Es wird eng in der Mitte – Kaderplanung für die Saison 2013/2014

Die U-19 des 1. FC Kaiserslautern verlor das DFB-Junioren Pokalfinale in Berlin mit 0:1 gegen den 1. FC Köln. Das Spiel war auf Sport1 zu sehen und ich hoffe, dass so mancher FCK-Fan eingeschaltet hat, um sich ein Bild von den Talenten zu machen. Tragischerweise waren fast alle Leistungsträger der Vorrunden und des Ligabetriebes nicht gerade in großer Form.

Hajtic, Rodriguez und auch Salinger spielten weit unter dem, was sie in vorangegangenen Partien gezeigt hatten. Dem jungen Torwart unterlief ein Fehler beim Herauslaufen, assistiert durch die schwache Abwehr vom eingewechselten Antonaci, welchen die Domstädter nutzen um die Führung zu erzielen. Danach war es ein munteres Spiel, wobei dem FC in der 2. Halbzeit mehr gelang. Die Chancen zum Ausgleich waren da, Halil Hajtic vergab zwei mal in aussichtsreicher Position.

Jetzt gilt die volle Konzentration der Aufstiegsrunde gegen die Offenbacher Kickers. Gerüchten zu folge steht Stefan Kuntz in Verhandlungen mit Halil Hajtic und Mario Rodriguez Jr. Vielleicht sieht man die zwei Jungs im Trainingslager schon wieder. Kapitän Michael Schindele hat bereits einen Vertrag und wird voraussichtlich für die U-23 Mannschaft auflaufen. Viele andere talentierte Kicker wie Salinger, Pick, Osei-Kwado und Kyere-Mensah könnten noch ein weiteres Jahr A-Jugend spielen, was ihrer Entwicklung nicht schaden dürfte. Besonders wenn der FCK es zurück in die U-19 Bundesliga schafft.

Es kursieren viele Transfergerüchte rund um den Betzenberg. Feststehende Abgänge sind wohl Erwin Hoffer (SSC Neapel) und Mitchel Weiser (zurück zum FC Bayern München), mit beiden plant man nicht mehr. Weiterhin ist der Vertrag von Alexander Baumjohann abgelaufen, welcher mit Hertha BSC, Hannover 96 und dem FC Augsburg in Verbindung gebracht wird. Bereits verabschiedet sind Chadli Amri und Matze Abel (beide Ziel unbekannt).

Außerdem scheint der SV Sandhausen an einer Verpflichtung von Denis Linsmayer interessiert zu sein, vermeldet bei www.transfermarkt.de.

Der Rückkehrer Richard Sukuta-Pasu (Sturm Graz) hat wohl auch einige Angebote aus der zweiten Bundesliga vorliegen. Unter anderem soll der VfL Bochum und der Karlsruher SC seine Fühler ausgestreckt haben. Foda hatte in der Vergangenheit betont, dass man Sukuta-Pasu nicht abgeben wolle, nach einer Hinrunde mit 10 Toren für die Grazer. Es kamen aber nur zwei weitere Tore dazu und im Sturm herrscht ein Überangebot. Ich könnte mir einen Verkauf gut vorstellen, da Sukuta-Pasu auch in Österreich nicht zweifelsfrei seine Klasse nachweisen konnte.

Ein weiteres prominentes Gesicht kehrt aus dem Mutterland des Fußballs zurück. Itay Shechter, einst „Königstransfer“ und Ersatz für Srjdan Lakic, konnte bei seiner Leihe in der englischen Premier League keine Ausrufezeichen setzen. Für Swansea City kam er nur auf ein mageres Tor und eine Vorlage in 18 Einsätzen. Die Waliser haben keine weitere Verwendung für den sechsundzwanzigjährigen Israeli. Insider aus Israel berichten bei www.transfermarkt.de, dass drei große Vereine aus der heimischen Liga Shechter wollen. Eine mögliche Ablöse soll sich im Bereich von 1 Million € bewegen. Ich denke das Kapitel Shechter wird vom 1. FC Kaiserslautern beendet, denn er konnte weder in der 1. Bundesliga, noch der englischen Eliteklasse sein Können zeigen. Mit der spekulierten Ablöse muss man sich aus FCK-Sicht wohl abfinden, denn Shechter betrieb keine Marktwertsteigerung. Die 2,5 Millionen € die man einst für ihn zahlte, wird man leider nicht mehr wieder sehen. Da noch keine offiziellen Gerüchte nach Außen gedrungen sind (Printmedien, Internet etc.), kann es auch sein, dass Itay zum Betze zurückkehrt. Vielleicht kann er in der zweiten Liga überzeugen, aber man muss sich fragen, ob a) Shechters Gehalt zu zahlen ist und b) der Spieler in der zweiten deutschen Spielklassen kicken möchte?

Zu Leon Jessen und Ilian Micanski (Leihe FC Ingolstadt), Andrew Wooten (SV Sandhausen) und Jakub Swierzcok (Piast Gliwice) ist noch nichts bekannt geworden.

Auf der Seite der Neuzugänge steht aktuell nur Marcel Gaus vom FSV Frankfurt, der hier bereits diskutiert wurde. Weiterhin wird seit dieser Woche um zwei potentielle Namen spekuliert.

Ruben Yttergard Jenssen von Tromso IL aus Norwegen steht laut norwegischen Medienberichten (www.nrk.no) bereits vor einer Vertragsunterschrift. Demnach soll der zentrale Mittelfeldspieler einen 3-Jahresvertrag unterschreiben, lediglich Medizin-Check und die Unterschrift fehlen. Für den norwegischen Nationalspieler sollen 250.000 € plus erfolgsabhängige Zuzahlungen überwiesen werden. Der einst in Norwegen als großes Talent gepriesene Jenssen agiert zumeist auf der Doppel-6, aber als offensiver Part mit spielgestalterischen Fähigkeiten. Ein Manko, dass Trainer Franco Foda und Stefan Kuntz definitiv beheben müssen, wie die Relegationsspiele zeigten.

Der Konkurrenzkampf um die zentralen Positionen wird also größer, auch wenn Linsmayer möglicherweise den Verein verlässt.

Ein weiterer Spieler aus dem hohen Norden Europas steht angeblich auch kurz vor einer Einigung mit den Roten Teufeln. Alexander Ring, finnischer Nationalspieler, soll auch noch diesen Monat in Kaiserslautern unterschreiben. Details über die Verpflichtung wurden nicht bekannt, kennt man den jungen Finnen aus Gladbach. Dort spielte er meist als Aushilfskraft auf der rechten Außenbahn, obwohl er von Haus eher als zentraler Mittelfeldspieler bekannt war.

Der Kicker berichtet, dass der FCK Ring gerne für ein Jahr ausleihen möchte.

(www.kicker.de/news/fussball/2bundesliga)

Der finnische Nationalspieler hat noch bis 2015 bei HJK Helsinki Vertrag. Eine Ausleihe macht den Transfers realistischer, denn selbst Borussia Mönchengladbach wollte nicht die Kaufoption in Höhe von 1,5 Millionen € zahlen. Für den FCK scheint ein Kauf in dieser Größenordnung in der 2. Bundesliga ungewöhnlich. Alexander Ring zeigte bei seinen Einsätzen für die Fohlen aus Gladbach bereits gute Ansätze und verfügt über eine starke Grundschnelligkeit, sowie ansprechende Technik. Der Trainer Lucien Favre, für seine anspruchsvolle Spielaufteilung bekannt, machte bei dem Zweiundzwanzigjährigen noch taktische Mängel aus. Vielleicht kommen jene Mängel unter Franco Foda in Kaiserslautern nicht so sehr zum Tragen. Er ist ein interessanter junger Spieler, der bereits internationale Erfahrung hat.

Blickt man genauer auf diese beiden potentiellen Transfers, so erkennt man das Foda und Kuntz durchaus gemerkt haben, wo bei der Mannschaft der Schuh drückt. Es fehlen Spieler die das Geschehen ordnen und Angriffe kreativ vortragen. Weiterhin ist das Umschaltspiel sehr ausrechenbar und einseitig (A. Baumjohann), da soll der Norweger Jenssen für Abhilfe schaffen.

Betrachtet man die Spieler, die eine Rolle im defensiven Mittelfeld spielen können, muss man fast zwangsläufig mit weiteren Abgängen rechnen. Mit Markus Karl, Enis Alushi, Denis Linsmayer, Ariel Borysiuk, Steven Zellner als gelernte defensive Mittelfeldakteure und Mimoun Azaouagh, Pierre de Wit und Benjamin Köhler als offensivere Varianten hat man bereits eine Menge Material für die Zentrale. Darunter befinden sich mit Karl, Borysiuk, Alushi und Köhler gleich vier Kicker die Stammplatzambitionen geltend machen. Natürlich bleibt zu bedenken, dass Karl und Alushi von Verletzungen zurückkehren und erst einmal die Form wiederfinden müssen. Trotzdem zeichnet sich Stand jetzt ein Überangebot ab.

Steven Zellner verlängerte kürzlich und dürfte als Rollenspieler behalten werden.

Ariel Borysiuk besitzt großes Potential, ruft jenes aber nicht immer konstant ab. Er hatte aber neben Baumjohann das beste Pass-Spiel in der gesamten Mannschaft. Ihn zu halten wird wichtig sein, auch wenn es immer mal Angebote für den Polen gab. Fraglich ist, ob er ein weiteres Jahr in der 2. Liga spielen will, was seiner Nationalmannschaftskarriere nicht dauerhaft förderlich sein kann. Bei einem finanziell verlockenden Angebot, könnte er transferiert werden. Aber im Grunde muss man ihn als Eckpfeiler dieser Truppe behalten.

Für Pierre de Wit verlief die Saison enttäuschend. Von Verletzungen geplagt schaffte er es selten in Kader und machte auch seinem Ärger darüber Luft. Für ihn sehe ich eigentlich keine weitere Zukunft mehr in Kaiserslautern, denn mit Jenssen und Alushi hat er starke Konkurrenz vor sich.

Mimoun Azaouagh hatte auch mit Verletzungen zu kämpfen, spielte relativ wenig. Bei ihm gibt es noch die Option, dass er flexibel einsetzbar ist. Eine tragende Rolle traue ich ihm nicht zu und bei einem akzeptablen Angebot könnte er Kaiserslautern wieder verlassen.

Selbiges gilt auch für Benjamin Köhler. Selten zeigte er ansprechende Leistungen, wie im Heimspiel gegen den FSV Frankfurt. Aber auch der routinierte Mittelfeld-Allrounder könnte als Ergänzungskraft zu Spielen kommen. Ob er sich damit zufrieden gäbe? Wechselte er doch von Eintracht Frankfurt an den Betze um regelmäßiger zu spielen.

Mit Alexander Ring kommt in erster Linie ein Mann für die rechte Außenbahn, obwohl er in Finnland als zentraler Mittelfeldspieler bekannt und geschätzt ist. Also mal wieder jemand der polyvalent einsetzbar ist, wie es im Fachjargon heißt. Ich hätte mir lieber einen reinen Außenläufer gewünscht, kann mich aber mit Ring und seinem Talent durchaus anfreunden. Die klare Definition von Positionen und Positionsspiel zählte in den letzten Transferperioden nicht zu den Stärken der handelnden Personen.

Es bleibt abzuwarten, was sich noch so tut. Wie schon erwähnt, es wird wieder ein ereignisreicher Sommer. Hoffentlich halten sich die Zugänge in Grenzen, denn im Grunde fehlt nur noch ein offensiver Mittelfeldspieler (10er).

In diesem Sinne

euer Stehgeiger

Werbeanzeigen

Als Hopp das rote Kaninchen stahl – Die Relegation und ihr Ende Teil 2/2

Habt ihr euch jemals gefragt, wohin der 1. FC Kaiserslautern will?

Natürlich, in die erste Bundesliga und an die Fleischtöpfe. Langfristig also zurück an die Spitze.

Nur wie will man dieses Ziel erreichen?

Da sind sich alle Experten uneinig. Die Relegationsspiele gegen die TSG Hoffenheim von 1899 zeigten deutlich, dass man spielerisch kaum in der Lage ist einen schwachen Erstligisten unter Druck zu setzen. Ja, man kann argumentieren, dass es mit der Fortuna aus Düsseldorf einfacher gewesen wäre. Aber hätte, hätte Fahrradkette. Der Gegner lautete nun mal Hoffenheim und in einem Jahr Bundesliga muss man sowieso zahlreiche Teams bekämpfen, die durch ihr spielerisches Potential schwierig sind.

Es mag auch sein, dass die kommende Saison sportlich leichter wird als die Abgelaufene. Mit Greuther Fürth und Fortuna Düsseldorf kommen zwei Vereine runter, die nicht unbedingt Albträume verursachen. Trotzdem wird das kein Selbstläufer. Vereine wie Energie Cottbus, FSV Frankfurt, 1860 München, 1. FC Köln und Union Berlin hatten jetzt ein Jahr Zeit etwas zu entwickeln und rüsten sich bereits. Denn auch diese Clubs sehen ihre Chance gekommen, endlich am Oberhaus anzuklopfen. Hinzu kommen vielleicht die ein oder andere Überraschungsmannschaft wie der Vfr Aalen (sollten sie die Lizenz zweifelsfrei erhalten) und der VFL Bochum mit Trainer Peter Neururer.

Man kann also nicht davon ausgehen, dass der 1. FC Kaiserslautern die neue Saison dominieren wird und sicher aufsteigt. In den kommenden Jahren wird der Abstand zur gewünschten Top16 Deutschlands immer größer, durch den wirtschaftlichen Nachteil. Dazu gesellt sich dann auch ein Club wie RasenBallsport Leipzig, der mit Macht in die 1. Bundesliga will. Die Möglichkeiten der Red Bull Vereins (wobei der Name Verein wirklich eine Zumutung ist, für eine Organisation ohne richtige Mitglieder unter den Fans) werden die des 1. FC Kaiserslautern immer übersteigen.

Einfallsreichtum und Kreativität sind gefragt, sollte man sich irgendwie mittelfristig in der höchsten deutschen Spielklasse sehen.

Wenn es so aussichtslos ist, warum dann überhaupt probieren?

Ein paar Vorteile wird der 1. FC Kaiserslautern einigen Clubs gegenüber immer haben. Das Fanpotential/Anziehungskraft ist riesig und der FCK bleibt auch noch die nächsten 20 Jahre auf Grund seiner Geschichte relevant. Eine Relevanz, die man in Hoffenheim und Leipzig erst noch erschaffen muss. Hoffenheim hat mit der gewonnenen Relegation einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Die Spieler sind zusammengewachsen und ich gehe fest davon aus, dass man in der neuen Saison oben mitspielt. Psychologisch dürfte da einiges passiert und für das Image wurde viel getan.

Sportlich gesehen ist man schon jetzt im Hintertreffen und über die wirtschaftlichen Verhältnisse braucht man nicht zu reden. Selbst Clubs wie FSV Mainz 05, Hannover 96, SC Freiburg und der FC Augsburg sind uns enteilt.

Eine Möglichkeit wäre, auf den eigenen Nachwuchs zu setzen. Das wird hierzulande überall groß geschrieben und Jugendarbeit bei jedem Club mit Argusaugen überwacht. Wer ist Stiefkind aus der Sparte der populären Clubs? Richtig gedacht, der FCK. Jahrelang hat man sich gar nicht gekümmert und jetzt soll alles ganz schnell gehen, bevor man völlig den Anschluss verpasst. Ich möchte jetzt weniger auf die finanziellen Details des NLZ-Ausbaus eingehen, welcher im Argen liegt. Eher möchte ich beleuchten, wie man bereits in der kommenden Saison die Weichen stellen kann.

Wer den Blog und die Jugendarbeit des 1. FC Kaiserslautern verfolgt, der kennt meine Meinung zu dem Thema. Sagen wir es so, unsere A-Jugend spielt gerade eine historisch erfolgreiche Saison.

Wird man jetzt viele der Leistungsträger in der ersten Mannschaft sehen? Es bleibt zu hoffen aber wetten würde ich darauf nicht. Dabei bieten sich gerade jetzt in der Kaderplanung Möglichkeiten, junge Leute einzubringen. Baumjohann wird gehen, Hoffer wird man kaum verpflichten (er lieferte auch kaum Argumente dafür), Torrejon wird sicherlich von potenteren Clubs umworben werden, selbiges gilt wahrscheinlich auch für Fortounis (der innerlich mit Kaiserslautern abgeschlossen zu haben scheint), Weiser wird in die erste Liga verliehen, Borysiuk könnte gehen. Auf der Abschussliste stehen außerdem noch Abel, Amri, Shechter, Jessen und andere Namen. Ein großer Umbruch steht mal wieder ins Haus.

Man muss der Realität ins Auge schauen. Der FCK kann nicht damit rechnen, kommende Saison direkt aufzusteigen. Ein so glückliches Händchen auf dem Transfermarkt wird es nicht geben, bei den klammen Finanzen. Oberstes Ziel für mich wäre jetzt, eine Identität zu finden und den Club neu auszurichten.

Wie erschaffe ich eine übergreifende Spielidee und eine Vereinsidentität?

Manche werden sagen, beides ist schon vorhanden: Kämpfen und Einsatz bis zum Umfallen.

Aber diese beiden großen Betze-Tugenden sind nicht mehr exklusiv auf Kaiserslautern zu reduzieren. Alle erfolgreichen Mannschaften haben ein aufwendiges Laufspiel, unter dem modernen Stichwort Pressing. Musste früher mancher Sportjournalist das Wort noch nachschlagen und punktete bei Verwendung mit dem Fremdwortbonus, so ist es heute schon ein negatives Urteil, wenn eine Mannschaft nicht Pressing spielt. „Unser Spiel gegen den Ball war schlecht.“ , „Das Gegenpressing des Gegners hat es uns nicht leicht gemacht.“ , in allen Variationen hört man diesen Begriff auf Deutschlands Fußballplätzen. Einsatz und Laufbereitschaft sind also keine Tugenden mehr, sondern einfache Grundvoraussetzungen für modernen Fußball.

Was ist jetzt mit dem Kampf? Ja, den Kampf kann man noch gelten lassen. Wobei es heute vielen Mannschaften zugeschrieben wird, die spielerisch nichts auf die Kette bekommen. So hat der 1. FC Kaiserslautern zwar aufopferungsvoll gekämpft, aber es reichte nicht gegen Hoffenheim. Der Faktor Kampf kann Spiele entscheidend beeinflussen, aber nicht mehr auf dem Level, wie es vor 20 Jahren möglich war. Mannschaften lassen sich nicht mehr so schnell durch Härte und physisches Spiel beeindrucken. Durch lange Ballstafetten in den eigenen Reihen lässt man den Gegner laufen und jener verliert mit der Zeit die Kraft zum Kämpfen.

Eine übergreifende Spielidee muss also mehr sein, als verstaubte Tugenden, die heute fast jeder Club irgendwie für sich beansprucht. Es geht zuerst einmal darum, ein Positionsspiel zu fixieren. Zum Beispiel sollte jeder Linksverteidiger, der sich in den Mannschaften tummelt (C-Jugend bis Profi), gewisse Abläufe kennen und Fähigkeiten entwickeln. Wie diese Fähigkeiten dann aussehen, hängt vom jeweiligen Spielsystem ab. Will man das der Linksverteidiger sich häufig in die Offensive einschaltet und „hinterläuft“, so muss er Flanken, Dribbling und Antritt üben. Gerade die Anforderungen an die Außenverteidiger sind in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Niemand braucht mehr wirklich 4 Verteidiger in der Hintermannschaft. Der RV und der LV sind Hybriden aus Mittelfeldspieler, Stürmer und Verteidiger geworden. Hat ein Außenverteidiger zum Beispiel wenig Torbeteiligungen, wird er sofort mit anderen Augen betrachtet.

Bestes Beispiel ist David Alaba vom FC Bayern München. Louis van Gaal sah in ihm das Potential zum Linksverteidiger, Marcel Koller sieht ihn (auch mangels Alternativen) als offensiven Mittelfeldspieler und bevor er zur TSG aus Hoffenheim verliehen wurde, galt der junge Österreicher als defensiver Mittelfeldspieler. Bei den Bayern spielt er seine Rolle so stark, dass man endlich das Rätsel um die Position von Philip Lahm gelöst hat (RV). Der Erfolg gibt Heynckes natürlich recht.

Also feste Positionsanforderungen fixieren, ausgerichtet am jeweiligen Spielsystem.

Welches Spielsystem sollte man den spielen?

Das hängt vom vorhandenen Personal und dem Trainer ab. Jeder Trainer muss heute ein Konzepttrainer sein und jeder der keiner sein will (Neururer, Rangnick und Daum), war das schon vor 10 Jahren. Nur die Vorreiter steckten den Spott ein, wie üblich. Wie genau jetzt der Trainer die Spieler auf dem Feld positioniert, ist eigentlich für die Vereinsentwicklung unerheblich. Wichtiger ist wirklich, dass jeder Spieler der da nachrückt, sein Anforderungsprofil genau kennt. Jeder kann seine Rolle noch persönlich interpretieren, aber die Grundlagen müssen bei allen stimmen.

Der SC Freiburg zum Beispiel spielt mit hoher Wahrscheinlichkeit einen anderen Fußball, als die altehrwürdigen Breisgau-Brasilianer, die in den 90ern nicht nur die Bayern das Fürchten lehrten. Trotzdem sind einige Dinge aus dieser Zeit überliefert. Sicheres Passspiel, ständiges Verschieben und mutige Offensivkombinationen. Das kann manchmal ein Jahr sehr gut funktionieren, oder aber auch in die Hose gehen. Wichtig ist aber, die Grundgedanken bleiben unabhängig vom Personal. Oder wer hatte den SC nach dem Abgang vom Papiss Cissé noch auf der Rechnung? Oder wer wird ihnen den Klassenerhalt zutrauen, wenn sie Max Kruse, Daniel Caligiuri, Johannes Flum und Jan Rosenthal verlieren. Das sind fünf Spieler die regelmäßig in der Startelf standen. Ein großer Aderlass und vielleicht muss der SC Freiburg um die Ligazugehörigkeit bangen. Trotzdem wird man seinen Leitfaden nicht verändern, denn Ziel bleibt es unter den besten 20 Mannschaften Deutschland zu verweilen. Finanziell ist man in sicherem Fahrwasser und träumt sogar von einem neuen Stadion. Auch durch die Verkäufe der oben genannten Spieler. Bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass der SC zwischen 2005 und 2009 4 Jahre (!) in der zweiten Bundesliga spielte. Dem Totenbett vieler Traditionsvereine mit Ambitionen und historischem Anspruch.

Ohne den SC Freiburg glorifizieren zu wollen, darf man sich den Verein gerne zum Vorbild nehmen. Natürlich werden manche Dinge immer anders in Kaiserslautern laufen, aber was die bundesweite Bedeutung angeht, gibt es durchaus Parallelen. Früher belächelt, schaut man heute neidisch auf die Arbeit im Breisgau und das Jungendzentrum.

Zusammenfassend muss man also festhalten, dass der 1. FC Kaiserslautern für sich einen Rahmen festlegen muss, den er von personellen Entscheidungen unabhängig behält. Jener Rahmen umfasst die Positionsausbildung der Spieler und die generellen Anforderungen an das Spiel.

Wie setzt man so etwas durch?

Hier gibt sich die Antwort von selbst, durch entsprechendes Personal. Mit Konrad Fünfstück wurde ein wichtiger Baustein installiert, der mich für die Zukunft hoffen lässt. Er koordiniert die Jugendarbeit und trainiert nebenher noch die U-23 Mannschaft. Fünfstück sitzt am Steuer, um bereits bei den Jüngsten gewisse Abläufe innerhalb der Ausbildung zu überwachen.

Weiterhin wird in den einschlägigen Foren über einen Sportdirektor diskutiert.

Was macht ein Sportdirektor?

Er vertritt den Verein nach Außen, wickelt Verkäufe und Zukäufe ab, verhandelt Vertragsverlängerungen/Auflösungen und bei ihm laufen die Informationen der Scouts zusammen. Er bildet eine sehr wichtige Schnittstelle zwischen dem eigentlichen Spielbetrieb und der Arbeit im Hintergrund. Bei anderen Vereinen funktioniert diese Konstellation sehr gut.

Duffner beim SC Freiburg (jetzt H96), Schmadtke ehemals bei Hannover 96 (erfolgreiche Transfers trotz vieler Unstimmigkeiten zwischen Slomka und Schmadtke), Max Eberl bei Borussia Mönchengladbach, Heidel in Mainz und Susi Zorck beim BVB zum Beispiel. Selbst in der zweiten Liga gibt es diese Rollen; Marc Arnold (Braunschweig), Stefan Menze (Dynamo Dresden), Frank Schäfer (1. FC Köln), Christian Beeck (FC Energie Cottbus), Rachid Azzouzi (FC St. Pauli), Uwe Stöver (FSV Frankfurt), Ottmar Schork (SV Sandhausen) und Franz Gerber (Jahn Regensburg). Michael Preetz fungiert bei Hertha BSC mehr oder weniger erfolgreich in ähnlicher Verantwortlichkeit unter anderem Namen (Geschäftsführer Sport).

Unser FCK beschäftigt Roger Lutz und Marco Haber als Teamkoordinatoren, was beim FC Köln Kadermanager (Jacobs) heißt. Ich kann nur schätzen, was die beiden Ex-Spieler so machen. Sie arbeiten wahrscheinlich an Belangen rund um den Spielbetrieb und die Trainingsarbeit, kümmern um Spieler und helfen jenen bei unterschiedlichen Dingen (Wohnungssuche, Eingewöhnung in Deutschland etc.). Vielleicht überwachen sie auch die Entwicklung von verliehenen Kickern, aber bei Transferentscheidungen haben wohl beide keine Mitsprache.

Transfers laufen beim FCK folgendermaßen ab. Entweder Kuntz holt die Leute in Eigenregie (Bunjaku, Azaouagh, Alushi wurden ohne Trainer verpflichtet), oder die Wünsche des Trainers werden erfüllt (Drazan). Andere werden wohl in Übereinkunft der beiden verpflichtet. Ein Sportdirektor würde Stefan Kuntz in diesem Bereich erheblich entlasten, so dass er sich als Repräsentant und Vereinsboss um organisatorische Dinge kümmern kann (Sponsoring, administrative Aufgaben etc.). Natürlich wird er weiterhin das letzte Wort bei Transfers haben, aber ein sportlicher Leiter oder klassisch Manager mit eigenem Netzwerk kann die Bandbreite der möglichen Entscheidungen erhöhen.

Ein Triumvirat um den Trainer (was braucht er), den Vereinschef (der den finanziellen Rahmen kennt) und einem sportlichen Leiter (Scoutinginfos, Netzwerk, Vertragslage) dürfte effektiver Arbeiten als ein Duo. Dabei hat der Sportdirektor die wichtige Aufgabe darauf zu achten, dass das künftige Personal (Trainer, Spieler) auch dem generellen Anforderungsprofil des FCK (Spielidee) entspricht. Auch der Trainer muss nicht mehr zwingend mit Spielern Kontakt aufnehmen, sondern hat mehr Zeit für die Arbeit als Übungsleiter.

Eine gute Sache also, die bundes- und weltweit funktioniert. Nur nicht beim FCK. Warum ist das so?

Stefan Kuntz sagte zum Thema, dass es ein Fehler war im zweiten Bundesligajahr keinen Sportdirektor eingestellt zu haben. Okay, das haben wir vernommen. Wenn man den Fehler kennt, warum kommt dann jetzt keiner? Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Kuntz argumentierte damit, dass ein Sportdirektor finanzielle Mittel verschlingt, die man sonst nicht in den Kader stecken kann. Sprich, ein sportlicher Leiter kostet Gehalt, genauso wie ein möglicher Leistungsträger. Und jenes Gehalt wäre in der 1. Bundesliga leichter zu stemmen, als in der 2. Liga. Okay, soweit so gut. Nun hat man aber gesehen, dass etliche Transfers und Personalentscheidungen gehörig in die Hose gingen und den Druck auf Foda/Kuntz erhöhten. Hoffer, Drazan, Köhler, Azaouagh, Hajri, Nsor, konnten den Anforderungen nicht gerecht werden. Ohne zu erwähnen, dass andere Vereine in der 2. Bundesliga und sogar der 3. Liga einen Sportdirektor haben. Dabei knabbern nicht alle am Hungertuch oder stehen kurz vor der Insolvenz.

Wobei man natürlich auch hier von Fall zu Fall abwägen muss: Was erwarte ich von den Spielern? Nicht jeder kann Stammspieler sein und eine Mannschaft braucht Rollenspieler. Dahingehend kann man Azaouagh und Hajri als Rollenspieler bezeichnen. Meine Meinung zum Thema ist, dass man jene Kaderplätze auch mit jungen, hungrigen Spielern aus dem eigenen Unterbau besetzen kann, aber das steht auf einem anderen Blatt. Nsor wurde als Talent geholt, aber er wusste nicht in der ersten Mannschaft zu überzeugen. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber als Nicht-Europäer durfte er nicht in der U-23 spielen. Okay, eine Leihe wurde angestrebt und konkretisierte sich nicht. Das Ergebnis ist eine sogenannte Kaderleiche. Für die Kampfmannschaft als zu leicht befunden, in der Zweiten nicht spielberechtigt und auch nicht weiterverliehen. Nsor trägt also seinen Trainingsanzug spazieren und darf beim 2 gegen 5 in der Mitte stehen. Ins Wintertrainingslager durfte er nicht mehr mit, vielleicht auch um die Hotelkosten zu senken. Das ist eine katastrophale Entwicklung für den Verein und den Spieler. Der Spieler spielt nicht und die Motivation ist im Keller, sein Marktwert sinkt. Ein sportlicher Leiter hätte das vielleicht eher auf dem Schirm gehabt, wobei ich Nsor nicht sein Talent absprechen will. Für all die Male wo Hajri im Kader stand, oder Drazan (immerhin 500.000 € teuer), hätte man auch Nsor bringen können. Ich glaube man hätte da nichts verlieren, nur gewinnen können. Ein Sportdirektor hätte vielleicht auch die Ressourcen gehabt, Nsor woanders hin zu vermitteln (Leihe). Kuntz und Foda bekamen das nicht hin, auch weil es anderweitig viel zu tun gab. Bei einer Leihe fällt manchmal auch eine Gebühr an und der übernehmende Verein trägt ein Stück des Gehalts. Anscheinend alles irrelevant für den finanziell potenten FCK.

Abschließend muss man festhalten, dass die Installation eines Sportdirektor dringend notwendig ist. Auch wenn das bedeuten sollte, dass wir einen Spieler weniger verpflichten können. Der Gewinn dürfte trotzdem auf lange Sicht da sein, denn die Arbeit in diesem Sommer ist eine Herkulesaufgabe. Zahlreiche Abgänge, Kader verkleinern, neue Leute holen und Talente einbinden.

Im Nichtaufstieg liegt für mich auch eine Chance. Man hat gesehen, dass es so wie es momentan läuft nicht reicht. Veränderungen entstehen meist daraus, dass alte Muster nicht mehr effektiv sind. Also bitte lieber Stefan Kuntz, triff strategische Entscheidungen, die den FCK auch noch in 10 Jahren profitieren lassen. Kurzfristig könnte das bedeuten, dass es weiterhin Zweitligafußball gibt. Aber mit einer gewachsenen Struktur ist die Erfolgswahrscheinlichkeit erwiesenermaßen höher, als im Hau-Ruck-Stil. Wenn wir viel mit jungen Talenten arbeiten, senken wir auch automatisch die Kosten des Kaders, welcher unter den Belastungen der 2. Bundesliga leidet (Tickets und TV-Gelder). Auch dürfte der Sprung vom Jugendbereich in die zweithöchste deutsche Spielklasse leichter sein, als direkt in der Liga der Besten bestehen zu müssen.

Mit einem Dogma muss ich an dieser Stelle auch mal aufräumen. Oftmals wird damit argumentiert, dass wir eben keinen Götze, keinen Goretzka, Alaba oder Müller in den Jugendmannschaften haben. Okay, das stimmt vielleicht. Aber gerade die genannten jungen Männer sind Ausnahmetalente, die es auch nur alle paar Jahre gibt. Außerdem, woher wollen die Leute das wissen? Beim BVB dachte man auch mal, dass Großkreutz und Reus nicht gut genug wären. Man hat diese Fehleinschätzungen dann teuer korrigiert. Ja, aber die Jugendspieler vom FCK spielen in der Regionalliga. Gut, der 1. FC Kaiserslautern spielt auch nicht in der Champions League! Die Leute können sich nur dort beweisen, wo sie spielen. Das muss nicht zwingend mit der Leistungsfähigkeit oder Entwicklung zu tun haben (im positiven wie negativen Sinne). Das Risiko ist kalkulierbar und muss eingegangen werden, um eine Zukunft zu haben. Ginge es nach diesem Dogma, müssten die Lautrer ausschließlich Kicker aus den ersten Ligen holen, damit es mit dem Aufstieg klappt. Gebt der Jugend eine Chance!

Ein weiterer Faktor, der gemeinhin unterschätzt wird ist die Psychologie. Eine Mannschaft die eine gemeinsame Geschichte hat, wird erfolgreicher sein, als jene die Jahr für Jahr große Veränderungen erfährt. Manche Personalveränderung sind unausweichlich, wie die Abgänge im Sommer (Vetragsende, Ende der Leihe, Ausstiegsklauseln). Aber Kontinuität hilft dem Zusammenhalt der Gruppe. Habe ich einen Kern, der langfristig an den Club gebunden ist, wird dieser zusammenwachsen. Das kann durch die stetige Entwicklung funktionieren, als auch durch bedeutende Ereignisse. Ein Gerüst muss her, was aus einigen Kernspielern besteht und die Vereinsphilosophie vorlebt. Das braucht Zeit, Zeit die man sich nehmen muss. Teambuilding ist ein weiterer Begriff, mit dem man so um sich wirft. Aber in anderen Bereichen wird er sehr ernst genommen. Jedes größere Unternehmen beschäftigt Psychologen, die das Betriebsklima verbessern. Auch im Fußball findet man solche Leute, die meist im Hintergrund bleiben. Auch der 1. FC Kaiserslautern sollte dort aktiv werden. Dabei geht es weniger um Campingausflüge und Mannschaftsabende, als auch um die direkte Betreuung von enttäuschten oder verletzten Kickern.

Eine Menge Blog, die der Stehgeiger da liefert! Ich werde versuchen einige Kernpunkte auch Kuntz höchstpersönlich nahe zu bringen. Mir wurde schon zwei Mal gesagt, dass ich meine Vorschläge doch mal in irgendeiner Form vortragen soll und die Leute haben recht. Ein Brief an Kuntz (ja auf Papier und so) wird in den nächsten Tagen geschrieben und ich werde jenen auch beim Stehgeiger veröffentlichen. Falls es eine Antwort geben sollte, lasse ich euch natürlich auch daran teilhaben. Wer noch weitere Vorschläge hat, der kann sie mir gerne mitteilen.

In diesem Sinne

Euer Stehgeiger

Als Hopp das rote Kaninchen stahl – Die Relegation und ihr Ende Teil1/2

Der 1. FC Kaiserslautern hat die Relegation verloren. In beiden Spielen schafften die Pfälzer es nicht sich gegen die TSG 1899 Hoffenheim durchzusetzen. Das Hinspiel in Sinsheim ging mit 3:1 verloren und das Rückspiel endete ernüchternd mit 1:2. In beiden Spielen bewiesen die Hoffenheimer spielerische Klasse und Cleverness, die dem FCK schon die gesamte Saison abgeht.

Man kann natürlich mit den Schiedsrichtern hadern und sich damit trösten, dass man durchaus phasenweise dran war. Aber zusammengefasst sprechen die Ergebnisse eine deutliche Sprache. Der TSG gelang es immer genau dann zu treffen, wenn die Lautrer irgendwie im Aufwind waren. Das 3:1 im Hinspiel durch den eingewechselten Sven Schipplock beendete jede Hoffnung auf eine bessere Ausgangssituation und der wuchtige Kopfball zum 1:2 Siegtreffer auf dem Betzenberg durch Jannick Verstergaard brachte sogar das phantastische Publikum zum Schweigen. Danach spielte sich Einmaliges in der Festung Betze ab. Nachdem die Fans realisierten, dass es trotz vorbildlichem Einsatz nicht mehr reichen würde, besangen sie ihre Helden auf dem Spielfeld bis zur letzten Sekunde und spendeten der Mannschaft durch minutenlange Ovationen nach dem Abpfiff Trost.

Ich bin sehr froh, dass der 1. FC Kaiserslautern und die Fans ganz Deutschland dieses Gesicht zeigten. Keinerlei Randale, keine Schmähgesänge gegen Dietmar Hopp und auch die mäßige Leistung der Roten Teufel wurde nicht mit Pfiffen beantwortet. Der 12. Mann war da und gab alles was er konnte, es trieb mir die Tränen in die Augen. Was bleibt nun nach dem Scheitern? Ich werde versuchen ein Bild zu konstruieren, dass viele Wägbarkeiten kommentiert und einen Ausblick bietet auf die nächste Saison.

Trainer Franco Foda entschied sich im entscheidenden Rückspiel für einige gewagte Personaländerungen. Er brachte Bunjaku und Drazan von Beginn an, wobei beide die Außenbahnen beackern sollten.

Die Hereinnahme von Kapitän Albert Bunjaku war nur zu logisch, wollte er die Durchschlagskraft in der Offensive erhöhen. Der erfahrene Stürmer musste aber zum wiederholten Male auf den Außen agieren. Vielen Beobachtern war bereits während der Saison aufgefallen, dass Bunjaku dort nicht sonderlich glücklich spielt. Er schafft es nicht zu Flankenläufen anzusetzen und die Mitte (Idrissou) mit Bällen zu füttern. Auch in den vielen 1:1 Situationen mit den Außenverteidigern sieht er nicht viel Land. Einigen wir uns darauf, dass man Bunjaku möglichst nahe am Strafraum unterbringen muss, um von seiner Torgefahr, Cleverness und Schussstärke zu profitieren. Fehler Nummer 1 für Franco.

Drazan wusste in keinem seiner Kurzeinsätze zu überzeugen und spielte auch gegen schwache Gegner meist pomadig, langsam und ideenlos. Von der viel besungenen Schnelligkeit hat am Betze bis heute niemand etwas gesehen, im Gegenteil. Er tut sich schwer Spielsituationen in diesem Tempo zu erfassen und reagiert dementsprechend langsam. Ähnlich präsentierte er sich auch gegen Hoffenheim, wobei jeder Spieler einen kleinen Bonus an Laufbereitschaft und Einsatzwille attestiert werden darf, durch das furiose Publikum. Wie Foda ausgerechnet in diesem wichtigen Spiel seinen Startelfeinsatz rechtfertigt, bleibt sein Geheimnis. Natürlich blieb Weiser im Hinspiel blaß und Fortounis scheint mit den Gedanken irgendwo zu sein, aber beide haben in der Vergangenheit bereits gute Spiele abgeliefert, was man von Drazan einfach nicht behaupten kann. Fehler Nummer 2 für Franco.

Die gesamte spielerische Last bliebt bei Alexander Baumjohann, den es jetzt wohl zu einem Erstligisten ziehen wird. Er spielte stark und rieb sich unheimlich auf, aber all sein Esprit und die Ideen verpufften recht schnell, nachdem er vor allem in der zweiten Halbzeit von 2-3 Hoffenheimern umstellt wurde. Der Spielaufbau des FCK war also extrem leicht zu durchschauen und mangels spielerischer Akzente die andere hätten setzen müssen, war man kaum in der Lage so etwas wie ein koordiniertes Angriffsspiel zu entfalten. Technisch starke Spieler wie Fortounis, Weiser oder auch Köhler fehlten, Bunjaku und Drazan gelang dahingehend nichts. Fehler Nummer 3 für Franco.

In der Innenverteidigung ersetzte Foda Heintz durch Orban, der seine Sache ordentlich erledigte. Beim zweiten Gegentor war er dann völlig unterlegen, gegen den viel größeren Verstergaard, den man im Raum kaum verteidigen kann. Der junge Däne kam mit ein paar Schritten Anlauf in den Strafraum und sprang so auch einige Stockwerke höher um den Ball im Tor unterzubringen. Warum man diesen starken Kopfballspieler nicht in Manndeckung nimmt, wird wieder nur Foda wissen. Die FCK-Spieler verteidigten bei den Standarts, aus welchen beide Gegentore am Betze resultierten, nur im Raum und waren so oftmals zu weit weg von den heranstürmenden Gegnern. Etwas, dass der FCK vor ein paar Saisons seinerseits hervorragend ausnutze, mit den Kopfballspielern wie Amedick, Rodnei oder Lakic. Das schon legendäre 5:0 zu Hause gegen Schalke 04 sollte sich jeder noch einmal anschauen, um zu verstehen worum es geht. Hoffenheim war die ganze Saison bei Standarts schwach, obwohl man den großgewachsenen Verstergaard und den Scharfschützen Sehad Salihovic hat. Das Gisdol jetzt an dieser Stelle etwas ändern würde, dürfte jedem im Vorfeld klar gewesen sein. Franco Foda wusste das anscheinend nicht.

Steven Zellner rückte für den verschobenen Orban ins defensive Mittelfeld, wo er neben Ariel Borysiuk die Zentrale dicht machte. Das gelang Zellner auch ganz gut, nur offensiv setzte er keinerlei Akzente. Zwei klassische Zerstörer in der Mitte brachten die Hoffenheimer kaum in Verlegenheit und man agierte Zeitweise eher mit einer 6er Abwehrkette. Natürlich durfte man dem Gegner nicht ins Messer laufen und früh ein Gegentor kassieren, aber spielerisch bedeutete das Magerkost. Köhler oder de Wit wären Alternativen gewesen und jedem Fan dürfte jetzt klar sein, wie wichtig Enis Alushi für das Mannschaftsgefüge war. Er spielte den Zwischenspieler zwischen Defensive und Offensive und erleichterte Baumjohann damit die Arbeit. Das wusste Foda auch und man legte nach, als Alushi den Rest der Saison ausfallen sollte. Nun verletzte sich dessen Ersatz Markus Karl auch so schwer, dass er nicht mehr spielen konnte. Zwangsläufig hätte das zu mehr Spielzeit für den wiedergenesenen Pierre de Wit oder Benjamin Köhler führen müssen, tat es aber nicht.

Mit mehr spielerischer Klasse auf den offensiven Positionen, hätte man den Riegel vor der Abwehr prima rechtfertigen können. Aber so blieb dem Team fast nichts anderes übrig als das Heil in langen Bällen auf Idrissou zu suchen, der mal wieder von Vestergaard gut abgedeckt wurde. Mo rieb sich auch in vielen Scharmützeln auf und sah aber in der Luft gegen den Dänen schlecht aus.

Das Zeugnis was der Stehgeiger dem Trainer Franco Foda ausstellt, ist sicherlich nicht mehr befriedigend. Zu plump und offensichtlich waren seine Marschroute und spielerische Linie für die ganze Saison. Wenn alles von einem einzigen Kicker abhängt, Baumjohann, dann können selbst Regensburg und Sandhausen diesen Mann zustellen. Der Trainer mit Stallgeruch fand oftmals keine Antwort auf die Anforderungen der Gegner und wechselte höchstens von 4-2-3-1 zu 4-4-2. Die gewachsene Spielidee fehlte und vorhandene Kicker machte er auch nicht besser. Der 1. FC Kaiserslautern ist ziemlich leicht auszurechnen und bringt kaum mal einen Überraschungsmoment.

Jetzt denken viele Fans daran, am Stuhl des Franco Foda zu sägen und ich selbst wäre dem Gedanken auch nicht abgeneigt. Trotzdem muss man ihm zugestehen, dass jeder Mensch (mit wenigen Ausnahmen) lernfähig ist. Ich hoffe die abgelaufene Saison wird genau analysiert und die eigenen Fehler offen gelegt. Von seinen Interviews kommt Foda eher etwas aufgeblasen und grobschlächtig daher, was hoffentlich nur mein Eindruck ist. Er scheint ein Trainer der „alten Schule“ zu sein, was zuerst einmal nichts schlechtes sein muss. Nur diesen von Dinosauriern und Selbstdarstellern geprägten Übungsleitern geht meist die Fähigkeit ab, eigene Fehler zu sehen.

Noch habe ich die Hoffnung, dass Foda auch einsieht, dass er einige Entscheidungen überdenken sollte. Sollte das nicht der Fall sein und er die Saison weiterhin als „Top-Saison“ mit unglücklichem Ausgang interpretieren wollen, muss er gehen. Dann hätte man auch gleich Milan Sasic halten können, dem man ja ähnliche Verfehlungen vorwarf, was die taktische Einstellung betrifft. Noch ist nicht aller Tage Abend für Franco, aber er muss aufpassen, dass sich nicht selbst ins Abseits manövriert. Stefan Kuntz ist nicht gerade zimperlich, was das Entlassen von Trainer betrifft.

Weitere Erkenntnisse und ein Blick in die Glaskugel im nächsten Teil!

In diesem Sinne

Stehgeiger

Es wird zum Tanz gebeten! – TSG 1899 Hoffenheim steht als Relegationsgegner für den FCK fest

Jetzt ist es soweit. Unglaublich wichtige Entscheidungen sind gefallen und der Relegationspartner für den 1. FC Kaiserslautern steht fest: TSG 1899 Hoffenheim

Wer mitliest, der weiß dass der Stehgeiger nicht der Meinung war, dass Hoffenheim es auf den 16.Platz schaffen würde. Die Indikatoren sprachen eindeutig gegen das Team aus dem Kraichgau. Trotzdem hat es dieser als „Söldner-Haufen“ beschimpfte Verein den Kopf aus der Schlinge gezogen. Auch als Fan des 1. FC Kaiserslautern muss der Stehgeiger seinen Hut davor ziehen. Die „Hopp-Gedächtnis-Mannschaft“ war in dieser Saison schon oftmals für tot erklärt worden und darf nun in der Relegation auf ein versöhnliches Ende hoffen.

Wie konnte das passieren?

Düsseldorf verlor sein Spiel in Hannover mit 0:3. Ein richtiger Schlag ins Gesicht und selbst nach dem Abpfiff waren einige Düsseldorfer noch sicher, wenigstens den 16. Platz erreicht zu haben. So etwas wie Hoffnung machte sich unter den Spielern breit. Dann kamen die Neuigkeiten aus Dortmund, das vermeintliche Ausgleichstor durch Marcel Schmelzer wurde zurückgenommen. Genaueres dazu, kann man auf der sehr aufschlussreichen Seite www.wahretabelle.de lesen.

Der andere Verein in der Verlosung, der FC Augsburg, sicherte sich durch ein ungefährdetes 3:1 zu Hause gegen die bereits abgestiegenen Greuther Fürth einen direkten Nicht-Abstiegsplatz. Damit belohnt sich der FCA zum Ende der Saison selbst, denn das Team beeindruckte durch Leidenschaft, Kampf und den absoluten Glauben an die eigenen Fähigkeiten. Auch hier gratuliert der Stehgeiger recht herzlich!

Zurück zu Hopp

Hoffenheim erreichte also einen 1:2 Auswärtserfolg beim Champions League Finalisten Borussia Dortmund. Die Truppe von Markus Gisdol schaffte noch den rettenden Sprung auf Platz 16. Ich hätte nicht gedacht, dass der BVB die Chance verstreichen lässt, den ungeliebten Club in die zweite Liga zu schicken. Mediale Scharmützel zwischen Hans-Joachim Watze und Dietmar Hopp als auch die berühmte Schall-Affäre sollten genug Zündstoff für den BVB liefern. Dazu kam es aber nicht, nur auf Fan-Seite und auf den Rängen war der totale Wille zu spüren, das „Projekt“ Hoffenheim aus der Eliteklasse zu schießen. Einziger verschmerzbarer Wermutstropfen, Andreas Beck muss auf seine Nationalmannschaftsberufung verzichten.

Traditionalisten aller Länder, vereinigt euch!

Jetzt schaut ganz Deutschland auf den 1. FC Kaiserslautern, welcher die Flagge der Tradition hochhalten soll. Ist der FCK dieser Aufgabe gewachsen? Der Stehgeiger hat da so seine Zweifel.

Die Hoffenheimer Mannschaft besitzt einen unschätzbaren psychologischen Vorteil. Sie haben sich entgegen allen Voraussagen und durch eine miserable Saison gekämpft. Am Ende wurden sie belohnt. Die viel besungene Wagenburg-Mentalität dürfte der TSG sicher sein. Besser hätte selbst der große José Mourinho die Geschichte nicht inszenieren können. Der 1. FC Kaiserslautern dürfte gewarnt sein, dass dieser angeknockte Boxer sich in letzter Sekunde vor dem KO in den Gong rettete und bereits neuen Willen und Energie getankt hat.

Machen wir uns nichts vor. Der 1. FC Kaiserslautern hat die schlechteren Einzelspieler, da bedarf es auch keiner Positionsanalyse. Hoffenheim verfügt eben über Mittel, von denen man in Kaiserslautern nur träumen kann, egal wie man dazu steht. Es mutet wie ein darwinistischer Evolutionskampf an, das angepasste und moderne Fußballimperium gegen den steinzeitlichen Dickhäuter. Natürlich hat der 1. FC Kaiserslautern die reichere Geschichte, mehr Fans und den größeren Namen. Sportlich und strukturell gesehen, hat die TSG 1899 aber zahlreiche Vereine hinter sich gelassen. Mit wenig Skrupel und der Präzision eines Schönheitschirurgen hat Hopp den Verein in den deutschen Fußball eingepflanzt. Selbst ein Abstieg würde den dauerhaften Aufstieg dieses Projekts nicht hindern, höchstens um eine Zeit verzögern. Mit so viel Geld kann man kaum etwas falsch machen und probiert so lange, bis alles passt. Rasenballsport Leipzig und der Red Bull Konzern lassen Glückwünsche ausrichten.

Mittelfristig gesehen kann man gegen solche finanzstarken Emporkömmlinge nichts ausrichten. Ein Verein wie der 1. FC Kaiserslautern muss sich neu orientieren und eine andere Nische für seine Existenz finden, als den althergebrachten Anspruch auf die Bundesliga. Die TSG Hoffenheim rühmt sich zwar ihrer Nachwuchsarbeit und setzte sogar in entscheidenden Spielen auf junge Kerle (Thesker, Sühle etc.), aber sollte es eng werden, nimmt man da einfach Geld in Hand und erzwingt etwa die Wiedergutmachung eines Betriebsunfalls Abstieg. Sollte sich Hoffenheim in den beiden Spielen gegen Kaiserslautern durchsetzen, blüht dem deutschen Fußball sogar noch mehr Ungemach aus der Machtzentrale in Sinsheim. Man hat gesehen, was mit Mannschaften passieren kann, die dem Tod von der Schippe springen und Krisenzeiten irgendwie meistern (Hannover 96, Borussia Mönchengladbach). Der Kern dieser Hoffenheimer Mannschaft wird zusammenwachsen und den besten Teamgeist seit ihrem märchenhaften Aufstieg formen. Sogar noch dichter und besser, da dieses Zusammengehörigkeitsgefühl aus einer wirklichen Krise entsprang und nicht durch das Feiern und Jubeln gestählt wurde. Dazu wird man dann punktuell starke Leute holen, die endlich so etwas wie eine Hierarchie und Gerüst vorfinden werden. Die Implementierung von Führungsspielern wie Tim Wiese oder Matthieu Delpierre ging ja gehörig schief.

Ein Ausblick

In zwei Spielen kann sportlich viel passieren, aber dem 1. FC Kaiserslautern wäre ein anderer Gegner besser bekommen. Sollten die Hoffenheimer wieder den Willen und das Miteinander aufbringen, dass sie in diese Option geführt hat, sieht der Stehgeiger schwarz für die Roten Teufel. Auch ein Blick auf die Bilanz ist vernichtend. In sechs Spielen konnte der FCK nicht ein einziges Duell gewinnen und verlor 4 mal. Nur zwei Unentschieden sprangen dabei heraus. Man erinnert sich noch an die ernüchternde Heimniederlage vom 04.04.2008, als der FCK mit einem Bein bereits im Grab stand. Auf beiden Seiten sind nicht mehr viele Spieler aus dieser Zeit übrig, aber die Rahmenbedingungen haben sich beachtlich geändert.

So sehr ich dem FCK den Sieg wünsche und auch bei beiden Spielen die Mannschaft unterstützen werde, so realistisch muss der Stehgeiger die Lage betrachten. Sollte nicht etwas Außergewöhnliches geschehen, was es am Betze immer mal gab, spielt der 1. FC Kaiserslautern nächste Saison in der zweiten Bundesliga und die TSG 1899 Hoffenheim wird einen ungeahnten Schub aus der Relegation ziehen. Beide Spiele bringen eine Menge Öffentlichkeit und werden die Marke TSG 1899 auch noch bei dem letzten Fußballverrückten bekannt machen. Hinzu kommt der neue Zusammenhalt und die gefundene Gemeinschaft. Auch darum drückt ein großer Teil Fußball-Deutschlands dem 1. FC Kaiserslautern alle verfügbaren Daumen.

Man darf gespannt sein, ob sich das FCK Kollektiv bündelt und es schafft, dem übermächtigen Gegner ein Bein zu stellen. Sicherlich muss man sich jetzt sportlich vor Hoffenheim nicht ins Hemd machen, aber auch nicht die unverrückbaren Gegebenheiten aus den Augen verlieren.

Die Rollen des Favoriten und Underdogs sind eindeutig verteilt. Für viele gehen damit auch die Rollen des Bösewichts und des Helden einher. Es wird ein nie da gewesenes Duell David gegen Goliath werden, dem wir alle entgegenfiebern.

Ganz so bedeutungstragend wie viele Fans diese Spiele sehen, darf es der FCK-Profi nicht tun. Es wird extrem wichtig sein, dass Trainer Franco Foda den Spielern die nötige Leichtigkeit nahe bringt um überhaupt auf dieser große Bühne etwas leisten zu können. Vielleicht kann man den scheidenden Tim Wiese heran ziehen, damit er ein paar letzte Informationen aus dem Kraichgau liefert. Trotz aller sportlichen Wichtigkeit, der Ausgang dieses Spiels darf den Weg den der 1. FC Kaiserslautern einschlagen soll, nicht beeinträchtigen.

Noch etwas in anderer Sache:

Hiermit ruft der Stehgeiger alle Fans des 1. FC Kaiserslautern auf, die Mannschaft bedingungslos zu unterstützen. Dabei muss auf krasse Beleidigungen einzelner Personen („D. Hopp, Sohn einer Hure“ z.B.) und Gewalt/Vandalismus (Hooligans oder Ultras) in Sinsheim verzichtet werden. Der Fokus liegt auf uns allen und es wäre zu schade, wenn wir das Bild des DFB und vieler populärer Medien bestätigen würden. Selbst wenn wir sportlich unterlegen sind, bietet sich die einmalige Chance der ganzen Welt zu zeigen, was es heißt eine gewachsene Fankultur zu sein. Geld kann vieles erkaufen, aber nicht Liebe und Herzblut. Dafür sollten diese beiden Spiele gegen die TSG 1899 Hoffenheim für uns Fans stehen. Bietet eure besten Choreos, Gesänge und Plakate auf! Zeigt diesen nüchternen Wirtschaftsbossen, was es heißt ein echter Fan zu sein. Nur lasst Pyro, Knüppel und mieses Vokabular zu Hause. Der große Hans Hubert Vogts sagte einmal: „„Gewalt gehört nicht auf den Fußballplatz, sondern nach Hause zur Ehefrau.“ !

In diesem Sinne

euer Stehgeiger

 

Geschichten ausm Paulaner-Garten – Tagesgeschäft oder doch Faszination 1/2013

Der Stehgeiger eröffnet eine neue Artikelreihe, die hoffentlich in Serie gehen kann. Dabei widmet er seine ganze Aufmerksamkeit einigen aktuellen Nachrichten aus Funk und Fernsehen rund um den Fußball.

Amsterdam

Der FC Chelsea darf sich jetzt auch Europa League Sieger nennen. In einem spannenden Spiel, ohne ganz große spielerische Momente, gewannen die Londoner gegen die portugiesischen Adler von Benfica Lissabon mit 2:1. Vor gut 26.000 Zuschauern erzielte Fernando Torres in der 59. Minute die Führung für Blau, ehe Óscar Cardozo per Handelfmeter ausgleichen konnte (68. Minute). Danach entbrannte eine hektische Partie, in jener Phase hätten beide Teams den Siegtreffer erzielen können. Der FC Chelsea hatte aber den üblichen Finaldusel und Branislav Ivanovic köpfte in der 3. Minute der Nachspielzeit zum Sieg ein. Es war ein Finale wie man es seit dem letzten Jahr von den Blues kennt. Feldunterlegen, uninspiriert und am Ende doch gewonnen. Haben die Engländer etwa Mitschnitte der Bayern aus den 90ern studiert? Rafa Benitez, der spanische Kellner an der Seitenlinie fand ein versöhnliches Ende seiner Amtszeit in London. Vielleicht schwenkt Abramowitsch doch noch um und verlängert den Vertrag mit dem unbeliebten Ex-Liverpooler, wie es auch schon mit Di Matteo geschehen war. Der lebenden Legende Eusebio auf der Tribüne dürfte das egal gewesen sein und Benfica wird sein Finaltrauma nicht los. Selbst der in Düsseldorf gefürchtete Luisao konnte die Niederlage nicht verhindern. Der Stehgeiger macht einen Vorschlag für den russischen Oligarchen im Besitz des FC Chelsea. Übernehmt die Idee des Trainergespanns aus good old Germany! Der finnische Recke Sami Hyypiä und Lewandowski (nein der spielt nicht selbst) oder auch Jogi und Klinsi machten es vor. Anstatt den wankelmütigen Mourinho aus Madrid zu holen, sollte Chelsea lieber Di Matteo und Benitez gleichermaßen engagieren. Damit stünde im nächsten Jahr alle Titelträger fest: nämlich nur der FC Chelsea!

Bremen

Eine Ära, wie man so schön sagt, geht zu Ende. Thomas Schaaf wird nicht mehr länger an der Seitenlinie poltern und Arnd Zeigler mit Informationen aus der Kabine versorgen. Jener Zeigler zeigte sich bei einem Radio-Interview mit WDR 2 sichtlich betroffen und musste aus seinen Lobpreisungen über den Menschen Schaaf, vom wenig sensiblen Moderator gerissen werden. Auch der Stehgeiger bereut das Ende Schaafs bei Weder Bremen. 14 Jahre, eine deutsche Meisterschaft sowie 3 DFB-Pokal Titel später stellt sich die Frage nach einem Nachfolger. Neue Impulse sollen her und es gibt Kandidaten die jene bringen sollen. Der Manager mit Eishockey-Erfahrung Thomas Eichin stellte erst kürzlich klar, dass es keine interne Lösung geben soll. Damit ist Otto Rehhagel aus dem Rennen. Nun kursieren Namen und der Stehgeiger hat die Lösung parat. Das personifizierte HB-Männchen Claus-Dieter Wolltitz, kurz Pele Wollitz, könnte direkt übernehmen. Man kennt den energiegeladenen Coach aus aktiven Zeiten in Kaiserslautern, oder auch auf dem Titelblatt der 11Freunde mit weißer Taube. Eben jener Wollitz katapultierte sich bei Aufstiegskandidat und Drittligist VfL Osnabrück ins Abseits, indem er sich bei einer Wutrede von den eigenen Fans filmen ließ. Ein Spielerversteher, Gottvater und Taktikfuchs wie Wollitz würde prima an die Weser passen und den Verantwortlichen endlich die ersehnten neuen Impulse geben. Wenn Elia und Arnautovic dann mal wieder für Schlagzeilen sorgen, war der Trainer wenigstens vor Ort. Ein Bild Artikel im Oktober 2013 könnte so aussehen: Werder Stars auf dem Oktoberfest – Skandal in München – Trainer Wollitz versprach zu zahlen, prellte aber die Zeche. Spieler kurzfristig festgenommen. Lemke muss aus Bremen einfliegen um die Saufbrüder wieder auszulösen. Uli Hoeneß tadelt aus der JVA Tegernsee.

Frankfurt/Miami

Der Kader für die USA-Reise der deutschen Nationalmannschaft steht fest. Für die zwei Freundschaftsspiel gegen Ecuador (29. Mai) und die USA (02. Juni) muss Löw auf 15 Spieler verzichten. Darunter alle Spieler des FC Bayern und Borussia Dortmund, die das Champions League Finale austragen. Außerdem fehlen unsere beiden Legionäre von Real Madrid, Sami Khedira und Mesut Özil. Miroslav Klose, Kevin Großkreutz und Sven Bender sollen nachreisen.

Als Debütanten hat Löw Max Kruse (SC Freiburg bzw. Borussia Mönchengladbach), Philipp Wollscheid und Sidney Sam (Bayer 04 Leverkusen) und Nicolai Müller (FSV Mainz 05) nominiert.

Auch einige Namen, die bereits in der Vergangenheit im Kader standen, fanden wieder Berücksichtigung: Aaron Hunt (Werder Bremen), Denis Aogo (Hamburger SV), Andreas Beck (TSG 1899 Hoffenheim) sowie Stefan Reinartz (Bayer 04 Leverkusen).

Vorab, diese Reise kann man eigentlich nicht unter normalen Umständen beurteilen, denn die besten deutschen Spieler fehlen. Weiterhin darf am sportlichen Wert dieses Trips gezweifelt werden, da stehen wohl eher wirtschaftliche und werbe-technische Interessen im Vordergrund.

Trotzdem wird auch Fußball gespielt und den Stehgeiger freut es, dass mit Sidney Sam ein Ex-Lautrer dabei sein wird. Sidney hatte wirklich Pech mit Verletzungen und kam eigentlich fast immer wieder stark zurück. Gerne erinnert man sich an seine beiden Jahre im Trikot der Roten Teufel und rauft sich heute noch ärgerlich die Haare, dass man ihn nicht am Betze halten kann. Etwas verwundert hat mich die Nachricht dann schon, war ich davon ausgegangen, dass Sam lieber für Nigeria auflaufen würde. Im Kicker gab es eine Meldung im November des letzten Jahres dazu. Wie seine Chancen auf einer dauerhafte Karriere in der DFB-Elf aussehen, mag ich nicht beurteilen. Sollte er mal einen längeren Zeitraum fit bleiben, ist er sicherlich ein Kandidat.

Heimlich still und leise meldete sich auch der ehemalige Bremer Disco-Tänzer Aaron Hunt zurück. Trotz Bremer Schwierigkeiten wusste Hunt zu überzeugen und verbuchte 11 Tore und 6 Vorlagen. Nach langer Zeit löste Hunt in dieser Saison das Versprechen ein, welches sein Talent bereits in jungen Jahren gab. Er spielte konstant und war einer der Lichtblicke in einer tristen Bremer Mannschaft.

Max Kruse hat sich die Nominierung auch völlig verdient, denn er spielte die Saison seines Lebens. Natürlich profitiert er von den Absagen der Stammspieler und es bleibt fraglich, ob er überhaupt Berücksichtigung gefunden hätte, wären alle an Bord. Trotzdem wird Jogi Löw immer ein Auge aufs Breisgau haben und liegt damit völlig richtig.

Nicolai Müller, unabhängig von Mainz 05, ist dem Stehgeiger nicht so sehr aufgefallen. Sicherlich hat er einen Schritt gemacht, aber gleich Nationalspieler halte ich doch für arg verfrüht. Er verbesserte sich in dieser Saison erheblich, aber konnte sein Können nie auf hohem Niveau beweisen, oder war so entscheidend für seine Farben wie Max Kruse.

Philipp Wollscheid rückt wohl auch nur nach, weil die Innenverteidiger fehlen. Der mit vielen Vorschusslorbeeren gekommene Ex-Nürnberger tat sich lange schwer in Leverkusen. Er eroberte sich zwar einen Stammplatz und spielte ordentlich, hat aber nie so überzeugt, dass er in einem Atemzug mit Mats Hummels, Holger Badstuber oder Jerome Boateng genannt werden kann. Gerade in der Europa League gegen den späteren Finalisten Benfica Lissabon wirkte er anfällig. Bei ihm wird man abwarten müssen, wie er den Anforderungen der Königsklasse in der kommenden Saison gerecht werden kann.

Wie Löw Andreas Beck und Denis Aogo nominieren konnte, wird sein Geheimnis bleiben. Beck spielt in einer desaströsen Hoffenheimer Hintermannschaft und schaffte es als Leader auch nicht in Erscheinung zu treten. Der Stehgeiger ist der Meinung, dass Beck viel von seiner Dynamik und dem Esprit, welcher ihn vor ein paar Jahren auszeichnete verloren hat. Selbiges gilt auch für Denis Aogo. Der HSV spielte in dieser Saison so, wie sich Mariah Carey hinter der Bühne aufführt. Aogo war quasi das Flaggschiff der Wankelmütigkeit was die Leistungen des HSV betrifft. Ob da die Freiburger Vergangenheit eine Rolle spielt? Damals als junger Mann bei den Breisgauern, dachten viele er mache eine Weltkarriere. Ballsicher, nervenstark beim Elfmeter und mit klugen Pässen spielte er sich in viele Notizbücher. Heute bleibt dieses Versprechen eines Super-Profis. Allerdings agierte er dort im defensiven Mittelfeld und ackert nun hinten links, wo eine der Schwachstellen des deutschen Kaders liegen kann.

Stefan Reinartz hat es auch geschafft, mal wieder nominiert zu werden. Der flexible Defensivmann ist ein Lückenfüller ohne groß zu glänzen. Solche Klavierträger braucht jedes Team und mangels Alternativen wurde er nominiert. Reinartz ist ein solider und nüchterner Arbeiter, den man bringen kann, wenn man weiß was er bringen kann. Der Rollenspieler dürfte sich gut einfügen, aber wenn alle an Bord sind, wird es geradezu unmöglich für ihn dauerhaft ein Thema zu werden. Dafür sind Jogis Männer im defensiven Mittelfeld viel zu stark bestückt. Reinartz geht auch fast jeglicher Offensivdrang ab. Ein klassischer Staubsauger eben, der auch in der Innenverteidigung einsetzbar ist.

Gehen sie davon aus, dass wenn Gonzalo Castro (Bayer 04 Leverkusen) fit wäre, jener sicherlich eine Nominierung ins Haus bekommen hätte. Der Allrounder spielte in Teilen dieser Saison ganz hervorragend in vorgezogener offensiver Position. Nur wird ihm dieses Polyvalenz irgendwann zum Fluch werden. Wo setzt man ihn denn ein? Rechtsverteidiger, defensives Mittelfeld oder offensive Außenbahn? Fast überall erledigt er seine Sache ordentlich bis gut. Was Castros Mannschaftskollegen Stefan Kießling betrifft, ist bereits alles gesagt und geschrieben worden. Man kann von ihm halten was man will, aber wenn man den besten deutschen Torjäger der laufenden Bundesliga-Saison (er könnte auch noch Torschützenkönig werden) dauerhaft außen vor lässt, kann das nicht rein sportliche Gründe haben. Kießling ist auch nicht im biblischen Alter und erlebt seinen zweiten Frühling. Taktische Vorgaben, System oder spielende 9 hin oder her, nimmt man ihn selbst zu dieser besseren Kaffee-Fahrt in die USA nicht mit, muss etwas mehr dahinter stecken. Jogi achtet ja sehr auf das Teamklima, dass heißt wer kritisiert fliegt. Was auch immer Stefan Kießling verbrochen haben mag, er sollte Ahnenforschung betreiben und in „Paulo-Rink-Manier“ woanders anheuern. Ich bin sicher etliche Fußballnationen wären froh einen wie ihn dabei zu haben.

Vielleicht ein Land wo es warm ist und die Sonne scheint. „Stefanos Kießling trifft für Griechenland!“ ; „Mehmet Kießlingütz erzielt Doppelpack für die Türkei!“ ; „Stefanov Kießlov erzielt Siegtreffer für Bulgarien gegen Deutschland! Nationaltrainer Krassimir Balakov außer sich vor Freude.

Abschließend muss diese USA-Reise ein neuen Leitspruch bekommen. Anbei die Vorschläge des Stehgeigers: „DFB big in America – Stefan-Paßlack-Alarm in Übersee“, „How to do it in the US – Sebescen reloaded“ ; „Jogis Resterampe goes Springsteen“ oder auch „ DFB-Team meets Barack Odonkor“.

In diesem Sinne

Euer Stehgeiger

Relegation! Und jetzt? Teil 3/3 Neue Männer braucht die Pfalz, oder auch nicht

Es steht nur noch ein Spiel der regulären Saison aus, aber der 1. FC Kaiserslautern steht als Drittplatzierter fest. Bereits jetzt laufen die Planungen für die neue Saison auf Hochtouren, sei es wieder in der 2. Bundesliga oder auf dem Olymp in der 1. Bundesliga.

Für die kommende Saison hat Kaiserslautern Marcel Gaus vom FSV Frankfurt verpflichtet. Der offensive Mittelfeldspieler, der auf der linken Außenbahn beheimatet ist, kommt ablösefrei. Der 23-Jährige spielte in dieser Saison eine untergeordnete Rolle bei den Bornheimern, einerseits wurde er lange durch eine Schambeinentzündung (remember Michael Ballack) zurückgeworfen, andererseits kassierte der Heißsporn danach zwei glatt Rote Karten und musste aussetzen. Seine Leistungsdaten lesen sich trotzdem recht ansprechend, konnte er in 8 Spielen in der 2. Bundesliga 2 Tore und 4 Vorlagen beitragen. Bei seinen 4 Einsätzen in der Reservemannschaft kam er auf 1 Tor und 2 Vorlagen.

Der Stehgeiger heißt Marcel Gaus herzlich Willkommen auf dem Betze!

Etliche Spieler beim 1. FC Kaiserslautern stehen bei anderen Clubs in Leihverhältnissen und es steht noch offen, wie viele letztlich den Weg zurück finden bzw. erwünscht sind.

Mit Itay Shechter, Richard Sukuta-Pasu, Jakub Swierczok, Andrew Wooten und Ilian Micanski stehen gleich fünf nominelle Stürmer wieder auf der Matte.

Shechter konnte bei Swansea City kaum überzeugen und lieferte in 17 Spielen ein Tor und 1 Vorlage ab. Kaum jemand geht davon aus, dass Shechter nochmal für die Roten Teufel auflaufen wird, aber solange kein Angebot da ist, wird er zum Team zurückstoßen. Ob er genug Klasse hat sich im europäischen Fußball außerhalb Israels durchzusetzen, konnte er nicht zeigen. Ein Millionen-Missverständnis ist geboren.

Sukuta-Pasu war in Österreich bei Sturm Graz erfolgreicher und hat bis zum jetzigen Zeitpunkt 29 Spiele absolviert, in denen er 12 mal traf und 2 mal vorlegte. Trainer Franco Foda äußerte sich bereits vor einigen Monaten, dass er Sukuta-Pasu in seine Planung einschließt und einen Weiterverkauf ausschließt. Das mag entweder der Wahrheit entsprechen, oder bei den ansprechenden Leistungen Preistreiberei sein.

Jakub Swierczok wurde zurück in die Heimat verliehen, zu Piast Gliwice in der Ekstraklasa. Dort kam er bis jetzt nur einmal zum Einsatz, wurde er doch von einem Kreuzbandriss gehindert. Er fiel fast die gesamte Saison aus und konnte weder trainieren, noch spielen. Momentan befindet sich der junge Pole wohl im Aufbau nach der Verletzung. Ich persönlich empfand ihn als gutes Talent und er wusste bei seinen Auftritten für den FCK durchaus zu gefallen (auch in der Reserve). Falls er sich mit der Rolle eines Kaderspielers zwischen der ersten und der zweiten Mannschaft zufrieden gibt, würde ich ihn gerne wieder in unseren Farben sehen.

Eigengewächs Andre Wooten durfte in der 2. Bundesliga beim SV Sandhausen Erfahrungen sammeln, wo er sich zum Stammspieler mauserte und in 27 Einsätzen 7 Tore und 3 Vorlagen erzielte. Der Stürmer wurde von den Sandhäusern vornehmlich auf der rechten Außenbahn eingesetzt. Der US-Amerikaner wurde auch in die U-23 der USA berufen und konnte sein Potential durchaus nachweisen. Alle Anzeichen deuten auf eine Rückkehr hin, sollte kein unmoralisches Angebot eingehen.

Die Ehe zwischen dem FCK und Ilian Micanski ist zum Scheitern verurteilt. Auch im zweiten Anlauf konnte er sich bei einem neuen Trainer nicht durchsetzen. Einzig bei seiner vorherigen Leihe beim FSV Frankfurt wusste er zu überzeugen. Nun mag das vielschichtige Gründe haben, aber ich sehe für ihn keine Zukunft im FCK-Trikot. Für den FC Ingolstadt kam er in dieser Saison auf 7 Einsätze und 1 Tor, sowie 2 Vorlagen. An Micanski schieden sich lange die Geister, wurde er unter Marco Kurz trotz starker Vorbereitung kaum berücksichtigt. Nach seiner ersten Leihe bei Frankfurt ließ er erneut aufhorchen und schaffte in 15 Rückrundenspielen 9 Tore und 5 Vorlagen. Danach fand Franco Foda auch keine weitere Verwendung für ihn und verpflichtete im Winter den österreichischen Publikumsliebling Erwin Hoffer. Alle Zeichen stehen auf Abschied im Sommer. Bei den Autostädtern wird er mit einem lässig versemmelten Elfmeter in Erinnerung bleiben.

Auf der Liste der verliehenen Spieler befindet sich auch Leon Jessen, welcher damals mit vielen Vorschusslorbeeren empfangen wurde. Der dänische Nationalspieler sollte dauerhaft Alexander Bugera von seiner Last der linken Abwehrseite befreien und sich als Stammspieler etablieren. In der ersten Saison gelang es ihm noch, wobei er dort schon teils Bugera wieder weichen musste. In der zweiten Liga spielte er auch häufig, zog sich durch sein fahriges Spiel aber den Unmut der Fans und Verantwortlichen zu. Die erste Hälfte dieser Zweitligasaison bestritt er 12 Spiele und alle in der Startelf. Seine letztes Spiel machte er für die Roten Teufel am 14.12.2012, bei der denkwürdigen Heimniederlage gegen den VfR Aalen. Danach wurde er wie Micanski nach Ingolstadt verliehen, wo er die ersten 8 Spiele nicht im Kader stand, sich aber danach immer in der Startelf fand und alle Spiele bis jetzt über 90 Minuten bestritt. Eine Rückkehr in die Startelf beim FCK wird ihm durch Neuzugang Chris Löwe verwehrt, welcher auch selten herausragend agierte, aber durch seine kämpferische Art und erhöhten Offensivdrang besser an den Betze zu passen scheint. Er könnte vielleicht bis 2014 bleiben und den Ersatzmann für Löwe geben, falls er sich mit dieser Rolle zufrieden zeigt. Ansonsten wird Leon Jessen den 1. FC Kaiserslautern verlassen müssen.

Von den Winterneuzugängen wussten nur wenige Spieler auf Anhieb zu überzeugen. Chris Löwe nahm die vakante Position von Jessen auf und zeigte positive Ansätze. Dem Stehgeiger imponiert, dass er Willen und Charakter besitzt und nach Niederlagen nicht den üblichen Sing-Sang anstimmt, den man von so vielen Spielern kennt. Löwe scheint ehrgeizig und lernwillig sein, so dass er bei stetiger Entwicklung eine Dauerlösung als linker Verteidiger werden kann.

Ein großes Rätsel bleibt die Verpflichtung des jungen Österreichers Christopher Drazan von Rapid Wien. Der erklärte Wunschspieler von Trainer Foda konnte bis jetzt noch nicht mal in Ansätzen zeigen, dass er Zweitliganiveau hat. Für immerhin 500.000 € wurde er gekauft, bei einem halben Jahr Restlaufzeit des Vertrages in Wien. Drazan spielte nie von Beginn an und konnte die Minuten, die er bekam auch nicht nutzen. Eine magere Torvorbereitung aus dem knappen Sieg gegen die Münchner Löwen steht zu Buche. Daneben stand er auch zwei mal nicht im Kader und wurde ganze vier mal gar nicht eingewechselt. Kuntz und Foda müssen sich fragen, was sie sich von so einem Spieler erhofft haben, der zwar in Österreich mit Verletzungen zu kämpfen hatte, beim FCK aber voll im Saft stehen sollte. Anfangs wurde die Verpflichtung durchaus von den Fans begrüßt, kannte man Drazan als jungen Spieler, der dem Hamburger SV 2009 eine herbe Niederlage in der Gruppenphase der Europa League verpasst hatte. Heute muss man sich fragen, ob die Wiener uns den richtigen Mann geschickt haben? Er wirkt behäbig, ideenlos und sehr unsicher am Ball. Von einem Spieler mit internationaler Erfahrung (Nationalmannschaft, Europa League, Champions League Qualifikation) durfte man getrost mehr erwarten. Sag niemals nie im Fußball, aber Christopher Drazan lässt den Stehgeiger wie einen Dauerläufer aussehen. Potential zum Transferflop ist definitiv gegeben.

Markus Karl von Union Berlin konnte zwar nicht die tolle Form von Enis Alushi erreichen, vertrat den verletzten Mittelfeldstrategen aber ganz gut. Er fügte sich rasch ein und bestach phasenweise mit Zweikampfstärke und Präsenz. Zumindest bis Karl sich auch verletzte und den Rest der Saison ausfiel.

Vom FC Bayern München wurde Mitchell Weiser ausgeliehen, das große Talent vom 1. FC Köln. Weiser sah man sofort an, dass er etwas mit dem Ball anzufangen wusste und versprach sofort mehr. Es dauerte eine Weile, aber dann entpuppte sich der Mann mit der „Kölner-Ringe-Gedächtnisfrisur“ schnell als guter Spieler mit Perspektive. Sein stärkstes Spiel bot er dann ausgerechnet gegen die altern Kameraden aus Köln, wo er nach seiner Einwechslung sofort brannte und ein Tor wunderbar vorbereitete. Sollte man aufsteigen, oder auch nicht, müsste man sich um Weiser bemühen. Ihm könnte ein ähnlicher Werdegang wie Sidney Sam bevorstehen und bei dem Kader der Bayern sehe ich noch keinerlei Platz für ihn in München. Vielleicht kann man Pep Guardiola und Matze Sammer ja eine weitere Leihe schmackhaft machen, wobei eine Kaufklausel natürlich noch besser wäre und man sich nicht wie bei Sam, den anderen Bietern beugen müsste.

Kommen wir zu zwei Spielern, die ganz unterschiedlich aufgenommen wurden, aber ganz ähnliche Leistungen boten. Benjamin Köhler und Erwin Hoffer. Köhler als Frankfurter Urgestein und Aufstiegsheld hatte seinen Platz bei Armin Veh verloren und konnte ablösefrei geholt werden. Seine ersten Auftritte waren grauenhaft und man musste sich fragen, ob der in dem einen Jahr nicht doch um weitere zehn Jahre gealtert war. Dann aber kam das Spiel gegen den FSV Frankfurt und Köhler explodierte. Er spielte mit Lust, Laufbereitschaft und Kreativität. Ich denke wenn man ehrlich ist, es vielleicht genau das, was man Köhler noch erwarten kann. Ein in die Jahre gekommener Mann, der in manchen Momenten noch mal glänzen kann. Perspektive darüber hinaus hat er keine. Erwin „Jimmy“ Hoffer war bereits in Kaiserslautern bekannt und beliebt. Der kleine Österreicher kämpfte und stürmte sich in die Herzen der FCK-Anhänger. Diese Saison blieb er lange alles schuldig, bis er dann endlich beim letzten Sieg gegen den Jahn glänzen durfte. Jimmy ist ein Buch mit sieben Siegeln und keiner vermag genau einzuschätzen was er kann. In einem System wo er seine Schnelligkeit und Durchsetzungskraft ausspielen kann, hat er vielleicht Bundesligaformat. Aber unter Foda wirkte er lange Zeit wie ein Fremdkörper. Jimmy gehört noch immer dem SSC Neapel, dass im Sommer 2009 mal 5 Millionen € für ihn überwies. Heute dürfte sein Marktwert ordentlich im Keller sein und er vielleicht für kleines Geld zu kaufen sein. Niemand in Neapel kann nach den zahlreichen Leihgeschäften mit einer plötzlichen Explosion rechnen. Vom Typ her passt er prima an den Betze. Ist er nicht zu teuer, kann ich mir eine Weiterverpflichtung vorstellen.

Abschließend muss man sagen, dass die Einkaufspolitik von Kuntz und Foda etwas planlos wirkt. Natürlich wurde auf Verletzungen und Verkäufe reagiert, aber kaum einer der Neuzugänge im Winter war sein Geld wert.

Zur kommenden Saison, wo auch immer der 1. FC Kaiserslautern spielen mag, stehen 31 (!!) Spieler unter Vertrag. Dabei werden uns sicher einige Kicker verlassen, aber für alle Kaderleichen findet man so leicht keinen Abnehmer. Da sind quasi schon alle Plätze besetzt und ich kann noch den Bogen zum Thema Jugendarbeit spannen. Wo sollen noch irgendwelche Jugendspieler und Leistungsträger aus der zweiten Mannschaft (welche sich in der Rückrunde stark präsentierte und bis zuletzt vom Aufstieg in Liga 3 träumte) hin passen? Fast jede Position ist doppelt und dreifach besetzt. Dabei will man sparen und künftig stärker auf die Jugend setzen. Wohin soll man die Jungen denn setzen? Da muss doch ein völlig neuer Trainingskomplex her, um diese Kompanie trainieren zu lassen.

Das Thema Durchlässigkeit fällt völlig hinten ab, wenn es für jede erdenkliche Rolle noch einen Amri, einen Hajri und einen Shechter gibt. Deren gut dotierte Verträge erlauben dann natürlich auch keinen großen Spielraum bei Verhandlungen. Der 1. FC Kaiserslautern ist in einem selbst erschaffenen Teufelskreis gefangen, den es dringend zu durchbrechen gilt. Der gesamte Kader muss schleunigst verschlankt werden und sollte man in der Relegation scheitern, dann müssen auch dort Einschnitte bei den Großverdienern gemacht werden. Zu Beginn sollte man sich bemühen es auch so zu kommunizieren, denn ein richtiger Umbruch braucht Zeit und liefert selten schnelle sportliche Erfolge. Erste Liga um jeden Preis kann nicht die Maxime sein. Natürlich möchte auch ich nicht alle guten Spieler vom Hof jagen, aber ein klares Gerüst um willige Leistungsträger muss man jetzt in Angriff nehmen. Für mich sind Sippel, Dick, Heintz, Torréjon, Löwe, Borysiuk die ersten Korsettstangen. Mit Abstrichen folgen dahinter Namen wie Fortounis, Weiser (wenn möglich), Bunjaku (wenn nötig), Gaus (vertraglich), Julian Derstroff und Wooten. Bei anderen sollte man evaluieren, ob man mit der Leistung zu dem Preis zufrieden ist (Linsmayer, Zellner, Orban, der gesamte Sturm), oder aber ob es sich lohnt externe Leute zu verpflichten, wenn es durchaus Optionen im eigenen Stall gibt.

Jene Optionen werde ich in meinem nächsten Artikel besprechen!

Bis dahin

Euer Stehgeiger

Relegation! Und jetzt? Teil 2/3 Offene Fragen nach einer wechselhaften Saison

Der 1. FC Kaiserslautern hat das sportliche Minimalziel erreicht und sich mit dem dritten Platz die Relegation gesichert. Stefan Kuntz war danach an den Sky Mikrophonen zu sehen und hören, dass die Anhängerschaft doch gefälligst ihre Ansprüche herunter schrauben müsste. Welche Ansprüche?

Nach der verheerenden Saison 2011-2012 und dem damit verbundenen Abstieg in die zweite Bundesliga, hatten wohl die wenigsten Fans ernstliche Ansprüche auf den Wiederaufstieg. Der Tenor in Foren wie www.transfermarkt.de oder auch www.der-betze-brennt.de war fast ausnahmslos negativ. Alle sollten von Bord, die nicht mehr richtig mitziehen wollten. Das betraf Leistungsträger der Vorjahre wie Christian Tiffert, Rodnei und Oliver Kirch (ja auch O. Kirch wusste in der ersten Saison nach Wiederaufstieg phasenweise zu überzeugen). Andere Spieler wurden nicht gehalten bzw. auf Grund von Klauseln verkauft/verliehen (Kevin Trapp, Olcay Sahan, Itay Shechter, Gil Vermouth, Richard Sukuta-Pasu, Andrew Wooten, Ilian Micanski, Leon Jessen uvm.). Wieder einmal regierte der eiserne Besen beim FCK, nur dieses mal sollte, wie so oft alles besser werden. Man gestand sich Fehler in der Kaderplanung ein und Kuntz nahm einen Teil der Schuld auf seine Kappe. Ein weiterer Umbruch vom Umbruch sollte folgen.

Ergebnis dieses neuerlichen Frühjahrputzes war dann, dass eine Reihe teils namhafter Spieler den Weg in die Pfalz fanden (Mo Idrissou, Marc Torrejon, Mimoun Azouagh, Alexander Baumjohann, Enis Alushi, Albert Bunjaku, Florian Riedel und später Mitchell Weiser, Markus Karl, Erwin „Jimmy“ Hoffer, Benjamin Köhler, Chris Löwe). Unter diesen illustren Kreis von neuen Kickern mischten sich auch einige Eigengewächse: Denis Linsmayer, Willi Orban, Steven Zellner, Hendrick Zuck und Dominique Heintz. Gerade Heintz und Zuck wussten recht schnell zu überzeugen und eroberten sich Stammplätze, so dass der gemeine FCK-Fan schon von einer neuen „goldenen Generation“ sprach.

Na, wem ist jetzt schon schwindelig vor lauter Namen? Ich möchte ungern auf die einzelnen Namen eingehen, wovon ich auch einige nicht erwähnt habe, denn jeden dieser Spieler kann man unterschiedlich evaluieren. Schaut man sich aber die Transferbilanzen der letzten drei Jahre an, dann erscheinen die Zahlen wie folgt:

Saison 2012-2013 24 Neuzugänge, 21 Abgänge

Saison 2011-2012 14 Neuzugänge, 16 Abgänge

Saison 2010-2011 19 Neuzugänge, 20 Abgänge

Im Vergleich dazu haben Clubs, die den Ruf eines Durchlauferhitzers genießen, besonders wenn Felix M. Trainer/Manager war, folgende Transferbilanzen:

VFL Wolfsburg:

Saison 2012-2013 20 Neuzugänge, 28 Abgänge

Saison 2011-2012 28 Neuzugänge, 19 Abgänge

Saison 2010-2011 18 Neuzugänge, 16 Abgänge

FC Schalke 04:

Saison 2012-2013 18 Neuzugänge, 21 Abgänge

Saison 2011-2012 13 Neuzugänge, 16 Abgänge

Saison 2010-2011 22 Neuzugänge, 26 Abgänge

Vorab muss man auch betonen, dass unter dieser Statistik auch Spieler der zweiten Mannschaften, die üblichen Kaderleichen, aufgerückte Jugendspieler und abgewanderte Jugendspieler aufgelistet werden. Trotzdem bleibt es interessant, schaut man sich die Transferaktivitäten von anderen Clubs an.

Borussia Dortmund:

Saison 2012-2013 13 Neuzugänge, 12 Abgänge

Saison 2011-2012 9 Neuzugänge, 12 Abgänge

Saison 2010-2011 12 Neuzugänge, 11 Abgänge

Hannover 96:

Saison 2012-2013 13 Neuzugänge, 11 Abgänge

Saison 2011-2012 9 Neuzugänge, 7 Abgänge

Saison 2010-2011 11 Neuzugänge, 15 Abgänge

VFB Stuttgart:

Saison 2012-2013 12 Neuzugänge, 7 Abgänge

Saison 2011-2012 10 Neuzugänge, 12 Abgänge

Saison 2010-2011 13 Neuzugänge, 15 Abgänge

(Quelle: www.transfermarkt.de)

Wie bereits erwähnt wäre es noch interessant zu wissen, welche von den Neuzugängen insbesondere für die erste Mannschaft eingeplant waren, oder sogar Stammspieler werden sollten. Jene Erhebung möchte ich aus reiner Bequemlichkeit nicht veröffentlichen (es heißt nicht umsonst Stehgeiger), aber beim schnellen überfliegen der Namen wird klar, dass der FCK mit den Wolfsburgern und Schalkern durchaus auf Augenhöhe agiert. Jeder kann die Zahlen/Namen im Internet und der oben angegebenen Quelle selbst nachlesen.

Natürlich kann man argumentieren, „if it’s broke don’t fix it“.

Was vielleicht für Clubs wie Hannover oder Dortmund stimmt, denn beide spielten recht erfolgreiche Serien. Aber gerade ein Verein wie der VFB Stuttgart der selbst immer mal knapp vor dem Abstieg stand und welchen finanzielle Sorgen plagen, schaffte mehr Kontinuität in der Personalplanung.

Hinzu kommt, dass der 1. FC Kaiserslautern in jener Zeit drei Trainer hatte. Wobei zwei von den dreien (Marco Kurz und Franco Foda) jeweils ihre eigenen Kaderwünsche erfüllt bekamen. Das traurige Intermezzo von Krassimir Balakov will ich da gar nicht weiter kommentieren.

Wer jetzt noch von Kontinuität und strategischer Ausrichtung spricht, der kann eigentlich nicht den FCK meinen. Trainer kommen und gehen wie Spieler immer mal, aber um erfolgreich zu arbeiten bedarf es wohl einer gewissen Ausrichtung und einem Konzept des Vereins. Man kann von Glück sagen, dass mit Stefan Kuntz wenigstens ein Entscheidungsträger in den letzten Jahren gleich blieb. Aber gerade seine Entscheidungen in der jüngsten Vergangenheit erscheinen ob der Zahlen und den erzielten Ergebnissen fragwürdig. Versteht mich nicht falsch, ich bin durchaus ein Fan von Kuntz, war es schon als er noch spielte, aber das Glück und die Weitsicht scheinen ihn verlassen zu haben, nimmt man nur die letzte und die komische aktuelle Saison als Referenz.

Was mir persönlich fehlt ist die maßgebliche Vereinsidentität. Wo ist der mittelfristige Plan Kaiserslautern wieder weiter oben zu etablieren? Soll das etwa durch die jährlichen „Fifa-Manager-artigen“ Wechselspiele erfolgen? Ich denke nicht. Bei einem ganz großen Verein auf der Welt heißt es, „mehr als nur ein Club“. Ich war jahrelang der Ansicht, dass das auch für den 1.FC Kaiserslautern gilt. Jetzt kommt hinzu, dass man immer mehr mit den eigenen Fans aneinander gerät und die mangelnde Unterstützung anprangert. Woher soll Identifikation und die sich daraus ergebende Unterstützung kommen, wenn das agierende Personal andauernd in diesen Maßen ausgetauscht wird. Will man sich beispielsweise ein Trikot kaufen, fährt man fast nur mit Tobias Sippel und Florian Dick eine sichere Schiene. Der Rest scheint völlig austauschbar und nach nur einem kurzen Jahr wieder weg.

Der Fan kratzt sich fragend den Kopf und die Vereinsverantwortlichen versuchen jedes Jahr ihr Handeln auf den Versammlungen zu rechtfertigen.

Stelle ich mir vor, ich wäre jetzt fünf Jahre alt und stünde vor der Entscheidung FCK-Fan zu werden, dann müsste ich erst mal an meinem Kurzzeitgedächtnis arbeiten und eine entsprechende Therapie machen, um mir diese Namen zu merken. Für meine bedingungslose Unterstützung sind seit zehn Jahren keine aktuellen Spieler mehr verantwortlich, sondern fast nur Geister der kaum merklich glorreichen Vergangenheit: Miro Kadlec, Axel Roos, Roger Lutz, Martin Wagner, Pavel Kuka, Stefan Kuntz, Ciri Sforza, Harald Kohr, Friedel Rausch und Otto Rehagel uvm. (ja, auch Rehakles), selbst Youri Djorkaeff bleibt mir persönlich in besserer Erinnerung als Tauchsieder wie Olcay Sahan.

Dabei ist es durchaus zulässig anzuführen, dass sich der Fußball und das Geschäft verändert haben. Trotzdem schaffen es andere Vereine in wenigen Jahren ein Gerüst aufzubauen, welches man dann nutzt um Jahr für Jahr ein Team aufzubauen. Bei den roten Teufeln fehlt mir dieses Gerüst und das überträgt sich direkt auf die fehlende Philosophie und Spielidee. Wechselnde Systeme, taktische Ausrichtungen und Personal tragen dazu bei, dass der FCK chronisch wankelmütig wirkt.

Natürlich hat auch jeder Trainer seine Idee vom Spiel, aber einige übergeordnete Tugenden bzw. Taktiken kann man auf Grund der Geschichte nicht mehr weglassen. Vereine wie Freiburg, Dortmund, Hannover und Mainz haben es geschafft sich eine Identität zu bauen, die fast unabhängig von Trainer und Spielern funktioniert. Der kurzfristige Erfolg mag diese Clubs als ungeeignete Beispiele erscheinen lassen, aber schaut euch doch mal an woher diese Vereine kommen. Dortmund am Rande des finanziellen sowie sportlichen Abgrunds, Hannover 96 geplagt durch eine der schlimmsten Tragödien die der deutsche Fußball kennt, Mainz 05 aus der totalen Bedeutungslosigkeit hinter dem FCK erstiegen und der SC Freiburg als gallisches Dorf in Mitten der Fußballgroßmächte. Keiner dieser Vereine hat irgendein Wundermittel, geheimes Labor oder bahnbrechende Neuerungen erfunden. Kontinuierliche Arbeit mit einem übergeordneten Vereinsziel, was unabhängig von den normalen Fluktuation des Fußballgeschäfts funktioniert.

Das sind grundlegende Entwicklungen und keine kurzfristigen Hau-ruck-Aktionen wie panische Spielerkäufe. Dafür muss man solche Pläne auch den Fans kommunizieren. Beim SC Freiburg sprach man nicht von Ligazugehörigkeit, sondern von den besten 20 Vereinen in Deutschland unter welche man gehören will. Strukturell sind wir allen angeführten Beispielen unterlegen, was auch finanzielle Gründe haben mag. Aber nutzt uns beispielsweise eine Fan-Anleihe in Höhe von 6 Millionen €, wenn man keine feste Zusage über einen möglichen Kauf bzw. Pachtvertrag vom wichtigsten Partner (Stadt Kaiserslautern) hat? Was nützt uns ein schöneres NLZ, wenn die Durchlässigkeit von der Jugend in den Profi-Bereich absolut nicht gegeben ist und Spieler fast nur zufällig mal oben landen. Uns sind so viele Talente aus den klassischen Einzugsgebieten durch die Lappen gegangen, dass das nicht nur an den alleinigen infrastrukturellen Gegebenheiten gelegen haben kann. Und auch der Umgang mit eigenen Talenten lässt zu wünschen übrig.

Ein erster Schritt ist gemacht und mit Konrad Fünfstück ein fähiger Mann am Ruder. Auch die jüngsten Erfolge der A-Jugend wirken diesbezüglich wie ein Hoffnungsschimmer. Aber was bringt das alles, wenn die entsprechenden Trainer nicht mitspielen? Ich erwarte mir da vom Verein selber, dass er Regeln und Organisationsstrukturen vorlegt, denen sich jeder Übungsleiter zu unterstellen hat.

Mehr dazu im dritten Teil meiner Artikel-Serie „Relegation! Und jetzt?“.

Beste Grüße

Euer Stehgeiger