Nachtrag zur Kaderanalyse – 1.1

Jakub Swierczok wird den 1. FC Kaiserslautern wieder verlassen. Polnischen Medienberichten zu Folge wird „Kuba“ wieder nach Polen verliehen.

http://www.90minut.pl/news/214/news2149833-Jakub-Swierczok-przeszedl-testy-medyczne-w-Ruchu-Chorzow.html

Ruch Chorzow wird den Stürmer sehr wahrscheinlich für ein Jahr leihen, mit Kaufoption.

Das wird die meisten FCK-Fans kaum interessieren, denn außer ein paar Einsätzen in der Abstiegssaison und in der U-23 (mit einem fantastischen Tor gegen TuS Koblenz), durfte er nicht viel zeigen.

Ich möchte aber an diesem Beispiel aufzeigen, wie unstrukturiert manchmal beim FCK gearbeitet wird. Jakub Swierczok kam in der Winterpause der Saison 2011/12 zum 1. FC Kaiserslautern und war nur Insidern des polnischen Fußballs bekannt. Er hatte eine gute Torquote in der zweiten polnischen Liga und wurde vom 1. FC Kaiserslautern für 420.000 € gekauft. Ausgestattet wurde der damals gerade 19-jährige Stürmer mit einem Vertrag bis 2015.

Er begann seine Saison beim FCK in der Startelf gegen Werder Bremen und durfte von sechs Spielen, drei mal von Beginn an auflaufen. Im gelang kein Tor oder eine Torbeteiligung. Wenngleich er gerade in seinem ersten Spiel gegen Werder tolle Ansätze zeigte und frech aufspielte. Danach kam das junge Talent nur noch in der U-23 zum Einsatz, wo er in 9 Spielen 3 Tore und 2 Vorlagen verbuchen durfte.

Und damit endet seine FCK-Geschichte auch schon. Zu Beginn der neuen Saison in der 2. Bundesliga wurde er zu Piast Gliwice verliehen und gleich im ersten Pflichtspiel verletzte er sich schwer. Eine Kreuzbandverletzung machte es ihm unmöglich, weiterhin Spielpraxis zu sammeln, wie von den Lautrer Verantwortlichen angedacht. Foda hatte ihn gewogen und als zu leicht empfunden.

Nach auskurierter Verletzung berichteten Polen-Experten in verschiedenen Foren, dass er gerne nach Kaiserslautern zurückkehren möchte und sich ins Team spielen will. Ich hatte ihn für U-23 auf dem Zettel und möglicherweise, auch nach der heftigen Auszeit, als Kaderspieler in der ersten Mannschaft. Dazu wird es nicht mehr kommen, obwohl Stefan Kuntz den jungen Mann den Fans als großes Talent anpries. Da musste man reagieren, um ihn vom Markt zu nehmen. In ein paar Jahren sei so einer viel zu teuer für den FCK. All diese Überzeugung scheint dahin, da man ihn jetzt mit einer Kaufoption zurück in die Heimat verliehen hat. Wie kann man in 1,5 Jahren und nicht mal 10 Spielen für die erste Mannschaft sagen, all das Potential ist scheinbar nicht vorhanden?

Ich wundere mich ehrlich darüber, wie man so eine Entscheidung fällen kann. Es ist logisch, dass er nach den Verpflichtungen von Zoller und Occean sehr geringe Chancen auf einen Platz unter den Top 25 Spielern des 1. FC Kaiserslautern hatte. Trotzdem wäre er eine logische Option für die U-23 gewesen. Zumal man ihm einen langfristigen Vertrag gab. Eine Entwicklung wird ihm jetzt nicht mehr zugestanden, denn selbst wenn er für Ruch Chorzow wie am Fließband trifft, wird man ihn nicht mehr am Betze sehen. Dafür hat der polnische Club die Kaufoption. Selbst wenn jener Club die Option nicht bedienen könnte, aus finanziellen Gründen, würden sie es doch tun und den Spieler gleich weiterverkaufen.

Welchen Gewinn erhofft sich der FCK von solch einem Geschäft? Es klingt alles danach, als wollte man den Spieler loswerden. Durch die Verletzung und eine Saison ohne Spielpraxis war kein Markt für ihn gegeben. Kein Verein der Welt hätte Geld für ihn gezahlt, dass auch nur annähernd die Ablöse und Gehaltskosten wieder einbringt. Nun erhofft man sich eine Leistungsexplosion, an der der FCK nur noch finanziell partizipiert. Wäre auch nachzuvollziehen, wenn Kuba die Lohnliste dermaßen belasten würde, dass Kuntz in Bedrängnis geriet. Jenes Szenario ist aber schwer vorstellbar, leistet man sich mit Bunjaku, Idrissou und Occean gleich drei 2.Liga-Schwergewichte für den Sturm.

Das Scouting und das Handeln des Vorstandes (Kuntz) ist mir in diesem Falle einfach zu trainerabhängig. Auch wenn Foda den Spieler vielleicht nicht schätzt, wer weiß wie lange er noch Trainer bleibt. Immerhin hat man Swierczok vertraglich verpflichtet, was auch für den Verein einen Vertrauensvorschuss wie auch eine Verpflichtung bedeutet. Bei den ersten Problemen gleich die Segel zu streichen, klingt für mich wenig mittelfristig gedacht.

Was ist, wenn der Stürmer in Polen kein Bein auf den Boden bekommt und kein Interesse besteht die KO zu ziehen? Dann hat man ihn wieder zum kommenden Sommer im Kader und darf sich die Finger wund telefonieren. Wo ist das Vertrauen in sein Potential/Talent geblieben?

Was erhoffte man sich eigentlich von ihm? Man konnte doch nicht ernsthaft davon ausgehen, dass ein Teenager, der kurz vor dem Transfer sein 19 Lebensjahr erreicht, den FCK in seiner damaligen Situation in der Liga hält. Ich dachte es sei ein Vorgriff gewesen, damit man nicht irgendwann keine Chance mehr hat um Jakub Swierczok zu bieten? Der Stehgeiger ist verwirrt.

Franco Foda befand ihn gar für die 2.Bundesliga zu schlecht, was schwer bestreitbar ist. Und selbst dann hätte man ihn in der U-23 auflaufen lassen können, damit er sich an das Land und die Sprache gewöhnt, als ihn direkt zurück in die Heimat zu schicken, wenn auch eine Liga höher.

So schnell sinken und steigen die Aktien beim 1. FC Kaiserslautern. Ich bin der Meinung diese Geschichte wirft ein schlechtes Licht auf das Scouting, das Trainerteam und den Vorstand. Jetzt kann man natürlich argumentieren, dass er uns vielleicht in diesem Jahr und nach der langen Verletzung nicht weitergeholfen hätte, aber wozu hat man eine U-23?

Schlüssig wäre die ganze Sache nur, wenn Swierczok ein absolut chaotischer Charakter wäre, der sich partout nicht in ein Team integrieren lässt. Dazu müssten Sachen neben dem Fußballplatz vorgefallen sein, die ihn als Spieler am Betze disqualifizieren. Davon hörte man bis dato nicht. Auch dann müsste sich die Scoutingabteilung unter Fehse den Schuh anziehen, denn wozu hat man heute zahlreiche Informationen über die Spieler, auch was ihr Verhalten und das Privatleben angeht. Niemand legt sich mehr ein faules Ei ins Nest, wenn der sportliche Gewinn nicht gegeben ist. Dafür sind die Spieler heutzutage einfach zu gläsern. Vereine sammeln nicht mehr nur sportliche Daten, sondern ganze Persönlichkeitsprofile über die Spieler.

Weiterhin wäre ein mögliches Szenario, dass er nach seiner Verletzung an der Sportinvalidität kratzt, was der medizinische Check bei Chorzow zeigen wird.

Der Stehgeiger wünscht Jakub „Kuba“ Swierczok alles Gute. Egal wie der Fall liegt, der 1. FC Kaiserslautern versucht sein Investment zu schützen und mich beschleicht das Gefühl, dass man dabei einen Fehler begangen hat. So oder so.

In diesem Sinne

Euer Stehgeiger

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Die Antwoord – Post für Stefan, Antwort von Vanessa

Sehr geehrter Herr Stehgeiger,
vielen Dank für Ihr ausführliches und detailliertes Schreiben, welches Herr Kuntz aufmerksam gelesen hat. Er hat mich gebeten Ihnen zu danken.
Wir sind immer dankbar über Anregungen, Ideen und sachliche Kritik. Auch wir haben die abgelaufenen Saison ausführlich analysiert und lassen die Erkenntnisse in unsere Planungen für die neue Saison einfließen. Die Saisonvorbereitungen laufen auf Hochtouren und die Mannschaft befindet sich bereits sehr konzentriert in der Vorbereitungsphase.
Wir sind zuversichtlich, dass wir auch in dieser Saison „oben dabei sein“ werden und wollen unser großes Ziel – den Aufstieg – schnellst möglich erreichen.
 
Mit freundlichen Grüßen
Vanessa Pola
1. FC Kaiserslautern e.V.
Vorstandssekretariat
Fritz-Walter-Straße 1
67663 Kaiserslautern
Tel.: +49 – (0)631 – 3188 2101
Fax: +49 – (0)631 – 3188 303
E-Mail: vanessa.pola@fck.de
www.fck.de
 
Sitz und Registergericht Kaiserslautern: VR 1252
Vorstand: Stefan Kuntz (Vorsitzender), Fritz Grünewalt
Finanzamt Kaiserslautern: St-Nr. 19/675/0034/4 Ust-Id-Nr. DE 148 649 963

Post für Stefan vom Stehgeiger

1.FC Kaiserslautern e.V.

zu Händen Vorstandsvorsitzender Stefan Kuntz
Fritz-Walter-Str. 1
67663 Kaiserslautern

Fragen zur abgelaufenen Saison sowie Vorschläge

Sehr geehrter Herr Kuntz,

vorab möchte ich betonen, dass es sich bei meinem Anschreiben nicht um irgendwelche irregeleiteten Beschimpfungen oder respektlosen Anmerkungen halten wird.

Falls Sie die Zeit erübrigen können die folgenden Zeilen zu lesen, steigen Sie in meiner Gunst noch in unerreichte Höhen. Ich muss dazu sagen, dass ich Sie als kleiner Junge auf dem Betze habe spielen sehen und sofort ein Idol hatte. Ihre Leistungen mit der Deutschen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft 1996 in England und Ihre Rückkehr zum 1. FC Kaiserslautern, sowie Ihr Engagement seit 2008 nötigen mir den allerhöchsten Respekt ab. Ich bin sehr dankbar dafür, dass Sie die Geschicke beim FCK leiten.

Die abgelaufene Saison war für viele Fans und sicherlich auch Verantwortliche eine Enttäuschung. Natürlich darf man argumentieren, dass in der Relegation das gesetzte Ziel Aufstieg nur denkbar knapp verfehlt wurde. Aber die Art und Weise wie man den dritten Platz in der 2. Bundesliga erreicht hat und sich dann gegen die TSG 1899 Hoffenheim präsentierte geben mir Anlass zur Sorge.

Unter dem neuen Trainer Franco Foda wurde, auch auf Grund von Verletzungen (Enis Alushi, Markus Karl) ein wirklich unansehnlicher Fußball gespielt. Gerade die Rückrunde, abgesehen von den wichtigen Siegen gegen den 1. FC Köln und den FSV Frankfurt, boten spielerische Magerkost. Alle Last des Spielaufbaus lag bei Alexander Baumjohann und andere Kreativspieler waren mutmaßlich indisponiert. Es wurde, wie man es bereits unter Milan Sasic kannte, das Heil in langen Bällen auf Stürmer Idrissou gesucht. Gegen eine individuell stark besetzte und clevere Truppe wie Hoffenheim fand der FCK-Aufstiegszug seine Endstation. Aber auch schon gegen vermeintlich schwächere Gegner im Ligabetrieb tat man sich schwer.

Ich hoffe, wie viele weitere Fans, dass das Trainerteam um Franco Foda für die neue Saison eine andere Herangehensweise plant. Denn der antiquierte Fußball, den der FCK in großen Teilen der Saison bot treibt die Fans aus dem Stadion und in die Verzweiflung. Ich möchte betonen, dass ich nicht an der Kompetenz von Foda zweifle, mir steht es gar nicht zu jene einschätzen zu können, aber wie Sie wissen besteht Deutschland aus 81.000.000 Bundestrainern und der 1. FC Kaiserslautern hat Millionen „Trainer“ unter seinen Anhängern.

Jeder Anhänger hat seine eigenen Gedanken zum 1. FC Kaiserslautern und mir wurde in zahllosen Gesprächen mit Gleichgesinnten empfohlen, jene Gedanken doch mal vorzutragen bzw. für die Verantwortlichen offen zu legen.

Es wäre für die langfristige Zukunft des Vereins wichtig, wenn der FCK eine Spielidee entwickeln könnte, die auch unabhängig vom jeweiligen Personal funktioniert. Damit meine ich insbesondere ein fixiertes Positionsspiel, das angefangen in den Jugendabteilungen Einzug findet. So wäre gewährleistet, dass unabhängig vom jeweiligen Talent und Interpretation der Spielrolle, Spieler aus dem eigenen Unterbau die Anforderung der „Kampfmannschaft“ kennen. Ich begrüße die Entscheidung mit Konrad Fünfstück einen fähigen Koordinator und Trainer an dieser wichtigen Schnittstelle zu platzieren. Seine Leistungen mit der U-23 waren ganz hervorragend, formte er die Truppe binnen kürzester Zeit zu einem Aufstiegsaspiranten. Ganz gleich wie die Saison für die zweite Mannschaft dann zu Ende ging, jene Entwicklung darf man durchaus als Erfolg werten. Junge Leute wie Jan-Lucas Dorow oder Jean Zimmer darf man auf dem Zettel haben, geht es darum die Positionen der Rollenspieler bei der ersten Mannschaft zu besetzen.

Spieler aus dem eigenen Unterbau/Jugendabteilung müssen die Zukunft für den 1. FC Kaiserslautern bilden. Man sieht es bundesweit, wie „Talente“ spielerische Impulse geben und mit möglichen Ablösen dem Verein helfen. Auch andere Vereine mit wirtschaftlich schwierigen Positionen, konnten in der Vergangenheit auf Eigenmaterial aus der Jugend bauen und stabilisierten sich in der Folge. Hierbei dürfen Erfolge auch klarer nach Außen hin kommuniziert werden. Ich war beispielsweise beim Halbfinalspiel des DFB-Jugendpokals in Mönchengladbach und war sehr angetan von der Leistung der A-Jugend (U-19). Aber nur die wenigsten Fans wissen etwas über jene Erfolge. Bedenkt man die komplizierte Situation in der Vergangenheit, sind die jüngsten Triumphe der U-19 schon bemerkenswert. Hier kann der FCK mehr tun, als nur einen lieblosen Artikel auf der Homepage zu veröffentlichen. Für die Außendarstellung kann das nur von Vorteil sein. Auch waren die jungen Fohlen besser repräsentiert (Königs, ter Stegen, Heimeroth, Herrmann), was natürlich auch an der Ansetzung (Heimspiel) lag. Trotzdem würde ich mir wünschen, dass die jungen Leute das Gefühl haben, in Schlagdistanz zum Profidasein zu arbeiten. Mit Florian Dick als Pate der U-19 ist ein richtiger Schritt gemacht. Ein Vollprofi und Identifikationsfigur für viele Fans des FCK.

Durchlässigkeit ist ein weiteres Thema, dass im Zusammenhang mit der Jugendarbeit häufig fällt. Ich bin mir bewusst, dass gerade die Förderung der eigenen Jugend komplex ist und von vielen Faktoren abhängt. Es wird nicht gelingen, jeden hoffnungsvollen Spieler in den Profibereich zu integrieren, aber die Bemühungen sollten klar erkenntlich sein. Die Fans sehnen sich nach erfolgreichen Eigengewächsen und sind sich deren Bedeutung durchaus bewusst. Am Thema Jugendarbeit kommt man in Deutschland, auch auf Grund der medialen Berichterstattung, kaum vorbei. Spieler wie Mario Rodriguez, Halil Hajtic, Marcell Öhler, Manfred Osei-Kwado, Florian Pick und Michael Schindele uvm könnten das Potential besitzen, zukünftig Profis beim FCK zu werden. Ich hoffe man befindet sich vor allem mit Rodriguez und Hajtic in Gesprächen über mögliche Verträge. Gerade Hajtic verkörpert einen Spielertyp, der im Profibereich fehlt. Ob es nun zu einer Karriere kommen sollte, steht auf einem anderen Blatt und hängt mit zahlreichen Unwägbarkeiten zusammen. Das Risiko ist aber kalkulierbar und nach Außen hin leicht zu rechtfertigen. Die vielen Neuzugänge in den letzten 3 Jahren sind dagegen, sieht man wer noch sportliche Relevanz für den 1. FC Kaiserslautern besitzt, manchmal schwerlich zu verteidigen. Gerade wenn die sportliche Habenseite dann unbefriedigend ausfällt.

Natürlich muss man Leistungen im Jugendbereich in der richtigen Relation sehen. Das altbekannte Dogma, dass der FCK keine Ausnahmetalente internationalen Kalibers hat, gilt da nicht. Spieler wie Hajtic können sich nur auf der Bühne präsentieren, die ihnen gegeben ist. Wer so eine herausragende Torquote erzielt und auch gegen höherklassige Gegner heraussticht, verdient Beachtung. Man muss schließlich auch mit dem Material arbeiten, dass man hat. Jeder darf vom nächsten Götze oder Goretzka träumen, aber in der Realität sollte gerade die Durchlässigkeit jene belohnen, die etwas leisten. Unabhängig davon, ob es in der A-Jungend Bundesliga ist oder der Regionalliga.

Ohne gänzlich dem Jugendwahn zu verfallen, ist es wichtig einige Kaderplätze für Talente anzubieten. Der aktuelle Kader der Mannschaft in der 2.Bundesliga wirkt etwas aufgebläht. Mit den Rückkehrern von Leihgeschäften, feststehenden Abgängen, neuen Spielern und unvorhersehbaren Entwicklungen wartet eine wahre Herkulesaufgabe auf Sie Herr Kuntz. Sie haben das Thema vor einiger Zeit selbst angeschnitten und heute brennt es vielen FCK-Fans auf der Seele: der Sportdirektor/Manager.

Sie erfüllen im Moment einen riesigen Aufgabenbereich, den sicherlich nicht jeder so gut bedienen könnte. Ich will Ihnen weder etwas von ihrer Kompetenzfülle in Abrede stellen, noch ihre sportlichen Entscheidungen kritisieren. Aber ein Sportdirektor könnte sie erheblich entlasten und ein eigenes Netzwerk mitbringen, wovon der Verein profitiert. Auch das öffentliche Fadenkreuz im Falle von Misserfolgen, liegt vornehmlich bei Ihnen. Was ich im Übrigen sehr unfair finde. Für Ihre eigene Position und die des Vereins wäre eine professionelle Strukturänderung in Form eines Sportdirektors sehr wichtig. Ein Triumvirat um Trainer, Vorstandsvorsitzender und Sportdirektor könnte bei zukünftigen Entscheidungen hilfreich sein. Gerade im Transferbereich, wo eigentlich jeder Schuss sitzen muss auf Grund der finanziellen Lage, könnte ein zusätzlicher Fachmann helfen.

Natürlich spielt die Kostenfrage eine Rolle und kompetente Leute wachsen nicht auf Bäumen. Trotzdem ist es dem Gros der Fans leicht zu erklären, wenn man eine strategische Position besetzt, anstatt einen potentiellen Leistungsträger zu verpflichten, auch in Liga 2. Vielleicht findet sich auch jemand in den eigenen Reihen und der Wert bemisst sich nicht kurzfristig, sondern langfristig. Auch muss klar sein, dass es mit der Hilfe eines sportlichen Entscheidungsträgers nicht sofort auf dem Platz besser läuft.

Wo ich gerade bei dem Personal aus den eigenen Reihen bin, kann ich die Arbeit von Gunther Metz gar nicht genug loben. „Magic Metz“ liefert seit einiger Zeit tolle Erfolge, selbst wenn der DFB-Pokal wie einst die Deutsche Meisterschaft nicht gewonnen werden kann. In Zukunft, damit möchte ich explizit nicht über eine etwaige Ablösung Franco Fodas sprechen, wäre es wünschenswert wenn ein Trainer wie Metz auch in die Konversation um einen Nachfolger als Cheftrainer der ersten Mannschaft aufgenommen wird. Vielleicht geschieht das intern sogar, aber nach Außen dringt nichts. Andere Vereine sind hier Vorbild, Trainer aus der eigenen Schmiede zu installieren. Gerade solche die im Jugendbereich erfolgreich sind, liegen aktuell im Trend. Auch hier muss der Gefragte eine Veränderung wollen, aber selbst der Anreiz dürfte Motivation für andere junge Trainer beim FCK sein.

Um diese vielen Zeilen abzuschließen, möchte ich noch ein Thema erwähnen. Oftmals wird im Fußball die Bedeutung von Teamgeist und Psychologie unterschätzt. Mannschaften mit einem tragenden Gerüst von Spielern, ergänzt durch Zukäufe und Talente, mischen den Profifußball auf.

Auch Gruppen die ein tragisches oder knappes Ereignis zusammen durchstanden haben, bilden neuen Zusammenhalt. Da entstehen Bindungen, die kein Mannschaftsabend oder Teambuilding kopieren kann. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die TSG 1899 Hoffenheim in der kommenden Saison eine gute Rolle in der Bundesliga spielen wird und einen einstelligen Tabellenplatz erreichen kann. Auch hier hat der FCK durchaus Nachholbedarf. Ich konnte zum Beispiel keinerlei Informationen darüber finden, ob der Verein Psychologen konsultiert bzw. beschäftigt. Die Rolle der Psychologie in modernen Gruppen hat sich rapide verändert. Selbst in der Wirtschaft beschäftigen Konzerne solche Spezialisten und auch der ein oder andere Fußballverein nimmt solche Dienstleistungen in Anspruch. Gerade verletzte Spieler oder Leute mit sportlich vager Perspektive könnten solche Anlaufstellen gebrauchen. Das Teamklima kann über viele spielerischen Defizite hinweg retten. Eine Einheit zu formen ist mal wieder nicht so leicht, wie es sich schreibt. Aber die unterstützenden Strukturen darf man bereit stellen.

Das Heimspiel gegen die TSG 1899 aus Hoffenheim zeigte den FCK von seiner besten Seite. Die Fans besangen den Verein auch in der Niederlage bis zur letzten Sekunde. Ich bin darüber sehr froh und habe mehrere Aufrufe an Anhänger gestartet, damit es zu keinerlei Schmähung, Vandalismus oder Hooligan-Aktivität kommt. Nur darf man aus Vereinsseite diese Solidarität nicht verwechseln. Der Großteil der Menschen, die dort sangen und „support“ lieferten taten das nicht einzelnen Personen gegenüber, auch wenn die Mannschaft profitiert, sondern nur für den Verein. Dieser Club repräsentiert und kulminiert so viele Erinnerungen und Emotionen, dass jene völlig unabhängig vom Tagesgeschehen existieren. Den FCK tragen so viele Menschen im Herzen, dass sie dem Verein die Treue halten egal wer da das Trikot trägt und wer die Entscheidungen trifft. In dieser Hinsicht ist der 1. FC Kaiserslautern mehr als ein Club und kommt eher einer Religion oder Sekte gleich. Damit möchte ich zum Schluss noch einmal zur spielerischen Leistung der Mannschaft über die Saison und die Relegation kommen. Die Leistung wurde von den singenden Massen keinesfalls honoriert, höchstens der Einsatz. Das „Wie“ hat viele Fans verärgert und wäre selbst im Erfolgsfall zweifelhaft gewesen. Darum wünsche ich mir, dass Sie die kommende Saison auch als Chance sehen, noch einen Schritt in die Zukunft zu machen. Jeder wäre gerne aufgestiegen, aber mit einer gewachsenen Struktur und einem klar kommunizierten Plan.

Ich verbleibe als Verehrer des Vereins und Ihrer Person.

Mit freundlichen Grüßen

Stehgeiger

Post für Stefan! Einige Leute inspirierten mich endlich meine „Vorschläge“ mal zu präsentieren. Und da ist das Ding! Die Antwort wird umgehend veröffentlicht.

Kader-Analyse 1.0 – Der Stehgeiger schaut wer kam und ging

Die neue Saison beginnt für den 1. FC Kaiserslautern am 20.07.2013, mit dem Auswärtsspiel gegen den SC Paderborn 07. Die letzte Saison vor der WM 2014 in Brasilien beginnt also mit einem schwierigen Spiel für die Roten Teufel. Wie fast jedes Jahr finden sich etliche Neue im Kader und ich wage einen Blick auf die Zusammenstellung von Franco Fodas Kampfmannschaft.

Stefan Kuntz wurde in den Medien nach dem Saisonziel befragt und er antwortete, dass ein Platz unter den ersten fünf Teams angepeilt wird. Nahm man im letzten Jahr um diese Zeit den Mund noch recht voll und proklamierte den Aufstieg, backt der FCK heute kleinere Brötchen. Man kann von der Zielvorgabe halten was man will, vielleicht versucht man so den Druck nicht sofort hoch zu halten.

Den 1. FC Kaiserslautern verließen einige namhafte Spieler:

Leon Jessen bleibt in Ingolstadt und wird für zwei weitere Jahre verliehen. Dafür musste sein Vertrag in Kaiserslautern verlängert werden.

Itay Shechter verließ den Club, wie vom Stehgeiger erwartet in Richtung Heimat. Er schloss sich Hapoel Tel Aviv an, einem Verein der vor ein paar Jahren von den eigenen Fans „gekauft“ wurde.

Nach Ablauf seines Vertrages und der verstrichenen Aufstiegsoption (2 Jahre), wechselte auch Alexander Baumjohann die Farben. Hertha BSC Berlin sicherte sich seine Dienste.

Benjamin Köhler beendete sein halbjähriges Engagement am Betze mit einem Wechsel nach Berlin. Die Eisernen von Union Berlin nahmen den vielseitigen Mittelfeldroutinier unter Vertrag. In seiner Heimatstadt hofft er nun auf ein letztes Hurra.

Das Theater um Ilian Micanski fand auch ein Ende, den Bulgaren zog es zum Aufsteiger nach Karlsruhe. Sollte er sich wohl fühlen und Einsatzzeit bekommen, könnte das ein echtes Schnäppchen für die Badener sein.

Richard Sukuta-Pasu, der mit Empfehlung von 12 Saisontoren in Österreich zum FCK zurückkehrte, wurde zum Liga-Konkurrenten VfL Bochum verliehen. Trotz der Aussage Fodas mit dem bulligen Stürmer zu planen, fand sich kein Kaderplatz beim FCK. Anderenorts wird seine Saison als „bärenstark“ bezeichnet (Christian Hochstätter). Es besteht keinerlei Kaufvereinbarung.

Gleich zwei Spieler gaben die Roten Teufel an den Nachbarn SV Sandhausen ab. Denis Linsmayer wurde fest verpflichtet und Kwame Nsor wurde verliehen. Gerade Offensivmann Nsor wird unter Beobachtung durch den Stehgeiger stehen, denn er erhielt selten Einsätze für Rot-Weiss. Die Sandhäuser profitierten vom Lizenzentzug des MSV Duisburg und konnten so trotz sportlichen Abstiegs in der Liga bleiben. Gute Erfahrungen machte der FCK mit Sandhausen bei der Leihe von Andrew Wooten. Hoffentlich kann Nsor ähnliche Leistungen bringen und sich für den FCK empfehlen. Nach einem schwierigen Jahr in einem fremden Land wäre es ihm zu wünschen.

Chadli Amri und Mathias Abel haben noch keine Vereine gefunden. Wobei Abel mit Elversberg in Verbindung gebracht wird. Alexander Bugera wird Stand-by Profi, vornehmlich in der U-23 und nebenher an einen Job im Verein herangeführt.

11 Abgänge stehen also bereits fest, wobei es Gerüchte um andere Spieler gibt. Auf eins möchten ich näher eingehen. Konstantinos Fortounis wurde in einem griechischen Interview zitiert, er hätte Angebote aus der 1. Bundesliga vorliegen. Da die Quelle in griechisch ist und nur eine spärliche Übersetzung durch Google vorliegt, möchte ich die Seriosität jener nicht bewerten. Fortounis, als EM-Teilnehmer und Nationalspieler, hat sicherlich das größte spielerische Potential im Kader. Nur konnte er es bis dato nicht konstant auf den Platz bringen. Das lag einerseits an der Spielposition, die man noch nicht so recht für ihn gefunden haben scheint, als auch an den eigenen Leistungen. Nach Außen wirkt der junge Grieche zerbrechlich und hat sicherlich physische Nachteile. Nach gut einer Stunde Spielzeit machte er in der abgelaufenen Saison den Eindruck bereits ausgepumpt zu sein. Fragil mutet auch sein Nervenkostüm an, was unter dem „Grantler“ Foda nicht zum Positiven verstärkt wird. Aber die Menschenführung Fodas wurde hier bereits diskutiert, Parallelen zu Milan Sasic drängen sich auf. Ich bin der Meinung, dass er es in sich hat, ein hervorragender Spieler zu werden. Ob das beim 1. FC Kaiserslautern funktionieren wird, wage ich zu bezweifeln. Noch ist er nicht ins Training eingestiegen (als Nationalspieler noch im Zusatzurlaub) und man weiß nichts über seine Rolle. Auf den Außenbahnen scheint er verschenkt und dort legte der FCK nach. Ich könnte ihn mir durchaus in der Rolle des neuen Spielgestalters vorstellen, wo nach dem Abgang Baumjohanns Bedarf besteht. Es wird spannend bleiben, denn in jenem Interview kündigte er an bis Mittel Juli sei eine Entscheidung gefallen. Es wäre ein echter „steal“ für einen Bundesligisten, denn wie erwähnt kann Fortounis mit dem Ball alles. Unter einem Kommunikator und Förderer als Trainer, sehen viele Experten Kostas besser aufgehoben. Ich wünsche mir dringlich, dass er beim 1. FC Kaiserslautern bleibt und sich durchbeißt. Vielleicht waren die letzten 1-2 Jahre etwas zu viel für ihn mit dem Wechsel nach Deutschland, Abstieg, EM-Teilnahme und Nicht-Aufstieg. Hoffentlich bekommt er das Vertrauen und schöpft sein Potential aus, im Trikot der Teufel.

Die Quelle mit dem Fortounis-Interview möchte ich nicht verschweigen, der Artikel findet sich auf der griechischen Sportseite www.novasports.gr .Wenn es einen findigen Leser gibt, der des Griechischen mächtig ist, würde ich mich über eine Übersetzung sehr freuen.

Auf der Habenseite befinden sich auch einige Namen, die man kennt.

Bereits fest stand die ablösefreie Verpflichtung von Marcel Gaus vom FSV Frankfurt. Der Flügelstürmer soll die vakante Position besetzen und erhofft sich einen Karrieresprung beim FCK.

Mit Ruben Jenssen kam ein zentraler Mittelfeldspieler in der defensiven Rolle. Der norwegische Nationalspieler kommt von Tromsö IL, wo der FCK in der Vergangenheit bereits Patrice Bernier kaufte. Jenssen wird direkt eine zentrale Rolle zugetraut, der pass-sichere und robuste Aufbauspieler ist ein Kandidat für einen Stammplatz.

In Skandinavien fand sich ein weiterer Mittelfeldmann, den man aus der 1. Bundesliga kannte. Alexander Ring konnte von HJK Helsinki verpflichtet werden, nachdem er in Gladbach nicht völlig überzeugte. Bei ihm streiten sich die Experten noch über seine endgültige Position. Unter Lucien Favre spielte der schnelle und quirlige Nationalspieler Finnlands auf der rechten Außenbahn, in seinem Heimatverein und mit den Landesfarben agierte er eher im Zentrum. Ring ist auch ein Spieler, der dem FCK direkt weiterhelfen könnte. Schnell im Antritt und Dribbelstark könnte er sofort einen Platz unter den ersten 11 Teufel haben. Hierbei muss man Kuntz loben, diesen Mann auch endgültig binden zu können, ohne ein Leihgeschäft. Für die 2.Bundesliga ein Top-Transfer.

Im Sturm legte man auch nach und holte den jungen Simon Zoller aus Osnabrück. Da der VfL in finanzieller Not ist, konnte man den herausragenden Offensivakteur der 3. Liga für kleines Geld kaufen. Ich habe relativ wenig von Zoller gesehen, aber in der abgelaufenen Saison war er einer der besten Spieler in Liga 3. Wenn die Möglichkeit besteht einen jungen, entwicklungsfähigen Kicker wie ihn zu holen, ist der 1. FC Kaiserslautern in der Pflicht da zuzuschlagen. Ob jetzt direkt Bedarf auf der Stürmerposition besteht, bleibt fraglich. Mit Idrissou, Bunjaku, Wooten und Swierczok hat man bereits 4 Stürmer unter Vertrag. Swierczok wird wohl nach seiner langen Verletzung erst mal in der U-23 aufgebaut.

Was im letzten Jahr nicht sonderlich gut funktionierte, macht man in diesem Jahr eben noch einmal. Auf der Frankfurter Resterampe wurde der 1. FC Kaiserslautern fündig und angelte sich Karim Matmour und Olivier Occean. Beide Spieler überzeugten in der Aufstiegssaison der Eintracht vor zwei Jahren, konnten aber in der ersten Bundesliga keinerlei Akzente setzen. Matmour dürfte vielen Leuten ein Begriff sein. Der algerische Außenstürmer war bereits in Freiburg und Gladbach aktiv, bevor er sich der Eintracht anschloss. Erfahrung dürfte er haben, aber die grundlegenden Defizite bleiben. Karim ist schnell und athletisch, aber der Ball ist nicht sein Freund. Er ist einer der Spieler, die ewig ein uneingelöstes Versprechen repräsentieren.

Ach, wenn der nur noch Tore machen könnte! Ach, wenn der nur besser am Ball wäre. Ach, wenn er nur mehr Flanken schlagen könnte, dann wäre er ein Großer!“

So oder so ähnlich blieb er mir in Erinnerung. Als Ersatzmann und Rollenspieler sicherlich solide. In der NBA nennt man solche Spieler „energy guys“, dass heißt sie kommen von der Bank und bringen Schwung ins Spiel. Eine andere Verwendung kann ich mir beim ihn nicht denken.

Olivier Occean war vor gut einem Jahr sehr gefragt. Viele Vereine wollten den kantigen Mittelstürmer, der Fürth in die erste Liga schoss. Occean landete bei Mitaufsteiger Frankfurt und dort gelang ihm nichts. Mo Idrissou wechselte auf Grund der Perspektive nach diesem Transfer an den Betze. Jetzt hat der 1. FC Kaiserslautern beide. Win-win?

Es bleibt abzuwarten in welcher Form Occean an den Betze kommt. Ist er als Stammspieler eingeplant? Verlässt uns noch ein Stammstürmer? Soll er hinter Mo den Ersatz geben? Wird er mit einer untergeordneten Rolle zufrieden sein? Was heißt das für die Stürmerreihenfolge? Welches Signal geben die Verpflichtungen von Zoller und Occean an Nachwuchsleute wie Mario Rodriguez (aktuell bei der U-20 WM mit den USA ausgeschieden), dessen Vertrag noch nicht verlängert wurde und von anderen Clubs umworben ist? Fragen über Fragen.

Ich bin nicht in der Lage jene zu beantworten, aber vordergründig wurde er geholt um die Feuerkraft ganz vorne zu erhöhen. Das klingt logisch, klingt aber sehr nach Aufstiegszwang. Occean wurde in einem ähnlichen Konstrukt verpflichtet, wie Leon Jessen abgegeben wurde. Eine Leihe für 2-Jahre mit Kaufoption. Wer den dann 33-jährigen Kanadier noch kaufen will, der in der 1. Bundesliga kein Bein auf den Boden bekam, muss man sehen. Ich hoffe nur es ging nicht auf Kosten von Rodriguez, den man unabhängig von den Neuen dringend halten sollte. Aber er braucht sicherlich eine Perspektive und die im Kader der ersten Mannschaft zu stehen, scheint verschwindend gering. Man kann nur daran glauben, dass er ein Ausbildungsjahr in der U-23 akzeptiert. Was aus mit Occean wird, kann nur die Saison zeigen.

Der aktuellste externe Zugang ist Kevin Stöger. Der junge Österreicher (19) wurde vom VfB Stuttgart für ein Jahr ausgeliehen (ohne Kaufoption). Der talentierte Spielmacher glänzte in der U-23 des VfB und durfte auch schon bei den Profis herein schnuppern. Als vor einiger Zeit die Talente der Stuttgarter im Kicker evaluiert wurden, bekam Stöger gute Kritiken. Nur körperlich scheint er nicht der Stabilste zu sein. Seine Lieblingsposition ist im zentrale Mittelfeld als Spielgestalter. Baumjohann lässt grüßen. Ihn mit einem 19-Jährigen Talent zu ersetzen, klingt etwas riskant. Von daher denke ich, wird er hinter Fortounis, sollte dieser bleiben, zum Einsatz kommen. Sollte er als Stammspieler eingeplant sein, muss man sich fragen warum man dem eigenen Nachwuchs nicht solche Chancen einräumt. Ich will hier nicht gegen Stöger wettern, der sicherlich Qualitäten hat, aber auch die eigene U-19 sowie U-23 hat einige junge Talente zu bieten.

Als back-up für Chris Löwe darf sich Jean Zimmer, der beim Stehgeiger bereits eingehend beschrieben wurde, beweisen. Bis jetzt darf er die Vorbereitung bei den Profis mitmachen und hoffentlich weiß er zu überzeugen. Auffällig wie viele Spieler aus dem defensiven Bereich es schaffen, sich in die Kampfmannschaft zu spielen. Heintz, Orban und jetzt Zimmer. Nur leider drückt der Schuh in der Defensive weniger. Schindele (IV) und Hajtic sind wohl erst mal für die U-23 eingeplant, wobei beide nach der kraftraubenden Saison auch länger im Urlaub waren (Relegation, DFB-Pokalfinale). Gerade von Hajtic erwarte ich viel, möglicherweise rutscht er noch in den Kader der ersten Mannschaft.

In diesem Sinne

Stehgeiger

Als Hopp das rote Kaninchen stahl – Die Relegation und ihr Ende Teil 2/2

Habt ihr euch jemals gefragt, wohin der 1. FC Kaiserslautern will?

Natürlich, in die erste Bundesliga und an die Fleischtöpfe. Langfristig also zurück an die Spitze.

Nur wie will man dieses Ziel erreichen?

Da sind sich alle Experten uneinig. Die Relegationsspiele gegen die TSG Hoffenheim von 1899 zeigten deutlich, dass man spielerisch kaum in der Lage ist einen schwachen Erstligisten unter Druck zu setzen. Ja, man kann argumentieren, dass es mit der Fortuna aus Düsseldorf einfacher gewesen wäre. Aber hätte, hätte Fahrradkette. Der Gegner lautete nun mal Hoffenheim und in einem Jahr Bundesliga muss man sowieso zahlreiche Teams bekämpfen, die durch ihr spielerisches Potential schwierig sind.

Es mag auch sein, dass die kommende Saison sportlich leichter wird als die Abgelaufene. Mit Greuther Fürth und Fortuna Düsseldorf kommen zwei Vereine runter, die nicht unbedingt Albträume verursachen. Trotzdem wird das kein Selbstläufer. Vereine wie Energie Cottbus, FSV Frankfurt, 1860 München, 1. FC Köln und Union Berlin hatten jetzt ein Jahr Zeit etwas zu entwickeln und rüsten sich bereits. Denn auch diese Clubs sehen ihre Chance gekommen, endlich am Oberhaus anzuklopfen. Hinzu kommen vielleicht die ein oder andere Überraschungsmannschaft wie der Vfr Aalen (sollten sie die Lizenz zweifelsfrei erhalten) und der VFL Bochum mit Trainer Peter Neururer.

Man kann also nicht davon ausgehen, dass der 1. FC Kaiserslautern die neue Saison dominieren wird und sicher aufsteigt. In den kommenden Jahren wird der Abstand zur gewünschten Top16 Deutschlands immer größer, durch den wirtschaftlichen Nachteil. Dazu gesellt sich dann auch ein Club wie RasenBallsport Leipzig, der mit Macht in die 1. Bundesliga will. Die Möglichkeiten der Red Bull Vereins (wobei der Name Verein wirklich eine Zumutung ist, für eine Organisation ohne richtige Mitglieder unter den Fans) werden die des 1. FC Kaiserslautern immer übersteigen.

Einfallsreichtum und Kreativität sind gefragt, sollte man sich irgendwie mittelfristig in der höchsten deutschen Spielklasse sehen.

Wenn es so aussichtslos ist, warum dann überhaupt probieren?

Ein paar Vorteile wird der 1. FC Kaiserslautern einigen Clubs gegenüber immer haben. Das Fanpotential/Anziehungskraft ist riesig und der FCK bleibt auch noch die nächsten 20 Jahre auf Grund seiner Geschichte relevant. Eine Relevanz, die man in Hoffenheim und Leipzig erst noch erschaffen muss. Hoffenheim hat mit der gewonnenen Relegation einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Die Spieler sind zusammengewachsen und ich gehe fest davon aus, dass man in der neuen Saison oben mitspielt. Psychologisch dürfte da einiges passiert und für das Image wurde viel getan.

Sportlich gesehen ist man schon jetzt im Hintertreffen und über die wirtschaftlichen Verhältnisse braucht man nicht zu reden. Selbst Clubs wie FSV Mainz 05, Hannover 96, SC Freiburg und der FC Augsburg sind uns enteilt.

Eine Möglichkeit wäre, auf den eigenen Nachwuchs zu setzen. Das wird hierzulande überall groß geschrieben und Jugendarbeit bei jedem Club mit Argusaugen überwacht. Wer ist Stiefkind aus der Sparte der populären Clubs? Richtig gedacht, der FCK. Jahrelang hat man sich gar nicht gekümmert und jetzt soll alles ganz schnell gehen, bevor man völlig den Anschluss verpasst. Ich möchte jetzt weniger auf die finanziellen Details des NLZ-Ausbaus eingehen, welcher im Argen liegt. Eher möchte ich beleuchten, wie man bereits in der kommenden Saison die Weichen stellen kann.

Wer den Blog und die Jugendarbeit des 1. FC Kaiserslautern verfolgt, der kennt meine Meinung zu dem Thema. Sagen wir es so, unsere A-Jugend spielt gerade eine historisch erfolgreiche Saison.

Wird man jetzt viele der Leistungsträger in der ersten Mannschaft sehen? Es bleibt zu hoffen aber wetten würde ich darauf nicht. Dabei bieten sich gerade jetzt in der Kaderplanung Möglichkeiten, junge Leute einzubringen. Baumjohann wird gehen, Hoffer wird man kaum verpflichten (er lieferte auch kaum Argumente dafür), Torrejon wird sicherlich von potenteren Clubs umworben werden, selbiges gilt wahrscheinlich auch für Fortounis (der innerlich mit Kaiserslautern abgeschlossen zu haben scheint), Weiser wird in die erste Liga verliehen, Borysiuk könnte gehen. Auf der Abschussliste stehen außerdem noch Abel, Amri, Shechter, Jessen und andere Namen. Ein großer Umbruch steht mal wieder ins Haus.

Man muss der Realität ins Auge schauen. Der FCK kann nicht damit rechnen, kommende Saison direkt aufzusteigen. Ein so glückliches Händchen auf dem Transfermarkt wird es nicht geben, bei den klammen Finanzen. Oberstes Ziel für mich wäre jetzt, eine Identität zu finden und den Club neu auszurichten.

Wie erschaffe ich eine übergreifende Spielidee und eine Vereinsidentität?

Manche werden sagen, beides ist schon vorhanden: Kämpfen und Einsatz bis zum Umfallen.

Aber diese beiden großen Betze-Tugenden sind nicht mehr exklusiv auf Kaiserslautern zu reduzieren. Alle erfolgreichen Mannschaften haben ein aufwendiges Laufspiel, unter dem modernen Stichwort Pressing. Musste früher mancher Sportjournalist das Wort noch nachschlagen und punktete bei Verwendung mit dem Fremdwortbonus, so ist es heute schon ein negatives Urteil, wenn eine Mannschaft nicht Pressing spielt. „Unser Spiel gegen den Ball war schlecht.“ , „Das Gegenpressing des Gegners hat es uns nicht leicht gemacht.“ , in allen Variationen hört man diesen Begriff auf Deutschlands Fußballplätzen. Einsatz und Laufbereitschaft sind also keine Tugenden mehr, sondern einfache Grundvoraussetzungen für modernen Fußball.

Was ist jetzt mit dem Kampf? Ja, den Kampf kann man noch gelten lassen. Wobei es heute vielen Mannschaften zugeschrieben wird, die spielerisch nichts auf die Kette bekommen. So hat der 1. FC Kaiserslautern zwar aufopferungsvoll gekämpft, aber es reichte nicht gegen Hoffenheim. Der Faktor Kampf kann Spiele entscheidend beeinflussen, aber nicht mehr auf dem Level, wie es vor 20 Jahren möglich war. Mannschaften lassen sich nicht mehr so schnell durch Härte und physisches Spiel beeindrucken. Durch lange Ballstafetten in den eigenen Reihen lässt man den Gegner laufen und jener verliert mit der Zeit die Kraft zum Kämpfen.

Eine übergreifende Spielidee muss also mehr sein, als verstaubte Tugenden, die heute fast jeder Club irgendwie für sich beansprucht. Es geht zuerst einmal darum, ein Positionsspiel zu fixieren. Zum Beispiel sollte jeder Linksverteidiger, der sich in den Mannschaften tummelt (C-Jugend bis Profi), gewisse Abläufe kennen und Fähigkeiten entwickeln. Wie diese Fähigkeiten dann aussehen, hängt vom jeweiligen Spielsystem ab. Will man das der Linksverteidiger sich häufig in die Offensive einschaltet und „hinterläuft“, so muss er Flanken, Dribbling und Antritt üben. Gerade die Anforderungen an die Außenverteidiger sind in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Niemand braucht mehr wirklich 4 Verteidiger in der Hintermannschaft. Der RV und der LV sind Hybriden aus Mittelfeldspieler, Stürmer und Verteidiger geworden. Hat ein Außenverteidiger zum Beispiel wenig Torbeteiligungen, wird er sofort mit anderen Augen betrachtet.

Bestes Beispiel ist David Alaba vom FC Bayern München. Louis van Gaal sah in ihm das Potential zum Linksverteidiger, Marcel Koller sieht ihn (auch mangels Alternativen) als offensiven Mittelfeldspieler und bevor er zur TSG aus Hoffenheim verliehen wurde, galt der junge Österreicher als defensiver Mittelfeldspieler. Bei den Bayern spielt er seine Rolle so stark, dass man endlich das Rätsel um die Position von Philip Lahm gelöst hat (RV). Der Erfolg gibt Heynckes natürlich recht.

Also feste Positionsanforderungen fixieren, ausgerichtet am jeweiligen Spielsystem.

Welches Spielsystem sollte man den spielen?

Das hängt vom vorhandenen Personal und dem Trainer ab. Jeder Trainer muss heute ein Konzepttrainer sein und jeder der keiner sein will (Neururer, Rangnick und Daum), war das schon vor 10 Jahren. Nur die Vorreiter steckten den Spott ein, wie üblich. Wie genau jetzt der Trainer die Spieler auf dem Feld positioniert, ist eigentlich für die Vereinsentwicklung unerheblich. Wichtiger ist wirklich, dass jeder Spieler der da nachrückt, sein Anforderungsprofil genau kennt. Jeder kann seine Rolle noch persönlich interpretieren, aber die Grundlagen müssen bei allen stimmen.

Der SC Freiburg zum Beispiel spielt mit hoher Wahrscheinlichkeit einen anderen Fußball, als die altehrwürdigen Breisgau-Brasilianer, die in den 90ern nicht nur die Bayern das Fürchten lehrten. Trotzdem sind einige Dinge aus dieser Zeit überliefert. Sicheres Passspiel, ständiges Verschieben und mutige Offensivkombinationen. Das kann manchmal ein Jahr sehr gut funktionieren, oder aber auch in die Hose gehen. Wichtig ist aber, die Grundgedanken bleiben unabhängig vom Personal. Oder wer hatte den SC nach dem Abgang vom Papiss Cissé noch auf der Rechnung? Oder wer wird ihnen den Klassenerhalt zutrauen, wenn sie Max Kruse, Daniel Caligiuri, Johannes Flum und Jan Rosenthal verlieren. Das sind fünf Spieler die regelmäßig in der Startelf standen. Ein großer Aderlass und vielleicht muss der SC Freiburg um die Ligazugehörigkeit bangen. Trotzdem wird man seinen Leitfaden nicht verändern, denn Ziel bleibt es unter den besten 20 Mannschaften Deutschland zu verweilen. Finanziell ist man in sicherem Fahrwasser und träumt sogar von einem neuen Stadion. Auch durch die Verkäufe der oben genannten Spieler. Bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass der SC zwischen 2005 und 2009 4 Jahre (!) in der zweiten Bundesliga spielte. Dem Totenbett vieler Traditionsvereine mit Ambitionen und historischem Anspruch.

Ohne den SC Freiburg glorifizieren zu wollen, darf man sich den Verein gerne zum Vorbild nehmen. Natürlich werden manche Dinge immer anders in Kaiserslautern laufen, aber was die bundesweite Bedeutung angeht, gibt es durchaus Parallelen. Früher belächelt, schaut man heute neidisch auf die Arbeit im Breisgau und das Jungendzentrum.

Zusammenfassend muss man also festhalten, dass der 1. FC Kaiserslautern für sich einen Rahmen festlegen muss, den er von personellen Entscheidungen unabhängig behält. Jener Rahmen umfasst die Positionsausbildung der Spieler und die generellen Anforderungen an das Spiel.

Wie setzt man so etwas durch?

Hier gibt sich die Antwort von selbst, durch entsprechendes Personal. Mit Konrad Fünfstück wurde ein wichtiger Baustein installiert, der mich für die Zukunft hoffen lässt. Er koordiniert die Jugendarbeit und trainiert nebenher noch die U-23 Mannschaft. Fünfstück sitzt am Steuer, um bereits bei den Jüngsten gewisse Abläufe innerhalb der Ausbildung zu überwachen.

Weiterhin wird in den einschlägigen Foren über einen Sportdirektor diskutiert.

Was macht ein Sportdirektor?

Er vertritt den Verein nach Außen, wickelt Verkäufe und Zukäufe ab, verhandelt Vertragsverlängerungen/Auflösungen und bei ihm laufen die Informationen der Scouts zusammen. Er bildet eine sehr wichtige Schnittstelle zwischen dem eigentlichen Spielbetrieb und der Arbeit im Hintergrund. Bei anderen Vereinen funktioniert diese Konstellation sehr gut.

Duffner beim SC Freiburg (jetzt H96), Schmadtke ehemals bei Hannover 96 (erfolgreiche Transfers trotz vieler Unstimmigkeiten zwischen Slomka und Schmadtke), Max Eberl bei Borussia Mönchengladbach, Heidel in Mainz und Susi Zorck beim BVB zum Beispiel. Selbst in der zweiten Liga gibt es diese Rollen; Marc Arnold (Braunschweig), Stefan Menze (Dynamo Dresden), Frank Schäfer (1. FC Köln), Christian Beeck (FC Energie Cottbus), Rachid Azzouzi (FC St. Pauli), Uwe Stöver (FSV Frankfurt), Ottmar Schork (SV Sandhausen) und Franz Gerber (Jahn Regensburg). Michael Preetz fungiert bei Hertha BSC mehr oder weniger erfolgreich in ähnlicher Verantwortlichkeit unter anderem Namen (Geschäftsführer Sport).

Unser FCK beschäftigt Roger Lutz und Marco Haber als Teamkoordinatoren, was beim FC Köln Kadermanager (Jacobs) heißt. Ich kann nur schätzen, was die beiden Ex-Spieler so machen. Sie arbeiten wahrscheinlich an Belangen rund um den Spielbetrieb und die Trainingsarbeit, kümmern um Spieler und helfen jenen bei unterschiedlichen Dingen (Wohnungssuche, Eingewöhnung in Deutschland etc.). Vielleicht überwachen sie auch die Entwicklung von verliehenen Kickern, aber bei Transferentscheidungen haben wohl beide keine Mitsprache.

Transfers laufen beim FCK folgendermaßen ab. Entweder Kuntz holt die Leute in Eigenregie (Bunjaku, Azaouagh, Alushi wurden ohne Trainer verpflichtet), oder die Wünsche des Trainers werden erfüllt (Drazan). Andere werden wohl in Übereinkunft der beiden verpflichtet. Ein Sportdirektor würde Stefan Kuntz in diesem Bereich erheblich entlasten, so dass er sich als Repräsentant und Vereinsboss um organisatorische Dinge kümmern kann (Sponsoring, administrative Aufgaben etc.). Natürlich wird er weiterhin das letzte Wort bei Transfers haben, aber ein sportlicher Leiter oder klassisch Manager mit eigenem Netzwerk kann die Bandbreite der möglichen Entscheidungen erhöhen.

Ein Triumvirat um den Trainer (was braucht er), den Vereinschef (der den finanziellen Rahmen kennt) und einem sportlichen Leiter (Scoutinginfos, Netzwerk, Vertragslage) dürfte effektiver Arbeiten als ein Duo. Dabei hat der Sportdirektor die wichtige Aufgabe darauf zu achten, dass das künftige Personal (Trainer, Spieler) auch dem generellen Anforderungsprofil des FCK (Spielidee) entspricht. Auch der Trainer muss nicht mehr zwingend mit Spielern Kontakt aufnehmen, sondern hat mehr Zeit für die Arbeit als Übungsleiter.

Eine gute Sache also, die bundes- und weltweit funktioniert. Nur nicht beim FCK. Warum ist das so?

Stefan Kuntz sagte zum Thema, dass es ein Fehler war im zweiten Bundesligajahr keinen Sportdirektor eingestellt zu haben. Okay, das haben wir vernommen. Wenn man den Fehler kennt, warum kommt dann jetzt keiner? Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Kuntz argumentierte damit, dass ein Sportdirektor finanzielle Mittel verschlingt, die man sonst nicht in den Kader stecken kann. Sprich, ein sportlicher Leiter kostet Gehalt, genauso wie ein möglicher Leistungsträger. Und jenes Gehalt wäre in der 1. Bundesliga leichter zu stemmen, als in der 2. Liga. Okay, soweit so gut. Nun hat man aber gesehen, dass etliche Transfers und Personalentscheidungen gehörig in die Hose gingen und den Druck auf Foda/Kuntz erhöhten. Hoffer, Drazan, Köhler, Azaouagh, Hajri, Nsor, konnten den Anforderungen nicht gerecht werden. Ohne zu erwähnen, dass andere Vereine in der 2. Bundesliga und sogar der 3. Liga einen Sportdirektor haben. Dabei knabbern nicht alle am Hungertuch oder stehen kurz vor der Insolvenz.

Wobei man natürlich auch hier von Fall zu Fall abwägen muss: Was erwarte ich von den Spielern? Nicht jeder kann Stammspieler sein und eine Mannschaft braucht Rollenspieler. Dahingehend kann man Azaouagh und Hajri als Rollenspieler bezeichnen. Meine Meinung zum Thema ist, dass man jene Kaderplätze auch mit jungen, hungrigen Spielern aus dem eigenen Unterbau besetzen kann, aber das steht auf einem anderen Blatt. Nsor wurde als Talent geholt, aber er wusste nicht in der ersten Mannschaft zu überzeugen. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber als Nicht-Europäer durfte er nicht in der U-23 spielen. Okay, eine Leihe wurde angestrebt und konkretisierte sich nicht. Das Ergebnis ist eine sogenannte Kaderleiche. Für die Kampfmannschaft als zu leicht befunden, in der Zweiten nicht spielberechtigt und auch nicht weiterverliehen. Nsor trägt also seinen Trainingsanzug spazieren und darf beim 2 gegen 5 in der Mitte stehen. Ins Wintertrainingslager durfte er nicht mehr mit, vielleicht auch um die Hotelkosten zu senken. Das ist eine katastrophale Entwicklung für den Verein und den Spieler. Der Spieler spielt nicht und die Motivation ist im Keller, sein Marktwert sinkt. Ein sportlicher Leiter hätte das vielleicht eher auf dem Schirm gehabt, wobei ich Nsor nicht sein Talent absprechen will. Für all die Male wo Hajri im Kader stand, oder Drazan (immerhin 500.000 € teuer), hätte man auch Nsor bringen können. Ich glaube man hätte da nichts verlieren, nur gewinnen können. Ein Sportdirektor hätte vielleicht auch die Ressourcen gehabt, Nsor woanders hin zu vermitteln (Leihe). Kuntz und Foda bekamen das nicht hin, auch weil es anderweitig viel zu tun gab. Bei einer Leihe fällt manchmal auch eine Gebühr an und der übernehmende Verein trägt ein Stück des Gehalts. Anscheinend alles irrelevant für den finanziell potenten FCK.

Abschließend muss man festhalten, dass die Installation eines Sportdirektor dringend notwendig ist. Auch wenn das bedeuten sollte, dass wir einen Spieler weniger verpflichten können. Der Gewinn dürfte trotzdem auf lange Sicht da sein, denn die Arbeit in diesem Sommer ist eine Herkulesaufgabe. Zahlreiche Abgänge, Kader verkleinern, neue Leute holen und Talente einbinden.

Im Nichtaufstieg liegt für mich auch eine Chance. Man hat gesehen, dass es so wie es momentan läuft nicht reicht. Veränderungen entstehen meist daraus, dass alte Muster nicht mehr effektiv sind. Also bitte lieber Stefan Kuntz, triff strategische Entscheidungen, die den FCK auch noch in 10 Jahren profitieren lassen. Kurzfristig könnte das bedeuten, dass es weiterhin Zweitligafußball gibt. Aber mit einer gewachsenen Struktur ist die Erfolgswahrscheinlichkeit erwiesenermaßen höher, als im Hau-Ruck-Stil. Wenn wir viel mit jungen Talenten arbeiten, senken wir auch automatisch die Kosten des Kaders, welcher unter den Belastungen der 2. Bundesliga leidet (Tickets und TV-Gelder). Auch dürfte der Sprung vom Jugendbereich in die zweithöchste deutsche Spielklasse leichter sein, als direkt in der Liga der Besten bestehen zu müssen.

Mit einem Dogma muss ich an dieser Stelle auch mal aufräumen. Oftmals wird damit argumentiert, dass wir eben keinen Götze, keinen Goretzka, Alaba oder Müller in den Jugendmannschaften haben. Okay, das stimmt vielleicht. Aber gerade die genannten jungen Männer sind Ausnahmetalente, die es auch nur alle paar Jahre gibt. Außerdem, woher wollen die Leute das wissen? Beim BVB dachte man auch mal, dass Großkreutz und Reus nicht gut genug wären. Man hat diese Fehleinschätzungen dann teuer korrigiert. Ja, aber die Jugendspieler vom FCK spielen in der Regionalliga. Gut, der 1. FC Kaiserslautern spielt auch nicht in der Champions League! Die Leute können sich nur dort beweisen, wo sie spielen. Das muss nicht zwingend mit der Leistungsfähigkeit oder Entwicklung zu tun haben (im positiven wie negativen Sinne). Das Risiko ist kalkulierbar und muss eingegangen werden, um eine Zukunft zu haben. Ginge es nach diesem Dogma, müssten die Lautrer ausschließlich Kicker aus den ersten Ligen holen, damit es mit dem Aufstieg klappt. Gebt der Jugend eine Chance!

Ein weiterer Faktor, der gemeinhin unterschätzt wird ist die Psychologie. Eine Mannschaft die eine gemeinsame Geschichte hat, wird erfolgreicher sein, als jene die Jahr für Jahr große Veränderungen erfährt. Manche Personalveränderung sind unausweichlich, wie die Abgänge im Sommer (Vetragsende, Ende der Leihe, Ausstiegsklauseln). Aber Kontinuität hilft dem Zusammenhalt der Gruppe. Habe ich einen Kern, der langfristig an den Club gebunden ist, wird dieser zusammenwachsen. Das kann durch die stetige Entwicklung funktionieren, als auch durch bedeutende Ereignisse. Ein Gerüst muss her, was aus einigen Kernspielern besteht und die Vereinsphilosophie vorlebt. Das braucht Zeit, Zeit die man sich nehmen muss. Teambuilding ist ein weiterer Begriff, mit dem man so um sich wirft. Aber in anderen Bereichen wird er sehr ernst genommen. Jedes größere Unternehmen beschäftigt Psychologen, die das Betriebsklima verbessern. Auch im Fußball findet man solche Leute, die meist im Hintergrund bleiben. Auch der 1. FC Kaiserslautern sollte dort aktiv werden. Dabei geht es weniger um Campingausflüge und Mannschaftsabende, als auch um die direkte Betreuung von enttäuschten oder verletzten Kickern.

Eine Menge Blog, die der Stehgeiger da liefert! Ich werde versuchen einige Kernpunkte auch Kuntz höchstpersönlich nahe zu bringen. Mir wurde schon zwei Mal gesagt, dass ich meine Vorschläge doch mal in irgendeiner Form vortragen soll und die Leute haben recht. Ein Brief an Kuntz (ja auf Papier und so) wird in den nächsten Tagen geschrieben und ich werde jenen auch beim Stehgeiger veröffentlichen. Falls es eine Antwort geben sollte, lasse ich euch natürlich auch daran teilhaben. Wer noch weitere Vorschläge hat, der kann sie mir gerne mitteilen.

In diesem Sinne

Euer Stehgeiger

Die nähere Zukunft – In Teufels Küche Teil 2/2

Im zweiten Teil meines Ausblicks über den Unterbau des 1. FC Kaiserslautern werde ich den Fokus nun auf die U-19 (A-Jugend) der Pfälzer legen.

In den letzten Jahren machte die von Gunther Metz trainierte Truppe immer wieder auf sich aufmerksam, im positiven wie negativen Sinne. In der Saison 2010/2011 war man Staffelsieger in der A-Jugend Bundesliga Süd/Südwest und musste sich im Finale um die deutsche Meisterschaft nur dem VFL Wolfsburg klar geschlagen geben (4:2). Aus dem aktuellen Profi-Bereich (erste und zweite Mannschaft eingeschlossen) stammen folgende Spieler aus dieser Jahrgangsmannschaft:

Dominique Heintz, Willi Orban, Chris Keilmann, Julian Derstroff, Sebastian Lindner, Sascha Simon sowie die jüngeren Kaliber wie Jan-Lucas Dorow, Kevin Schwehm und Jean Zimmer. Alle Namen kamen in besagtem Finale zum Einsatz. Einzig Philipp Klement (1.FC Nürnberg) und Nico Pfrengle (FSV Mainz 05) schlossen sich später anderen Vereinen an. Diese Quote gibt weiterhin Anlass zur Hoffnung, dass der FCK sich in Sachen Jugendarbeit auf dem richtigen Weg befindet.

Im darauffolgenden Jahr konnte man die guten Leistungen nicht bestätigen und stieg überraschend ab. Kurioserweise befanden sich unter den drei Letztplatzierten zwei andere Südwestgrößen wie Waldhof Mannheim und der FC Saarbrücken.

In der jetzigen Saison, wo man in der Regionalliga Südwest antritt, führt der 1. FC Kaiserslautern souverän die Tabelle an. In den nächsten Spielen sollte der Aufstieg festgemacht werden und die U-19 darf sich wieder mit den Besten messen. Neben dieser starken Kampagne innerhalb der Liga, konnte man auch im DFB-Junioren Vereinspokal (dem U-19 DFB Pokal) für Furore sorgen. Drei Bundesligisten kämpfte und spielte man nieder. Die Überraschungssiege gegen Hertha BSC, Werder Bremen und Borussia Mönchen-Gladbach sorgten für die Finalteilnahme in Berlin. Dort wartet mit dem 1. FC Köln ein Rivale der Profis aus der 2. Bundesliga. Die A-Jugend der Kölner spielt auch in U-19 Bundesliga West, wo man zu den Top 5 Mannschaften gehört. Alles was dahinter rangiert ist weit abgeschlagen.

Diese Mannschaft zeigte Klasse und Charakter, Trainer Günther Metz stellte das Team immer hervorragend ein und klagte zuletzt über die hohe Belastung für seine Spieler (Rheinpfalz vom 14.05.2013). Nebenbei wurde auch noch der U19-Verbandspokal gewonnen, in einem dramatischen Spiel gegen den großen Rivalen aus Mainz. Damit darf die kommende A-Jugend wieder im DFB-Junioren Pokal antreten. Auch hier wurde wieder ein höherklassiger Gegner bezwungen, welche in der A-Jugend Bundesliga Süd/Südwest spielt. Die Mainzer konnten mit André Schürrle und Trainer Thomas Tuchel die A-Jugend Meisterschaft 2009 gewinnen.

Beachtlich bei den Erfolgen der A-Jugend in diesem Jahr ist, dass man es schaffte sich regelmäßig gegen Bundesliga-Clubs durchzusetzen. Wobei es sich auch nicht um irgendwelche Mannschaften handelte, sondern um Vereine die sich ihrer Jugendarbeit zurecht rühmen dürfen und ständig starke Nachwuchsleute hervorbringen.

Der Stehgeiger hofft, dass wieder eine ähnlich hohe Quote an Spielern den Weg in den Herrenbereich schafft. Einige Spieler konnte ich besser unter die Lupe nehmen und werde jene im Folgenden so gut es geht beschreiben. Der Stehgeiger scheute keine Kosten und Mühen und war beim nervenaufreibenden Halbfinale des DFB-Junioren Pokals in Mönchen-Gladbach vor Ort.

Anfangen werde ich im Tor, wo Raphael Salinger die Position seit Anfang 2013 besetzt. Der 17-Jährige Österreicher wurde vom SC Karlsdorf verpflichtet und schaffte es auf Anhieb Stammspieler zu werden. Mit 1,96m ragt er nicht nur körperlich heraus. Salinger überzeugte im Halbfinale gegen Mönchen-Gladbach als sicherer Rückhalt und Elfmeter-Spezialist. Zwei Strafstöße vereitelte er und schoss selbst eiskalt ein. Auch im Verbandspokal-Finale gegen die Mainzer wusste er zu überzeugen und parierte auch dort einen Strafstoß. Jenen hatte er leichtsinnig verschuldet, wodurch ein Feldspieler für den indisponierten Salinger im Tor abwehrte. Nach der fälligen Roten Karte, machte der Ösi seinen Schnitzer wieder wett und hielt. Seine Stärken sind die gute Präsenz und das Spiel im 1 gegen 1. Traditionell agiert er stark beim Herauslaufen (Ehrmann-Schule) und geizt nicht mit guten Ansätzen auf der Linie. Salinger besitzt nach Meinung des Stehgeigers das Potential in den Profi-Bereich aufzurücken. Bei Torhütern gestaltet sich das auch meist weniger schwer, denn das Spiel verändert sich nur unwesentlich. Wenn er an Körpermasse noch etwas zulegt, wird er eine Alternative. Auf Grund seines Alters, könnte er im kommenden Jahr auch noch weiterhin in der U-19 spielen und in der Bundesliga Erfahrungen sammeln. Gerade sein junges Alter beeindruckten den Stehgeiger um so mehr.

In der Innenverteidigung agiert Bernard Kyere-Mensah. Der in Ghana, Accra geborene junge Mann ist ein kantiger Zweikämpfer. Unbeeindruckt durch körperliche Härte, zeigt er ein starkes Zweikampfverhalten. Kopfballspiel und direkte Zweikämpfe zählen zu seinen Stärken. Auch er ist noch weiterhin spielberechtigt für die A-Jugend im kommenden Jahr. Seine Entwicklung wird mit Spannung beobachtet werden. Vom Elfmeterpunkt in Gladbach schloss er kühl ab.

Angeführt wird die Mannschaft durch den zweiten Innenverteidiger in der Stammelf. Michael Schindele (19) durfte auch bereits in der Reserve mitspielen und hat drei Berufungen zur U-18 Nationalmannschaft auf dem Buckel. Wie Kyere-Mensah ist er körperlich stark, kann aber im Sprint ungeahnte Schnelligkeit zeigen. Mit 1,90m ist er in der Luft eine Macht, auch am Boden überzeugt er durch kluge Pässe und ein anständiges Aufbauspiel. Ihn wird die FCK-Führung bereits länger auf dem Zettel haben und er ist definitiv ein Kandidat um für die kommende Saison endgültig in den Herren-Fußball aufzurücken. Schindele kam vom FC Augsburg und könnte einen ähnlichen Werdegang wie Heintz oder Orban hinlegen. Wo Heintz auch auf der Position des linken Verteidigers spielen kann (wobei er als IV deutlich besser aufgehoben ist), kennt man Schindele als reinen Innenverteidiger. Diesen Namen kann man sich getrost merken und bei stetiger Entwicklung, wird er sich in naher Zukunft vielleicht in der „Kampfmannschaft“ des 1.FC Kaiserslautern zeigen dürfen.

Ein weiterer Afrikaner aus Ghana wirbelt auf der rechten Außenbahn. Manfred Osei-Kwado, nur „Manni“ gerufen, ist mit 17 Jahren einer der Leistungsträger dieses Teams. In der Liga konnte er bereits 11 Tore erzielen (Torvorlagen werden nicht erfasst) und im Pokal 1 Tor und 3 Vorbereitungen beisteuern. Der kleine, wendige Dribbler (1,70m) stellt sich gerne in den Dienst der Mannschaft und macht Kilometer in der Rückwärtsbewegung. Franco Foda belohnte den jungen Mann bereits mit der Möglichkeit bei den Profis mitzutrainieren. Wie immer muss man abwarten, wie die Entwicklung verläuft. „Manni“ dürfte wohl auch noch ein weiteres Jahr in der A-Jugend ran, könnte aber auch eine Alternative im Profi-Bereich werden.

Marcell Öhler ist der Spielmacher im Team und wurde zur U-18 Nationalmannschaft berufen. Es blieb bis jetzt bei der einen Berufung, aber Öhler (18) ließ auch im Ligabetrieb aufhorchen. Wie Osei-Kwado gelangen ihm 11 Tore, als auch 1 Tor und 1 Vorlage im DFB-Pokal. Unter den strengen Augen des Stehgeigers, machte Öhler aber kein gutes Spiel in Gladbach. Als Träger der Nummer 10 wurde er arg in die Mangel genommen und konnte sich kaum entfalten. In einem lichten Moment spielte er aber den öffnenden Pass, welcher zur Führung umgesetzt werden konnte. Sein Zweikampfverhalten scheint nicht sonderlich gut zu sein, aber die Spielintelligenz ist ungleich höher. Der kreative Mann bringt alles für die zentrale Mittelfeldpostion mit und dürfte zumindest in die Reserve aufrücken. Hier sieht der Stehgeiger Probleme mit der Körperlichkeit bei den Herren. Kann Öhler sich auch dort durchsetzen, wird man den Namen sicherlich wieder hören.

Der herausragende Akteur dieser Mannschaft ist der junge Bosnier Halil Hajtic. Bester Torschützer der Roten Teufel mit 19 Toren in der Regionalliga (auf Auskunft von Experten auch mit einer zweistelligen Anzahl an Torvorbereitungen) und jeweils 3 Toren im Pokal. Hajtic wurde bereits 2 mal in die U-18 und 5 mal in die U-19 Nationalmannschaft Bosnien-Herzegowinas berufen. Mit 19 Jahren ist er einer der Älteren und neben Skipper Schindele, der Spieler dem der Stehgeiger sofort Herrenfußball zutraut. Hajtic ist 1,85m groß und athletisch. Er besitzt körperlich bereits starke Voraussetzungen und bringt auch technisch Einiges mit. Seine Rolle auf dem Feld würde ich als offensiver „Ballack“ beschreiben, der auch ständig mit den Mitspielern spricht. Hajtic dirigiert die Offensive. Vorher beim VFB Stuttgart und dem FC Augsburg aktiv, muss man diesem jungen Mann Beachtung schenken. Denke ich dabei an die sportlich weniger wertvolle Partie gegen den FC St. Pauli am letzten Spieltag, könnte Hajtic einen Platz im Kader einnehmen. Natürlich immer unter der Prämisse, einen Jugendspieler nicht Überbeanspruchung auszusetzen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Franco Foda ( der beim Verbandspokalfinale vor Ort war) Halil Hajtic auf dem Zettel hat. Jogi Löw würde ihn wohl als „Zwischenspieler“ charakterisieren und genau das trifft es sehr gut. Er pendelt zwischen hängender Spitze und der Position 8 auf dem Feld. Nicht ganz „box-to-box“ wie der Engländer sagen würde. Bosnische Medien bringen ihn bereits mit Borussia Dortmund und Bayer 04 Leverkusen in Verbindung, aber den Schreiberlingen vom Balkan darf man nicht immer Glauben schenken. Da wird oft viel übertrieben und ein Spieler wie er, mit diesen Leistungsdaten, wird natürlich gescoutet. Der Stehgeiger hofft, dass Hajtic die Chance bekommt die Vorbereitung auf die nächste Saison mitzumachen. Einen Spieler wie ihn, hat Kaiserslautern schon seit Jahren nicht mehr hervorgebracht.

In vorderster Front gelang dem 1. FC Kaiserslautern ein ungewöhnlicher Transfer. Vom ehemaligen Beckham Club Los Angeles Galaxy kam ein junger Amerikaner mit mexikanischen Wurzeln. Mario Andrés Rodriguez Junior lautete der klangvolle Namen des Stürmers. Insidern aus dem US-Fußball dürfte der Name ein Begriff gewesen sein, hierzulande kannte man ihn nicht. Den Schritt über den großen Teich wagte der 19-Jährige vor gut 10 Monaten und seit dem beginnt sein Stern aufzusteigen. U-17 und U-20 Nationalspieler für die Vereinigten Staaten, fiel ihm der Sprung nach Europa leicht. Es haperte anfänglich an der Spielerlaubnis für den Amerikaner und er war längere Zeit abkömmlich durch Turniere mit der Nationalmannschaft. In der Regionalliga konnte er 4 unauffällige Tore beisteuern, traf aber im Pokal gleich 3 mal. Das Verbandspokalfinale entschied er mit 3 Treffern im Alleingang und weckt bereits Begehrlichkeiten bei den Fohlen aus Gladbach. Dem Stehgeiger fiel Rodriguez Junior durch einen starken Abschluss, strammen Schuss und schnellen ersten Schritt auf. Athletisch in den USA ausgebildet, brachte er erwartungsgemäß eine gute Physis mit. Wer den Jugendfußball dort kennt, der weiß vielleicht, dass bereits jede Schulmannschaft unheimlich viel in diesem Bereich tut. Meine Prognose wäre ihn erst einmal in der Reserve zu bringen, mit der Perspektive für die erste Mannschaft. Natürlich ist die USA keine Referenz in Sachen Fußball, aber in den letzten Jahren ist der Vorsprung anderer „Kontinental-Mächte“ geschmolzen. Rodriguez bleibt dem FCK hoffentlich erhalten und eine Nominierung für das letzte Spiel gegen St. Pauli, unter den selben Voraussetzungen wie bei Hajtic, fände ich ein gutes Signal. Wer die Leistungsdaten sieht mag vielleicht skeptisch sein, aber live machte er einen wirklich guten Eindruck.

In der beschriebenen Mannschaft befinden sich auch andere starke Spieler, die dem Stehgeiger aber nicht so sehr aufgefallen sind. Florian Pick (17) aus Wittlich ist das Pendant zu Osei-Kwado, Karsten Luft (18) traf als Stürmer 9 mal in der laufenden Saison, Ragnar Sveinsson (18, Island) und Michael Rauth (17, Österreich) sind beides Jugendnationalspieler ihrer Verbände. Alle Jugendspieler kann ich aus Zeit und informationstechnischen Gründen nicht beleuchten. Der Stehgeiger bemühte sich eine faire Auswahl zu treffen, basierend seiner subjektiven Beobachtung.

Man dürfte durch diesen Artikel vielleicht sehen, dass selbst ohne Ausbau des NLZ bereits Potentiale vorhanden sind. Jetzt liegt der Ball wie so oft bei den Verantwortlichen. Man kann auch viele Argumente gegen junge Spieler anbringen, aber woher nehmen wenn nicht stehlen? Manchmal muss man den Jungen eine Chance geben und sehen was passiert. Mehr als Leistung zeigen können sie nicht, um Beachtung zu finden. Gerade herausragende Leistungen wie den Verbandspokalsieg, Aufstieg in die Bundesliga und das Finale im DFB-Junioren Pokal sollten genug Anlass sein, Foda, Fünfstück und Kuntz davon zu überzeugen, die Leute mit Verträgen und Perspektive auszustatten. Natürlich ist der Übergang zum Herrenbereich kein Selbstläufer und nicht jedes Talent ist den Anforderungen gewachsen. Aber im Vorhinein negative Urteile zu fällen und Jugendspielern weniger Chancen einräumen weil man beispielsweise kein hoch-zertifiziertes Nachwuchsleistungszentrum hat oder „nur“ in der Regionalliga spielt und negative Erfahrungen gemacht hat (Klement, Esswein, Schönheim, Halfar, Ziemer etc.), darf nicht zur Regel werden. Den Weg den der FCK einschlagen muss um zu überleben, ist eigene junge Spieler herauszubringen. Damit erhöht man den sportlichen und wirtschaftlichen Wert des gesamten Clubs. Beispiele dazu gibt es genug, wo viel weniger Tradition und vergangene Erfolge vorhanden sind. Den guten Namen, den der 1. FC Kaiserslautern immer noch genießt, sollte man endlich auch im Unterbau spüren können. Für eine erhöhte Durchlässigkeit ist ein kleinerer Kader von Nöten und dauerhafte Plätze für 2-3 Jugendspieler, wie es Kuntz angekündigt hat. Foda genießt den Ruf aus Österreich, jungen Spielern Chancen zu geben. Mit Linsmayer, Zellner, Heintz, Zuck und Orban hat er das getan, mit wechselndem Erfolg. Aber genau das ist das kalkulierbare Risiko bei der Sache. Dabei muss angesetzt und weitergemacht werden. Der DFB gibt hierzu auch eine klare Anleitung, was die local player Regelung besagt. Der Stehgeiger sieht lieber Eigengewächsen beim Dilettieren zu, als zugekauften Kickern aus aller Welt, die auch bei den Fans schnell den Kredit verspielen. Dabei geht es überhaupt nicht um Deutsche oder Ausländer, sondern um eigens ausgebildetes Spielermaterial. Völlig egal, woher derjenige dann auch stammen mag.

Nun wurde sehr viel über die Spieler berichtet, aber kaum etwas über die Trainer. Fünfstück habe ich bereits im ersten Teil dieses Artikels beleuchtet. Als Foda und sein Team unter Druck stand, vernahm der Stehgeiger bereits erste Stimmen die seine Ablösung durch den frischen Fünfstück forderten. Nicht das ich der selben Meinung bin, aber die grundsätzliche Idee mal eigene Trainer nach oben zu befördern, halte ich für sehr wichtig. Wieder machen es andere Teams vor und bringen eigene Trainertalente heraus (Streich, Tuchel, Wiesinger etc.). Beim FCK wäre ein Name, der diesbezüglich nie gefallen ist: Gunther Metz. Warum eigentlich nicht? Er hat es bis ins Finale um die deutsche Meisterschaft geschafft, den Verbandspokal geholt und das Finale des DFB-Pokal mit seiner Mannschaft erreicht. „Magic Metz“ wäre für den Stehgeiger in Zukunft mal ein Kandidat, die erste Mannschaft zu trainieren, sollte die Position vakant sein. Hier liegen die Vorteile auf der Hand: kennt den Verein und die Strukturen, bringt in der Regel sofort Nachwuchsleute mit nach oben, kann zeitnah geholt werden und im Falle des Misserfolgs zurückgestuft werden.

Wieder ein Denkanstoß, der beim 1. FC Kaiserslautern noch nicht angekommen ist, oder nach Außen nie kommuniziert wurde.

 

In diesem Sinne

Euer Stehgeiger

Die nähere Zukunft – In Teufels Küche? Teil 1/2

Die Saison neigt sich dem Ende zu und unabhängig wie die Relegation ausgehen mag, die Kaderplanung wird bereits vorangetrieben. Im letzten Artikel habe ich mich ausführlich mit den Leihspielern und dem bestehenden Kader auseinandergesetzt, jetzt möchte ich auf mögliche Zugänge eingehen. Damit meine ich weniger externe Spieler, sondern die jungen Männer aus dem Unterbau des 1. FC Kaiserslautern. Den Fokus lege ich dabei besonders auf die zweite Mannschaft in der Regionalliga Südwest sowie die A-Jugend (U-19). Im ersten Teil werde ich nur den FCK II und seine Lage/Rolle kommentieren.

Ich muss meine Leser wieder einmal vorwarnen, dass ich beide genannten Teams viel zu selten live zu sehen bekomme, mich aber intensiv mit Spielberichten und den Ergebnissen beschäftige.

Die zweite Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern spielt in der Regionalliga Südwest. Trainer des FCK II war der allseits bekannte Alois Schwartz. Er verrichtete solide Arbeit und immer wieder fanden Spieler den Weg aus der Zweiten in die erste Mannschaft. Nach dem 8. Spieltag am 07.09.2012, einem Heimsieg gegen den starken SV Elversberg, wechselte Schwartz die Farben. Der treue Übungsleiter, der auch schon als Interimscoach der ersten Mannschaft in Erscheinung getreten war und seit er in der Saison 06/07 den FCK II übernahm alle Widrigkeiten überlebte, schloss sich dem Drittligisten Rot-Weiß Erfurt an. Der Coach selbst war nie ein aktiver Spieler für den FCK gewesen, er spielte sogar bei Rivalen wie Waldhof Mannheim und dem FC Homburg. Schwartz nahm die Chance auf einen Cheftrainer-Posten im Profi-Bereich wahr. Nachfolger sollte der 1991er Meisterspieler Guido Hoffmann werden, ein ehemaliger Weggefährte von Stefan Kuntz (ohne jede Wertung). In den 12 Spielen unter seiner Leitung, schaffte der kleine FCK 4 Siege, 5 Unentschieden und 3 Niederlagen. Keine schlechte Bilanz für den Neuling. Trotzdem wurde die Interimslösung wieder auf einen anderen Posten verschoben, als man einen geeigneteren Nachfolger für Schwarzt fand. Hoffmann trägt heute die Bezeichnung „Junioren Chef-Trainer“ und Konrad Fünfstück übernahm den Trainerposten. Nebenbei fungiert dieser Fünfstück auch noch als sportlicher Leiter des Nachwuchsleistungszentrums.

Selbst vielen Insidern war Fünfstück kein Begriff. Profi war er nie und ist mit seinen 32 Jahren auch ein recht junger Trainer mit großem Aufgabenbereich. Man vernahm nur vom abgebenden Verein SpVgg Greuther Fürth, dass man seinen Abgang sehr bedauere. Man hoffte, die Verantwortlichen hätten sich bei dieser Personalie etwas gedacht. Fünfstück hat also einen recht großen Kompetenzbereich und rechtfertigt das bis jetzt völlig. Seit seiner Übernahm des FCK II, spielte die Mannschaft um den Aufstieg in die dritte Liga mit und führte die Tabelle zwischenzeitlich an. Nun ist man auf der Zielgeraden gestolpert und kann sich die mögliche Relegationsrunde abschminken.

Trotzdem muss man sagen, dass seine Arbeit für sich spricht. Seit dem 21. Spieltag gelang es der zweiten Mannschaft 6 Spiele zu gewinnen, bei nur 3 Niederlagen und 5 Remis.

Greuther Fürth machte aus seinen wenigen Ressourcen viel und schaffte es immer wieder herausragende Jugendspieler an den Profi-Bereich heranzuführen. Darunter Bundesligaprofis wie Sercan Sararer, U-20 Nationalspieler Felix Klaus, Stefan Schröck, Edgar Prib, Heiko Westermann, Christian Eigler, Roberto Hilbert, Nicolai Müller, Thorsten Oehrl, unseren Markus Karl, Björn Schlicke, Ronny Philp, Jury Judt und Daniel Adlung um nur einmal die prominentesten Beispiele zu nennen. Allein Westermann, Eigler, Müller, Hilbert und Schlicke generierten dabei geschätzte 5.700.000 € Ablösezahlungen (Quelle: www.transfermarkt.de). Zehn Jahre lang war Konrad Fünfstück als Jugendtrainer und Trainer der Reserve in Fürth maßgeblich an der Entwicklung solcher Spieler beteiligt.

Die Personalie Fünfstück und die guten Ergebnisse der zweiten Mannschaft werte ich optimistisch als Zeichen, dass der Unterbau des 1. FC Kaiserslautern sein Schattendasein ablegen kann und endlich wieder kostengünstige Profis für den FCK produziert. Natürlich ist Jugendarbeit im Allgemeinen ein vielschichtiges Thema und lässt sich selten an wenigen Faktoren festmachen, aber ein Schritt in die richtige Richtung scheint mit der Inthronisierung Fünfstücks gemacht. Interessante Spieler finden sich in der Reserve, die zur kommenden Saison definitiv einen genaueren Blick im Hinblick auf die Kaderzusammenstellung wert sind. Im nächsten Schritt möchte ich einige näher beleuchten.

Da wäre zum Beispiel der junge Jean Zimmer, ehemaliger Kapitän der A-Jugend. Der als linker und rechter Verteidiger einsetzbare 19-jährige, überzeugte in seiner Premierensaison im Herrenbereich mühelos und etablierte sich als Stammspieler. Bis heute hat er 33 Spiele in der Startelf absolviert, wobei er nur einmal ausgewechselt wurde. Erstaunliche Werte für einen Junior, der bei einem Aufstiegskandidaten in der Regionalliga debütierte.

Mario Pokar kam ablösefrei von Eintracht Frankfurt II. Der junge Mann (23) hat eine bewegte Zeit hinter sich, startete er bei der Eintracht und wechselte dann auf die Insel zur U-18 der Blackburn Rovers. Nach kurzen Aufenthalten in Sandhausen und bei Hessen Kassel, kehrte er zur Eintracht zurück. Jetzt führt er die Reserve als Kapitän an und stand 32 mal in der ersten Elf. Dabei kam er als offensiver Mittelfeldspieler auf 3 Tore und 13 Vorlagen. Ausgebremst wurde er bis jetzt durch eine Gelb Rote Karte. Mit 23 hat er nicht mehr den totalen Talentstatus, aber auch Spätzünder darf man nicht aus den Augen verlieren. Man erinnere sich nur an Miroslav Klose, der seines Zeichens auch erst Anfang 20 seine Profikarriere ins Rollen brachte. Das erwähne ich nur wegen der Parallele im Altersbereich, ich will Pokar nicht etwa eine Weltlaufbahn wie Klose vorhersagen.

Top-Scorer Sascha Wolfert (23), der auch schon bei den Profis auftauchte, verlässt den FCK zum Ende der Saison in Richtung Wehen-Wiesbaden. Mit 12 Toren und 3 Vorlagen sucht er die Herausforderung bei einem anderen Club.

Jan-Lucas Dorow rückte wie Kollege Zimmer aus der U-19 auf und brauchte eine längere Eingewöhnungsphase. Im Verlauf der Saison stand er aber 19 mal auf dem Feld und brachte als Stürmer 6 Tore und 2 Vorlagen ein. Der Zweibrücker avancierte immer mehr zum Top Joker. Ihn sollte man gut beobachten, denn schon in der A-Jugend galt er als sehr talentierter Spieler.

Die Umstellung in den Herrenfußball fällt nicht jedem Spieler gleich leicht.Offensivkraft Kevin Schwehm, der bereits 2010 unter Horst Hrubesch in der U-18 Nationalmannschaft debütierte, fand noch nicht so recht seine Rolle. 15 Spiele meist als Einwechselspieler und 1 Tor stehen zu Buche. Auch hier gilt, weiterhin auf dem Zettel haben. Verletzungen sind dabei nur ein Grund, warum es nicht direkt auf Anhieb funktionieren muss.

Auf der Position des Torwarts, dank Gerry Ehrmann seit Ewigkeiten keine Baustelle mehr für den FCK, spielt Marius Müller. In 30 Spielen kassierte er 31 Gegentore und behielt 12 Mal eine weiße Weste. Der Heppenheimer mit dem Gardemaß von 1,92 m gilt für Beobachter als eine Art „Kevin Trapp“ und fungiert bereits als 3. Torhüter bei den Profis. Da Ehrmann alle Torhüter trainiert und kürzlich bis 2015 verlängerte, kann man in diesem Bereich auf Einiges hoffen. Um den Tarzan beneidet uns fast ganz Fußballdeutschland, man darf sich glücklich schätzen diesen Typen und Fachmann so lange Jahre am Berg zu haben.

Dabei ergeben sich auf den Positionen hinter Tobias Sippel interessante Möglichkeiten. Sollte man Müller zur Nummer 2 machen, könnte Raphael Salinger aus der A-Jugend aufrücken und um einen Stammplatz in der Reserve kämpfen. Dann müsste man sich nicht zwingend den soliden Hohs leisten, falls Salinger eine ähnliche Rolle einnähme wie Müller in dieser Saison. Aber zu Salinger und den anderen Pokalhelden aus der U-19 werde ich im zweiten Teil dieses Artikels mehr schreiben.

Abschließend bleibt es extrem wichtig den jungen Spielern eine Perspektive zu bieten. Der Name Fünfstück und seine Vita stehen erst einmal für ein neues Sprungbrett in Form der Reserve. Durchlässigkeit ist ein Thema, dass alle erfolgreichen Ausbildungsvereine extrem wichtig nehmen. Dabei sollte das Label „Ausbildungsverein“ nicht immer so negativ gesehen werden. Man darf ja in den letzten Jahren mit großen Augen zusehen, dass Clubs wie der SC Freiburg, Rivale Mainz 05 oder auch der 1. FC Nürnberg Erfolg haben (im jeweiligen Rahmen, zb. Klassenerhalt). Wenn der 1. FC Kaiserslautern ein Ausbildungsverein sein soll und ähnliche Transfererlöse, finanzielle Sicherheiten und Strukturen wie in Freiburg erreicht, dann bin ich der Erste in der West, der sich diese Marke auf die Fahne schreibt.

Es geht hier nicht um romantische Gedanken an Spieler, die dem Verein auf Ewig die Treue halten. Sondern um die Schaffung von Strukturen, die es dem FCK ermöglichen auch in Zukunft konkurrenzfähig zu bleiben. Wenn es gelingt einen Spieler wie Dominique Heintz hervorzubringen und ihn in den kommenden Jahren gewinnbringend zu verkaufen, dann hat man sich Nichts vorzuwerfen. Sportlicher Ersatz findet sich nämlich leichter, wenn man positive Beispiele geben kann. Dann begnügen sich Spieler auch eher mit einem durchschnittlichen Profi-Gehalt, als teure und identifikationslose Söldner, die Jahr um Jahr in Scharen kommen und gehen. Solange der FCK nicht auf zwei gesunden Beinen steht, wird es auch nie möglich sein Top-Spieler längerfristig zu halten. Und auch die Rolle des FCK sollte klar kommuniziert und definiert sein: Es gibt immer noch größere Fische im Teich. Egal wie rosa-rot die Vereinsbrille auch sein mag. Manche Angebote können Spieler, Berater und Vereine nicht ausschlagen. Die Fans sollten sich von den historischen Ansprüchen lösen, damit meine ich nicht sportliche Erwartungen, sondern Ansprüche an Spieler die gleiche Identifikation und Leidenschaft für die Roten Teufel aufzubringen, wie man selbst. Auch wenn das richtig schwer fällt. Ausnahmen gibt es immer, wie unser Tarzan Gerry!

In diesem Sinne

Euer Stehgeiger