffentlich kann Nsor ähnliche Leistungen bringen und sich für den FCK empfehlen. Nach einem schwierigen Jahr in einem fremden Land wäre es ihm zu wünschen.

Chadli Amri und Mathias Abel haben noch keine Vereine gefunden. Wobei Abel mit Elversberg in Verbindung gebracht wird. Alexander Bugera wird Stand-by Profi, vornehmlich in der U-23 und nebenher an einen Job im Verein herangeführt.

11 Abgänge stehen also bereits fest, wobei es Gerüchte um andere Spieler gibt. Auf eins möchten ich näher eingehen. Konstantinos Fortounis wurde in einem griechischen Interview zitiert, er hätte Angebote aus der 1. Bundesliga vorliegen. Da die Quelle in griechisch ist und nur eine spärliche Übersetzung durch Google vorliegt, möchte ich die Seriosität jener nicht bewerten. Fortounis, als EM-Teilnehmer und Nationalspieler, hat sicherlich das größte spielerische Potential im Kader. Nur konnte er es bis dato nicht konstant auf den Platz bringen. Das lag einerseits an der Spielposition, die man noch nicht so recht für ihn gefunden haben scheint, als auch an den eigenen Leistungen. Nach Außen wirkt der junge Grieche zerbrechlich und hat sicherlich physische Nachteile. Nach gut einer Stunde Spielzeit machte er in der abgelaufenen Saison den Eindruck bereits ausgepumpt zu sein. Fragil mutet auch sein Nervenkostüm an, was unter dem „Grantler“ Foda nicht zum Positiven verstärkt wird. Aber die Menschenführung Fodas wurde hier bereits diskutiert, Parallelen zu Milan Sasic drängen sich auf. Ich bin der Meinung, dass er es in sich hat, ein hervorragender Spieler zu werden. Ob das beim 1. FC Kaiserslautern funktionieren wird, wage ich zu bezweifeln. Noch ist er nicht ins Training eingestiegen (als Nationalspieler noch im Zusatzurlaub) und man weiß nichts über seine Rolle. Auf den Außenbahnen scheint er verschenkt und dort legte der FCK nach. Ich könnte ihn mir durchaus in der Rolle des neuen Spielgestalters vorstellen, wo nach dem Abgang Baumjohanns Bedarf besteht. Es wird spannend bleiben, denn in jenem Interview kündigte er an bis Mittel Juli sei eine Entscheidung gefallen. Es wäre ein echter „steal“ für einen Bundesligisten, denn wie erwähnt kann Fortounis mit dem Ball alles. Unter einem Kommunikator und Förderer als Trainer, sehen viele Experten Kostas besser aufgehoben. Ich wünsche mir dringlich, dass er beim 1. FC Kaiserslautern bleibt und sich durchbeißt. Vielleicht waren die letzten 1-2 Jahre etwas zu viel für ihn mit dem Wechsel nach Deutschland, Abstieg, EM-Teilnahme und Nicht-Aufstieg. Hoffentlich bekommt er das Vertrauen und schöpft sein Potential aus, im Trikot der Teufel.

Die Quelle mit dem Fortounis-Interview möchte ich nicht verschweigen, der Artikel findet sich auf der griechischen Sportseite www.novasports.gr .Wenn es einen findigen Leser gibt, der des Griechischen mächtig ist, würde ich mich über eine Übersetzung sehr freuen.

Auf der Habenseite befinden sich auch einige Namen, die man kennt.

Bereits fest stand die ablösefreie Verpflichtung von Marcel Gaus vom FSV Frankfurt. Der Flügelstürmer soll die vakante Position besetzen und erhofft sich einen Karrieresprung beim FCK.

Mit Ruben Jenssen kam ein zentraler Mittelfeldspieler in der defensiven Rolle. Der norwegische Nationalspieler kommt von Tromsö IL, wo der FCK in der Vergangenheit bereits Patrice Bernier kaufte. Jenssen wird direkt eine zentrale Rolle zugetraut, der pass-sichere und robuste Aufbauspieler ist ein Kandidat für einen Stammplatz.

In Skandinavien fand sich ein weiterer Mittelfeldmann, den man aus der 1. Bundesliga kannte. Alexander Ring konnte von HJK Helsinki verpflichtet werden, nachdem er in Gladbach nicht völlig überzeugte. Bei ihm streiten sich die Experten noch über seine endgültige Position. Unter Lucien Favre spielte der schnelle und quirlige Nationalspieler Finnlands auf der rechten Außenbahn, in seinem Heimatverein und mit den Landesfarben agierte er eher im Zentrum. Ring ist auch ein Spieler, der dem FCK direkt weiterhelfen könnte. Schnell im Antritt und Dribbelstark könnte er sofort einen Platz unter den ersten 11 Teufel haben. Hierbei muss man Kuntz loben, diesen Mann auch endgültig binden zu können, ohne ein Leihgeschäft. Für die 2.Bundesliga ein Top-Transfer.

Im Sturm legte man auch nach und holte den jungen Simon Zoller aus Osnabrück. Da der VfL in finanzieller Not ist, konnte man den herausragenden Offensivakteur der 3. Liga für kleines Geld kaufen. Ich habe relativ wenig von Zoller gesehen, aber in der abgelaufenen Saison war er einer der besten Spieler in Liga 3. Wenn die Möglichkeit besteht einen jungen, entwicklungsfähigen Kicker wie ihn zu holen, ist der 1. FC Kaiserslautern in der Pflicht da zuzuschlagen. Ob jetzt direkt Bedarf auf der Stürmerposition besteht, bleibt fraglich. Mit Idrissou, Bunjaku, Wooten und Swierczok hat man bereits 4 Stürmer unter Vertrag. Swierczok wird wohl nach seiner langen Verletzung erst mal in der U-23 aufgebaut.

Was im letzten Jahr nicht sonderlich gut funktionierte, macht man in diesem Jahr eben noch einmal. Auf der Frankfurter Resterampe wurde der 1. FC Kaiserslautern fündig und angelte sich Karim Matmour und Olivier Occean. Beide Spieler überzeugten in der Aufstiegssaison der Eintracht vor zwei Jahren, konnten aber in der ersten Bundesliga keinerlei Akzente setzen. Matmour dürfte vielen Leuten ein Begriff sein. Der algerische Außenstürmer war bereits in Freiburg und Gladbach aktiv, bevor er sich der Eintracht anschloss. Erfahrung dürfte er haben, aber die grundlegenden Defizite bleiben. Karim ist schnell und athletisch, aber der Ball ist nicht sein Freund. Er ist einer der Spieler, die ewig ein uneingelöstes Versprechen repräsentieren.

Ach, wenn der nur noch Tore machen könnte! Ach, wenn der nur besser am Ball wäre. Ach, wenn er nur mehr Flanken schlagen könnte, dann wäre er ein Großer!“

So oder so ähnlich blieb er mir in Erinnerung. Als Ersatzmann und Rollenspieler sicherlich solide. In der NBA nennt man solche Spieler „energy guys“, dass heißt sie kommen von der Bank und bringen Schwung ins Spiel. Eine andere Verwendung kann ich mir beim ihn nicht denken.

Olivier Occean war vor gut einem Jahr sehr gefragt. Viele Vereine wollten den kantigen Mittelstürmer, der Fürth in die erste Liga schoss. Occean landete bei Mitaufsteiger Frankfurt und dort gelang ihm nichts. Mo Idrissou wechselte auf Grund der Perspektive nach diesem Transfer an den Betze. Jetzt hat der 1. FC Kaiserslautern beide. Win-win?

Es bleibt abzuwarten in welcher Form Occean an den Betze kommt. Ist er als Stammspieler eingeplant? Verlässt uns noch ein Stammstürmer? Soll er hinter Mo den Ersatz geben? Wird er mit einer untergeordneten Rolle zufrieden sein? Was heißt das für die Stürmerreihenfolge? Welches Signal geben die Verpflichtungen von Zoller und Occean an Nachwuchsleute wie Mario Rodriguez (aktuell bei der U-20 WM mit den USA ausgeschieden), dessen Vertrag noch nicht verlängert wurde und von anderen Clubs umworben ist? Fragen über Fragen.

Ich bin nicht in der Lage jene zu beantworten, aber vordergründig wurde er geholt um die Feuerkraft ganz vorne zu erhöhen. Das klingt logisch, klingt aber sehr nach Aufstiegszwang. Occean wurde in einem ähnlichen Konstrukt verpflichtet, wie Leon Jessen abgegeben wurde. Eine Leihe für 2-Jahre mit Kaufoption. Wer den dann 33-jährigen Kanadier noch kaufen will, der in der 1. Bundesliga kein Bein auf den Boden bekam, muss man sehen. Ich hoffe nur es ging nicht auf Kosten von Rodriguez, den man unabhängig von den Neuen dringend halten sollte. Aber er braucht sicherlich eine Perspektive und die im Kader der ersten Mannschaft zu stehen, scheint verschwindend gering. Man kann nur daran glauben, dass er ein Ausbildungsjahr in der U-23 akzeptiert. Was aus mit Occean wird, kann nur die Saison zeigen.

Der aktuellste externe Zugang ist Kevin Stöger. Der junge Österreicher (19) wurde vom VfB Stuttgart für ein Jahr ausgeliehen (ohne Kaufoption). Der talentierte Spielmacher glänzte in der U-23 des VfB und durfte auch schon bei den Profis herein schnuppern. Als vor einiger Zeit die Talente der Stuttgarter im Kicker evaluiert wurden, bekam Stöger gute Kritiken. Nur körperlich scheint er nicht der Stabilste zu sein. Seine Lieblingsposition ist im zentrale Mittelfeld als Spielgestalter. Baumjohann lässt grüßen. Ihn mit einem 19-Jährigen Talent zu ersetzen, klingt etwas riskant. Von daher denke ich, wird er hinter Fortounis, sollte dieser bleiben, zum Einsatz kommen. Sollte er als Stammspieler eingeplant sein, muss man sich fragen warum man dem eigenen Nachwuchs nicht solche Chancen einräumt. Ich will hier nicht gegen Stöger wettern, der sicherlich Qualitäten hat, aber auch die eigene U-19 sowie U-23 hat einige junge Talente zu bieten.

Als back-up für Chris Löwe darf sich Jean Zimmer, der beim Stehgeiger bereits eingehend beschrieben wurde, beweisen. Bis jetzt darf er die Vorbereitung bei den Profis mitmachen und hoffentlich weiß er zu überzeugen. Auffällig wie viele Spieler aus dem defensiven Bereich es schaffen, sich in die Kampfmannschaft zu spielen. Heintz, Orban und jetzt Zimmer. Nur leider drückt der Schuh in der Defensive weniger. Schindele (IV) und Hajtic sind wohl erst mal für die U-23 eingeplant, wobei beide nach der kraftraubenden Saison auch länger im Urlaub waren (Relegation, DFB-Pokalfinale). Gerade von Hajtic erwarte ich viel, möglicherweise rutscht er noch in den Kader der ersten Mannschaft.

In diesem Sinne

Stehgeiger

Es wird eng in der Mitte – Kaderplanung für die Saison 2013/2014

Die U-19 des 1. FC Kaiserslautern verlor das DFB-Junioren Pokalfinale in Berlin mit 0:1 gegen den 1. FC Köln. Das Spiel war auf Sport1 zu sehen und ich hoffe, dass so mancher FCK-Fan eingeschaltet hat, um sich ein Bild von den Talenten zu machen. Tragischerweise waren fast alle Leistungsträger der Vorrunden und des Ligabetriebes nicht gerade in großer Form.

Hajtic, Rodriguez und auch Salinger spielten weit unter dem, was sie in vorangegangenen Partien gezeigt hatten. Dem jungen Torwart unterlief ein Fehler beim Herauslaufen, assistiert durch die schwache Abwehr vom eingewechselten Antonaci, welchen die Domstädter nutzen um die Führung zu erzielen. Danach war es ein munteres Spiel, wobei dem FC in der 2. Halbzeit mehr gelang. Die Chancen zum Ausgleich waren da, Halil Hajtic vergab zwei mal in aussichtsreicher Position.

Jetzt gilt die volle Konzentration der Aufstiegsrunde gegen die Offenbacher Kickers. Gerüchten zu folge steht Stefan Kuntz in Verhandlungen mit Halil Hajtic und Mario Rodriguez Jr. Vielleicht sieht man die zwei Jungs im Trainingslager schon wieder. Kapitän Michael Schindele hat bereits einen Vertrag und wird voraussichtlich für die U-23 Mannschaft auflaufen. Viele andere talentierte Kicker wie Salinger, Pick, Osei-Kwado und Kyere-Mensah könnten noch ein weiteres Jahr A-Jugend spielen, was ihrer Entwicklung nicht schaden dürfte. Besonders wenn der FCK es zurück in die U-19 Bundesliga schafft.

Es kursieren viele Transfergerüchte rund um den Betzenberg. Feststehende Abgänge sind wohl Erwin Hoffer (SSC Neapel) und Mitchel Weiser (zurück zum FC Bayern München), mit beiden plant man nicht mehr. Weiterhin ist der Vertrag von Alexander Baumjohann abgelaufen, welcher mit Hertha BSC, Hannover 96 und dem FC Augsburg in Verbindung gebracht wird. Bereits verabschiedet sind Chadli Amri und Matze Abel (beide Ziel unbekannt).

Außerdem scheint der SV Sandhausen an einer Verpflichtung von Denis Linsmayer interessiert zu sein, vermeldet bei www.transfermarkt.de.

Der Rückkehrer Richard Sukuta-Pasu (Sturm Graz) hat wohl auch einige Angebote aus der zweiten Bundesliga vorliegen. Unter anderem soll der VfL Bochum und der Karlsruher SC seine Fühler ausgestreckt haben. Foda hatte in der Vergangenheit betont, dass man Sukuta-Pasu nicht abgeben wolle, nach einer Hinrunde mit 10 Toren für die Grazer. Es kamen aber nur zwei weitere Tore dazu und im Sturm herrscht ein Überangebot. Ich könnte mir einen Verkauf gut vorstellen, da Sukuta-Pasu auch in Österreich nicht zweifelsfrei seine Klasse nachweisen konnte.

Ein weiteres prominentes Gesicht kehrt aus dem Mutterland des Fußballs zurück. Itay Shechter, einst „Königstransfer“ und Ersatz für Srjdan Lakic, konnte bei seiner Leihe in der englischen Premier League keine Ausrufezeichen setzen. Für Swansea City kam er nur auf ein mageres Tor und eine Vorlage in 18 Einsätzen. Die Waliser haben keine weitere Verwendung für den sechsundzwanzigjährigen Israeli. Insider aus Israel berichten bei www.transfermarkt.de, dass drei große Vereine aus der heimischen Liga Shechter wollen. Eine mögliche Ablöse soll sich im Bereich von 1 Million € bewegen. Ich denke das Kapitel Shechter wird vom 1. FC Kaiserslautern beendet, denn er konnte weder in der 1. Bundesliga, noch der englischen Eliteklasse sein Können zeigen. Mit der spekulierten Ablöse muss man sich aus FCK-Sicht wohl abfinden, denn Shechter betrieb keine Marktwertsteigerung. Die 2,5 Millionen € die man einst für ihn zahlte, wird man leider nicht mehr wieder sehen. Da noch keine offiziellen Gerüchte nach Außen gedrungen sind (Printmedien, Internet etc.), kann es auch sein, dass Itay zum Betze zurückkehrt. Vielleicht kann er in der zweiten Liga überzeugen, aber man muss sich fragen, ob a) Shechters Gehalt zu zahlen ist und b) der Spieler in der zweiten deutschen Spielklassen kicken möchte?

Zu Leon Jessen und Ilian Micanski (Leihe FC Ingolstadt), Andrew Wooten (SV Sandhausen) und Jakub Swierzcok (Piast Gliwice) ist noch nichts bekannt geworden.

Auf der Seite der Neuzugänge steht aktuell nur Marcel Gaus vom FSV Frankfurt, der hier bereits diskutiert wurde. Weiterhin wird seit dieser Woche um zwei potentielle Namen spekuliert.

Ruben Yttergard Jenssen von Tromso IL aus Norwegen steht laut norwegischen Medienberichten (www.nrk.no) bereits vor einer Vertragsunterschrift. Demnach soll der zentrale Mittelfeldspieler einen 3-Jahresvertrag unterschreiben, lediglich Medizin-Check und die Unterschrift fehlen. Für den norwegischen Nationalspieler sollen 250.000 € plus erfolgsabhängige Zuzahlungen überwiesen werden. Der einst in Norwegen als großes Talent gepriesene Jenssen agiert zumeist auf der Doppel-6, aber als offensiver Part mit spielgestalterischen Fähigkeiten. Ein Manko, dass Trainer Franco Foda und Stefan Kuntz definitiv beheben müssen, wie die Relegationsspiele zeigten.

Der Konkurrenzkampf um die zentralen Positionen wird also größer, auch wenn Linsmayer möglicherweise den Verein verlässt.

Ein weiterer Spieler aus dem hohen Norden Europas steht angeblich auch kurz vor einer Einigung mit den Roten Teufeln. Alexander Ring, finnischer Nationalspieler, soll auch noch diesen Monat in Kaiserslautern unterschreiben. Details über die Verpflichtung wurden nicht bekannt, kennt man den jungen Finnen aus Gladbach. Dort spielte er meist als Aushilfskraft auf der rechten Außenbahn, obwohl er von Haus eher als zentraler Mittelfeldspieler bekannt war.

Der Kicker berichtet, dass der FCK Ring gerne für ein Jahr ausleihen möchte.

(www.kicker.de/news/fussball/2bundesliga)

Der finnische Nationalspieler hat noch bis 2015 bei HJK Helsinki Vertrag. Eine Ausleihe macht den Transfers realistischer, denn selbst Borussia Mönchengladbach wollte nicht die Kaufoption in Höhe von 1,5 Millionen € zahlen. Für den FCK scheint ein Kauf in dieser Größenordnung in der 2. Bundesliga ungewöhnlich. Alexander Ring zeigte bei seinen Einsätzen für die Fohlen aus Gladbach bereits gute Ansätze und verfügt über eine starke Grundschnelligkeit, sowie ansprechende Technik. Der Trainer Lucien Favre, für seine anspruchsvolle Spielaufteilung bekannt, machte bei dem Zweiundzwanzigjährigen noch taktische Mängel aus. Vielleicht kommen jene Mängel unter Franco Foda in Kaiserslautern nicht so sehr zum Tragen. Er ist ein interessanter junger Spieler, der bereits internationale Erfahrung hat.

Blickt man genauer auf diese beiden potentiellen Transfers, so erkennt man das Foda und Kuntz durchaus gemerkt haben, wo bei der Mannschaft der Schuh drückt. Es fehlen Spieler die das Geschehen ordnen und Angriffe kreativ vortragen. Weiterhin ist das Umschaltspiel sehr ausrechenbar und einseitig (A. Baumjohann), da soll der Norweger Jenssen für Abhilfe schaffen.

Betrachtet man die Spieler, die eine Rolle im defensiven Mittelfeld spielen können, muss man fast zwangsläufig mit weiteren Abgängen rechnen. Mit Markus Karl, Enis Alushi, Denis Linsmayer, Ariel Borysiuk, Steven Zellner als gelernte defensive Mittelfeldakteure und Mimoun Azaouagh, Pierre de Wit und Benjamin Köhler als offensivere Varianten hat man bereits eine Menge Material für die Zentrale. Darunter befinden sich mit Karl, Borysiuk, Alushi und Köhler gleich vier Kicker die Stammplatzambitionen geltend machen. Natürlich bleibt zu bedenken, dass Karl und Alushi von Verletzungen zurückkehren und erst einmal die Form wiederfinden müssen. Trotzdem zeichnet sich Stand jetzt ein Überangebot ab.

Steven Zellner verlängerte kürzlich und dürfte als Rollenspieler behalten werden.

Ariel Borysiuk besitzt großes Potential, ruft jenes aber nicht immer konstant ab. Er hatte aber neben Baumjohann das beste Pass-Spiel in der gesamten Mannschaft. Ihn zu halten wird wichtig sein, auch wenn es immer mal Angebote für den Polen gab. Fraglich ist, ob er ein weiteres Jahr in der 2. Liga spielen will, was seiner Nationalmannschaftskarriere nicht dauerhaft förderlich sein kann. Bei einem finanziell verlockenden Angebot, könnte er transferiert werden. Aber im Grunde muss man ihn als Eckpfeiler dieser Truppe behalten.

Für Pierre de Wit verlief die Saison enttäuschend. Von Verletzungen geplagt schaffte er es selten in Kader und machte auch seinem Ärger darüber Luft. Für ihn sehe ich eigentlich keine weitere Zukunft mehr in Kaiserslautern, denn mit Jenssen und Alushi hat er starke Konkurrenz vor sich.

Mimoun Azaouagh hatte auch mit Verletzungen zu kämpfen, spielte relativ wenig. Bei ihm gibt es noch die Option, dass er flexibel einsetzbar ist. Eine tragende Rolle traue ich ihm nicht zu und bei einem akzeptablen Angebot könnte er Kaiserslautern wieder verlassen.

Selbiges gilt auch für Benjamin Köhler. Selten zeigte er ansprechende Leistungen, wie im Heimspiel gegen den FSV Frankfurt. Aber auch der routinierte Mittelfeld-Allrounder könnte als Ergänzungskraft zu Spielen kommen. Ob er sich damit zufrieden gäbe? Wechselte er doch von Eintracht Frankfurt an den Betze um regelmäßiger zu spielen.

Mit Alexander Ring kommt in erster Linie ein Mann für die rechte Außenbahn, obwohl er in Finnland als zentraler Mittelfeldspieler bekannt und geschätzt ist. Also mal wieder jemand der polyvalent einsetzbar ist, wie es im Fachjargon heißt. Ich hätte mir lieber einen reinen Außenläufer gewünscht, kann mich aber mit Ring und seinem Talent durchaus anfreunden. Die klare Definition von Positionen und Positionsspiel zählte in den letzten Transferperioden nicht zu den Stärken der handelnden Personen.

Es bleibt abzuwarten, was sich noch so tut. Wie schon erwähnt, es wird wieder ein ereignisreicher Sommer. Hoffentlich halten sich die Zugänge in Grenzen, denn im Grunde fehlt nur noch ein offensiver Mittelfeldspieler (10er).

In diesem Sinne

euer Stehgeiger

Als Hopp das rote Kaninchen stahl – Die Relegation und ihr Ende Teil 2/2

Habt ihr euch jemals gefragt, wohin der 1. FC Kaiserslautern will?

Natürlich, in die erste Bundesliga und an die Fleischtöpfe. Langfristig also zurück an die Spitze.

Nur wie will man dieses Ziel erreichen?

Da sind sich alle Experten uneinig. Die Relegationsspiele gegen die TSG Hoffenheim von 1899 zeigten deutlich, dass man spielerisch kaum in der Lage ist einen schwachen Erstligisten unter Druck zu setzen. Ja, man kann argumentieren, dass es mit der Fortuna aus Düsseldorf einfacher gewesen wäre. Aber hätte, hätte Fahrradkette. Der Gegner lautete nun mal Hoffenheim und in einem Jahr Bundesliga muss man sowieso zahlreiche Teams bekämpfen, die durch ihr spielerisches Potential schwierig sind.

Es mag auch sein, dass die kommende Saison sportlich leichter wird als die Abgelaufene. Mit Greuther Fürth und Fortuna Düsseldorf kommen zwei Vereine runter, die nicht unbedingt Albträume verursachen. Trotzdem wird das kein Selbstläufer. Vereine wie Energie Cottbus, FSV Frankfurt, 1860 München, 1. FC Köln und Union Berlin hatten jetzt ein Jahr Zeit etwas zu entwickeln und rüsten sich bereits. Denn auch diese Clubs sehen ihre Chance gekommen, endlich am Oberhaus anzuklopfen. Hinzu kommen vielleicht die ein oder andere Überraschungsmannschaft wie der Vfr Aalen (sollten sie die Lizenz zweifelsfrei erhalten) und der VFL Bochum mit Trainer Peter Neururer.

Man kann also nicht davon ausgehen, dass der 1. FC Kaiserslautern die neue Saison dominieren wird und sicher aufsteigt. In den kommenden Jahren wird der Abstand zur gewünschten Top16 Deutschlands immer größer, durch den wirtschaftlichen Nachteil. Dazu gesellt sich dann auch ein Club wie RasenBallsport Leipzig, der mit Macht in die 1. Bundesliga will. Die Möglichkeiten der Red Bull Vereins (wobei der Name Verein wirklich eine Zumutung ist, für eine Organisation ohne richtige Mitglieder unter den Fans) werden die des 1. FC Kaiserslautern immer übersteigen.

Einfallsreichtum und Kreativität sind gefragt, sollte man sich irgendwie mittelfristig in der höchsten deutschen Spielklasse sehen.

Wenn es so aussichtslos ist, warum dann überhaupt probieren?

Ein paar Vorteile wird der 1. FC Kaiserslautern einigen Clubs gegenüber immer haben. Das Fanpotential/Anziehungskraft ist riesig und der FCK bleibt auch noch die nächsten 20 Jahre auf Grund seiner Geschichte relevant. Eine Relevanz, die man in Hoffenheim und Leipzig erst noch erschaffen muss. Hoffenheim hat mit der gewonnenen Relegation einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Die Spieler sind zusammengewachsen und ich gehe fest davon aus, dass man in der neuen Saison oben mitspielt. Psychologisch dürfte da einiges passiert und für das Image wurde viel getan.

Sportlich gesehen ist man schon jetzt im Hintertreffen und über die wirtschaftlichen Verhältnisse braucht man nicht zu reden. Selbst Clubs wie FSV Mainz 05, Hannover 96, SC Freiburg und der FC Augsburg sind uns enteilt.

Eine Möglichkeit wäre, auf den eigenen Nachwuchs zu setzen. Das wird hierzulande überall groß geschrieben und Jugendarbeit bei jedem Club mit Argusaugen überwacht. Wer ist Stiefkind aus der Sparte der populären Clubs? Richtig gedacht, der FCK. Jahrelang hat man sich gar nicht gekümmert und jetzt soll alles ganz schnell gehen, bevor man völlig den Anschluss verpasst. Ich möchte jetzt weniger auf die finanziellen Details des NLZ-Ausbaus eingehen, welcher im Argen liegt. Eher möchte ich beleuchten, wie man bereits in der kommenden Saison die Weichen stellen kann.

Wer den Blog und die Jugendarbeit des 1. FC Kaiserslautern verfolgt, der kennt meine Meinung zu dem Thema. Sagen wir es so, unsere A-Jugend spielt gerade eine historisch erfolgreiche Saison.

Wird man jetzt viele der Leistungsträger in der ersten Mannschaft sehen? Es bleibt zu hoffen aber wetten würde ich darauf nicht. Dabei bieten sich gerade jetzt in der Kaderplanung Möglichkeiten, junge Leute einzubringen. Baumjohann wird gehen, Hoffer wird man kaum verpflichten (er lieferte auch kaum Argumente dafür), Torrejon wird sicherlich von potenteren Clubs umworben werden, selbiges gilt wahrscheinlich auch für Fortounis (der innerlich mit Kaiserslautern abgeschlossen zu haben scheint), Weiser wird in die erste Liga verliehen, Borysiuk könnte gehen. Auf der Abschussliste stehen außerdem noch Abel, Amri, Shechter, Jessen und andere Namen. Ein großer Umbruch steht mal wieder ins Haus.

Man muss der Realität ins Auge schauen. Der FCK kann nicht damit rechnen, kommende Saison direkt aufzusteigen. Ein so glückliches Händchen auf dem Transfermarkt wird es nicht geben, bei den klammen Finanzen. Oberstes Ziel für mich wäre jetzt, eine Identität zu finden und den Club neu auszurichten.

Wie erschaffe ich eine übergreifende Spielidee und eine Vereinsidentität?

Manche werden sagen, beides ist schon vorhanden: Kämpfen und Einsatz bis zum Umfallen.

Aber diese beiden großen Betze-Tugenden sind nicht mehr exklusiv auf Kaiserslautern zu reduzieren. Alle erfolgreichen Mannschaften haben ein aufwendiges Laufspiel, unter dem modernen Stichwort Pressing. Musste früher mancher Sportjournalist das Wort noch nachschlagen und punktete bei Verwendung mit dem Fremdwortbonus, so ist es heute schon ein negatives Urteil, wenn eine Mannschaft nicht Pressing spielt. „Unser Spiel gegen den Ball war schlecht.“ , „Das Gegenpressing des Gegners hat es uns nicht leicht gemacht.“ , in allen Variationen hört man diesen Begriff auf Deutschlands Fußballplätzen. Einsatz und Laufbereitschaft sind also keine Tugenden mehr, sondern einfache Grundvoraussetzungen für modernen Fußball.

Was ist jetzt mit dem Kampf? Ja, den Kampf kann man noch gelten lassen. Wobei es heute vielen Mannschaften zugeschrieben wird, die spielerisch nichts auf die Kette bekommen. So hat der 1. FC Kaiserslautern zwar aufopferungsvoll gekämpft, aber es reichte nicht gegen Hoffenheim. Der Faktor Kampf kann Spiele entscheidend beeinflussen, aber nicht mehr auf dem Level, wie es vor 20 Jahren möglich war. Mannschaften lassen sich nicht mehr so schnell durch Härte und physisches Spiel beeindrucken. Durch lange Ballstafetten in den eigenen Reihen lässt man den Gegner laufen und jener verliert mit der Zeit die Kraft zum Kämpfen.

Eine übergreifende Spielidee muss also mehr sein, als verstaubte Tugenden, die heute fast jeder Club irgendwie für sich beansprucht. Es geht zuerst einmal darum, ein Positionsspiel zu fixieren. Zum Beispiel sollte jeder Linksverteidiger, der sich in den Mannschaften tummelt (C-Jugend bis Profi), gewisse Abläufe kennen und Fähigkeiten entwickeln. Wie diese Fähigkeiten dann aussehen, hängt vom jeweiligen Spielsystem ab. Will man das der Linksverteidiger sich häufig in die Offensive einschaltet und „hinterläuft“, so muss er Flanken, Dribbling und Antritt üben. Gerade die Anforderungen an die Außenverteidiger sind in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Niemand braucht mehr wirklich 4 Verteidiger in der Hintermannschaft. Der RV und der LV sind Hybriden aus Mittelfeldspieler, Stürmer und Verteidiger geworden. Hat ein Außenverteidiger zum Beispiel wenig Torbeteiligungen, wird er sofort mit anderen Augen betrachtet.

Bestes Beispiel ist David Alaba vom FC Bayern München. Louis van Gaal sah in ihm das Potential zum Linksverteidiger, Marcel Koller sieht ihn (auch mangels Alternativen) als offensiven Mittelfeldspieler und bevor er zur TSG aus Hoffenheim verliehen wurde, galt der junge Österreicher als defensiver Mittelfeldspieler. Bei den Bayern spielt er seine Rolle so stark, dass man endlich das Rätsel um die Position von Philip Lahm gelöst hat (RV). Der Erfolg gibt Heynckes natürlich recht.

Also feste Positionsanforderungen fixieren, ausgerichtet am jeweiligen Spielsystem.

Welches Spielsystem sollte man den spielen?

Das hängt vom vorhandenen Personal und dem Trainer ab. Jeder Trainer muss heute ein Konzepttrainer sein und jeder der keiner sein will (Neururer, Rangnick und Daum), war das schon vor 10 Jahren. Nur die Vorreiter steckten den Spott ein, wie üblich. Wie genau jetzt der Trainer die Spieler auf dem Feld positioniert, ist eigentlich für die Vereinsentwicklung unerheblich. Wichtiger ist wirklich, dass jeder Spieler der da nachrückt, sein Anforderungsprofil genau kennt. Jeder kann seine Rolle noch persönlich interpretieren, aber die Grundlagen müssen bei allen stimmen.

Der SC Freiburg zum Beispiel spielt mit hoher Wahrscheinlichkeit einen anderen Fußball, als die altehrwürdigen Breisgau-Brasilianer, die in den 90ern nicht nur die Bayern das Fürchten lehrten. Trotzdem sind einige Dinge aus dieser Zeit überliefert. Sicheres Passspiel, ständiges Verschieben und mutige Offensivkombinationen. Das kann manchmal ein Jahr sehr gut funktionieren, oder aber auch in die Hose gehen. Wichtig ist aber, die Grundgedanken bleiben unabhängig vom Personal. Oder wer hatte den SC nach dem Abgang vom Papiss Cissé noch auf der Rechnung? Oder wer wird ihnen den Klassenerhalt zutrauen, wenn sie Max Kruse, Daniel Caligiuri, Johannes Flum und Jan Rosenthal verlieren. Das sind fünf Spieler die regelmäßig in der Startelf standen. Ein großer Aderlass und vielleicht muss der SC Freiburg um die Ligazugehörigkeit bangen. Trotzdem wird man seinen Leitfaden nicht verändern, denn Ziel bleibt es unter den besten 20 Mannschaften Deutschland zu verweilen. Finanziell ist man in sicherem Fahrwasser und träumt sogar von einem neuen Stadion. Auch durch die Verkäufe der oben genannten Spieler. Bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass der SC zwischen 2005 und 2009 4 Jahre (!) in der zweiten Bundesliga spielte. Dem Totenbett vieler Traditionsvereine mit Ambitionen und historischem Anspruch.

Ohne den SC Freiburg glorifizieren zu wollen, darf man sich den Verein gerne zum Vorbild nehmen. Natürlich werden manche Dinge immer anders in Kaiserslautern laufen, aber was die bundesweite Bedeutung angeht, gibt es durchaus Parallelen. Früher belächelt, schaut man heute neidisch auf die Arbeit im Breisgau und das Jungendzentrum.

Zusammenfassend muss man also festhalten, dass der 1. FC Kaiserslautern für sich einen Rahmen festlegen muss, den er von personellen Entscheidungen unabhängig behält. Jener Rahmen umfasst die Positionsausbildung der Spieler und die generellen Anforderungen an das Spiel.

Wie setzt man so etwas durch?

Hier gibt sich die Antwort von selbst, durch entsprechendes Personal. Mit Konrad Fünfstück wurde ein wichtiger Baustein installiert, der mich für die Zukunft hoffen lässt. Er koordiniert die Jugendarbeit und trainiert nebenher noch die U-23 Mannschaft. Fünfstück sitzt am Steuer, um bereits bei den Jüngsten gewisse Abläufe innerhalb der Ausbildung zu überwachen.

Weiterhin wird in den einschlägigen Foren über einen Sportdirektor diskutiert.

Was macht ein Sportdirektor?

Er vertritt den Verein nach Außen, wickelt Verkäufe und Zukäufe ab, verhandelt Vertragsverlängerungen/Auflösungen und bei ihm laufen die Informationen der Scouts zusammen. Er bildet eine sehr wichtige Schnittstelle zwischen dem eigentlichen Spielbetrieb und der Arbeit im Hintergrund. Bei anderen Vereinen funktioniert diese Konstellation sehr gut.

Duffner beim SC Freiburg (jetzt H96), Schmadtke ehemals bei Hannover 96 (erfolgreiche Transfers trotz vieler Unstimmigkeiten zwischen Slomka und Schmadtke), Max Eberl bei Borussia Mönchengladbach, Heidel in Mainz und Susi Zorck beim BVB zum Beispiel. Selbst in der zweiten Liga gibt es diese Rollen; Marc Arnold (Braunschweig), Stefan Menze (Dynamo Dresden), Frank Schäfer (1. FC Köln), Christian Beeck (FC Energie Cottbus), Rachid Azzouzi (FC St. Pauli), Uwe Stöver (FSV Frankfurt), Ottmar Schork (SV Sandhausen) und Franz Gerber (Jahn Regensburg). Michael Preetz fungiert bei Hertha BSC mehr oder weniger erfolgreich in ähnlicher Verantwortlichkeit unter anderem Namen (Geschäftsführer Sport).

Unser FCK beschäftigt Roger Lutz und Marco Haber als Teamkoordinatoren, was beim FC Köln Kadermanager (Jacobs) heißt. Ich kann nur schätzen, was die beiden Ex-Spieler so machen. Sie arbeiten wahrscheinlich an Belangen rund um den Spielbetrieb und die Trainingsarbeit, kümmern um Spieler und helfen jenen bei unterschiedlichen Dingen (Wohnungssuche, Eingewöhnung in Deutschland etc.). Vielleicht überwachen sie auch die Entwicklung von verliehenen Kickern, aber bei Transferentscheidungen haben wohl beide keine Mitsprache.

Transfers laufen beim FCK folgendermaßen ab. Entweder Kuntz holt die Leute in Eigenregie (Bunjaku, Azaouagh, Alushi wurden ohne Trainer verpflichtet), oder die Wünsche des Trainers werden erfüllt (Drazan). Andere werden wohl in Übereinkunft der beiden verpflichtet. Ein Sportdirektor würde Stefan Kuntz in diesem Bereich erheblich entlasten, so dass er sich als Repräsentant und Vereinsboss um organisatorische Dinge kümmern kann (Sponsoring, administrative Aufgaben etc.). Natürlich wird er weiterhin das letzte Wort bei Transfers haben, aber ein sportlicher Leiter oder klassisch Manager mit eigenem Netzwerk kann die Bandbreite der möglichen Entscheidungen erhöhen.

Ein Triumvirat um den Trainer (was braucht er), den Vereinschef (der den finanziellen Rahmen kennt) und einem sportlichen Leiter (Scoutinginfos, Netzwerk, Vertragslage) dürfte effektiver Arbeiten als ein Duo. Dabei hat der Sportdirektor die wichtige Aufgabe darauf zu achten, dass das künftige Personal (Trainer, Spieler) auch dem generellen Anforderungsprofil des FCK (Spielidee) entspricht. Auch der Trainer muss nicht mehr zwingend mit Spielern Kontakt aufnehmen, sondern hat mehr Zeit für die Arbeit als Übungsleiter.

Eine gute Sache also, die bundes- und weltweit funktioniert. Nur nicht beim FCK. Warum ist das so?

Stefan Kuntz sagte zum Thema, dass es ein Fehler war im zweiten Bundesligajahr keinen Sportdirektor eingestellt zu haben. Okay, das haben wir vernommen. Wenn man den Fehler kennt, warum kommt dann jetzt keiner? Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Kuntz argumentierte damit, dass ein Sportdirektor finanzielle Mittel verschlingt, die man sonst nicht in den Kader stecken kann. Sprich, ein sportlicher Leiter kostet Gehalt, genauso wie ein möglicher Leistungsträger. Und jenes Gehalt wäre in der 1. Bundesliga leichter zu stemmen, als in der 2. Liga. Okay, soweit so gut. Nun hat man aber gesehen, dass etliche Transfers und Personalentscheidungen gehörig in die Hose gingen und den Druck auf Foda/Kuntz erhöhten. Hoffer, Drazan, Köhler, Azaouagh, Hajri, Nsor, konnten den Anforderungen nicht gerecht werden. Ohne zu erwähnen, dass andere Vereine in der 2. Bundesliga und sogar der 3. Liga einen Sportdirektor haben. Dabei knabbern nicht alle am Hungertuch oder stehen kurz vor der Insolvenz.

Wobei man natürlich auch hier von Fall zu Fall abwägen muss: Was erwarte ich von den Spielern? Nicht jeder kann Stammspieler sein und eine Mannschaft braucht Rollenspieler. Dahingehend kann man Azaouagh und Hajri als Rollenspieler bezeichnen. Meine Meinung zum Thema ist, dass man jene Kaderplätze auch mit jungen, hungrigen Spielern aus dem eigenen Unterbau besetzen kann, aber das steht auf einem anderen Blatt. Nsor wurde als Talent geholt, aber er wusste nicht in der ersten Mannschaft zu überzeugen. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber als Nicht-Europäer durfte er nicht in der U-23 spielen. Okay, eine Leihe wurde angestrebt und konkretisierte sich nicht. Das Ergebnis ist eine sogenannte Kaderleiche. Für die Kampfmannschaft als zu leicht befunden, in der Zweiten nicht spielberechtigt und auch nicht weiterverliehen. Nsor trägt also seinen Trainingsanzug spazieren und darf beim 2 gegen 5 in der Mitte stehen. Ins Wintertrainingslager durfte er nicht mehr mit, vielleicht auch um die Hotelkosten zu senken. Das ist eine katastrophale Entwicklung für den Verein und den Spieler. Der Spieler spielt nicht und die Motivation ist im Keller, sein Marktwert sinkt. Ein sportlicher Leiter hätte das vielleicht eher auf dem Schirm gehabt, wobei ich Nsor nicht sein Talent absprechen will. Für all die Male wo Hajri im Kader stand, oder Drazan (immerhin 500.000 € teuer), hätte man auch Nsor bringen können. Ich glaube man hätte da nichts verlieren, nur gewinnen können. Ein Sportdirektor hätte vielleicht auch die Ressourcen gehabt, Nsor woanders hin zu vermitteln (Leihe). Kuntz und Foda bekamen das nicht hin, auch weil es anderweitig viel zu tun gab. Bei einer Leihe fällt manchmal auch eine Gebühr an und der übernehmende Verein trägt ein Stück des Gehalts. Anscheinend alles irrelevant für den finanziell potenten FCK.

Abschließend muss man festhalten, dass die Installation eines Sportdirektor dringend notwendig ist. Auch wenn das bedeuten sollte, dass wir einen Spieler weniger verpflichten können. Der Gewinn dürfte trotzdem auf lange Sicht da sein, denn die Arbeit in diesem Sommer ist eine Herkulesaufgabe. Zahlreiche Abgänge, Kader verkleinern, neue Leute holen und Talente einbinden.

Im Nichtaufstieg liegt für mich auch eine Chance. Man hat gesehen, dass es so wie es momentan läuft nicht reicht. Veränderungen entstehen meist daraus, dass alte Muster nicht mehr effektiv sind. Also bitte lieber Stefan Kuntz, triff strategische Entscheidungen, die den FCK auch noch in 10 Jahren profitieren lassen. Kurzfristig könnte das bedeuten, dass es weiterhin Zweitligafußball gibt. Aber mit einer gewachsenen Struktur ist die Erfolgswahrscheinlichkeit erwiesenermaßen höher, als im Hau-Ruck-Stil. Wenn wir viel mit jungen Talenten arbeiten, senken wir auch automatisch die Kosten des Kaders, welcher unter den Belastungen der 2. Bundesliga leidet (Tickets und TV-Gelder). Auch dürfte der Sprung vom Jugendbereich in die zweithöchste deutsche Spielklasse leichter sein, als direkt in der Liga der Besten bestehen zu müssen.

Mit einem Dogma muss ich an dieser Stelle auch mal aufräumen. Oftmals wird damit argumentiert, dass wir eben keinen Götze, keinen Goretzka, Alaba oder Müller in den Jugendmannschaften haben. Okay, das stimmt vielleicht. Aber gerade die genannten jungen Männer sind Ausnahmetalente, die es auch nur alle paar Jahre gibt. Außerdem, woher wollen die Leute das wissen? Beim BVB dachte man auch mal, dass Großkreutz und Reus nicht gut genug wären. Man hat diese Fehleinschätzungen dann teuer korrigiert. Ja, aber die Jugendspieler vom FCK spielen in der Regionalliga. Gut, der 1. FC Kaiserslautern spielt auch nicht in der Champions League! Die Leute können sich nur dort beweisen, wo sie spielen. Das muss nicht zwingend mit der Leistungsfähigkeit oder Entwicklung zu tun haben (im positiven wie negativen Sinne). Das Risiko ist kalkulierbar und muss eingegangen werden, um eine Zukunft zu haben. Ginge es nach diesem Dogma, müssten die Lautrer ausschließlich Kicker aus den ersten Ligen holen, damit es mit dem Aufstieg klappt. Gebt der Jugend eine Chance!

Ein weiterer Faktor, der gemeinhin unterschätzt wird ist die Psychologie. Eine Mannschaft die eine gemeinsame Geschichte hat, wird erfolgreicher sein, als jene die Jahr für Jahr große Veränderungen erfährt. Manche Personalveränderung sind unausweichlich, wie die Abgänge im Sommer (Vetragsende, Ende der Leihe, Ausstiegsklauseln). Aber Kontinuität hilft dem Zusammenhalt der Gruppe. Habe ich einen Kern, der langfristig an den Club gebunden ist, wird dieser zusammenwachsen. Das kann durch die stetige Entwicklung funktionieren, als auch durch bedeutende Ereignisse. Ein Gerüst muss her, was aus einigen Kernspielern besteht und die Vereinsphilosophie vorlebt. Das braucht Zeit, Zeit die man sich nehmen muss. Teambuilding ist ein weiterer Begriff, mit dem man so um sich wirft. Aber in anderen Bereichen wird er sehr ernst genommen. Jedes größere Unternehmen beschäftigt Psychologen, die das Betriebsklima verbessern. Auch im Fußball findet man solche Leute, die meist im Hintergrund bleiben. Auch der 1. FC Kaiserslautern sollte dort aktiv werden. Dabei geht es weniger um Campingausflüge und Mannschaftsabende, als auch um die direkte Betreuung von enttäuschten oder verletzten Kickern.

Eine Menge Blog, die der Stehgeiger da liefert! Ich werde versuchen einige Kernpunkte auch Kuntz höchstpersönlich nahe zu bringen. Mir wurde schon zwei Mal gesagt, dass ich meine Vorschläge doch mal in irgendeiner Form vortragen soll und die Leute haben recht. Ein Brief an Kuntz (ja auf Papier und so) wird in den nächsten Tagen geschrieben und ich werde jenen auch beim Stehgeiger veröffentlichen. Falls es eine Antwort geben sollte, lasse ich euch natürlich auch daran teilhaben. Wer noch weitere Vorschläge hat, der kann sie mir gerne mitteilen.

In diesem Sinne

Euer Stehgeiger

Es wird zum Tanz gebeten! – TSG 1899 Hoffenheim steht als Relegationsgegner für den FCK fest

Jetzt ist es soweit. Unglaublich wichtige Entscheidungen sind gefallen und der Relegationspartner für den 1. FC Kaiserslautern steht fest: TSG 1899 Hoffenheim

Wer mitliest, der weiß dass der Stehgeiger nicht der Meinung war, dass Hoffenheim es auf den 16.Platz schaffen würde. Die Indikatoren sprachen eindeutig gegen das Team aus dem Kraichgau. Trotzdem hat es dieser als „Söldner-Haufen“ beschimpfte Verein den Kopf aus der Schlinge gezogen. Auch als Fan des 1. FC Kaiserslautern muss der Stehgeiger seinen Hut davor ziehen. Die „Hopp-Gedächtnis-Mannschaft“ war in dieser Saison schon oftmals für tot erklärt worden und darf nun in der Relegation auf ein versöhnliches Ende hoffen.

Wie konnte das passieren?

Düsseldorf verlor sein Spiel in Hannover mit 0:3. Ein richtiger Schlag ins Gesicht und selbst nach dem Abpfiff waren einige Düsseldorfer noch sicher, wenigstens den 16. Platz erreicht zu haben. So etwas wie Hoffnung machte sich unter den Spielern breit. Dann kamen die Neuigkeiten aus Dortmund, das vermeintliche Ausgleichstor durch Marcel Schmelzer wurde zurückgenommen. Genaueres dazu, kann man auf der sehr aufschlussreichen Seite www.wahretabelle.de lesen.

Der andere Verein in der Verlosung, der FC Augsburg, sicherte sich durch ein ungefährdetes 3:1 zu Hause gegen die bereits abgestiegenen Greuther Fürth einen direkten Nicht-Abstiegsplatz. Damit belohnt sich der FCA zum Ende der Saison selbst, denn das Team beeindruckte durch Leidenschaft, Kampf und den absoluten Glauben an die eigenen Fähigkeiten. Auch hier gratuliert der Stehgeiger recht herzlich!

Zurück zu Hopp

Hoffenheim erreichte also einen 1:2 Auswärtserfolg beim Champions League Finalisten Borussia Dortmund. Die Truppe von Markus Gisdol schaffte noch den rettenden Sprung auf Platz 16. Ich hätte nicht gedacht, dass der BVB die Chance verstreichen lässt, den ungeliebten Club in die zweite Liga zu schicken. Mediale Scharmützel zwischen Hans-Joachim Watze und Dietmar Hopp als auch die berühmte Schall-Affäre sollten genug Zündstoff für den BVB liefern. Dazu kam es aber nicht, nur auf Fan-Seite und auf den Rängen war der totale Wille zu spüren, das „Projekt“ Hoffenheim aus der Eliteklasse zu schießen. Einziger verschmerzbarer Wermutstropfen, Andreas Beck muss auf seine Nationalmannschaftsberufung verzichten.

Traditionalisten aller Länder, vereinigt euch!

Jetzt schaut ganz Deutschland auf den 1. FC Kaiserslautern, welcher die Flagge der Tradition hochhalten soll. Ist der FCK dieser Aufgabe gewachsen? Der Stehgeiger hat da so seine Zweifel.

Die Hoffenheimer Mannschaft besitzt einen unschätzbaren psychologischen Vorteil. Sie haben sich entgegen allen Voraussagen und durch eine miserable Saison gekämpft. Am Ende wurden sie belohnt. Die viel besungene Wagenburg-Mentalität dürfte der TSG sicher sein. Besser hätte selbst der große José Mourinho die Geschichte nicht inszenieren können. Der 1. FC Kaiserslautern dürfte gewarnt sein, dass dieser angeknockte Boxer sich in letzter Sekunde vor dem KO in den Gong rettete und bereits neuen Willen und Energie getankt hat.

Machen wir uns nichts vor. Der 1. FC Kaiserslautern hat die schlechteren Einzelspieler, da bedarf es auch keiner Positionsanalyse. Hoffenheim verfügt eben über Mittel, von denen man in Kaiserslautern nur träumen kann, egal wie man dazu steht. Es mutet wie ein darwinistischer Evolutionskampf an, das angepasste und moderne Fußballimperium gegen den steinzeitlichen Dickhäuter. Natürlich hat der 1. FC Kaiserslautern die reichere Geschichte, mehr Fans und den größeren Namen. Sportlich und strukturell gesehen, hat die TSG 1899 aber zahlreiche Vereine hinter sich gelassen. Mit wenig Skrupel und der Präzision eines Schönheitschirurgen hat Hopp den Verein in den deutschen Fußball eingepflanzt. Selbst ein Abstieg würde den dauerhaften Aufstieg dieses Projekts nicht hindern, höchstens um eine Zeit verzögern. Mit so viel Geld kann man kaum etwas falsch machen und probiert so lange, bis alles passt. Rasenballsport Leipzig und der Red Bull Konzern lassen Glückwünsche ausrichten.

Mittelfristig gesehen kann man gegen solche finanzstarken Emporkömmlinge nichts ausrichten. Ein Verein wie der 1. FC Kaiserslautern muss sich neu orientieren und eine andere Nische für seine Existenz finden, als den althergebrachten Anspruch auf die Bundesliga. Die TSG Hoffenheim rühmt sich zwar ihrer Nachwuchsarbeit und setzte sogar in entscheidenden Spielen auf junge Kerle (Thesker, Sühle etc.), aber sollte es eng werden, nimmt man da einfach Geld in Hand und erzwingt etwa die Wiedergutmachung eines Betriebsunfalls Abstieg. Sollte sich Hoffenheim in den beiden Spielen gegen Kaiserslautern durchsetzen, blüht dem deutschen Fußball sogar noch mehr Ungemach aus der Machtzentrale in Sinsheim. Man hat gesehen, was mit Mannschaften passieren kann, die dem Tod von der Schippe springen und Krisenzeiten irgendwie meistern (Hannover 96, Borussia Mönchengladbach). Der Kern dieser Hoffenheimer Mannschaft wird zusammenwachsen und den besten Teamgeist seit ihrem märchenhaften Aufstieg formen. Sogar noch dichter und besser, da dieses Zusammengehörigkeitsgefühl aus einer wirklichen Krise entsprang und nicht durch das Feiern und Jubeln gestählt wurde. Dazu wird man dann punktuell starke Leute holen, die endlich so etwas wie eine Hierarchie und Gerüst vorfinden werden. Die Implementierung von Führungsspielern wie Tim Wiese oder Matthieu Delpierre ging ja gehörig schief.

Ein Ausblick

In zwei Spielen kann sportlich viel passieren, aber dem 1. FC Kaiserslautern wäre ein anderer Gegner besser bekommen. Sollten die Hoffenheimer wieder den Willen und das Miteinander aufbringen, dass sie in diese Option geführt hat, sieht der Stehgeiger schwarz für die Roten Teufel. Auch ein Blick auf die Bilanz ist vernichtend. In sechs Spielen konnte der FCK nicht ein einziges Duell gewinnen und verlor 4 mal. Nur zwei Unentschieden sprangen dabei heraus. Man erinnert sich noch an die ernüchternde Heimniederlage vom 04.04.2008, als der FCK mit einem Bein bereits im Grab stand. Auf beiden Seiten sind nicht mehr viele Spieler aus dieser Zeit übrig, aber die Rahmenbedingungen haben sich beachtlich geändert.

So sehr ich dem FCK den Sieg wünsche und auch bei beiden Spielen die Mannschaft unterstützen werde, so realistisch muss der Stehgeiger die Lage betrachten. Sollte nicht etwas Außergewöhnliches geschehen, was es am Betze immer mal gab, spielt der 1. FC Kaiserslautern nächste Saison in der zweiten Bundesliga und die TSG 1899 Hoffenheim wird einen ungeahnten Schub aus der Relegation ziehen. Beide Spiele bringen eine Menge Öffentlichkeit und werden die Marke TSG 1899 auch noch bei dem letzten Fußballverrückten bekannt machen. Hinzu kommt der neue Zusammenhalt und die gefundene Gemeinschaft. Auch darum drückt ein großer Teil Fußball-Deutschlands dem 1. FC Kaiserslautern alle verfügbaren Daumen.

Man darf gespannt sein, ob sich das FCK Kollektiv bündelt und es schafft, dem übermächtigen Gegner ein Bein zu stellen. Sicherlich muss man sich jetzt sportlich vor Hoffenheim nicht ins Hemd machen, aber auch nicht die unverrückbaren Gegebenheiten aus den Augen verlieren.

Die Rollen des Favoriten und Underdogs sind eindeutig verteilt. Für viele gehen damit auch die Rollen des Bösewichts und des Helden einher. Es wird ein nie da gewesenes Duell David gegen Goliath werden, dem wir alle entgegenfiebern.

Ganz so bedeutungstragend wie viele Fans diese Spiele sehen, darf es der FCK-Profi nicht tun. Es wird extrem wichtig sein, dass Trainer Franco Foda den Spielern die nötige Leichtigkeit nahe bringt um überhaupt auf dieser große Bühne etwas leisten zu können. Vielleicht kann man den scheidenden Tim Wiese heran ziehen, damit er ein paar letzte Informationen aus dem Kraichgau liefert. Trotz aller sportlichen Wichtigkeit, der Ausgang dieses Spiels darf den Weg den der 1. FC Kaiserslautern einschlagen soll, nicht beeinträchtigen.

Noch etwas in anderer Sache:

Hiermit ruft der Stehgeiger alle Fans des 1. FC Kaiserslautern auf, die Mannschaft bedingungslos zu unterstützen. Dabei muss auf krasse Beleidigungen einzelner Personen („D. Hopp, Sohn einer Hure“ z.B.) und Gewalt/Vandalismus (Hooligans oder Ultras) in Sinsheim verzichtet werden. Der Fokus liegt auf uns allen und es wäre zu schade, wenn wir das Bild des DFB und vieler populärer Medien bestätigen würden. Selbst wenn wir sportlich unterlegen sind, bietet sich die einmalige Chance der ganzen Welt zu zeigen, was es heißt eine gewachsene Fankultur zu sein. Geld kann vieles erkaufen, aber nicht Liebe und Herzblut. Dafür sollten diese beiden Spiele gegen die TSG 1899 Hoffenheim für uns Fans stehen. Bietet eure besten Choreos, Gesänge und Plakate auf! Zeigt diesen nüchternen Wirtschaftsbossen, was es heißt ein echter Fan zu sein. Nur lasst Pyro, Knüppel und mieses Vokabular zu Hause. Der große Hans Hubert Vogts sagte einmal: „„Gewalt gehört nicht auf den Fußballplatz, sondern nach Hause zur Ehefrau.“ !

In diesem Sinne

euer Stehgeiger