Als Hopp das rote Kaninchen stahl – Die Relegation und ihr Ende Teil 2/2

Habt ihr euch jemals gefragt, wohin der 1. FC Kaiserslautern will?

Natürlich, in die erste Bundesliga und an die Fleischtöpfe. Langfristig also zurück an die Spitze.

Nur wie will man dieses Ziel erreichen?

Da sind sich alle Experten uneinig. Die Relegationsspiele gegen die TSG Hoffenheim von 1899 zeigten deutlich, dass man spielerisch kaum in der Lage ist einen schwachen Erstligisten unter Druck zu setzen. Ja, man kann argumentieren, dass es mit der Fortuna aus Düsseldorf einfacher gewesen wäre. Aber hätte, hätte Fahrradkette. Der Gegner lautete nun mal Hoffenheim und in einem Jahr Bundesliga muss man sowieso zahlreiche Teams bekämpfen, die durch ihr spielerisches Potential schwierig sind.

Es mag auch sein, dass die kommende Saison sportlich leichter wird als die Abgelaufene. Mit Greuther Fürth und Fortuna Düsseldorf kommen zwei Vereine runter, die nicht unbedingt Albträume verursachen. Trotzdem wird das kein Selbstläufer. Vereine wie Energie Cottbus, FSV Frankfurt, 1860 München, 1. FC Köln und Union Berlin hatten jetzt ein Jahr Zeit etwas zu entwickeln und rüsten sich bereits. Denn auch diese Clubs sehen ihre Chance gekommen, endlich am Oberhaus anzuklopfen. Hinzu kommen vielleicht die ein oder andere Überraschungsmannschaft wie der Vfr Aalen (sollten sie die Lizenz zweifelsfrei erhalten) und der VFL Bochum mit Trainer Peter Neururer.

Man kann also nicht davon ausgehen, dass der 1. FC Kaiserslautern die neue Saison dominieren wird und sicher aufsteigt. In den kommenden Jahren wird der Abstand zur gewünschten Top16 Deutschlands immer größer, durch den wirtschaftlichen Nachteil. Dazu gesellt sich dann auch ein Club wie RasenBallsport Leipzig, der mit Macht in die 1. Bundesliga will. Die Möglichkeiten der Red Bull Vereins (wobei der Name Verein wirklich eine Zumutung ist, für eine Organisation ohne richtige Mitglieder unter den Fans) werden die des 1. FC Kaiserslautern immer übersteigen.

Einfallsreichtum und Kreativität sind gefragt, sollte man sich irgendwie mittelfristig in der höchsten deutschen Spielklasse sehen.

Wenn es so aussichtslos ist, warum dann überhaupt probieren?

Ein paar Vorteile wird der 1. FC Kaiserslautern einigen Clubs gegenüber immer haben. Das Fanpotential/Anziehungskraft ist riesig und der FCK bleibt auch noch die nächsten 20 Jahre auf Grund seiner Geschichte relevant. Eine Relevanz, die man in Hoffenheim und Leipzig erst noch erschaffen muss. Hoffenheim hat mit der gewonnenen Relegation einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Die Spieler sind zusammengewachsen und ich gehe fest davon aus, dass man in der neuen Saison oben mitspielt. Psychologisch dürfte da einiges passiert und für das Image wurde viel getan.

Sportlich gesehen ist man schon jetzt im Hintertreffen und über die wirtschaftlichen Verhältnisse braucht man nicht zu reden. Selbst Clubs wie FSV Mainz 05, Hannover 96, SC Freiburg und der FC Augsburg sind uns enteilt.

Eine Möglichkeit wäre, auf den eigenen Nachwuchs zu setzen. Das wird hierzulande überall groß geschrieben und Jugendarbeit bei jedem Club mit Argusaugen überwacht. Wer ist Stiefkind aus der Sparte der populären Clubs? Richtig gedacht, der FCK. Jahrelang hat man sich gar nicht gekümmert und jetzt soll alles ganz schnell gehen, bevor man völlig den Anschluss verpasst. Ich möchte jetzt weniger auf die finanziellen Details des NLZ-Ausbaus eingehen, welcher im Argen liegt. Eher möchte ich beleuchten, wie man bereits in der kommenden Saison die Weichen stellen kann.

Wer den Blog und die Jugendarbeit des 1. FC Kaiserslautern verfolgt, der kennt meine Meinung zu dem Thema. Sagen wir es so, unsere A-Jugend spielt gerade eine historisch erfolgreiche Saison.

Wird man jetzt viele der Leistungsträger in der ersten Mannschaft sehen? Es bleibt zu hoffen aber wetten würde ich darauf nicht. Dabei bieten sich gerade jetzt in der Kaderplanung Möglichkeiten, junge Leute einzubringen. Baumjohann wird gehen, Hoffer wird man kaum verpflichten (er lieferte auch kaum Argumente dafür), Torrejon wird sicherlich von potenteren Clubs umworben werden, selbiges gilt wahrscheinlich auch für Fortounis (der innerlich mit Kaiserslautern abgeschlossen zu haben scheint), Weiser wird in die erste Liga verliehen, Borysiuk könnte gehen. Auf der Abschussliste stehen außerdem noch Abel, Amri, Shechter, Jessen und andere Namen. Ein großer Umbruch steht mal wieder ins Haus.

Man muss der Realität ins Auge schauen. Der FCK kann nicht damit rechnen, kommende Saison direkt aufzusteigen. Ein so glückliches Händchen auf dem Transfermarkt wird es nicht geben, bei den klammen Finanzen. Oberstes Ziel für mich wäre jetzt, eine Identität zu finden und den Club neu auszurichten.

Wie erschaffe ich eine übergreifende Spielidee und eine Vereinsidentität?

Manche werden sagen, beides ist schon vorhanden: Kämpfen und Einsatz bis zum Umfallen.

Aber diese beiden großen Betze-Tugenden sind nicht mehr exklusiv auf Kaiserslautern zu reduzieren. Alle erfolgreichen Mannschaften haben ein aufwendiges Laufspiel, unter dem modernen Stichwort Pressing. Musste früher mancher Sportjournalist das Wort noch nachschlagen und punktete bei Verwendung mit dem Fremdwortbonus, so ist es heute schon ein negatives Urteil, wenn eine Mannschaft nicht Pressing spielt. „Unser Spiel gegen den Ball war schlecht.“ , „Das Gegenpressing des Gegners hat es uns nicht leicht gemacht.“ , in allen Variationen hört man diesen Begriff auf Deutschlands Fußballplätzen. Einsatz und Laufbereitschaft sind also keine Tugenden mehr, sondern einfache Grundvoraussetzungen für modernen Fußball.

Was ist jetzt mit dem Kampf? Ja, den Kampf kann man noch gelten lassen. Wobei es heute vielen Mannschaften zugeschrieben wird, die spielerisch nichts auf die Kette bekommen. So hat der 1. FC Kaiserslautern zwar aufopferungsvoll gekämpft, aber es reichte nicht gegen Hoffenheim. Der Faktor Kampf kann Spiele entscheidend beeinflussen, aber nicht mehr auf dem Level, wie es vor 20 Jahren möglich war. Mannschaften lassen sich nicht mehr so schnell durch Härte und physisches Spiel beeindrucken. Durch lange Ballstafetten in den eigenen Reihen lässt man den Gegner laufen und jener verliert mit der Zeit die Kraft zum Kämpfen.

Eine übergreifende Spielidee muss also mehr sein, als verstaubte Tugenden, die heute fast jeder Club irgendwie für sich beansprucht. Es geht zuerst einmal darum, ein Positionsspiel zu fixieren. Zum Beispiel sollte jeder Linksverteidiger, der sich in den Mannschaften tummelt (C-Jugend bis Profi), gewisse Abläufe kennen und Fähigkeiten entwickeln. Wie diese Fähigkeiten dann aussehen, hängt vom jeweiligen Spielsystem ab. Will man das der Linksverteidiger sich häufig in die Offensive einschaltet und „hinterläuft“, so muss er Flanken, Dribbling und Antritt üben. Gerade die Anforderungen an die Außenverteidiger sind in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Niemand braucht mehr wirklich 4 Verteidiger in der Hintermannschaft. Der RV und der LV sind Hybriden aus Mittelfeldspieler, Stürmer und Verteidiger geworden. Hat ein Außenverteidiger zum Beispiel wenig Torbeteiligungen, wird er sofort mit anderen Augen betrachtet.

Bestes Beispiel ist David Alaba vom FC Bayern München. Louis van Gaal sah in ihm das Potential zum Linksverteidiger, Marcel Koller sieht ihn (auch mangels Alternativen) als offensiven Mittelfeldspieler und bevor er zur TSG aus Hoffenheim verliehen wurde, galt der junge Österreicher als defensiver Mittelfeldspieler. Bei den Bayern spielt er seine Rolle so stark, dass man endlich das Rätsel um die Position von Philip Lahm gelöst hat (RV). Der Erfolg gibt Heynckes natürlich recht.

Also feste Positionsanforderungen fixieren, ausgerichtet am jeweiligen Spielsystem.

Welches Spielsystem sollte man den spielen?

Das hängt vom vorhandenen Personal und dem Trainer ab. Jeder Trainer muss heute ein Konzepttrainer sein und jeder der keiner sein will (Neururer, Rangnick und Daum), war das schon vor 10 Jahren. Nur die Vorreiter steckten den Spott ein, wie üblich. Wie genau jetzt der Trainer die Spieler auf dem Feld positioniert, ist eigentlich für die Vereinsentwicklung unerheblich. Wichtiger ist wirklich, dass jeder Spieler der da nachrückt, sein Anforderungsprofil genau kennt. Jeder kann seine Rolle noch persönlich interpretieren, aber die Grundlagen müssen bei allen stimmen.

Der SC Freiburg zum Beispiel spielt mit hoher Wahrscheinlichkeit einen anderen Fußball, als die altehrwürdigen Breisgau-Brasilianer, die in den 90ern nicht nur die Bayern das Fürchten lehrten. Trotzdem sind einige Dinge aus dieser Zeit überliefert. Sicheres Passspiel, ständiges Verschieben und mutige Offensivkombinationen. Das kann manchmal ein Jahr sehr gut funktionieren, oder aber auch in die Hose gehen. Wichtig ist aber, die Grundgedanken bleiben unabhängig vom Personal. Oder wer hatte den SC nach dem Abgang vom Papiss Cissé noch auf der Rechnung? Oder wer wird ihnen den Klassenerhalt zutrauen, wenn sie Max Kruse, Daniel Caligiuri, Johannes Flum und Jan Rosenthal verlieren. Das sind fünf Spieler die regelmäßig in der Startelf standen. Ein großer Aderlass und vielleicht muss der SC Freiburg um die Ligazugehörigkeit bangen. Trotzdem wird man seinen Leitfaden nicht verändern, denn Ziel bleibt es unter den besten 20 Mannschaften Deutschland zu verweilen. Finanziell ist man in sicherem Fahrwasser und träumt sogar von einem neuen Stadion. Auch durch die Verkäufe der oben genannten Spieler. Bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass der SC zwischen 2005 und 2009 4 Jahre (!) in der zweiten Bundesliga spielte. Dem Totenbett vieler Traditionsvereine mit Ambitionen und historischem Anspruch.

Ohne den SC Freiburg glorifizieren zu wollen, darf man sich den Verein gerne zum Vorbild nehmen. Natürlich werden manche Dinge immer anders in Kaiserslautern laufen, aber was die bundesweite Bedeutung angeht, gibt es durchaus Parallelen. Früher belächelt, schaut man heute neidisch auf die Arbeit im Breisgau und das Jungendzentrum.

Zusammenfassend muss man also festhalten, dass der 1. FC Kaiserslautern für sich einen Rahmen festlegen muss, den er von personellen Entscheidungen unabhängig behält. Jener Rahmen umfasst die Positionsausbildung der Spieler und die generellen Anforderungen an das Spiel.

Wie setzt man so etwas durch?

Hier gibt sich die Antwort von selbst, durch entsprechendes Personal. Mit Konrad Fünfstück wurde ein wichtiger Baustein installiert, der mich für die Zukunft hoffen lässt. Er koordiniert die Jugendarbeit und trainiert nebenher noch die U-23 Mannschaft. Fünfstück sitzt am Steuer, um bereits bei den Jüngsten gewisse Abläufe innerhalb der Ausbildung zu überwachen.

Weiterhin wird in den einschlägigen Foren über einen Sportdirektor diskutiert.

Was macht ein Sportdirektor?

Er vertritt den Verein nach Außen, wickelt Verkäufe und Zukäufe ab, verhandelt Vertragsverlängerungen/Auflösungen und bei ihm laufen die Informationen der Scouts zusammen. Er bildet eine sehr wichtige Schnittstelle zwischen dem eigentlichen Spielbetrieb und der Arbeit im Hintergrund. Bei anderen Vereinen funktioniert diese Konstellation sehr gut.

Duffner beim SC Freiburg (jetzt H96), Schmadtke ehemals bei Hannover 96 (erfolgreiche Transfers trotz vieler Unstimmigkeiten zwischen Slomka und Schmadtke), Max Eberl bei Borussia Mönchengladbach, Heidel in Mainz und Susi Zorck beim BVB zum Beispiel. Selbst in der zweiten Liga gibt es diese Rollen; Marc Arnold (Braunschweig), Stefan Menze (Dynamo Dresden), Frank Schäfer (1. FC Köln), Christian Beeck (FC Energie Cottbus), Rachid Azzouzi (FC St. Pauli), Uwe Stöver (FSV Frankfurt), Ottmar Schork (SV Sandhausen) und Franz Gerber (Jahn Regensburg). Michael Preetz fungiert bei Hertha BSC mehr oder weniger erfolgreich in ähnlicher Verantwortlichkeit unter anderem Namen (Geschäftsführer Sport).

Unser FCK beschäftigt Roger Lutz und Marco Haber als Teamkoordinatoren, was beim FC Köln Kadermanager (Jacobs) heißt. Ich kann nur schätzen, was die beiden Ex-Spieler so machen. Sie arbeiten wahrscheinlich an Belangen rund um den Spielbetrieb und die Trainingsarbeit, kümmern um Spieler und helfen jenen bei unterschiedlichen Dingen (Wohnungssuche, Eingewöhnung in Deutschland etc.). Vielleicht überwachen sie auch die Entwicklung von verliehenen Kickern, aber bei Transferentscheidungen haben wohl beide keine Mitsprache.

Transfers laufen beim FCK folgendermaßen ab. Entweder Kuntz holt die Leute in Eigenregie (Bunjaku, Azaouagh, Alushi wurden ohne Trainer verpflichtet), oder die Wünsche des Trainers werden erfüllt (Drazan). Andere werden wohl in Übereinkunft der beiden verpflichtet. Ein Sportdirektor würde Stefan Kuntz in diesem Bereich erheblich entlasten, so dass er sich als Repräsentant und Vereinsboss um organisatorische Dinge kümmern kann (Sponsoring, administrative Aufgaben etc.). Natürlich wird er weiterhin das letzte Wort bei Transfers haben, aber ein sportlicher Leiter oder klassisch Manager mit eigenem Netzwerk kann die Bandbreite der möglichen Entscheidungen erhöhen.

Ein Triumvirat um den Trainer (was braucht er), den Vereinschef (der den finanziellen Rahmen kennt) und einem sportlichen Leiter (Scoutinginfos, Netzwerk, Vertragslage) dürfte effektiver Arbeiten als ein Duo. Dabei hat der Sportdirektor die wichtige Aufgabe darauf zu achten, dass das künftige Personal (Trainer, Spieler) auch dem generellen Anforderungsprofil des FCK (Spielidee) entspricht. Auch der Trainer muss nicht mehr zwingend mit Spielern Kontakt aufnehmen, sondern hat mehr Zeit für die Arbeit als Übungsleiter.

Eine gute Sache also, die bundes- und weltweit funktioniert. Nur nicht beim FCK. Warum ist das so?

Stefan Kuntz sagte zum Thema, dass es ein Fehler war im zweiten Bundesligajahr keinen Sportdirektor eingestellt zu haben. Okay, das haben wir vernommen. Wenn man den Fehler kennt, warum kommt dann jetzt keiner? Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Kuntz argumentierte damit, dass ein Sportdirektor finanzielle Mittel verschlingt, die man sonst nicht in den Kader stecken kann. Sprich, ein sportlicher Leiter kostet Gehalt, genauso wie ein möglicher Leistungsträger. Und jenes Gehalt wäre in der 1. Bundesliga leichter zu stemmen, als in der 2. Liga. Okay, soweit so gut. Nun hat man aber gesehen, dass etliche Transfers und Personalentscheidungen gehörig in die Hose gingen und den Druck auf Foda/Kuntz erhöhten. Hoffer, Drazan, Köhler, Azaouagh, Hajri, Nsor, konnten den Anforderungen nicht gerecht werden. Ohne zu erwähnen, dass andere Vereine in der 2. Bundesliga und sogar der 3. Liga einen Sportdirektor haben. Dabei knabbern nicht alle am Hungertuch oder stehen kurz vor der Insolvenz.

Wobei man natürlich auch hier von Fall zu Fall abwägen muss: Was erwarte ich von den Spielern? Nicht jeder kann Stammspieler sein und eine Mannschaft braucht Rollenspieler. Dahingehend kann man Azaouagh und Hajri als Rollenspieler bezeichnen. Meine Meinung zum Thema ist, dass man jene Kaderplätze auch mit jungen, hungrigen Spielern aus dem eigenen Unterbau besetzen kann, aber das steht auf einem anderen Blatt. Nsor wurde als Talent geholt, aber er wusste nicht in der ersten Mannschaft zu überzeugen. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber als Nicht-Europäer durfte er nicht in der U-23 spielen. Okay, eine Leihe wurde angestrebt und konkretisierte sich nicht. Das Ergebnis ist eine sogenannte Kaderleiche. Für die Kampfmannschaft als zu leicht befunden, in der Zweiten nicht spielberechtigt und auch nicht weiterverliehen. Nsor trägt also seinen Trainingsanzug spazieren und darf beim 2 gegen 5 in der Mitte stehen. Ins Wintertrainingslager durfte er nicht mehr mit, vielleicht auch um die Hotelkosten zu senken. Das ist eine katastrophale Entwicklung für den Verein und den Spieler. Der Spieler spielt nicht und die Motivation ist im Keller, sein Marktwert sinkt. Ein sportlicher Leiter hätte das vielleicht eher auf dem Schirm gehabt, wobei ich Nsor nicht sein Talent absprechen will. Für all die Male wo Hajri im Kader stand, oder Drazan (immerhin 500.000 € teuer), hätte man auch Nsor bringen können. Ich glaube man hätte da nichts verlieren, nur gewinnen können. Ein Sportdirektor hätte vielleicht auch die Ressourcen gehabt, Nsor woanders hin zu vermitteln (Leihe). Kuntz und Foda bekamen das nicht hin, auch weil es anderweitig viel zu tun gab. Bei einer Leihe fällt manchmal auch eine Gebühr an und der übernehmende Verein trägt ein Stück des Gehalts. Anscheinend alles irrelevant für den finanziell potenten FCK.

Abschließend muss man festhalten, dass die Installation eines Sportdirektor dringend notwendig ist. Auch wenn das bedeuten sollte, dass wir einen Spieler weniger verpflichten können. Der Gewinn dürfte trotzdem auf lange Sicht da sein, denn die Arbeit in diesem Sommer ist eine Herkulesaufgabe. Zahlreiche Abgänge, Kader verkleinern, neue Leute holen und Talente einbinden.

Im Nichtaufstieg liegt für mich auch eine Chance. Man hat gesehen, dass es so wie es momentan läuft nicht reicht. Veränderungen entstehen meist daraus, dass alte Muster nicht mehr effektiv sind. Also bitte lieber Stefan Kuntz, triff strategische Entscheidungen, die den FCK auch noch in 10 Jahren profitieren lassen. Kurzfristig könnte das bedeuten, dass es weiterhin Zweitligafußball gibt. Aber mit einer gewachsenen Struktur ist die Erfolgswahrscheinlichkeit erwiesenermaßen höher, als im Hau-Ruck-Stil. Wenn wir viel mit jungen Talenten arbeiten, senken wir auch automatisch die Kosten des Kaders, welcher unter den Belastungen der 2. Bundesliga leidet (Tickets und TV-Gelder). Auch dürfte der Sprung vom Jugendbereich in die zweithöchste deutsche Spielklasse leichter sein, als direkt in der Liga der Besten bestehen zu müssen.

Mit einem Dogma muss ich an dieser Stelle auch mal aufräumen. Oftmals wird damit argumentiert, dass wir eben keinen Götze, keinen Goretzka, Alaba oder Müller in den Jugendmannschaften haben. Okay, das stimmt vielleicht. Aber gerade die genannten jungen Männer sind Ausnahmetalente, die es auch nur alle paar Jahre gibt. Außerdem, woher wollen die Leute das wissen? Beim BVB dachte man auch mal, dass Großkreutz und Reus nicht gut genug wären. Man hat diese Fehleinschätzungen dann teuer korrigiert. Ja, aber die Jugendspieler vom FCK spielen in der Regionalliga. Gut, der 1. FC Kaiserslautern spielt auch nicht in der Champions League! Die Leute können sich nur dort beweisen, wo sie spielen. Das muss nicht zwingend mit der Leistungsfähigkeit oder Entwicklung zu tun haben (im positiven wie negativen Sinne). Das Risiko ist kalkulierbar und muss eingegangen werden, um eine Zukunft zu haben. Ginge es nach diesem Dogma, müssten die Lautrer ausschließlich Kicker aus den ersten Ligen holen, damit es mit dem Aufstieg klappt. Gebt der Jugend eine Chance!

Ein weiterer Faktor, der gemeinhin unterschätzt wird ist die Psychologie. Eine Mannschaft die eine gemeinsame Geschichte hat, wird erfolgreicher sein, als jene die Jahr für Jahr große Veränderungen erfährt. Manche Personalveränderung sind unausweichlich, wie die Abgänge im Sommer (Vetragsende, Ende der Leihe, Ausstiegsklauseln). Aber Kontinuität hilft dem Zusammenhalt der Gruppe. Habe ich einen Kern, der langfristig an den Club gebunden ist, wird dieser zusammenwachsen. Das kann durch die stetige Entwicklung funktionieren, als auch durch bedeutende Ereignisse. Ein Gerüst muss her, was aus einigen Kernspielern besteht und die Vereinsphilosophie vorlebt. Das braucht Zeit, Zeit die man sich nehmen muss. Teambuilding ist ein weiterer Begriff, mit dem man so um sich wirft. Aber in anderen Bereichen wird er sehr ernst genommen. Jedes größere Unternehmen beschäftigt Psychologen, die das Betriebsklima verbessern. Auch im Fußball findet man solche Leute, die meist im Hintergrund bleiben. Auch der 1. FC Kaiserslautern sollte dort aktiv werden. Dabei geht es weniger um Campingausflüge und Mannschaftsabende, als auch um die direkte Betreuung von enttäuschten oder verletzten Kickern.

Eine Menge Blog, die der Stehgeiger da liefert! Ich werde versuchen einige Kernpunkte auch Kuntz höchstpersönlich nahe zu bringen. Mir wurde schon zwei Mal gesagt, dass ich meine Vorschläge doch mal in irgendeiner Form vortragen soll und die Leute haben recht. Ein Brief an Kuntz (ja auf Papier und so) wird in den nächsten Tagen geschrieben und ich werde jenen auch beim Stehgeiger veröffentlichen. Falls es eine Antwort geben sollte, lasse ich euch natürlich auch daran teilhaben. Wer noch weitere Vorschläge hat, der kann sie mir gerne mitteilen.

In diesem Sinne

Euer Stehgeiger

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Die nähere Zukunft – In Teufels Küche Teil 2/2

Im zweiten Teil meines Ausblicks über den Unterbau des 1. FC Kaiserslautern werde ich den Fokus nun auf die U-19 (A-Jugend) der Pfälzer legen.

In den letzten Jahren machte die von Gunther Metz trainierte Truppe immer wieder auf sich aufmerksam, im positiven wie negativen Sinne. In der Saison 2010/2011 war man Staffelsieger in der A-Jugend Bundesliga Süd/Südwest und musste sich im Finale um die deutsche Meisterschaft nur dem VFL Wolfsburg klar geschlagen geben (4:2). Aus dem aktuellen Profi-Bereich (erste und zweite Mannschaft eingeschlossen) stammen folgende Spieler aus dieser Jahrgangsmannschaft:

Dominique Heintz, Willi Orban, Chris Keilmann, Julian Derstroff, Sebastian Lindner, Sascha Simon sowie die jüngeren Kaliber wie Jan-Lucas Dorow, Kevin Schwehm und Jean Zimmer. Alle Namen kamen in besagtem Finale zum Einsatz. Einzig Philipp Klement (1.FC Nürnberg) und Nico Pfrengle (FSV Mainz 05) schlossen sich später anderen Vereinen an. Diese Quote gibt weiterhin Anlass zur Hoffnung, dass der FCK sich in Sachen Jugendarbeit auf dem richtigen Weg befindet.

Im darauffolgenden Jahr konnte man die guten Leistungen nicht bestätigen und stieg überraschend ab. Kurioserweise befanden sich unter den drei Letztplatzierten zwei andere Südwestgrößen wie Waldhof Mannheim und der FC Saarbrücken.

In der jetzigen Saison, wo man in der Regionalliga Südwest antritt, führt der 1. FC Kaiserslautern souverän die Tabelle an. In den nächsten Spielen sollte der Aufstieg festgemacht werden und die U-19 darf sich wieder mit den Besten messen. Neben dieser starken Kampagne innerhalb der Liga, konnte man auch im DFB-Junioren Vereinspokal (dem U-19 DFB Pokal) für Furore sorgen. Drei Bundesligisten kämpfte und spielte man nieder. Die Überraschungssiege gegen Hertha BSC, Werder Bremen und Borussia Mönchen-Gladbach sorgten für die Finalteilnahme in Berlin. Dort wartet mit dem 1. FC Köln ein Rivale der Profis aus der 2. Bundesliga. Die A-Jugend der Kölner spielt auch in U-19 Bundesliga West, wo man zu den Top 5 Mannschaften gehört. Alles was dahinter rangiert ist weit abgeschlagen.

Diese Mannschaft zeigte Klasse und Charakter, Trainer Günther Metz stellte das Team immer hervorragend ein und klagte zuletzt über die hohe Belastung für seine Spieler (Rheinpfalz vom 14.05.2013). Nebenbei wurde auch noch der U19-Verbandspokal gewonnen, in einem dramatischen Spiel gegen den großen Rivalen aus Mainz. Damit darf die kommende A-Jugend wieder im DFB-Junioren Pokal antreten. Auch hier wurde wieder ein höherklassiger Gegner bezwungen, welche in der A-Jugend Bundesliga Süd/Südwest spielt. Die Mainzer konnten mit André Schürrle und Trainer Thomas Tuchel die A-Jugend Meisterschaft 2009 gewinnen.

Beachtlich bei den Erfolgen der A-Jugend in diesem Jahr ist, dass man es schaffte sich regelmäßig gegen Bundesliga-Clubs durchzusetzen. Wobei es sich auch nicht um irgendwelche Mannschaften handelte, sondern um Vereine die sich ihrer Jugendarbeit zurecht rühmen dürfen und ständig starke Nachwuchsleute hervorbringen.

Der Stehgeiger hofft, dass wieder eine ähnlich hohe Quote an Spielern den Weg in den Herrenbereich schafft. Einige Spieler konnte ich besser unter die Lupe nehmen und werde jene im Folgenden so gut es geht beschreiben. Der Stehgeiger scheute keine Kosten und Mühen und war beim nervenaufreibenden Halbfinale des DFB-Junioren Pokals in Mönchen-Gladbach vor Ort.

Anfangen werde ich im Tor, wo Raphael Salinger die Position seit Anfang 2013 besetzt. Der 17-Jährige Österreicher wurde vom SC Karlsdorf verpflichtet und schaffte es auf Anhieb Stammspieler zu werden. Mit 1,96m ragt er nicht nur körperlich heraus. Salinger überzeugte im Halbfinale gegen Mönchen-Gladbach als sicherer Rückhalt und Elfmeter-Spezialist. Zwei Strafstöße vereitelte er und schoss selbst eiskalt ein. Auch im Verbandspokal-Finale gegen die Mainzer wusste er zu überzeugen und parierte auch dort einen Strafstoß. Jenen hatte er leichtsinnig verschuldet, wodurch ein Feldspieler für den indisponierten Salinger im Tor abwehrte. Nach der fälligen Roten Karte, machte der Ösi seinen Schnitzer wieder wett und hielt. Seine Stärken sind die gute Präsenz und das Spiel im 1 gegen 1. Traditionell agiert er stark beim Herauslaufen (Ehrmann-Schule) und geizt nicht mit guten Ansätzen auf der Linie. Salinger besitzt nach Meinung des Stehgeigers das Potential in den Profi-Bereich aufzurücken. Bei Torhütern gestaltet sich das auch meist weniger schwer, denn das Spiel verändert sich nur unwesentlich. Wenn er an Körpermasse noch etwas zulegt, wird er eine Alternative. Auf Grund seines Alters, könnte er im kommenden Jahr auch noch weiterhin in der U-19 spielen und in der Bundesliga Erfahrungen sammeln. Gerade sein junges Alter beeindruckten den Stehgeiger um so mehr.

In der Innenverteidigung agiert Bernard Kyere-Mensah. Der in Ghana, Accra geborene junge Mann ist ein kantiger Zweikämpfer. Unbeeindruckt durch körperliche Härte, zeigt er ein starkes Zweikampfverhalten. Kopfballspiel und direkte Zweikämpfe zählen zu seinen Stärken. Auch er ist noch weiterhin spielberechtigt für die A-Jugend im kommenden Jahr. Seine Entwicklung wird mit Spannung beobachtet werden. Vom Elfmeterpunkt in Gladbach schloss er kühl ab.

Angeführt wird die Mannschaft durch den zweiten Innenverteidiger in der Stammelf. Michael Schindele (19) durfte auch bereits in der Reserve mitspielen und hat drei Berufungen zur U-18 Nationalmannschaft auf dem Buckel. Wie Kyere-Mensah ist er körperlich stark, kann aber im Sprint ungeahnte Schnelligkeit zeigen. Mit 1,90m ist er in der Luft eine Macht, auch am Boden überzeugt er durch kluge Pässe und ein anständiges Aufbauspiel. Ihn wird die FCK-Führung bereits länger auf dem Zettel haben und er ist definitiv ein Kandidat um für die kommende Saison endgültig in den Herren-Fußball aufzurücken. Schindele kam vom FC Augsburg und könnte einen ähnlichen Werdegang wie Heintz oder Orban hinlegen. Wo Heintz auch auf der Position des linken Verteidigers spielen kann (wobei er als IV deutlich besser aufgehoben ist), kennt man Schindele als reinen Innenverteidiger. Diesen Namen kann man sich getrost merken und bei stetiger Entwicklung, wird er sich in naher Zukunft vielleicht in der „Kampfmannschaft“ des 1.FC Kaiserslautern zeigen dürfen.

Ein weiterer Afrikaner aus Ghana wirbelt auf der rechten Außenbahn. Manfred Osei-Kwado, nur „Manni“ gerufen, ist mit 17 Jahren einer der Leistungsträger dieses Teams. In der Liga konnte er bereits 11 Tore erzielen (Torvorlagen werden nicht erfasst) und im Pokal 1 Tor und 3 Vorbereitungen beisteuern. Der kleine, wendige Dribbler (1,70m) stellt sich gerne in den Dienst der Mannschaft und macht Kilometer in der Rückwärtsbewegung. Franco Foda belohnte den jungen Mann bereits mit der Möglichkeit bei den Profis mitzutrainieren. Wie immer muss man abwarten, wie die Entwicklung verläuft. „Manni“ dürfte wohl auch noch ein weiteres Jahr in der A-Jugend ran, könnte aber auch eine Alternative im Profi-Bereich werden.

Marcell Öhler ist der Spielmacher im Team und wurde zur U-18 Nationalmannschaft berufen. Es blieb bis jetzt bei der einen Berufung, aber Öhler (18) ließ auch im Ligabetrieb aufhorchen. Wie Osei-Kwado gelangen ihm 11 Tore, als auch 1 Tor und 1 Vorlage im DFB-Pokal. Unter den strengen Augen des Stehgeigers, machte Öhler aber kein gutes Spiel in Gladbach. Als Träger der Nummer 10 wurde er arg in die Mangel genommen und konnte sich kaum entfalten. In einem lichten Moment spielte er aber den öffnenden Pass, welcher zur Führung umgesetzt werden konnte. Sein Zweikampfverhalten scheint nicht sonderlich gut zu sein, aber die Spielintelligenz ist ungleich höher. Der kreative Mann bringt alles für die zentrale Mittelfeldpostion mit und dürfte zumindest in die Reserve aufrücken. Hier sieht der Stehgeiger Probleme mit der Körperlichkeit bei den Herren. Kann Öhler sich auch dort durchsetzen, wird man den Namen sicherlich wieder hören.

Der herausragende Akteur dieser Mannschaft ist der junge Bosnier Halil Hajtic. Bester Torschützer der Roten Teufel mit 19 Toren in der Regionalliga (auf Auskunft von Experten auch mit einer zweistelligen Anzahl an Torvorbereitungen) und jeweils 3 Toren im Pokal. Hajtic wurde bereits 2 mal in die U-18 und 5 mal in die U-19 Nationalmannschaft Bosnien-Herzegowinas berufen. Mit 19 Jahren ist er einer der Älteren und neben Skipper Schindele, der Spieler dem der Stehgeiger sofort Herrenfußball zutraut. Hajtic ist 1,85m groß und athletisch. Er besitzt körperlich bereits starke Voraussetzungen und bringt auch technisch Einiges mit. Seine Rolle auf dem Feld würde ich als offensiver „Ballack“ beschreiben, der auch ständig mit den Mitspielern spricht. Hajtic dirigiert die Offensive. Vorher beim VFB Stuttgart und dem FC Augsburg aktiv, muss man diesem jungen Mann Beachtung schenken. Denke ich dabei an die sportlich weniger wertvolle Partie gegen den FC St. Pauli am letzten Spieltag, könnte Hajtic einen Platz im Kader einnehmen. Natürlich immer unter der Prämisse, einen Jugendspieler nicht Überbeanspruchung auszusetzen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Franco Foda ( der beim Verbandspokalfinale vor Ort war) Halil Hajtic auf dem Zettel hat. Jogi Löw würde ihn wohl als „Zwischenspieler“ charakterisieren und genau das trifft es sehr gut. Er pendelt zwischen hängender Spitze und der Position 8 auf dem Feld. Nicht ganz „box-to-box“ wie der Engländer sagen würde. Bosnische Medien bringen ihn bereits mit Borussia Dortmund und Bayer 04 Leverkusen in Verbindung, aber den Schreiberlingen vom Balkan darf man nicht immer Glauben schenken. Da wird oft viel übertrieben und ein Spieler wie er, mit diesen Leistungsdaten, wird natürlich gescoutet. Der Stehgeiger hofft, dass Hajtic die Chance bekommt die Vorbereitung auf die nächste Saison mitzumachen. Einen Spieler wie ihn, hat Kaiserslautern schon seit Jahren nicht mehr hervorgebracht.

In vorderster Front gelang dem 1. FC Kaiserslautern ein ungewöhnlicher Transfer. Vom ehemaligen Beckham Club Los Angeles Galaxy kam ein junger Amerikaner mit mexikanischen Wurzeln. Mario Andrés Rodriguez Junior lautete der klangvolle Namen des Stürmers. Insidern aus dem US-Fußball dürfte der Name ein Begriff gewesen sein, hierzulande kannte man ihn nicht. Den Schritt über den großen Teich wagte der 19-Jährige vor gut 10 Monaten und seit dem beginnt sein Stern aufzusteigen. U-17 und U-20 Nationalspieler für die Vereinigten Staaten, fiel ihm der Sprung nach Europa leicht. Es haperte anfänglich an der Spielerlaubnis für den Amerikaner und er war längere Zeit abkömmlich durch Turniere mit der Nationalmannschaft. In der Regionalliga konnte er 4 unauffällige Tore beisteuern, traf aber im Pokal gleich 3 mal. Das Verbandspokalfinale entschied er mit 3 Treffern im Alleingang und weckt bereits Begehrlichkeiten bei den Fohlen aus Gladbach. Dem Stehgeiger fiel Rodriguez Junior durch einen starken Abschluss, strammen Schuss und schnellen ersten Schritt auf. Athletisch in den USA ausgebildet, brachte er erwartungsgemäß eine gute Physis mit. Wer den Jugendfußball dort kennt, der weiß vielleicht, dass bereits jede Schulmannschaft unheimlich viel in diesem Bereich tut. Meine Prognose wäre ihn erst einmal in der Reserve zu bringen, mit der Perspektive für die erste Mannschaft. Natürlich ist die USA keine Referenz in Sachen Fußball, aber in den letzten Jahren ist der Vorsprung anderer „Kontinental-Mächte“ geschmolzen. Rodriguez bleibt dem FCK hoffentlich erhalten und eine Nominierung für das letzte Spiel gegen St. Pauli, unter den selben Voraussetzungen wie bei Hajtic, fände ich ein gutes Signal. Wer die Leistungsdaten sieht mag vielleicht skeptisch sein, aber live machte er einen wirklich guten Eindruck.

In der beschriebenen Mannschaft befinden sich auch andere starke Spieler, die dem Stehgeiger aber nicht so sehr aufgefallen sind. Florian Pick (17) aus Wittlich ist das Pendant zu Osei-Kwado, Karsten Luft (18) traf als Stürmer 9 mal in der laufenden Saison, Ragnar Sveinsson (18, Island) und Michael Rauth (17, Österreich) sind beides Jugendnationalspieler ihrer Verbände. Alle Jugendspieler kann ich aus Zeit und informationstechnischen Gründen nicht beleuchten. Der Stehgeiger bemühte sich eine faire Auswahl zu treffen, basierend seiner subjektiven Beobachtung.

Man dürfte durch diesen Artikel vielleicht sehen, dass selbst ohne Ausbau des NLZ bereits Potentiale vorhanden sind. Jetzt liegt der Ball wie so oft bei den Verantwortlichen. Man kann auch viele Argumente gegen junge Spieler anbringen, aber woher nehmen wenn nicht stehlen? Manchmal muss man den Jungen eine Chance geben und sehen was passiert. Mehr als Leistung zeigen können sie nicht, um Beachtung zu finden. Gerade herausragende Leistungen wie den Verbandspokalsieg, Aufstieg in die Bundesliga und das Finale im DFB-Junioren Pokal sollten genug Anlass sein, Foda, Fünfstück und Kuntz davon zu überzeugen, die Leute mit Verträgen und Perspektive auszustatten. Natürlich ist der Übergang zum Herrenbereich kein Selbstläufer und nicht jedes Talent ist den Anforderungen gewachsen. Aber im Vorhinein negative Urteile zu fällen und Jugendspielern weniger Chancen einräumen weil man beispielsweise kein hoch-zertifiziertes Nachwuchsleistungszentrum hat oder „nur“ in der Regionalliga spielt und negative Erfahrungen gemacht hat (Klement, Esswein, Schönheim, Halfar, Ziemer etc.), darf nicht zur Regel werden. Den Weg den der FCK einschlagen muss um zu überleben, ist eigene junge Spieler herauszubringen. Damit erhöht man den sportlichen und wirtschaftlichen Wert des gesamten Clubs. Beispiele dazu gibt es genug, wo viel weniger Tradition und vergangene Erfolge vorhanden sind. Den guten Namen, den der 1. FC Kaiserslautern immer noch genießt, sollte man endlich auch im Unterbau spüren können. Für eine erhöhte Durchlässigkeit ist ein kleinerer Kader von Nöten und dauerhafte Plätze für 2-3 Jugendspieler, wie es Kuntz angekündigt hat. Foda genießt den Ruf aus Österreich, jungen Spielern Chancen zu geben. Mit Linsmayer, Zellner, Heintz, Zuck und Orban hat er das getan, mit wechselndem Erfolg. Aber genau das ist das kalkulierbare Risiko bei der Sache. Dabei muss angesetzt und weitergemacht werden. Der DFB gibt hierzu auch eine klare Anleitung, was die local player Regelung besagt. Der Stehgeiger sieht lieber Eigengewächsen beim Dilettieren zu, als zugekauften Kickern aus aller Welt, die auch bei den Fans schnell den Kredit verspielen. Dabei geht es überhaupt nicht um Deutsche oder Ausländer, sondern um eigens ausgebildetes Spielermaterial. Völlig egal, woher derjenige dann auch stammen mag.

Nun wurde sehr viel über die Spieler berichtet, aber kaum etwas über die Trainer. Fünfstück habe ich bereits im ersten Teil dieses Artikels beleuchtet. Als Foda und sein Team unter Druck stand, vernahm der Stehgeiger bereits erste Stimmen die seine Ablösung durch den frischen Fünfstück forderten. Nicht das ich der selben Meinung bin, aber die grundsätzliche Idee mal eigene Trainer nach oben zu befördern, halte ich für sehr wichtig. Wieder machen es andere Teams vor und bringen eigene Trainertalente heraus (Streich, Tuchel, Wiesinger etc.). Beim FCK wäre ein Name, der diesbezüglich nie gefallen ist: Gunther Metz. Warum eigentlich nicht? Er hat es bis ins Finale um die deutsche Meisterschaft geschafft, den Verbandspokal geholt und das Finale des DFB-Pokal mit seiner Mannschaft erreicht. „Magic Metz“ wäre für den Stehgeiger in Zukunft mal ein Kandidat, die erste Mannschaft zu trainieren, sollte die Position vakant sein. Hier liegen die Vorteile auf der Hand: kennt den Verein und die Strukturen, bringt in der Regel sofort Nachwuchsleute mit nach oben, kann zeitnah geholt werden und im Falle des Misserfolgs zurückgestuft werden.

Wieder ein Denkanstoß, der beim 1. FC Kaiserslautern noch nicht angekommen ist, oder nach Außen nie kommuniziert wurde.

 

In diesem Sinne

Euer Stehgeiger