Geschichten ausm Paulaner-Garten – Tagesgeschäft oder doch Faszination 1/2013

Der Stehgeiger eröffnet eine neue Artikelreihe, die hoffentlich in Serie gehen kann. Dabei widmet er seine ganze Aufmerksamkeit einigen aktuellen Nachrichten aus Funk und Fernsehen rund um den Fußball.

Amsterdam

Der FC Chelsea darf sich jetzt auch Europa League Sieger nennen. In einem spannenden Spiel, ohne ganz große spielerische Momente, gewannen die Londoner gegen die portugiesischen Adler von Benfica Lissabon mit 2:1. Vor gut 26.000 Zuschauern erzielte Fernando Torres in der 59. Minute die Führung für Blau, ehe Óscar Cardozo per Handelfmeter ausgleichen konnte (68. Minute). Danach entbrannte eine hektische Partie, in jener Phase hätten beide Teams den Siegtreffer erzielen können. Der FC Chelsea hatte aber den üblichen Finaldusel und Branislav Ivanovic köpfte in der 3. Minute der Nachspielzeit zum Sieg ein. Es war ein Finale wie man es seit dem letzten Jahr von den Blues kennt. Feldunterlegen, uninspiriert und am Ende doch gewonnen. Haben die Engländer etwa Mitschnitte der Bayern aus den 90ern studiert? Rafa Benitez, der spanische Kellner an der Seitenlinie fand ein versöhnliches Ende seiner Amtszeit in London. Vielleicht schwenkt Abramowitsch doch noch um und verlängert den Vertrag mit dem unbeliebten Ex-Liverpooler, wie es auch schon mit Di Matteo geschehen war. Der lebenden Legende Eusebio auf der Tribüne dürfte das egal gewesen sein und Benfica wird sein Finaltrauma nicht los. Selbst der in Düsseldorf gefürchtete Luisao konnte die Niederlage nicht verhindern. Der Stehgeiger macht einen Vorschlag für den russischen Oligarchen im Besitz des FC Chelsea. Übernehmt die Idee des Trainergespanns aus good old Germany! Der finnische Recke Sami Hyypiä und Lewandowski (nein der spielt nicht selbst) oder auch Jogi und Klinsi machten es vor. Anstatt den wankelmütigen Mourinho aus Madrid zu holen, sollte Chelsea lieber Di Matteo und Benitez gleichermaßen engagieren. Damit stünde im nächsten Jahr alle Titelträger fest: nämlich nur der FC Chelsea!

Bremen

Eine Ära, wie man so schön sagt, geht zu Ende. Thomas Schaaf wird nicht mehr länger an der Seitenlinie poltern und Arnd Zeigler mit Informationen aus der Kabine versorgen. Jener Zeigler zeigte sich bei einem Radio-Interview mit WDR 2 sichtlich betroffen und musste aus seinen Lobpreisungen über den Menschen Schaaf, vom wenig sensiblen Moderator gerissen werden. Auch der Stehgeiger bereut das Ende Schaafs bei Weder Bremen. 14 Jahre, eine deutsche Meisterschaft sowie 3 DFB-Pokal Titel später stellt sich die Frage nach einem Nachfolger. Neue Impulse sollen her und es gibt Kandidaten die jene bringen sollen. Der Manager mit Eishockey-Erfahrung Thomas Eichin stellte erst kürzlich klar, dass es keine interne Lösung geben soll. Damit ist Otto Rehhagel aus dem Rennen. Nun kursieren Namen und der Stehgeiger hat die Lösung parat. Das personifizierte HB-Männchen Claus-Dieter Wolltitz, kurz Pele Wollitz, könnte direkt übernehmen. Man kennt den energiegeladenen Coach aus aktiven Zeiten in Kaiserslautern, oder auch auf dem Titelblatt der 11Freunde mit weißer Taube. Eben jener Wollitz katapultierte sich bei Aufstiegskandidat und Drittligist VfL Osnabrück ins Abseits, indem er sich bei einer Wutrede von den eigenen Fans filmen ließ. Ein Spielerversteher, Gottvater und Taktikfuchs wie Wollitz würde prima an die Weser passen und den Verantwortlichen endlich die ersehnten neuen Impulse geben. Wenn Elia und Arnautovic dann mal wieder für Schlagzeilen sorgen, war der Trainer wenigstens vor Ort. Ein Bild Artikel im Oktober 2013 könnte so aussehen: Werder Stars auf dem Oktoberfest – Skandal in München – Trainer Wollitz versprach zu zahlen, prellte aber die Zeche. Spieler kurzfristig festgenommen. Lemke muss aus Bremen einfliegen um die Saufbrüder wieder auszulösen. Uli Hoeneß tadelt aus der JVA Tegernsee.

Frankfurt/Miami

Der Kader für die USA-Reise der deutschen Nationalmannschaft steht fest. Für die zwei Freundschaftsspiel gegen Ecuador (29. Mai) und die USA (02. Juni) muss Löw auf 15 Spieler verzichten. Darunter alle Spieler des FC Bayern und Borussia Dortmund, die das Champions League Finale austragen. Außerdem fehlen unsere beiden Legionäre von Real Madrid, Sami Khedira und Mesut Özil. Miroslav Klose, Kevin Großkreutz und Sven Bender sollen nachreisen.

Als Debütanten hat Löw Max Kruse (SC Freiburg bzw. Borussia Mönchengladbach), Philipp Wollscheid und Sidney Sam (Bayer 04 Leverkusen) und Nicolai Müller (FSV Mainz 05) nominiert.

Auch einige Namen, die bereits in der Vergangenheit im Kader standen, fanden wieder Berücksichtigung: Aaron Hunt (Werder Bremen), Denis Aogo (Hamburger SV), Andreas Beck (TSG 1899 Hoffenheim) sowie Stefan Reinartz (Bayer 04 Leverkusen).

Vorab, diese Reise kann man eigentlich nicht unter normalen Umständen beurteilen, denn die besten deutschen Spieler fehlen. Weiterhin darf am sportlichen Wert dieses Trips gezweifelt werden, da stehen wohl eher wirtschaftliche und werbe-technische Interessen im Vordergrund.

Trotzdem wird auch Fußball gespielt und den Stehgeiger freut es, dass mit Sidney Sam ein Ex-Lautrer dabei sein wird. Sidney hatte wirklich Pech mit Verletzungen und kam eigentlich fast immer wieder stark zurück. Gerne erinnert man sich an seine beiden Jahre im Trikot der Roten Teufel und rauft sich heute noch ärgerlich die Haare, dass man ihn nicht am Betze halten kann. Etwas verwundert hat mich die Nachricht dann schon, war ich davon ausgegangen, dass Sam lieber für Nigeria auflaufen würde. Im Kicker gab es eine Meldung im November des letzten Jahres dazu. Wie seine Chancen auf einer dauerhafte Karriere in der DFB-Elf aussehen, mag ich nicht beurteilen. Sollte er mal einen längeren Zeitraum fit bleiben, ist er sicherlich ein Kandidat.

Heimlich still und leise meldete sich auch der ehemalige Bremer Disco-Tänzer Aaron Hunt zurück. Trotz Bremer Schwierigkeiten wusste Hunt zu überzeugen und verbuchte 11 Tore und 6 Vorlagen. Nach langer Zeit löste Hunt in dieser Saison das Versprechen ein, welches sein Talent bereits in jungen Jahren gab. Er spielte konstant und war einer der Lichtblicke in einer tristen Bremer Mannschaft.

Max Kruse hat sich die Nominierung auch völlig verdient, denn er spielte die Saison seines Lebens. Natürlich profitiert er von den Absagen der Stammspieler und es bleibt fraglich, ob er überhaupt Berücksichtigung gefunden hätte, wären alle an Bord. Trotzdem wird Jogi Löw immer ein Auge aufs Breisgau haben und liegt damit völlig richtig.

Nicolai Müller, unabhängig von Mainz 05, ist dem Stehgeiger nicht so sehr aufgefallen. Sicherlich hat er einen Schritt gemacht, aber gleich Nationalspieler halte ich doch für arg verfrüht. Er verbesserte sich in dieser Saison erheblich, aber konnte sein Können nie auf hohem Niveau beweisen, oder war so entscheidend für seine Farben wie Max Kruse.

Philipp Wollscheid rückt wohl auch nur nach, weil die Innenverteidiger fehlen. Der mit vielen Vorschusslorbeeren gekommene Ex-Nürnberger tat sich lange schwer in Leverkusen. Er eroberte sich zwar einen Stammplatz und spielte ordentlich, hat aber nie so überzeugt, dass er in einem Atemzug mit Mats Hummels, Holger Badstuber oder Jerome Boateng genannt werden kann. Gerade in der Europa League gegen den späteren Finalisten Benfica Lissabon wirkte er anfällig. Bei ihm wird man abwarten müssen, wie er den Anforderungen der Königsklasse in der kommenden Saison gerecht werden kann.

Wie Löw Andreas Beck und Denis Aogo nominieren konnte, wird sein Geheimnis bleiben. Beck spielt in einer desaströsen Hoffenheimer Hintermannschaft und schaffte es als Leader auch nicht in Erscheinung zu treten. Der Stehgeiger ist der Meinung, dass Beck viel von seiner Dynamik und dem Esprit, welcher ihn vor ein paar Jahren auszeichnete verloren hat. Selbiges gilt auch für Denis Aogo. Der HSV spielte in dieser Saison so, wie sich Mariah Carey hinter der Bühne aufführt. Aogo war quasi das Flaggschiff der Wankelmütigkeit was die Leistungen des HSV betrifft. Ob da die Freiburger Vergangenheit eine Rolle spielt? Damals als junger Mann bei den Breisgauern, dachten viele er mache eine Weltkarriere. Ballsicher, nervenstark beim Elfmeter und mit klugen Pässen spielte er sich in viele Notizbücher. Heute bleibt dieses Versprechen eines Super-Profis. Allerdings agierte er dort im defensiven Mittelfeld und ackert nun hinten links, wo eine der Schwachstellen des deutschen Kaders liegen kann.

Stefan Reinartz hat es auch geschafft, mal wieder nominiert zu werden. Der flexible Defensivmann ist ein Lückenfüller ohne groß zu glänzen. Solche Klavierträger braucht jedes Team und mangels Alternativen wurde er nominiert. Reinartz ist ein solider und nüchterner Arbeiter, den man bringen kann, wenn man weiß was er bringen kann. Der Rollenspieler dürfte sich gut einfügen, aber wenn alle an Bord sind, wird es geradezu unmöglich für ihn dauerhaft ein Thema zu werden. Dafür sind Jogis Männer im defensiven Mittelfeld viel zu stark bestückt. Reinartz geht auch fast jeglicher Offensivdrang ab. Ein klassischer Staubsauger eben, der auch in der Innenverteidigung einsetzbar ist.

Gehen sie davon aus, dass wenn Gonzalo Castro (Bayer 04 Leverkusen) fit wäre, jener sicherlich eine Nominierung ins Haus bekommen hätte. Der Allrounder spielte in Teilen dieser Saison ganz hervorragend in vorgezogener offensiver Position. Nur wird ihm dieses Polyvalenz irgendwann zum Fluch werden. Wo setzt man ihn denn ein? Rechtsverteidiger, defensives Mittelfeld oder offensive Außenbahn? Fast überall erledigt er seine Sache ordentlich bis gut. Was Castros Mannschaftskollegen Stefan Kießling betrifft, ist bereits alles gesagt und geschrieben worden. Man kann von ihm halten was man will, aber wenn man den besten deutschen Torjäger der laufenden Bundesliga-Saison (er könnte auch noch Torschützenkönig werden) dauerhaft außen vor lässt, kann das nicht rein sportliche Gründe haben. Kießling ist auch nicht im biblischen Alter und erlebt seinen zweiten Frühling. Taktische Vorgaben, System oder spielende 9 hin oder her, nimmt man ihn selbst zu dieser besseren Kaffee-Fahrt in die USA nicht mit, muss etwas mehr dahinter stecken. Jogi achtet ja sehr auf das Teamklima, dass heißt wer kritisiert fliegt. Was auch immer Stefan Kießling verbrochen haben mag, er sollte Ahnenforschung betreiben und in „Paulo-Rink-Manier“ woanders anheuern. Ich bin sicher etliche Fußballnationen wären froh einen wie ihn dabei zu haben.

Vielleicht ein Land wo es warm ist und die Sonne scheint. „Stefanos Kießling trifft für Griechenland!“ ; „Mehmet Kießlingütz erzielt Doppelpack für die Türkei!“ ; „Stefanov Kießlov erzielt Siegtreffer für Bulgarien gegen Deutschland! Nationaltrainer Krassimir Balakov außer sich vor Freude.

Abschließend muss diese USA-Reise ein neuen Leitspruch bekommen. Anbei die Vorschläge des Stehgeigers: „DFB big in America – Stefan-Paßlack-Alarm in Übersee“, „How to do it in the US – Sebescen reloaded“ ; „Jogis Resterampe goes Springsteen“ oder auch „ DFB-Team meets Barack Odonkor“.

In diesem Sinne

Euer Stehgeiger

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