Als Hopp das rote Kaninchen stahl – Die Relegation und ihr Ende Teil1/2

Der 1. FC Kaiserslautern hat die Relegation verloren. In beiden Spielen schafften die Pfälzer es nicht sich gegen die TSG 1899 Hoffenheim durchzusetzen. Das Hinspiel in Sinsheim ging mit 3:1 verloren und das Rückspiel endete ernüchternd mit 1:2. In beiden Spielen bewiesen die Hoffenheimer spielerische Klasse und Cleverness, die dem FCK schon die gesamte Saison abgeht.

Man kann natürlich mit den Schiedsrichtern hadern und sich damit trösten, dass man durchaus phasenweise dran war. Aber zusammengefasst sprechen die Ergebnisse eine deutliche Sprache. Der TSG gelang es immer genau dann zu treffen, wenn die Lautrer irgendwie im Aufwind waren. Das 3:1 im Hinspiel durch den eingewechselten Sven Schipplock beendete jede Hoffnung auf eine bessere Ausgangssituation und der wuchtige Kopfball zum 1:2 Siegtreffer auf dem Betzenberg durch Jannick Verstergaard brachte sogar das phantastische Publikum zum Schweigen. Danach spielte sich Einmaliges in der Festung Betze ab. Nachdem die Fans realisierten, dass es trotz vorbildlichem Einsatz nicht mehr reichen würde, besangen sie ihre Helden auf dem Spielfeld bis zur letzten Sekunde und spendeten der Mannschaft durch minutenlange Ovationen nach dem Abpfiff Trost.

Ich bin sehr froh, dass der 1. FC Kaiserslautern und die Fans ganz Deutschland dieses Gesicht zeigten. Keinerlei Randale, keine Schmähgesänge gegen Dietmar Hopp und auch die mäßige Leistung der Roten Teufel wurde nicht mit Pfiffen beantwortet. Der 12. Mann war da und gab alles was er konnte, es trieb mir die Tränen in die Augen. Was bleibt nun nach dem Scheitern? Ich werde versuchen ein Bild zu konstruieren, dass viele Wägbarkeiten kommentiert und einen Ausblick bietet auf die nächste Saison.

Trainer Franco Foda entschied sich im entscheidenden Rückspiel für einige gewagte Personaländerungen. Er brachte Bunjaku und Drazan von Beginn an, wobei beide die Außenbahnen beackern sollten.

Die Hereinnahme von Kapitän Albert Bunjaku war nur zu logisch, wollte er die Durchschlagskraft in der Offensive erhöhen. Der erfahrene Stürmer musste aber zum wiederholten Male auf den Außen agieren. Vielen Beobachtern war bereits während der Saison aufgefallen, dass Bunjaku dort nicht sonderlich glücklich spielt. Er schafft es nicht zu Flankenläufen anzusetzen und die Mitte (Idrissou) mit Bällen zu füttern. Auch in den vielen 1:1 Situationen mit den Außenverteidigern sieht er nicht viel Land. Einigen wir uns darauf, dass man Bunjaku möglichst nahe am Strafraum unterbringen muss, um von seiner Torgefahr, Cleverness und Schussstärke zu profitieren. Fehler Nummer 1 für Franco.

Drazan wusste in keinem seiner Kurzeinsätze zu überzeugen und spielte auch gegen schwache Gegner meist pomadig, langsam und ideenlos. Von der viel besungenen Schnelligkeit hat am Betze bis heute niemand etwas gesehen, im Gegenteil. Er tut sich schwer Spielsituationen in diesem Tempo zu erfassen und reagiert dementsprechend langsam. Ähnlich präsentierte er sich auch gegen Hoffenheim, wobei jeder Spieler einen kleinen Bonus an Laufbereitschaft und Einsatzwille attestiert werden darf, durch das furiose Publikum. Wie Foda ausgerechnet in diesem wichtigen Spiel seinen Startelfeinsatz rechtfertigt, bleibt sein Geheimnis. Natürlich blieb Weiser im Hinspiel blaß und Fortounis scheint mit den Gedanken irgendwo zu sein, aber beide haben in der Vergangenheit bereits gute Spiele abgeliefert, was man von Drazan einfach nicht behaupten kann. Fehler Nummer 2 für Franco.

Die gesamte spielerische Last bliebt bei Alexander Baumjohann, den es jetzt wohl zu einem Erstligisten ziehen wird. Er spielte stark und rieb sich unheimlich auf, aber all sein Esprit und die Ideen verpufften recht schnell, nachdem er vor allem in der zweiten Halbzeit von 2-3 Hoffenheimern umstellt wurde. Der Spielaufbau des FCK war also extrem leicht zu durchschauen und mangels spielerischer Akzente die andere hätten setzen müssen, war man kaum in der Lage so etwas wie ein koordiniertes Angriffsspiel zu entfalten. Technisch starke Spieler wie Fortounis, Weiser oder auch Köhler fehlten, Bunjaku und Drazan gelang dahingehend nichts. Fehler Nummer 3 für Franco.

In der Innenverteidigung ersetzte Foda Heintz durch Orban, der seine Sache ordentlich erledigte. Beim zweiten Gegentor war er dann völlig unterlegen, gegen den viel größeren Verstergaard, den man im Raum kaum verteidigen kann. Der junge Däne kam mit ein paar Schritten Anlauf in den Strafraum und sprang so auch einige Stockwerke höher um den Ball im Tor unterzubringen. Warum man diesen starken Kopfballspieler nicht in Manndeckung nimmt, wird wieder nur Foda wissen. Die FCK-Spieler verteidigten bei den Standarts, aus welchen beide Gegentore am Betze resultierten, nur im Raum und waren so oftmals zu weit weg von den heranstürmenden Gegnern. Etwas, dass der FCK vor ein paar Saisons seinerseits hervorragend ausnutze, mit den Kopfballspielern wie Amedick, Rodnei oder Lakic. Das schon legendäre 5:0 zu Hause gegen Schalke 04 sollte sich jeder noch einmal anschauen, um zu verstehen worum es geht. Hoffenheim war die ganze Saison bei Standarts schwach, obwohl man den großgewachsenen Verstergaard und den Scharfschützen Sehad Salihovic hat. Das Gisdol jetzt an dieser Stelle etwas ändern würde, dürfte jedem im Vorfeld klar gewesen sein. Franco Foda wusste das anscheinend nicht.

Steven Zellner rückte für den verschobenen Orban ins defensive Mittelfeld, wo er neben Ariel Borysiuk die Zentrale dicht machte. Das gelang Zellner auch ganz gut, nur offensiv setzte er keinerlei Akzente. Zwei klassische Zerstörer in der Mitte brachten die Hoffenheimer kaum in Verlegenheit und man agierte Zeitweise eher mit einer 6er Abwehrkette. Natürlich durfte man dem Gegner nicht ins Messer laufen und früh ein Gegentor kassieren, aber spielerisch bedeutete das Magerkost. Köhler oder de Wit wären Alternativen gewesen und jedem Fan dürfte jetzt klar sein, wie wichtig Enis Alushi für das Mannschaftsgefüge war. Er spielte den Zwischenspieler zwischen Defensive und Offensive und erleichterte Baumjohann damit die Arbeit. Das wusste Foda auch und man legte nach, als Alushi den Rest der Saison ausfallen sollte. Nun verletzte sich dessen Ersatz Markus Karl auch so schwer, dass er nicht mehr spielen konnte. Zwangsläufig hätte das zu mehr Spielzeit für den wiedergenesenen Pierre de Wit oder Benjamin Köhler führen müssen, tat es aber nicht.

Mit mehr spielerischer Klasse auf den offensiven Positionen, hätte man den Riegel vor der Abwehr prima rechtfertigen können. Aber so blieb dem Team fast nichts anderes übrig als das Heil in langen Bällen auf Idrissou zu suchen, der mal wieder von Vestergaard gut abgedeckt wurde. Mo rieb sich auch in vielen Scharmützeln auf und sah aber in der Luft gegen den Dänen schlecht aus.

Das Zeugnis was der Stehgeiger dem Trainer Franco Foda ausstellt, ist sicherlich nicht mehr befriedigend. Zu plump und offensichtlich waren seine Marschroute und spielerische Linie für die ganze Saison. Wenn alles von einem einzigen Kicker abhängt, Baumjohann, dann können selbst Regensburg und Sandhausen diesen Mann zustellen. Der Trainer mit Stallgeruch fand oftmals keine Antwort auf die Anforderungen der Gegner und wechselte höchstens von 4-2-3-1 zu 4-4-2. Die gewachsene Spielidee fehlte und vorhandene Kicker machte er auch nicht besser. Der 1. FC Kaiserslautern ist ziemlich leicht auszurechnen und bringt kaum mal einen Überraschungsmoment.

Jetzt denken viele Fans daran, am Stuhl des Franco Foda zu sägen und ich selbst wäre dem Gedanken auch nicht abgeneigt. Trotzdem muss man ihm zugestehen, dass jeder Mensch (mit wenigen Ausnahmen) lernfähig ist. Ich hoffe die abgelaufene Saison wird genau analysiert und die eigenen Fehler offen gelegt. Von seinen Interviews kommt Foda eher etwas aufgeblasen und grobschlächtig daher, was hoffentlich nur mein Eindruck ist. Er scheint ein Trainer der „alten Schule“ zu sein, was zuerst einmal nichts schlechtes sein muss. Nur diesen von Dinosauriern und Selbstdarstellern geprägten Übungsleitern geht meist die Fähigkeit ab, eigene Fehler zu sehen.

Noch habe ich die Hoffnung, dass Foda auch einsieht, dass er einige Entscheidungen überdenken sollte. Sollte das nicht der Fall sein und er die Saison weiterhin als „Top-Saison“ mit unglücklichem Ausgang interpretieren wollen, muss er gehen. Dann hätte man auch gleich Milan Sasic halten können, dem man ja ähnliche Verfehlungen vorwarf, was die taktische Einstellung betrifft. Noch ist nicht aller Tage Abend für Franco, aber er muss aufpassen, dass sich nicht selbst ins Abseits manövriert. Stefan Kuntz ist nicht gerade zimperlich, was das Entlassen von Trainer betrifft.

Weitere Erkenntnisse und ein Blick in die Glaskugel im nächsten Teil!

In diesem Sinne

Stehgeiger

Werbeanzeigen

2 Kommentare

  1. Mir gefällt der Artikel sehr gut, du hast in allen Punkten recht, wobei es natürlich auch teilweise deine eigene Meinung ist. Ich denke, dass Franco Foda nicht alles falsch gemacht hat. Er hat junge Eigengewächse wie Hendrick Zuck oder Dominique Heintz in die erste Mannschaft gebracht, legt generell viel Wert auf die heutzutage so wichtige Jugendarbeit (siehe Florian Riedel, Denis Linsmayer, Willi Orban, Steven Zellner usw.). Mit dem Fehler bei den defensiven Mittelfeldspielern hast du aber absolut Recht. Markus Karl hat als Ersatz stark gespielt, aber nach seiner Verletzung wurde die Position nicht mehr ausreichend besetzt. Ein Grund für die Niederlage in der Relegation?

    • Hallo,
      zuerst möchte ich dir für deinen Kommentar und das Lob danken.

      Sicherlich hat Foda nicht alles falsch gemacht, weßhalb ich mich auch nach dem Ruf um einen neuen Trainer schwer tue. Ich würde ihm gerne die Zeit geben, noch einmal anzugreifen und eine Mannschaft für die kommende Saison zu formieren.

      Einige Dinge die du geschrieben hast, stimmen aber nicht so ganz. Foda hat als völlige Neulinge Zuck und Linsmayer in die „Kampfmannschaft“ gebracht. Orban durfte bereits unter Marco Kurz bei den Profis debütieren, verschwand danach aber wieder in der U-23. Ähnlich geht es mit Steven Zellner. Dominique Heintz hatte seine ersten Einsätze unter der Regie von Balakov, stand also bereits im Kader. Zu ihm gab es schon seit einiger Zeit die Forderung, ihn endlich bei den Profis mitspielen zu lassen. Trotzdem gab ihm Foda das Vertrauen, zuerst als LV und dann IV. Mit Florian Riedel hast du natürlich recht, wobei ich erst davon ausgegangen bin, dass er hinter Dick aufgebaut werden soll. Er kam aber häufiger als Offensivkraft zum Einsatz.

      Generell gefällt mir das Positionsspiel von Foda nicht und in der Hinrunde war der FCK eindeutig stärker und spielerisch besser. Nun vollzog er einen Systemwechsel und brachte Bunjaku so oft auf der Außenbahn. Warum er das so gemacht hat, erschließt sich mir nicht.

      Falls du die Seite spielverlagerung.de nicht kennen solltest, schau dir mal ihren Bericht zum zweiten Relegationsspiel an. Die Eindimensionalität des Aufbauspiels war viel zu leicht zu durchschauen.

      Ich bin wie immer sehr dankbar für jedwedes Feedback! Dein Blog sieht auch sehr interessant aus, auch wenn ich das Layout für sehr puristisch halte. Die Artikel gefallen mir aber. Mein eigenes Layout ist noch etwas chaotisch, denn ich habe noch nicht alle Einstellungen von wordpress verstanden. 😉

      Beste Grüße


Comments RSS TrackBack Identifier URI

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s