Es wird eng in der Mitte – Kaderplanung für die Saison 2013/2014

Die U-19 des 1. FC Kaiserslautern verlor das DFB-Junioren Pokalfinale in Berlin mit 0:1 gegen den 1. FC Köln. Das Spiel war auf Sport1 zu sehen und ich hoffe, dass so mancher FCK-Fan eingeschaltet hat, um sich ein Bild von den Talenten zu machen. Tragischerweise waren fast alle Leistungsträger der Vorrunden und des Ligabetriebes nicht gerade in großer Form.

Hajtic, Rodriguez und auch Salinger spielten weit unter dem, was sie in vorangegangenen Partien gezeigt hatten. Dem jungen Torwart unterlief ein Fehler beim Herauslaufen, assistiert durch die schwache Abwehr vom eingewechselten Antonaci, welchen die Domstädter nutzen um die Führung zu erzielen. Danach war es ein munteres Spiel, wobei dem FC in der 2. Halbzeit mehr gelang. Die Chancen zum Ausgleich waren da, Halil Hajtic vergab zwei mal in aussichtsreicher Position.

Jetzt gilt die volle Konzentration der Aufstiegsrunde gegen die Offenbacher Kickers. Gerüchten zu folge steht Stefan Kuntz in Verhandlungen mit Halil Hajtic und Mario Rodriguez Jr. Vielleicht sieht man die zwei Jungs im Trainingslager schon wieder. Kapitän Michael Schindele hat bereits einen Vertrag und wird voraussichtlich für die U-23 Mannschaft auflaufen. Viele andere talentierte Kicker wie Salinger, Pick, Osei-Kwado und Kyere-Mensah könnten noch ein weiteres Jahr A-Jugend spielen, was ihrer Entwicklung nicht schaden dürfte. Besonders wenn der FCK es zurück in die U-19 Bundesliga schafft.

Es kursieren viele Transfergerüchte rund um den Betzenberg. Feststehende Abgänge sind wohl Erwin Hoffer (SSC Neapel) und Mitchel Weiser (zurück zum FC Bayern München), mit beiden plant man nicht mehr. Weiterhin ist der Vertrag von Alexander Baumjohann abgelaufen, welcher mit Hertha BSC, Hannover 96 und dem FC Augsburg in Verbindung gebracht wird. Bereits verabschiedet sind Chadli Amri und Matze Abel (beide Ziel unbekannt).

Außerdem scheint der SV Sandhausen an einer Verpflichtung von Denis Linsmayer interessiert zu sein, vermeldet bei www.transfermarkt.de.

Der Rückkehrer Richard Sukuta-Pasu (Sturm Graz) hat wohl auch einige Angebote aus der zweiten Bundesliga vorliegen. Unter anderem soll der VfL Bochum und der Karlsruher SC seine Fühler ausgestreckt haben. Foda hatte in der Vergangenheit betont, dass man Sukuta-Pasu nicht abgeben wolle, nach einer Hinrunde mit 10 Toren für die Grazer. Es kamen aber nur zwei weitere Tore dazu und im Sturm herrscht ein Überangebot. Ich könnte mir einen Verkauf gut vorstellen, da Sukuta-Pasu auch in Österreich nicht zweifelsfrei seine Klasse nachweisen konnte.

Ein weiteres prominentes Gesicht kehrt aus dem Mutterland des Fußballs zurück. Itay Shechter, einst „Königstransfer“ und Ersatz für Srjdan Lakic, konnte bei seiner Leihe in der englischen Premier League keine Ausrufezeichen setzen. Für Swansea City kam er nur auf ein mageres Tor und eine Vorlage in 18 Einsätzen. Die Waliser haben keine weitere Verwendung für den sechsundzwanzigjährigen Israeli. Insider aus Israel berichten bei www.transfermarkt.de, dass drei große Vereine aus der heimischen Liga Shechter wollen. Eine mögliche Ablöse soll sich im Bereich von 1 Million € bewegen. Ich denke das Kapitel Shechter wird vom 1. FC Kaiserslautern beendet, denn er konnte weder in der 1. Bundesliga, noch der englischen Eliteklasse sein Können zeigen. Mit der spekulierten Ablöse muss man sich aus FCK-Sicht wohl abfinden, denn Shechter betrieb keine Marktwertsteigerung. Die 2,5 Millionen € die man einst für ihn zahlte, wird man leider nicht mehr wieder sehen. Da noch keine offiziellen Gerüchte nach Außen gedrungen sind (Printmedien, Internet etc.), kann es auch sein, dass Itay zum Betze zurückkehrt. Vielleicht kann er in der zweiten Liga überzeugen, aber man muss sich fragen, ob a) Shechters Gehalt zu zahlen ist und b) der Spieler in der zweiten deutschen Spielklassen kicken möchte?

Zu Leon Jessen und Ilian Micanski (Leihe FC Ingolstadt), Andrew Wooten (SV Sandhausen) und Jakub Swierzcok (Piast Gliwice) ist noch nichts bekannt geworden.

Auf der Seite der Neuzugänge steht aktuell nur Marcel Gaus vom FSV Frankfurt, der hier bereits diskutiert wurde. Weiterhin wird seit dieser Woche um zwei potentielle Namen spekuliert.

Ruben Yttergard Jenssen von Tromso IL aus Norwegen steht laut norwegischen Medienberichten (www.nrk.no) bereits vor einer Vertragsunterschrift. Demnach soll der zentrale Mittelfeldspieler einen 3-Jahresvertrag unterschreiben, lediglich Medizin-Check und die Unterschrift fehlen. Für den norwegischen Nationalspieler sollen 250.000 € plus erfolgsabhängige Zuzahlungen überwiesen werden. Der einst in Norwegen als großes Talent gepriesene Jenssen agiert zumeist auf der Doppel-6, aber als offensiver Part mit spielgestalterischen Fähigkeiten. Ein Manko, dass Trainer Franco Foda und Stefan Kuntz definitiv beheben müssen, wie die Relegationsspiele zeigten.

Der Konkurrenzkampf um die zentralen Positionen wird also größer, auch wenn Linsmayer möglicherweise den Verein verlässt.

Ein weiterer Spieler aus dem hohen Norden Europas steht angeblich auch kurz vor einer Einigung mit den Roten Teufeln. Alexander Ring, finnischer Nationalspieler, soll auch noch diesen Monat in Kaiserslautern unterschreiben. Details über die Verpflichtung wurden nicht bekannt, kennt man den jungen Finnen aus Gladbach. Dort spielte er meist als Aushilfskraft auf der rechten Außenbahn, obwohl er von Haus eher als zentraler Mittelfeldspieler bekannt war.

Der Kicker berichtet, dass der FCK Ring gerne für ein Jahr ausleihen möchte.

(www.kicker.de/news/fussball/2bundesliga)

Der finnische Nationalspieler hat noch bis 2015 bei HJK Helsinki Vertrag. Eine Ausleihe macht den Transfers realistischer, denn selbst Borussia Mönchengladbach wollte nicht die Kaufoption in Höhe von 1,5 Millionen € zahlen. Für den FCK scheint ein Kauf in dieser Größenordnung in der 2. Bundesliga ungewöhnlich. Alexander Ring zeigte bei seinen Einsätzen für die Fohlen aus Gladbach bereits gute Ansätze und verfügt über eine starke Grundschnelligkeit, sowie ansprechende Technik. Der Trainer Lucien Favre, für seine anspruchsvolle Spielaufteilung bekannt, machte bei dem Zweiundzwanzigjährigen noch taktische Mängel aus. Vielleicht kommen jene Mängel unter Franco Foda in Kaiserslautern nicht so sehr zum Tragen. Er ist ein interessanter junger Spieler, der bereits internationale Erfahrung hat.

Blickt man genauer auf diese beiden potentiellen Transfers, so erkennt man das Foda und Kuntz durchaus gemerkt haben, wo bei der Mannschaft der Schuh drückt. Es fehlen Spieler die das Geschehen ordnen und Angriffe kreativ vortragen. Weiterhin ist das Umschaltspiel sehr ausrechenbar und einseitig (A. Baumjohann), da soll der Norweger Jenssen für Abhilfe schaffen.

Betrachtet man die Spieler, die eine Rolle im defensiven Mittelfeld spielen können, muss man fast zwangsläufig mit weiteren Abgängen rechnen. Mit Markus Karl, Enis Alushi, Denis Linsmayer, Ariel Borysiuk, Steven Zellner als gelernte defensive Mittelfeldakteure und Mimoun Azaouagh, Pierre de Wit und Benjamin Köhler als offensivere Varianten hat man bereits eine Menge Material für die Zentrale. Darunter befinden sich mit Karl, Borysiuk, Alushi und Köhler gleich vier Kicker die Stammplatzambitionen geltend machen. Natürlich bleibt zu bedenken, dass Karl und Alushi von Verletzungen zurückkehren und erst einmal die Form wiederfinden müssen. Trotzdem zeichnet sich Stand jetzt ein Überangebot ab.

Steven Zellner verlängerte kürzlich und dürfte als Rollenspieler behalten werden.

Ariel Borysiuk besitzt großes Potential, ruft jenes aber nicht immer konstant ab. Er hatte aber neben Baumjohann das beste Pass-Spiel in der gesamten Mannschaft. Ihn zu halten wird wichtig sein, auch wenn es immer mal Angebote für den Polen gab. Fraglich ist, ob er ein weiteres Jahr in der 2. Liga spielen will, was seiner Nationalmannschaftskarriere nicht dauerhaft förderlich sein kann. Bei einem finanziell verlockenden Angebot, könnte er transferiert werden. Aber im Grunde muss man ihn als Eckpfeiler dieser Truppe behalten.

Für Pierre de Wit verlief die Saison enttäuschend. Von Verletzungen geplagt schaffte er es selten in Kader und machte auch seinem Ärger darüber Luft. Für ihn sehe ich eigentlich keine weitere Zukunft mehr in Kaiserslautern, denn mit Jenssen und Alushi hat er starke Konkurrenz vor sich.

Mimoun Azaouagh hatte auch mit Verletzungen zu kämpfen, spielte relativ wenig. Bei ihm gibt es noch die Option, dass er flexibel einsetzbar ist. Eine tragende Rolle traue ich ihm nicht zu und bei einem akzeptablen Angebot könnte er Kaiserslautern wieder verlassen.

Selbiges gilt auch für Benjamin Köhler. Selten zeigte er ansprechende Leistungen, wie im Heimspiel gegen den FSV Frankfurt. Aber auch der routinierte Mittelfeld-Allrounder könnte als Ergänzungskraft zu Spielen kommen. Ob er sich damit zufrieden gäbe? Wechselte er doch von Eintracht Frankfurt an den Betze um regelmäßiger zu spielen.

Mit Alexander Ring kommt in erster Linie ein Mann für die rechte Außenbahn, obwohl er in Finnland als zentraler Mittelfeldspieler bekannt und geschätzt ist. Also mal wieder jemand der polyvalent einsetzbar ist, wie es im Fachjargon heißt. Ich hätte mir lieber einen reinen Außenläufer gewünscht, kann mich aber mit Ring und seinem Talent durchaus anfreunden. Die klare Definition von Positionen und Positionsspiel zählte in den letzten Transferperioden nicht zu den Stärken der handelnden Personen.

Es bleibt abzuwarten, was sich noch so tut. Wie schon erwähnt, es wird wieder ein ereignisreicher Sommer. Hoffentlich halten sich die Zugänge in Grenzen, denn im Grunde fehlt nur noch ein offensiver Mittelfeldspieler (10er).

In diesem Sinne

euer Stehgeiger

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Als Hopp das rote Kaninchen stahl – Die Relegation und ihr Ende Teil1/2

Der 1. FC Kaiserslautern hat die Relegation verloren. In beiden Spielen schafften die Pfälzer es nicht sich gegen die TSG 1899 Hoffenheim durchzusetzen. Das Hinspiel in Sinsheim ging mit 3:1 verloren und das Rückspiel endete ernüchternd mit 1:2. In beiden Spielen bewiesen die Hoffenheimer spielerische Klasse und Cleverness, die dem FCK schon die gesamte Saison abgeht.

Man kann natürlich mit den Schiedsrichtern hadern und sich damit trösten, dass man durchaus phasenweise dran war. Aber zusammengefasst sprechen die Ergebnisse eine deutliche Sprache. Der TSG gelang es immer genau dann zu treffen, wenn die Lautrer irgendwie im Aufwind waren. Das 3:1 im Hinspiel durch den eingewechselten Sven Schipplock beendete jede Hoffnung auf eine bessere Ausgangssituation und der wuchtige Kopfball zum 1:2 Siegtreffer auf dem Betzenberg durch Jannick Verstergaard brachte sogar das phantastische Publikum zum Schweigen. Danach spielte sich Einmaliges in der Festung Betze ab. Nachdem die Fans realisierten, dass es trotz vorbildlichem Einsatz nicht mehr reichen würde, besangen sie ihre Helden auf dem Spielfeld bis zur letzten Sekunde und spendeten der Mannschaft durch minutenlange Ovationen nach dem Abpfiff Trost.

Ich bin sehr froh, dass der 1. FC Kaiserslautern und die Fans ganz Deutschland dieses Gesicht zeigten. Keinerlei Randale, keine Schmähgesänge gegen Dietmar Hopp und auch die mäßige Leistung der Roten Teufel wurde nicht mit Pfiffen beantwortet. Der 12. Mann war da und gab alles was er konnte, es trieb mir die Tränen in die Augen. Was bleibt nun nach dem Scheitern? Ich werde versuchen ein Bild zu konstruieren, dass viele Wägbarkeiten kommentiert und einen Ausblick bietet auf die nächste Saison.

Trainer Franco Foda entschied sich im entscheidenden Rückspiel für einige gewagte Personaländerungen. Er brachte Bunjaku und Drazan von Beginn an, wobei beide die Außenbahnen beackern sollten.

Die Hereinnahme von Kapitän Albert Bunjaku war nur zu logisch, wollte er die Durchschlagskraft in der Offensive erhöhen. Der erfahrene Stürmer musste aber zum wiederholten Male auf den Außen agieren. Vielen Beobachtern war bereits während der Saison aufgefallen, dass Bunjaku dort nicht sonderlich glücklich spielt. Er schafft es nicht zu Flankenläufen anzusetzen und die Mitte (Idrissou) mit Bällen zu füttern. Auch in den vielen 1:1 Situationen mit den Außenverteidigern sieht er nicht viel Land. Einigen wir uns darauf, dass man Bunjaku möglichst nahe am Strafraum unterbringen muss, um von seiner Torgefahr, Cleverness und Schussstärke zu profitieren. Fehler Nummer 1 für Franco.

Drazan wusste in keinem seiner Kurzeinsätze zu überzeugen und spielte auch gegen schwache Gegner meist pomadig, langsam und ideenlos. Von der viel besungenen Schnelligkeit hat am Betze bis heute niemand etwas gesehen, im Gegenteil. Er tut sich schwer Spielsituationen in diesem Tempo zu erfassen und reagiert dementsprechend langsam. Ähnlich präsentierte er sich auch gegen Hoffenheim, wobei jeder Spieler einen kleinen Bonus an Laufbereitschaft und Einsatzwille attestiert werden darf, durch das furiose Publikum. Wie Foda ausgerechnet in diesem wichtigen Spiel seinen Startelfeinsatz rechtfertigt, bleibt sein Geheimnis. Natürlich blieb Weiser im Hinspiel blaß und Fortounis scheint mit den Gedanken irgendwo zu sein, aber beide haben in der Vergangenheit bereits gute Spiele abgeliefert, was man von Drazan einfach nicht behaupten kann. Fehler Nummer 2 für Franco.

Die gesamte spielerische Last bliebt bei Alexander Baumjohann, den es jetzt wohl zu einem Erstligisten ziehen wird. Er spielte stark und rieb sich unheimlich auf, aber all sein Esprit und die Ideen verpufften recht schnell, nachdem er vor allem in der zweiten Halbzeit von 2-3 Hoffenheimern umstellt wurde. Der Spielaufbau des FCK war also extrem leicht zu durchschauen und mangels spielerischer Akzente die andere hätten setzen müssen, war man kaum in der Lage so etwas wie ein koordiniertes Angriffsspiel zu entfalten. Technisch starke Spieler wie Fortounis, Weiser oder auch Köhler fehlten, Bunjaku und Drazan gelang dahingehend nichts. Fehler Nummer 3 für Franco.

In der Innenverteidigung ersetzte Foda Heintz durch Orban, der seine Sache ordentlich erledigte. Beim zweiten Gegentor war er dann völlig unterlegen, gegen den viel größeren Verstergaard, den man im Raum kaum verteidigen kann. Der junge Däne kam mit ein paar Schritten Anlauf in den Strafraum und sprang so auch einige Stockwerke höher um den Ball im Tor unterzubringen. Warum man diesen starken Kopfballspieler nicht in Manndeckung nimmt, wird wieder nur Foda wissen. Die FCK-Spieler verteidigten bei den Standarts, aus welchen beide Gegentore am Betze resultierten, nur im Raum und waren so oftmals zu weit weg von den heranstürmenden Gegnern. Etwas, dass der FCK vor ein paar Saisons seinerseits hervorragend ausnutze, mit den Kopfballspielern wie Amedick, Rodnei oder Lakic. Das schon legendäre 5:0 zu Hause gegen Schalke 04 sollte sich jeder noch einmal anschauen, um zu verstehen worum es geht. Hoffenheim war die ganze Saison bei Standarts schwach, obwohl man den großgewachsenen Verstergaard und den Scharfschützen Sehad Salihovic hat. Das Gisdol jetzt an dieser Stelle etwas ändern würde, dürfte jedem im Vorfeld klar gewesen sein. Franco Foda wusste das anscheinend nicht.

Steven Zellner rückte für den verschobenen Orban ins defensive Mittelfeld, wo er neben Ariel Borysiuk die Zentrale dicht machte. Das gelang Zellner auch ganz gut, nur offensiv setzte er keinerlei Akzente. Zwei klassische Zerstörer in der Mitte brachten die Hoffenheimer kaum in Verlegenheit und man agierte Zeitweise eher mit einer 6er Abwehrkette. Natürlich durfte man dem Gegner nicht ins Messer laufen und früh ein Gegentor kassieren, aber spielerisch bedeutete das Magerkost. Köhler oder de Wit wären Alternativen gewesen und jedem Fan dürfte jetzt klar sein, wie wichtig Enis Alushi für das Mannschaftsgefüge war. Er spielte den Zwischenspieler zwischen Defensive und Offensive und erleichterte Baumjohann damit die Arbeit. Das wusste Foda auch und man legte nach, als Alushi den Rest der Saison ausfallen sollte. Nun verletzte sich dessen Ersatz Markus Karl auch so schwer, dass er nicht mehr spielen konnte. Zwangsläufig hätte das zu mehr Spielzeit für den wiedergenesenen Pierre de Wit oder Benjamin Köhler führen müssen, tat es aber nicht.

Mit mehr spielerischer Klasse auf den offensiven Positionen, hätte man den Riegel vor der Abwehr prima rechtfertigen können. Aber so blieb dem Team fast nichts anderes übrig als das Heil in langen Bällen auf Idrissou zu suchen, der mal wieder von Vestergaard gut abgedeckt wurde. Mo rieb sich auch in vielen Scharmützeln auf und sah aber in der Luft gegen den Dänen schlecht aus.

Das Zeugnis was der Stehgeiger dem Trainer Franco Foda ausstellt, ist sicherlich nicht mehr befriedigend. Zu plump und offensichtlich waren seine Marschroute und spielerische Linie für die ganze Saison. Wenn alles von einem einzigen Kicker abhängt, Baumjohann, dann können selbst Regensburg und Sandhausen diesen Mann zustellen. Der Trainer mit Stallgeruch fand oftmals keine Antwort auf die Anforderungen der Gegner und wechselte höchstens von 4-2-3-1 zu 4-4-2. Die gewachsene Spielidee fehlte und vorhandene Kicker machte er auch nicht besser. Der 1. FC Kaiserslautern ist ziemlich leicht auszurechnen und bringt kaum mal einen Überraschungsmoment.

Jetzt denken viele Fans daran, am Stuhl des Franco Foda zu sägen und ich selbst wäre dem Gedanken auch nicht abgeneigt. Trotzdem muss man ihm zugestehen, dass jeder Mensch (mit wenigen Ausnahmen) lernfähig ist. Ich hoffe die abgelaufene Saison wird genau analysiert und die eigenen Fehler offen gelegt. Von seinen Interviews kommt Foda eher etwas aufgeblasen und grobschlächtig daher, was hoffentlich nur mein Eindruck ist. Er scheint ein Trainer der „alten Schule“ zu sein, was zuerst einmal nichts schlechtes sein muss. Nur diesen von Dinosauriern und Selbstdarstellern geprägten Übungsleitern geht meist die Fähigkeit ab, eigene Fehler zu sehen.

Noch habe ich die Hoffnung, dass Foda auch einsieht, dass er einige Entscheidungen überdenken sollte. Sollte das nicht der Fall sein und er die Saison weiterhin als „Top-Saison“ mit unglücklichem Ausgang interpretieren wollen, muss er gehen. Dann hätte man auch gleich Milan Sasic halten können, dem man ja ähnliche Verfehlungen vorwarf, was die taktische Einstellung betrifft. Noch ist nicht aller Tage Abend für Franco, aber er muss aufpassen, dass sich nicht selbst ins Abseits manövriert. Stefan Kuntz ist nicht gerade zimperlich, was das Entlassen von Trainer betrifft.

Weitere Erkenntnisse und ein Blick in die Glaskugel im nächsten Teil!

In diesem Sinne

Stehgeiger

Geschichten ausm Paulaner-Garten – Tagesgeschäft oder doch Faszination 1/2013

Der Stehgeiger eröffnet eine neue Artikelreihe, die hoffentlich in Serie gehen kann. Dabei widmet er seine ganze Aufmerksamkeit einigen aktuellen Nachrichten aus Funk und Fernsehen rund um den Fußball.

Amsterdam

Der FC Chelsea darf sich jetzt auch Europa League Sieger nennen. In einem spannenden Spiel, ohne ganz große spielerische Momente, gewannen die Londoner gegen die portugiesischen Adler von Benfica Lissabon mit 2:1. Vor gut 26.000 Zuschauern erzielte Fernando Torres in der 59. Minute die Führung für Blau, ehe Óscar Cardozo per Handelfmeter ausgleichen konnte (68. Minute). Danach entbrannte eine hektische Partie, in jener Phase hätten beide Teams den Siegtreffer erzielen können. Der FC Chelsea hatte aber den üblichen Finaldusel und Branislav Ivanovic köpfte in der 3. Minute der Nachspielzeit zum Sieg ein. Es war ein Finale wie man es seit dem letzten Jahr von den Blues kennt. Feldunterlegen, uninspiriert und am Ende doch gewonnen. Haben die Engländer etwa Mitschnitte der Bayern aus den 90ern studiert? Rafa Benitez, der spanische Kellner an der Seitenlinie fand ein versöhnliches Ende seiner Amtszeit in London. Vielleicht schwenkt Abramowitsch doch noch um und verlängert den Vertrag mit dem unbeliebten Ex-Liverpooler, wie es auch schon mit Di Matteo geschehen war. Der lebenden Legende Eusebio auf der Tribüne dürfte das egal gewesen sein und Benfica wird sein Finaltrauma nicht los. Selbst der in Düsseldorf gefürchtete Luisao konnte die Niederlage nicht verhindern. Der Stehgeiger macht einen Vorschlag für den russischen Oligarchen im Besitz des FC Chelsea. Übernehmt die Idee des Trainergespanns aus good old Germany! Der finnische Recke Sami Hyypiä und Lewandowski (nein der spielt nicht selbst) oder auch Jogi und Klinsi machten es vor. Anstatt den wankelmütigen Mourinho aus Madrid zu holen, sollte Chelsea lieber Di Matteo und Benitez gleichermaßen engagieren. Damit stünde im nächsten Jahr alle Titelträger fest: nämlich nur der FC Chelsea!

Bremen

Eine Ära, wie man so schön sagt, geht zu Ende. Thomas Schaaf wird nicht mehr länger an der Seitenlinie poltern und Arnd Zeigler mit Informationen aus der Kabine versorgen. Jener Zeigler zeigte sich bei einem Radio-Interview mit WDR 2 sichtlich betroffen und musste aus seinen Lobpreisungen über den Menschen Schaaf, vom wenig sensiblen Moderator gerissen werden. Auch der Stehgeiger bereut das Ende Schaafs bei Weder Bremen. 14 Jahre, eine deutsche Meisterschaft sowie 3 DFB-Pokal Titel später stellt sich die Frage nach einem Nachfolger. Neue Impulse sollen her und es gibt Kandidaten die jene bringen sollen. Der Manager mit Eishockey-Erfahrung Thomas Eichin stellte erst kürzlich klar, dass es keine interne Lösung geben soll. Damit ist Otto Rehhagel aus dem Rennen. Nun kursieren Namen und der Stehgeiger hat die Lösung parat. Das personifizierte HB-Männchen Claus-Dieter Wolltitz, kurz Pele Wollitz, könnte direkt übernehmen. Man kennt den energiegeladenen Coach aus aktiven Zeiten in Kaiserslautern, oder auch auf dem Titelblatt der 11Freunde mit weißer Taube. Eben jener Wollitz katapultierte sich bei Aufstiegskandidat und Drittligist VfL Osnabrück ins Abseits, indem er sich bei einer Wutrede von den eigenen Fans filmen ließ. Ein Spielerversteher, Gottvater und Taktikfuchs wie Wollitz würde prima an die Weser passen und den Verantwortlichen endlich die ersehnten neuen Impulse geben. Wenn Elia und Arnautovic dann mal wieder für Schlagzeilen sorgen, war der Trainer wenigstens vor Ort. Ein Bild Artikel im Oktober 2013 könnte so aussehen: Werder Stars auf dem Oktoberfest – Skandal in München – Trainer Wollitz versprach zu zahlen, prellte aber die Zeche. Spieler kurzfristig festgenommen. Lemke muss aus Bremen einfliegen um die Saufbrüder wieder auszulösen. Uli Hoeneß tadelt aus der JVA Tegernsee.

Frankfurt/Miami

Der Kader für die USA-Reise der deutschen Nationalmannschaft steht fest. Für die zwei Freundschaftsspiel gegen Ecuador (29. Mai) und die USA (02. Juni) muss Löw auf 15 Spieler verzichten. Darunter alle Spieler des FC Bayern und Borussia Dortmund, die das Champions League Finale austragen. Außerdem fehlen unsere beiden Legionäre von Real Madrid, Sami Khedira und Mesut Özil. Miroslav Klose, Kevin Großkreutz und Sven Bender sollen nachreisen.

Als Debütanten hat Löw Max Kruse (SC Freiburg bzw. Borussia Mönchengladbach), Philipp Wollscheid und Sidney Sam (Bayer 04 Leverkusen) und Nicolai Müller (FSV Mainz 05) nominiert.

Auch einige Namen, die bereits in der Vergangenheit im Kader standen, fanden wieder Berücksichtigung: Aaron Hunt (Werder Bremen), Denis Aogo (Hamburger SV), Andreas Beck (TSG 1899 Hoffenheim) sowie Stefan Reinartz (Bayer 04 Leverkusen).

Vorab, diese Reise kann man eigentlich nicht unter normalen Umständen beurteilen, denn die besten deutschen Spieler fehlen. Weiterhin darf am sportlichen Wert dieses Trips gezweifelt werden, da stehen wohl eher wirtschaftliche und werbe-technische Interessen im Vordergrund.

Trotzdem wird auch Fußball gespielt und den Stehgeiger freut es, dass mit Sidney Sam ein Ex-Lautrer dabei sein wird. Sidney hatte wirklich Pech mit Verletzungen und kam eigentlich fast immer wieder stark zurück. Gerne erinnert man sich an seine beiden Jahre im Trikot der Roten Teufel und rauft sich heute noch ärgerlich die Haare, dass man ihn nicht am Betze halten kann. Etwas verwundert hat mich die Nachricht dann schon, war ich davon ausgegangen, dass Sam lieber für Nigeria auflaufen würde. Im Kicker gab es eine Meldung im November des letzten Jahres dazu. Wie seine Chancen auf einer dauerhafte Karriere in der DFB-Elf aussehen, mag ich nicht beurteilen. Sollte er mal einen längeren Zeitraum fit bleiben, ist er sicherlich ein Kandidat.

Heimlich still und leise meldete sich auch der ehemalige Bremer Disco-Tänzer Aaron Hunt zurück. Trotz Bremer Schwierigkeiten wusste Hunt zu überzeugen und verbuchte 11 Tore und 6 Vorlagen. Nach langer Zeit löste Hunt in dieser Saison das Versprechen ein, welches sein Talent bereits in jungen Jahren gab. Er spielte konstant und war einer der Lichtblicke in einer tristen Bremer Mannschaft.

Max Kruse hat sich die Nominierung auch völlig verdient, denn er spielte die Saison seines Lebens. Natürlich profitiert er von den Absagen der Stammspieler und es bleibt fraglich, ob er überhaupt Berücksichtigung gefunden hätte, wären alle an Bord. Trotzdem wird Jogi Löw immer ein Auge aufs Breisgau haben und liegt damit völlig richtig.

Nicolai Müller, unabhängig von Mainz 05, ist dem Stehgeiger nicht so sehr aufgefallen. Sicherlich hat er einen Schritt gemacht, aber gleich Nationalspieler halte ich doch für arg verfrüht. Er verbesserte sich in dieser Saison erheblich, aber konnte sein Können nie auf hohem Niveau beweisen, oder war so entscheidend für seine Farben wie Max Kruse.

Philipp Wollscheid rückt wohl auch nur nach, weil die Innenverteidiger fehlen. Der mit vielen Vorschusslorbeeren gekommene Ex-Nürnberger tat sich lange schwer in Leverkusen. Er eroberte sich zwar einen Stammplatz und spielte ordentlich, hat aber nie so überzeugt, dass er in einem Atemzug mit Mats Hummels, Holger Badstuber oder Jerome Boateng genannt werden kann. Gerade in der Europa League gegen den späteren Finalisten Benfica Lissabon wirkte er anfällig. Bei ihm wird man abwarten müssen, wie er den Anforderungen der Königsklasse in der kommenden Saison gerecht werden kann.

Wie Löw Andreas Beck und Denis Aogo nominieren konnte, wird sein Geheimnis bleiben. Beck spielt in einer desaströsen Hoffenheimer Hintermannschaft und schaffte es als Leader auch nicht in Erscheinung zu treten. Der Stehgeiger ist der Meinung, dass Beck viel von seiner Dynamik und dem Esprit, welcher ihn vor ein paar Jahren auszeichnete verloren hat. Selbiges gilt auch für Denis Aogo. Der HSV spielte in dieser Saison so, wie sich Mariah Carey hinter der Bühne aufführt. Aogo war quasi das Flaggschiff der Wankelmütigkeit was die Leistungen des HSV betrifft. Ob da die Freiburger Vergangenheit eine Rolle spielt? Damals als junger Mann bei den Breisgauern, dachten viele er mache eine Weltkarriere. Ballsicher, nervenstark beim Elfmeter und mit klugen Pässen spielte er sich in viele Notizbücher. Heute bleibt dieses Versprechen eines Super-Profis. Allerdings agierte er dort im defensiven Mittelfeld und ackert nun hinten links, wo eine der Schwachstellen des deutschen Kaders liegen kann.

Stefan Reinartz hat es auch geschafft, mal wieder nominiert zu werden. Der flexible Defensivmann ist ein Lückenfüller ohne groß zu glänzen. Solche Klavierträger braucht jedes Team und mangels Alternativen wurde er nominiert. Reinartz ist ein solider und nüchterner Arbeiter, den man bringen kann, wenn man weiß was er bringen kann. Der Rollenspieler dürfte sich gut einfügen, aber wenn alle an Bord sind, wird es geradezu unmöglich für ihn dauerhaft ein Thema zu werden. Dafür sind Jogis Männer im defensiven Mittelfeld viel zu stark bestückt. Reinartz geht auch fast jeglicher Offensivdrang ab. Ein klassischer Staubsauger eben, der auch in der Innenverteidigung einsetzbar ist.

Gehen sie davon aus, dass wenn Gonzalo Castro (Bayer 04 Leverkusen) fit wäre, jener sicherlich eine Nominierung ins Haus bekommen hätte. Der Allrounder spielte in Teilen dieser Saison ganz hervorragend in vorgezogener offensiver Position. Nur wird ihm dieses Polyvalenz irgendwann zum Fluch werden. Wo setzt man ihn denn ein? Rechtsverteidiger, defensives Mittelfeld oder offensive Außenbahn? Fast überall erledigt er seine Sache ordentlich bis gut. Was Castros Mannschaftskollegen Stefan Kießling betrifft, ist bereits alles gesagt und geschrieben worden. Man kann von ihm halten was man will, aber wenn man den besten deutschen Torjäger der laufenden Bundesliga-Saison (er könnte auch noch Torschützenkönig werden) dauerhaft außen vor lässt, kann das nicht rein sportliche Gründe haben. Kießling ist auch nicht im biblischen Alter und erlebt seinen zweiten Frühling. Taktische Vorgaben, System oder spielende 9 hin oder her, nimmt man ihn selbst zu dieser besseren Kaffee-Fahrt in die USA nicht mit, muss etwas mehr dahinter stecken. Jogi achtet ja sehr auf das Teamklima, dass heißt wer kritisiert fliegt. Was auch immer Stefan Kießling verbrochen haben mag, er sollte Ahnenforschung betreiben und in „Paulo-Rink-Manier“ woanders anheuern. Ich bin sicher etliche Fußballnationen wären froh einen wie ihn dabei zu haben.

Vielleicht ein Land wo es warm ist und die Sonne scheint. „Stefanos Kießling trifft für Griechenland!“ ; „Mehmet Kießlingütz erzielt Doppelpack für die Türkei!“ ; „Stefanov Kießlov erzielt Siegtreffer für Bulgarien gegen Deutschland! Nationaltrainer Krassimir Balakov außer sich vor Freude.

Abschließend muss diese USA-Reise ein neuen Leitspruch bekommen. Anbei die Vorschläge des Stehgeigers: „DFB big in America – Stefan-Paßlack-Alarm in Übersee“, „How to do it in the US – Sebescen reloaded“ ; „Jogis Resterampe goes Springsteen“ oder auch „ DFB-Team meets Barack Odonkor“.

In diesem Sinne

Euer Stehgeiger