Aus dieser hohlen Gasse muss er kommen! – Der FCK auf Trainersuche, oder nicht?

Der Stehgeiger meldet sich frisch zurück aus dem Urlaub und durfte unter der sengenden Hitze Italiens, mit einiger Verspätung, aus dem Kicker erfahren, wie sich Stefan Kuntz dafür entschied, Franco Foda zu entlassen.

Nach drei Siegen und zwei Niederlagen in der noch jungen Saison, entschied sich der Vorstandsvorsitzende Kuntz dafür, seinen ehemaligen Spielerkollegen Franco Foda in die Arbeitslosigkeit zu stürzen. Die beiden Ex-Spieler, welche sich in besseren Zeiten „ein Zimmer auf den Auswärtsfahrten“ teilten (O-Ton Kuntz), fochten nur kurz via diverser Medien über die Entscheidung.

Wie kam es zur Trennung? Kurz vor dem Trainerwechsel hatte der ruhmreiche 1.FC Kaiserslautern mit 0:4 beim VfR Aalen verloren. Zum Spiel wurde bereits an anderer Stelle alles gesagt und geschrieben. Da ich es auch nicht live verfolgen konnte, spare ich es mir, diese Schmach noch einmal im Detail zu analysieren. Wenn Foda nun sagt, dass schon „größere Mannschaften als der FCK“ solche Niederlagen einstecken mussten, dann liegt er damit sicherlich richtig.

Was sind also die Gründe für den überraschenden Kurswechsel am Betze?

Vieler Orts wurde bereits eine Ablösung Fodas gefordert, nachdem man zuerst um die Relegation/Aufstieg zittern musste und sich dann in den beiden Duellen mit der TSG 1899 Hoffenheim als relativ chancenlos erwies. Doch in der kommenden Saison sollte vieles besser werden. Neue Spieler wurden wie immer zuhauf verpflichtet und einige der neuen Gesichter konnten auch direkt überzeugen bzw. gute Ansätze liefern.

Ansonsten tat sich nicht viel in Kaiserslautern. Anstelle von Albert Bunjaku als zuverlässigen Torschützen rückte der junge Simon Zoller und etliche lange Bälle wurden auf Idrissou gefeuert, in guter Hoffnung. Man überragte selten und selbst bei deutlichen Siegen wie gegen den FC Ingolstadt wirkte die Elf limitiert und uninspiriert. Damit meine ich nicht den Kampfgeist oder gar den Willen, sondern ganz einfach die fußballerische Idee und die Kreativität. Alexander Ring war auserkoren, mit spontanen Einzelaktionen und Sololäufen die gegnerischen Reihen zu überraschen. Das lahme Flügelspiel der Vorsaison sollte durch Gaus und Matmour belebt werden. Gaus tat sich als Perspektivspieler hervor, ließ aber leider zu oft durch Ungenauigkeiten sein Spiel fruchtlos enden. Gegen FC Energie Cottbus hätte er den Club in Unterzahl zum Sieg schießen müssen. Aber so etwas kommt selbst bei Pep Guardiola vor!

Karim Matmour, der wenig Offensive brachte, dafür aber mit Florian Dick im Verbund die sicherste rechte Seite in der gesamten 2. Bundesliga festigte, durfte dann gegen das Team von Rudi Bommer seine wahre Natur zeigen. Nach der frühen roten Karte gegen den Kapitän Dick, ackerte, kämpfte und grätschte Matmour als rechter Verteidiger. Jeder der sich seit Jahren etwas Konkurrenz für den treuen Florian Dick gewünscht hatte, durfte seine feuchten Träume erfüllt sehen.

Wenn Matmour im nächsten Spiel nicht als RV aufgeboten wird, dann versteh noch einer den Fußball?! Selten hat sich ein Spieler des FCK in den letzten Jahren dermaßen für eine Position aufgedrängt, wie Matmour es an diesem etwas trostlosen Montagabend getan hat. Das meine ich gar nicht despektierlich, sondern ist mein völliger Ernst. Seine Leistung gehörte zu den Besten der aktuellen Saison.

Differenzen zwischen Trainer und Mannschaft sollen letztlich für den Abgang Fodas gesorgt haben. Sicherlich war seine Menschenführung antiquiert, aber Foda wischte diese Vorwürfe in einem Interview mit www.sport1.de weg. „Ein Problem“ zwischen ihm und Kuntz soll es gegeben haben.

Näheres dazu durfte man nicht erfahren. Vielleicht ist es auch besser so. Foda machte von seinem Recht Gebrauch, sich in der Öffentlichkeit zu wehren. Dabei verzichtete er aber auf tiefgreifende Geheimnisse und die Offenlegung belastender Beweise. Ich finde das sollte man ihm hoch anrechnen. Neben all seinen Fehlern auf und neben dem Platz, sowie seiner stellenweise verzerrten Sicht der Dinge, scheint Franco Foda ein anständiger Mensch zu sein.

Das erste Spiel ohne Franco Foda sollte zum Schaulaufen für den bisherigen Athletik- und Konditionstrainer Oliver Schäfer werden. An seiner Seite als Co-Trainer agierte der Team-Manager, sprich „Mädchen für alles“, Roger Lutz. Die beiden einstigen FCK-Spieler traten also ein Erbe auf Zeit an. Kuntz lässt sich bis heute nicht in die Karten schauen, wer denn nun neuer Leiter am Betzenberg wird. Nach dem emotionalen 2:2 gegen Cottbus, trotz Unterzahl, zielt Kuntz vielleicht darauf, dass Schäfer eine positive Emotion in der Mannschaft weckt. Und diese zarte Flamme will der Vorstandsvorsitzende nicht austrampeln. Nach dem Spiel war zu hören, dass Schäfer definitiv beim Spiel gegen Sandhausen am Ruder sein wird. Dazwischen liegt bzw. lag die Länderspielpause mit einem schmalen Trainingsaufgebot. Von einigen Kiebitzen war zu hören, dass Jan-Lucas Dorow, Ricky Pinheiro (gerade aus Kassel zum FCK zurückgekehrt) und Mario Pokar aus der U-23 Mannschaft zum Training der Profis geladen waren. Außerdem gab man auch Manfred Osei-Kwado die Chance (U-19) sich ganz oben zu zeigen.

Der Schuss nach den Apfel

Jetzt spekuliert ganz Kaiserslautern wild daher und unterschiedlichste Namen geistern durch das Blätterwerk und die digitalen Triebe der Medien. Die WAZ berichtete bereits die Einigung mit dem ehemaligen Duisburger Cheftrainer Kosta Runjaic, der auch mal als Co-Trainer beim FCK II tätig war. Flugs dementierte Kuntz. Ciriaco Sforza meldete sich auf Nachfrage der Bild und Blick (Schweiz) zu Wort, dass er „bereit sei für den FCK“. Die Bremer Institution Thomas Schaaf hat noch keine neue Anstellung, was aber angesichts seiner möglichen finanziellen Forderungen für Kaiserslautern nur ein Wunschtraum bleiben wird. Diese Liste ließe sich über Heiko Vogel (der angeblich wegen des bei Schaaf aufgeführten Grundes nicht zur Verfügung steht), Bruno Labbadia (frisch aus Stuttgart verabschiedet), Holger Stanislawski und viele weitere Namen fortführen.

In den eigenen Reihen tummelt sich noch Konrad Fünfstück, der Nachwuchsleiter und Trainer der U-23 Mannschaft, welcher laut Kicker in Elversberg heiß begehrt war. Ihn zu inthronisieren könnte eine Variante sein, die aber eine Vakanz auf seinen aktuellen Positionen hinterließe. Fünfstück als Fachmann war eine absolut notwendige Verpflichtung und man kann von Glück sagen, dass Kuntz der Coup mit dem Ex-Fürhter gelang.

Der nächste Schuss muss sitzen, dass weiß auch Stefan Kuntz sehr genau. Er dürfte entgegen Tells auch nur einen letzten Pfeil im Köcher haben, um den Apfel vom Kopf des gesamten Vereins zu schießen. In diesem Jahr steht eine Jahreshauptversammlung an, wo Kuntz sich den Mitgliedern stellen muss. Sollte es unter dem neuen Coach, wer auch immer es sein möge, nicht laufen, dürfte auch die Luft an der Spitze ganz schnell sehr dünn werden. Stefan Kuntz ist ein Sympathieträger und nutzt solche Gelegenheiten für tolle Reden. Es darf aber daran gezweifelt werden, ob der Verein und Vorstand dem Druck einer Opposition und der Fans gewachsen sein wird, wenn die Roten Teufel führerlos im Mittelfeld der zweiten Liga rangieren.

Kuntz hatte zwei Pfeile im Köcher. Den einen feuerte er auf Franco Foda, was nach einer Analyse der „letzten 39 Spiele“ unausweichlich wurde und den anderen muss er nun in Richtung eines erfolgbringenden Übungsleiters schießen. Gelingt ihm das nicht, so wird sich in Reihen der Opposition oder des Aufsichtsrats ein Wilhelm Tell auftun, der ihm in einer dunklen Gasse, der anstehenden JHV, auflauern wird. Mir liegt es fern den geschätzten Stefan Kuntz als tyrannischen Vogt darzustellen, er könnte immer noch ein heroischer Tell werden. Aber in diesem schnelllebigen Geschäft dürfte es niemanden verwundern, wenn die Helden von gestern zu den Idioten von morgen werden.

Im Falle des Königsmordes sind die Köcher prall gefüllt. Aus diversen Richtungen darf man vernehmen, dass die finanziellen Bilanzen des 1.FC Kaiserslautern sich bedrohlich einem tiefen Abgrund nähern, der aus einem Fundament von Vorwürfen um Altlasten, Neuverschuldung, miese Bilanzen, Steuergeldern, dilettantischer Planung und Transferflops besteht. All das wird auf unseren Vorstandsvorsitzenden und seine Gefolgsleute (Fritz Grünewald z.B.) einprasseln, sollte der sportliche Erfolg nicht Linderung schaffen. Wie und ob jene Vorwürfe in irgendeiner Form der Wahrheit entsprechen, wird sich wohl erst auf der Jahreshauptversammlung klären lassen. Viele Fans scheuchten die Diskussionen in Foren und Zeitungsartikel (FAZ) jedenfalls auf.

Der Bauchmensch Kuntz steht am Scheideweg und hat noch einen Versuch den Club und seine eigene Rolle zu retten. Ich persönlich hoffe darauf, dass Kuntz das Glück auf seiner Seite hat und jemanden installiert, der den FCK in die 1.Bundesliga zurückführt. Eins sollte man sich vor Augen halten, sind die Bilanzen wirklich so schlecht, wie es aus Internetforen und Anklageschriften schallt, geht es den Nachfolgern am Betzenberg wie einer neuen Bundesregierung. Alle etwaigen Verfehlungen werden den Vorgängern angelastet werden und Kontinuität bleibt auf der Strecke.

Als Gesicht dieses Vereins hat Kuntz wirklich ganze Arbeit geleistet und sollte sich im sportlichen Bereich weitere Kompetenz sichern. Ein neuer Trainer und ein Sportdirektor, wie hier schon ausführlich diskutiert sind wohl unstrittig die Werkzeuge, um den FCK wieder auf Kurs zu bringen.

Als der chronisch blanke 1.FC Köln sich die Dienste von Jörg Schmadtke sicherte, gingen zumindest bei mir die Alarmglocken an.

Für den Stehgeiger heißt es Daumen drücken, dass Kuntz einmal mehr den Retter spielen darf. So ist es nun mal mit Erfolg an der Spitze, all den Ruhm sackte er für die Rettung seit 2008 ein und im Falle des Misserfolgs wird er auch für den Spott und Hohn nicht sorgen müssen. Unantastbar ist er mit Sicherheit nicht, genauso wenig unfehlbar. Den Bilanzen und deren scheinbar desaströse Gestalt sollten sich andere Leute widmen, da ich auf diesem Sektor absolut unwissend bin. Die Jahreshauptversammlung wird darüber Aufschluss geben, wie tief dieser Abgrund tatsächlich ist. Was jene Enthüllungen für die Fan-Anleihe (zu Gunsten des NLZ geplant und beworben) bedeuten könnten, wage ich mich gar nicht erst auszumalen.

Es ist mal wieder Chaos in Lautern und die Protagonisten stehen im Fokus. Das Schafott ist bereits in Planung und es wird höchste Spannung bringen, zu sehen wer den Kopf aus der Schlinge ziehen darf. Klar ist, kommt der 1.FC Kaiserslautern unter Schäfer oder Mister X wieder in Fahrt und steuert auf die Spitzenplätze dieser Liga zu, kann alles andere leicht entschärft werden. Was zwei aufeinanderfolgenden Jahre in der 2. Liga für den Verein bedeuten können, hat Kuntz oft genug ehrlich aufgezeigt. Um unter den aktuellen Konstellationen (Stadionmiete, Infrastruktur etc.) überleben zu können, braucht Kaiserslautern die Einnahmen aus Erstligafußball.

Im Sinne des ganzen Vereins drücke ich die Daumen!

Stehgeiger

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