Die nähere Zukunft – In Teufels Küche? Teil 1/2

Die Saison neigt sich dem Ende zu und unabhängig wie die Relegation ausgehen mag, die Kaderplanung wird bereits vorangetrieben. Im letzten Artikel habe ich mich ausführlich mit den Leihspielern und dem bestehenden Kader auseinandergesetzt, jetzt möchte ich auf mögliche Zugänge eingehen. Damit meine ich weniger externe Spieler, sondern die jungen Männer aus dem Unterbau des 1. FC Kaiserslautern. Den Fokus lege ich dabei besonders auf die zweite Mannschaft in der Regionalliga Südwest sowie die A-Jugend (U-19). Im ersten Teil werde ich nur den FCK II und seine Lage/Rolle kommentieren.

Ich muss meine Leser wieder einmal vorwarnen, dass ich beide genannten Teams viel zu selten live zu sehen bekomme, mich aber intensiv mit Spielberichten und den Ergebnissen beschäftige.

Die zweite Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern spielt in der Regionalliga Südwest. Trainer des FCK II war der allseits bekannte Alois Schwartz. Er verrichtete solide Arbeit und immer wieder fanden Spieler den Weg aus der Zweiten in die erste Mannschaft. Nach dem 8. Spieltag am 07.09.2012, einem Heimsieg gegen den starken SV Elversberg, wechselte Schwartz die Farben. Der treue Übungsleiter, der auch schon als Interimscoach der ersten Mannschaft in Erscheinung getreten war und seit er in der Saison 06/07 den FCK II übernahm alle Widrigkeiten überlebte, schloss sich dem Drittligisten Rot-Weiß Erfurt an. Der Coach selbst war nie ein aktiver Spieler für den FCK gewesen, er spielte sogar bei Rivalen wie Waldhof Mannheim und dem FC Homburg. Schwartz nahm die Chance auf einen Cheftrainer-Posten im Profi-Bereich wahr. Nachfolger sollte der 1991er Meisterspieler Guido Hoffmann werden, ein ehemaliger Weggefährte von Stefan Kuntz (ohne jede Wertung). In den 12 Spielen unter seiner Leitung, schaffte der kleine FCK 4 Siege, 5 Unentschieden und 3 Niederlagen. Keine schlechte Bilanz für den Neuling. Trotzdem wurde die Interimslösung wieder auf einen anderen Posten verschoben, als man einen geeigneteren Nachfolger für Schwarzt fand. Hoffmann trägt heute die Bezeichnung „Junioren Chef-Trainer“ und Konrad Fünfstück übernahm den Trainerposten. Nebenbei fungiert dieser Fünfstück auch noch als sportlicher Leiter des Nachwuchsleistungszentrums.

Selbst vielen Insidern war Fünfstück kein Begriff. Profi war er nie und ist mit seinen 32 Jahren auch ein recht junger Trainer mit großem Aufgabenbereich. Man vernahm nur vom abgebenden Verein SpVgg Greuther Fürth, dass man seinen Abgang sehr bedauere. Man hoffte, die Verantwortlichen hätten sich bei dieser Personalie etwas gedacht. Fünfstück hat also einen recht großen Kompetenzbereich und rechtfertigt das bis jetzt völlig. Seit seiner Übernahm des FCK II, spielte die Mannschaft um den Aufstieg in die dritte Liga mit und führte die Tabelle zwischenzeitlich an. Nun ist man auf der Zielgeraden gestolpert und kann sich die mögliche Relegationsrunde abschminken.

Trotzdem muss man sagen, dass seine Arbeit für sich spricht. Seit dem 21. Spieltag gelang es der zweiten Mannschaft 6 Spiele zu gewinnen, bei nur 3 Niederlagen und 5 Remis.

Greuther Fürth machte aus seinen wenigen Ressourcen viel und schaffte es immer wieder herausragende Jugendspieler an den Profi-Bereich heranzuführen. Darunter Bundesligaprofis wie Sercan Sararer, U-20 Nationalspieler Felix Klaus, Stefan Schröck, Edgar Prib, Heiko Westermann, Christian Eigler, Roberto Hilbert, Nicolai Müller, Thorsten Oehrl, unseren Markus Karl, Björn Schlicke, Ronny Philp, Jury Judt und Daniel Adlung um nur einmal die prominentesten Beispiele zu nennen. Allein Westermann, Eigler, Müller, Hilbert und Schlicke generierten dabei geschätzte 5.700.000 € Ablösezahlungen (Quelle: www.transfermarkt.de). Zehn Jahre lang war Konrad Fünfstück als Jugendtrainer und Trainer der Reserve in Fürth maßgeblich an der Entwicklung solcher Spieler beteiligt.

Die Personalie Fünfstück und die guten Ergebnisse der zweiten Mannschaft werte ich optimistisch als Zeichen, dass der Unterbau des 1. FC Kaiserslautern sein Schattendasein ablegen kann und endlich wieder kostengünstige Profis für den FCK produziert. Natürlich ist Jugendarbeit im Allgemeinen ein vielschichtiges Thema und lässt sich selten an wenigen Faktoren festmachen, aber ein Schritt in die richtige Richtung scheint mit der Inthronisierung Fünfstücks gemacht. Interessante Spieler finden sich in der Reserve, die zur kommenden Saison definitiv einen genaueren Blick im Hinblick auf die Kaderzusammenstellung wert sind. Im nächsten Schritt möchte ich einige näher beleuchten.

Da wäre zum Beispiel der junge Jean Zimmer, ehemaliger Kapitän der A-Jugend. Der als linker und rechter Verteidiger einsetzbare 19-jährige, überzeugte in seiner Premierensaison im Herrenbereich mühelos und etablierte sich als Stammspieler. Bis heute hat er 33 Spiele in der Startelf absolviert, wobei er nur einmal ausgewechselt wurde. Erstaunliche Werte für einen Junior, der bei einem Aufstiegskandidaten in der Regionalliga debütierte.

Mario Pokar kam ablösefrei von Eintracht Frankfurt II. Der junge Mann (23) hat eine bewegte Zeit hinter sich, startete er bei der Eintracht und wechselte dann auf die Insel zur U-18 der Blackburn Rovers. Nach kurzen Aufenthalten in Sandhausen und bei Hessen Kassel, kehrte er zur Eintracht zurück. Jetzt führt er die Reserve als Kapitän an und stand 32 mal in der ersten Elf. Dabei kam er als offensiver Mittelfeldspieler auf 3 Tore und 13 Vorlagen. Ausgebremst wurde er bis jetzt durch eine Gelb Rote Karte. Mit 23 hat er nicht mehr den totalen Talentstatus, aber auch Spätzünder darf man nicht aus den Augen verlieren. Man erinnere sich nur an Miroslav Klose, der seines Zeichens auch erst Anfang 20 seine Profikarriere ins Rollen brachte. Das erwähne ich nur wegen der Parallele im Altersbereich, ich will Pokar nicht etwa eine Weltlaufbahn wie Klose vorhersagen.

Top-Scorer Sascha Wolfert (23), der auch schon bei den Profis auftauchte, verlässt den FCK zum Ende der Saison in Richtung Wehen-Wiesbaden. Mit 12 Toren und 3 Vorlagen sucht er die Herausforderung bei einem anderen Club.

Jan-Lucas Dorow rückte wie Kollege Zimmer aus der U-19 auf und brauchte eine längere Eingewöhnungsphase. Im Verlauf der Saison stand er aber 19 mal auf dem Feld und brachte als Stürmer 6 Tore und 2 Vorlagen ein. Der Zweibrücker avancierte immer mehr zum Top Joker. Ihn sollte man gut beobachten, denn schon in der A-Jugend galt er als sehr talentierter Spieler.

Die Umstellung in den Herrenfußball fällt nicht jedem Spieler gleich leicht.Offensivkraft Kevin Schwehm, der bereits 2010 unter Horst Hrubesch in der U-18 Nationalmannschaft debütierte, fand noch nicht so recht seine Rolle. 15 Spiele meist als Einwechselspieler und 1 Tor stehen zu Buche. Auch hier gilt, weiterhin auf dem Zettel haben. Verletzungen sind dabei nur ein Grund, warum es nicht direkt auf Anhieb funktionieren muss.

Auf der Position des Torwarts, dank Gerry Ehrmann seit Ewigkeiten keine Baustelle mehr für den FCK, spielt Marius Müller. In 30 Spielen kassierte er 31 Gegentore und behielt 12 Mal eine weiße Weste. Der Heppenheimer mit dem Gardemaß von 1,92 m gilt für Beobachter als eine Art „Kevin Trapp“ und fungiert bereits als 3. Torhüter bei den Profis. Da Ehrmann alle Torhüter trainiert und kürzlich bis 2015 verlängerte, kann man in diesem Bereich auf Einiges hoffen. Um den Tarzan beneidet uns fast ganz Fußballdeutschland, man darf sich glücklich schätzen diesen Typen und Fachmann so lange Jahre am Berg zu haben.

Dabei ergeben sich auf den Positionen hinter Tobias Sippel interessante Möglichkeiten. Sollte man Müller zur Nummer 2 machen, könnte Raphael Salinger aus der A-Jugend aufrücken und um einen Stammplatz in der Reserve kämpfen. Dann müsste man sich nicht zwingend den soliden Hohs leisten, falls Salinger eine ähnliche Rolle einnähme wie Müller in dieser Saison. Aber zu Salinger und den anderen Pokalhelden aus der U-19 werde ich im zweiten Teil dieses Artikels mehr schreiben.

Abschließend bleibt es extrem wichtig den jungen Spielern eine Perspektive zu bieten. Der Name Fünfstück und seine Vita stehen erst einmal für ein neues Sprungbrett in Form der Reserve. Durchlässigkeit ist ein Thema, dass alle erfolgreichen Ausbildungsvereine extrem wichtig nehmen. Dabei sollte das Label „Ausbildungsverein“ nicht immer so negativ gesehen werden. Man darf ja in den letzten Jahren mit großen Augen zusehen, dass Clubs wie der SC Freiburg, Rivale Mainz 05 oder auch der 1. FC Nürnberg Erfolg haben (im jeweiligen Rahmen, zb. Klassenerhalt). Wenn der 1. FC Kaiserslautern ein Ausbildungsverein sein soll und ähnliche Transfererlöse, finanzielle Sicherheiten und Strukturen wie in Freiburg erreicht, dann bin ich der Erste in der West, der sich diese Marke auf die Fahne schreibt.

Es geht hier nicht um romantische Gedanken an Spieler, die dem Verein auf Ewig die Treue halten. Sondern um die Schaffung von Strukturen, die es dem FCK ermöglichen auch in Zukunft konkurrenzfähig zu bleiben. Wenn es gelingt einen Spieler wie Dominique Heintz hervorzubringen und ihn in den kommenden Jahren gewinnbringend zu verkaufen, dann hat man sich Nichts vorzuwerfen. Sportlicher Ersatz findet sich nämlich leichter, wenn man positive Beispiele geben kann. Dann begnügen sich Spieler auch eher mit einem durchschnittlichen Profi-Gehalt, als teure und identifikationslose Söldner, die Jahr um Jahr in Scharen kommen und gehen. Solange der FCK nicht auf zwei gesunden Beinen steht, wird es auch nie möglich sein Top-Spieler längerfristig zu halten. Und auch die Rolle des FCK sollte klar kommuniziert und definiert sein: Es gibt immer noch größere Fische im Teich. Egal wie rosa-rot die Vereinsbrille auch sein mag. Manche Angebote können Spieler, Berater und Vereine nicht ausschlagen. Die Fans sollten sich von den historischen Ansprüchen lösen, damit meine ich nicht sportliche Erwartungen, sondern Ansprüche an Spieler die gleiche Identifikation und Leidenschaft für die Roten Teufel aufzubringen, wie man selbst. Auch wenn das richtig schwer fällt. Ausnahmen gibt es immer, wie unser Tarzan Gerry!

In diesem Sinne

Euer Stehgeiger

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1 Kommentar

  1. Der Zweite Teil „In Teufels Küche?“ erscheint in Kürze!
    Stehgeiger


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