Ausgebremst! Der FCK nach dem Pflichtsieg im Pokal und dem Spitzenspiel in Fürth

Der 1. FC Kaiserslautern setzte sich in der ersten Runde des DFB-Pokals souverän gegen die Neckarsulmer Sport-Union (NSU) durch. Sieben Tore wurden dabei erzielt, was so manchen Fan dazu verleitete, bessere Zeiten am Betze einzuläuten. Ein Klassenunterschied von fünf Ligen machte sich besonders in der zweiten Halbzeit bemerkbar. In der Hitze ging der tapfer kämpfenden NSU die Energie aus und die Profis konnten das Ergebnis deutlich gestalten.

Nach den erfolgreichen drei ersten Pflichtspielen bestand die Gefahr, dass man sich von dem bisher Erreichten blenden lassen könnte. Im Ligabetrieb agierte der FCK meist relativ uninspiriert und profitierte von der Kaltschnäuzigkeit Zollers und den eher mäßigen Gegnern. Am Montag erwartete die Roten Teufel dann der erste richtige Härtetest, Absteiger Greuther Fürth bat zum Topspiel in der Trolli Arena.

Franco Foda überraschte Fans und Experten mit einer gewagten Aufstellung. Da Alexander Ring zur finnischen Nationalelf gereist war und Ruben Jenssen auf seine Nominierung (Norwegen) verzichtete (in Einvernehmen mit dem Nationaltrainer Olson), rechnete man eigentlich mit dem Startelf-Debüt des Norwegers. Stattdessen brachte der Trainer aber Karl und Borysiuk im Zentrum. Der junge Pole hatte bis dahin überraschenderweise nicht mal im Kader gestanden. Kleinere Blessuren hatten den Stammspieler der letzten Saison zurückgeworfen. Karl und Borysiuk im defensiven Mittelfeld versprach Zweikampfhärte und wenig offensiven Esprit. Ariel Borysiuk mag von diesem Duo noch eher in der Lage sein, auch das Spiel nach vorne anzukurbeln.

Die Viererkette blieb unverändert und auf den Außenbahnen durften wieder Gaus und Matmour beginnen. Gerade Matmour hatte sich meiner Meinung nach nicht für weitere Auftritte in der ersten Elf empfohlen. Defensiv sehr solide, brachte er doch sehr wenig im Vorwärtsgang.

3-Tore-Mann Zoller, wiedergenesen nach einer Zehenprellung, fand sich auf der Bank wieder. Der im Pokal erfolgreiche Occean durfte neben Idrissou an seiner alten Wirkungsstätte stürmen.

Zwei Läufer, zwei klassische Abräumer und zwei sehr identische Stoßstürmer sollten also die mit zwei Siegen gestarteten Fürther überrumpeln. Auf den beweglichen Zoller wurde ebenso verzichtet, wie auf einen möglichen Spielgestalter Jenssen.

Die Partie begann recht zerfahren und man merkte beiden Teams an, dass zu diesem Zeitpunkt in der Saison noch nicht alles zusammenpasst. Kaiserslautern war aber spielerisch gefälliger und erzielte folgerichtig das 0:1 nach einem Eckball Matmours durch Kopfball Idrissou. Kurz darauf kassierten die Roten Teufel bereits den Ausgleich durch den giftigen Goran Sukalo. Einen Pass in den Rücken der Abwehr nutzte der sträflich freie Zsoltan Stieber zu einem Schussversuch, welcher dann von Sukalo ins Tor geköpft wurde. Bei dem Kopfball spielte die Betze-Elf fahrlässig auf Abseits, dass aber durch einen Spieler weit außen aufgehoben war. In der Folgezeit lief beim 1.FC Kaiserslautern nicht viel zusammen und echte Torchancen waren auf beiden Seiten Mangelware.

Die Fürther gewannen aber an Überlegenheit und setzten jene durch rigorose Zweikampfführung und Cleverness durch. Wer sich darüber beklagt, dass im heimischen Stadion Freistöße geschunden werden, der war wohl Anfang der 1990er Jahre nie auf dem Betzenberg. Die Kleeblätter agierten giftig und wurden auch für manch unsportliches Spiel bestraft. Tom Weilandt kassierte eine Gelbe Karte für den dilettantischen Versuch einen Elfmeter zu provozieren. Ich kann aber als FCK-Fan mit zwanzigjähriger Erfahrung andere Teams nicht dafür verurteilen, alles dafür zu tun, dass die eigenen Farben gewinnen. Schiedsrichterleistung hin oder her, die Statistik hat den FCK mit 24 zu 22 Fouls und 25 zu 24 Freistößen gegenüber den Hausherren. Da lässt sich für meinen Begriff schwerlich von Bevorteilung sprechen. Und wer Goran Sukalo vorwirft Mohamadou Idrissou absichtlich provoziert zu haben, der kann nun wirklich kein Beobachter der 2. Bundesliga sein. Idrissou nicht in Zweikämpfe zu verwickeln und ihn nicht zu attackieren wäre völlig kurzsichtig. Jeder Spieler und Trainer weiß doch, wie kurz die Zündschnur bei unserem Torjäger sein kann. Gelbe Karten sieht er für sein Einsteigen häufig, wobei er selten sich und den Gegenspieler schont. Es gehört zu einer cleveren Spielausrichtung und Erfahrung, dass man ihn durch kleine Nickeligkeiten aus der Fassung bringt. Das ist Sukalo und der SpVgg Greuther Fürth sehr gut gelungen. Axel Roos tat selbiges immer, wenn Martin Dahlin auf den Betze kam.

Ich kann also die vielen Reaktionen auf die Spielweise der Kleeblätter nicht nachvollziehen, am Betze spielte der FCK traditionell mit solchen Mitteln und kam oftmals erfolgreich damit durch. Fürth spielte Kaiserslautern nicht an die Wand, aber war giftiger, galliger und williger. Der 2:1 Siegtreffer durch Ognen Mudrinski (79. Minute) war unter diesen Umständen durchaus gerechtfertigt. Auch hier stimmte die Zuordnung nach einem Eckball nicht und der Neuzugang aus Belgrad kam ungedeckt zum Kopfball, welcher für Torhüter Tobias Sippel sehr spät zu sehen war.

In den letzten vierzehn Minuten verpasste es der FCK spielerische Mittel gegen die kämpfende Heimmannschaft zu finden. Auch die späten Einwechslungen von Drazan, Zoller und Kevin Stöger brachten nicht mehr den erhofften Effekt. Zum Ende war es ein ungefährdeter Heimsieg für von Frank Kramer trainierten Franken.

Nun ist es durchaus möglich in Fürth zu verlieren, aber die taktischen Maßnahmen von Franco Foda waren zum Haareraufen. Keinerlei Kreativität im Zentrum und die Zwillinge Occean/Idrissou in der Spitze brachten genau das, was sie versprachen. Die zwei Abräumer räumten ab, taten aber sehr wenig für die spielerische Linie. Die Außenspieler fanden kaum statt, auch weil sie sehr wenig eingesetzt wurden. Wer sollte die zwei schnellen Spieler auf bedienen?

Im Sturm standen sich die zwei „Türme“ ständig auf den Füßen und man kann mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass dieses Duo gegen bessere Gegner keine Zukunft hat. Der agile und bewegliche Zoller fehlte als Anspielstation und seinen Lauf mit 3 Toren aus den ersten 2 Spielen unterbrach Foda gekonnt. Die Verletzung war laut Vereinsangaben bereits abgeklungen und Zoller spielte auch unter der Woche im Testspiel gegen die SV Viktoria Herxheim (1 Tor Zoller).

Ruben Jenssen muss sich seinerseits auch etwas veräppelt vorkommen. Zeigte er doch Initiative und rückte von seiner Nominierung zum Freundschaftsspiel-Klassiker gegen Schweden ab, hockte der pass-sichere Mittelfeldspieler in Fürth auf der Bank. Egal welche taktische Marschroute Foda sich überlegt haben mag, das war definitiv kein gutes Zeichen an den Norweger. In der Vergangenheit wurden Spieler wie Fortounis und Borysiuk für ihre Länderspielreisen vom Trainer kritisiert, jetzt dankt es Foda Jenssen mit der Nichtberücksichtigung. Man kann immer argumentieren, dass der Spielverlauf eine Einwechslung verhinderte oder der Plan für das Spiel anders aussah, aber gerade ein offensiver Mittelfeldakteur in der Zentrale fehlte an allen Ecken und Enden. Jenssen soll laut Beschreibung so jemand sein.

Wie jeden anderen FCKler ärgert mich diese unnötige Niederlage auch, aber auf der anderen Seite bin ich darüber beruhigt, dass man früh in der Saison einen Denkzettel verpasst bekam. Wer wiederholt spielerisch so dürftig auftritt, hat auch keine Punkte verdient. Ich hoffe Foda sieht das ein und verbannt diese Aufstellung in den „gescheiterte-Ideen“ Keller. In den Medien und anderen Fanportalen wurde mir für meinen Geschmack viel zu positiv über die bisherigen Leistungen berichtete und diskutiert, wobei ich keine größeren Verbesserungen zum ideenlosen Spiel der letzten Saison erkennen konnte. Niemand will ein Besserwisser sein, es geht nur um das Wohl des Clubs. Foda sollte sich dabei genau überlegen wie er aufstellt und mit Spielern umgeht, sonst endet diese Aufstiegsmission schneller als es den Fans und Verantwortlichen lieb sein sollte. Wer dann auch noch an den Sky-Mirkofonen von einer „sehr, sehr guten Leistung in der 2. Halbzeit“ spricht, der hat diese Meinung exklusiv. Bei weiteren Auftritten dieser Art, wird bald wieder von „Schönfärber“ Foda die Rede sein. Hoffentlich kann man diese Leistung um Spitzenspiel richtig einordnen, denn es ist noch nichts verloren. Lernfähigkeit darf man niemandem absprechen. Ein Schuss vor den Bug zur rechten Zeit!

Da ich in den kommenden drei Wochen im Urlaub bin, wird man erst danach wieder etwas von mir hören.

In diesem Sinne

Euer Stehgeiger

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