Nachtrag zur Kaderanalyse – 1.1

Jakub Swierczok wird den 1. FC Kaiserslautern wieder verlassen. Polnischen Medienberichten zu Folge wird „Kuba“ wieder nach Polen verliehen.

http://www.90minut.pl/news/214/news2149833-Jakub-Swierczok-przeszedl-testy-medyczne-w-Ruchu-Chorzow.html

Ruch Chorzow wird den Stürmer sehr wahrscheinlich für ein Jahr leihen, mit Kaufoption.

Das wird die meisten FCK-Fans kaum interessieren, denn außer ein paar Einsätzen in der Abstiegssaison und in der U-23 (mit einem fantastischen Tor gegen TuS Koblenz), durfte er nicht viel zeigen.

Ich möchte aber an diesem Beispiel aufzeigen, wie unstrukturiert manchmal beim FCK gearbeitet wird. Jakub Swierczok kam in der Winterpause der Saison 2011/12 zum 1. FC Kaiserslautern und war nur Insidern des polnischen Fußballs bekannt. Er hatte eine gute Torquote in der zweiten polnischen Liga und wurde vom 1. FC Kaiserslautern für 420.000 € gekauft. Ausgestattet wurde der damals gerade 19-jährige Stürmer mit einem Vertrag bis 2015.

Er begann seine Saison beim FCK in der Startelf gegen Werder Bremen und durfte von sechs Spielen, drei mal von Beginn an auflaufen. Im gelang kein Tor oder eine Torbeteiligung. Wenngleich er gerade in seinem ersten Spiel gegen Werder tolle Ansätze zeigte und frech aufspielte. Danach kam das junge Talent nur noch in der U-23 zum Einsatz, wo er in 9 Spielen 3 Tore und 2 Vorlagen verbuchen durfte.

Und damit endet seine FCK-Geschichte auch schon. Zu Beginn der neuen Saison in der 2. Bundesliga wurde er zu Piast Gliwice verliehen und gleich im ersten Pflichtspiel verletzte er sich schwer. Eine Kreuzbandverletzung machte es ihm unmöglich, weiterhin Spielpraxis zu sammeln, wie von den Lautrer Verantwortlichen angedacht. Foda hatte ihn gewogen und als zu leicht empfunden.

Nach auskurierter Verletzung berichteten Polen-Experten in verschiedenen Foren, dass er gerne nach Kaiserslautern zurückkehren möchte und sich ins Team spielen will. Ich hatte ihn für U-23 auf dem Zettel und möglicherweise, auch nach der heftigen Auszeit, als Kaderspieler in der ersten Mannschaft. Dazu wird es nicht mehr kommen, obwohl Stefan Kuntz den jungen Mann den Fans als großes Talent anpries. Da musste man reagieren, um ihn vom Markt zu nehmen. In ein paar Jahren sei so einer viel zu teuer für den FCK. All diese Überzeugung scheint dahin, da man ihn jetzt mit einer Kaufoption zurück in die Heimat verliehen hat. Wie kann man in 1,5 Jahren und nicht mal 10 Spielen für die erste Mannschaft sagen, all das Potential ist scheinbar nicht vorhanden?

Ich wundere mich ehrlich darüber, wie man so eine Entscheidung fällen kann. Es ist logisch, dass er nach den Verpflichtungen von Zoller und Occean sehr geringe Chancen auf einen Platz unter den Top 25 Spielern des 1. FC Kaiserslautern hatte. Trotzdem wäre er eine logische Option für die U-23 gewesen. Zumal man ihm einen langfristigen Vertrag gab. Eine Entwicklung wird ihm jetzt nicht mehr zugestanden, denn selbst wenn er für Ruch Chorzow wie am Fließband trifft, wird man ihn nicht mehr am Betze sehen. Dafür hat der polnische Club die Kaufoption. Selbst wenn jener Club die Option nicht bedienen könnte, aus finanziellen Gründen, würden sie es doch tun und den Spieler gleich weiterverkaufen.

Welchen Gewinn erhofft sich der FCK von solch einem Geschäft? Es klingt alles danach, als wollte man den Spieler loswerden. Durch die Verletzung und eine Saison ohne Spielpraxis war kein Markt für ihn gegeben. Kein Verein der Welt hätte Geld für ihn gezahlt, dass auch nur annähernd die Ablöse und Gehaltskosten wieder einbringt. Nun erhofft man sich eine Leistungsexplosion, an der der FCK nur noch finanziell partizipiert. Wäre auch nachzuvollziehen, wenn Kuba die Lohnliste dermaßen belasten würde, dass Kuntz in Bedrängnis geriet. Jenes Szenario ist aber schwer vorstellbar, leistet man sich mit Bunjaku, Idrissou und Occean gleich drei 2.Liga-Schwergewichte für den Sturm.

Das Scouting und das Handeln des Vorstandes (Kuntz) ist mir in diesem Falle einfach zu trainerabhängig. Auch wenn Foda den Spieler vielleicht nicht schätzt, wer weiß wie lange er noch Trainer bleibt. Immerhin hat man Swierczok vertraglich verpflichtet, was auch für den Verein einen Vertrauensvorschuss wie auch eine Verpflichtung bedeutet. Bei den ersten Problemen gleich die Segel zu streichen, klingt für mich wenig mittelfristig gedacht.

Was ist, wenn der Stürmer in Polen kein Bein auf den Boden bekommt und kein Interesse besteht die KO zu ziehen? Dann hat man ihn wieder zum kommenden Sommer im Kader und darf sich die Finger wund telefonieren. Wo ist das Vertrauen in sein Potential/Talent geblieben?

Was erhoffte man sich eigentlich von ihm? Man konnte doch nicht ernsthaft davon ausgehen, dass ein Teenager, der kurz vor dem Transfer sein 19 Lebensjahr erreicht, den FCK in seiner damaligen Situation in der Liga hält. Ich dachte es sei ein Vorgriff gewesen, damit man nicht irgendwann keine Chance mehr hat um Jakub Swierczok zu bieten? Der Stehgeiger ist verwirrt.

Franco Foda befand ihn gar für die 2.Bundesliga zu schlecht, was schwer bestreitbar ist. Und selbst dann hätte man ihn in der U-23 auflaufen lassen können, damit er sich an das Land und die Sprache gewöhnt, als ihn direkt zurück in die Heimat zu schicken, wenn auch eine Liga höher.

So schnell sinken und steigen die Aktien beim 1. FC Kaiserslautern. Ich bin der Meinung diese Geschichte wirft ein schlechtes Licht auf das Scouting, das Trainerteam und den Vorstand. Jetzt kann man natürlich argumentieren, dass er uns vielleicht in diesem Jahr und nach der langen Verletzung nicht weitergeholfen hätte, aber wozu hat man eine U-23?

Schlüssig wäre die ganze Sache nur, wenn Swierczok ein absolut chaotischer Charakter wäre, der sich partout nicht in ein Team integrieren lässt. Dazu müssten Sachen neben dem Fußballplatz vorgefallen sein, die ihn als Spieler am Betze disqualifizieren. Davon hörte man bis dato nicht. Auch dann müsste sich die Scoutingabteilung unter Fehse den Schuh anziehen, denn wozu hat man heute zahlreiche Informationen über die Spieler, auch was ihr Verhalten und das Privatleben angeht. Niemand legt sich mehr ein faules Ei ins Nest, wenn der sportliche Gewinn nicht gegeben ist. Dafür sind die Spieler heutzutage einfach zu gläsern. Vereine sammeln nicht mehr nur sportliche Daten, sondern ganze Persönlichkeitsprofile über die Spieler.

Weiterhin wäre ein mögliches Szenario, dass er nach seiner Verletzung an der Sportinvalidität kratzt, was der medizinische Check bei Chorzow zeigen wird.

Der Stehgeiger wünscht Jakub „Kuba“ Swierczok alles Gute. Egal wie der Fall liegt, der 1. FC Kaiserslautern versucht sein Investment zu schützen und mich beschleicht das Gefühl, dass man dabei einen Fehler begangen hat. So oder so.

In diesem Sinne

Euer Stehgeiger

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